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Anmerkungen zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm I

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Textdaten
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Autor: Johannes Bolte, Jiří Polívka
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Titel: Anmerkungen zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm
Untertitel: Erster Band: Nr. 1–60
aus: Anmerkungen zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm
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Erscheinungsdatum: 1913
Verlag: Dieterich’sche Verlagsbuchhandlung
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Erscheinungsort: Leipzig
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[Frontispiz]
Dieterich’sche Verlagsbuchhandlung Theodor Weicher, Leipzig. Hel. u. umpr. Meisenbach Riffarth & Co. Berlin.
Katharina Dorothea Viehmann geb. Pierson,
die Märchenfrau von Niederzwehren
1755 + 1815.


[I]
ANMERKUNGEN
ZU DEN
KINDER- U. HAUSMÄRCHEN
DER BRÜDER GRIMM

NEU BEARBEITET VON
JOHANNES BOLTE UND GEORG POLÍVKA

ERSTER BAND
(NR. 1–60)


LEIPZIG
DIETERICH’SCHE VERLAGSBUCHHANDLUNG
THEODOR WEICHER
1913


[III]
Für die Aussprache der slawischen Worte
gelten folgende Regeln:
ą = o͡n

c = deutsches z, tz

ć = tj in serbokroatischen Worten, weiches c zwischen z und tsch im Polnischen

č, cz = tsch

ě = je

ę = e͡n

i vor Vokal bezeichnet die mouillierte Aussprache des vorhergehenden Konsonanten

lj = italienisches gl

ń, ň = italienisches gn

ř, rz = rsch

s = deutsches scharfes ss

ś = weiches s zwischen ss und sch

š, polnisches sz = deutsches sch

z = französisches z, deutsches s

ź = weiches z zwischen z und ž

ž = französisches j.


[V]
Vorwort.

Die Anmerkungen zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm erschienen zuerst 1812 und 1815 in einem Anhange zu den beiden Bänden der ersten Ausgabe, dann 1822 in einem besonderen Bande und in dritter Auflage 1856. Da sie sich von Anfang an durch ihre Reichhaltigkeit und Zuverlässigkeit als ein höchst wertvolles Hilfsmittel der Märchenforschung und der vergleichenden Stoffgeschichte erwiesen hatten, ward öfter das Verlangen nach einer Neubearbeitung des Werkes laut, und schon vor vierzehn Jahren übergab mir Professor Herman Grimm zu diesem Zwecke die Handexemplare seines Vaters und seines Oheims.

Die Aufgabe bot freilich manche Schwierigkeit. Zwar ließen sich ohne Mühe Notizen über die Gewährsmänner und die Zeit der einzelnen Aufzeichnungen in den Text einschalten und auch aus den früheren Ausgaben der Märchen die später von den Brüdern Grimm unterdrückten oder nur auszugsweise wiedergegebenen Erzählungen (wie z. B. der Blaubart, der gestiefelte Kater, Pervonto) heranziehen; sobald es aber an die Einreihung der gewaltigen Menge neuer Märchenaufzeichnungen aus allen Ländern der bewohnten Erde ging, zeigte es sich, daß der Bearbeiter in der Anordnung sowie in der Bewertung der einzelnen Märchenmotive öfter eigene Wege einzuschlagen hatte, wenn er auch, wo es nur irgend anging, den Wortlaut der dritten Auflage beizubehalten suchte. Sollte der Umfang des Werkes nicht über Gebühr anschwellen, so war es geboten, die Inhaltsangaben der zahlreichen Varianten ganz knapp zu halten und ohne Rücksicht auf mythologische Deutungsversuche [VI] lediglich einen Überblick über die geographische Ausbreitung der einzelnen Stoffe und ihre Spuren in früheren Jahrhunderten zu geben.

Für die reiche, in Deutschland nur wenig bekannte Volksliteratur der slawischen Stämme hatte ich das Glück, in Herrn Professor Dr. Georg Polívka in Prag einen gleichen Zielen zustrebenden und sachkundigen Mitarbeiter zu gewinnen, der auch südost- und osteuropäische, kaukasische und zentral-asiatische Volksüberlieferungen, soweit sie in slawischen Übersetzungen veröffentlicht wurden, heranzog und zugleich die übrigen Partien einer sorgsamen Durchsicht und Ergänzung unterwarf.

Die Übersicht über die benutzte Märchenliteratur, die mancher Leser zunächst vermissen wird, soll im letzten Bande nebst einem Motivregister und einem systematischen Verzeichnis der Märchenstoffe folgen; dort wird auch in Kürze dargelegt werden, wie das unvergängliche Jugendwerk der Brüder Grimm zustande kam und auf Genießende und Forschende wirkte.

Das diesem Bande voraufgestellte Bildnis der Niederzwehrener Märchenerzählerin ist nach Ludwig Grimms Radierung vom 30. August 1814 hergestellt; leider zeigt es infolge der Verkleinerung nicht genügend, daß diese erste Fassung dem etwas veränderten Bilde, das 1819 dem zweiten Bande der zweiten Auflage beigegeben wurde, an Zartheit und Frische überlegen ist.

Berlin, im November 1912.

Johannes Bolte.     


[VII]
Inhalt.[1]
Seite
Vorwort V
1. Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich 1
2. Katze und Maus in Gesellschaft 9
3. Marienkind 13
4. Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen (1819) 22
5. Der Wolf und die sieben jungen Geißlein 37
6. Der getreue Johannes (1819) 42
6a. Von der Nachtigall und der Blindschleiche (1812) 57
7. Der gute Handel (1819) 59
8. Der wunderliche Spielmann (1819) 68
8a. Die Hand mit dem Messer (1812) 69
9. Die zwölf Brüder 70
10. Das Lumpengesindel 75
11. Brüderchen und Schwesterchen 79
12. Rapunzel 97
13. Die drei Männlein im Walde 99
14. Die drei Spinnerinnen (1819) 109
15. Hänsel und Gretel 115
16. Die drei Schlangenblätter (1819) 126
17. Die weiße Schlange 131
18. Strohhalm, Kohle und Bohne 135
19. De Fischer un sine Fru 138
20. Das tapfere Schneiderlein 148
21. Aschenputtel 165
22. Das Rätsel (1819) 188
22a. Wie Kinder Schlachtens miteinander gespielt haben (1812) 202
23. Von dem Mäuschen, Vögelchen und der Bratwurst 204
24. Frau Holle 207
25. Die sieben Raben 227
26. Rotkäppchen 234
[VIII] 27. Die Bremer Stadtmusikanten (1819) 237
27a. Der Tod und der Gänshirt (1812) 260
28. Der singende Knochen 260
29. Der Teufel mit den drei goldenen Haaren 276
30. Läuschen und Flöhchen 293
31. Das Mädchen ohne Hände 295
32. Der gescheite Hans 311
33. Die drei Sprachen (1819) 322
33a. Der gestiefelte Kater (1812) 325
34. Die kluge Else (1819) 335
35. Der Schneider im Himmel (1819) 342
36. Tischchen deck dich, Goldesel und Knüppel aus dem Sack 346
37. Daumesdick (1819) 361
38. Die Frau Füchsin 362
39. Die Wichtelmänner (1. Von dem Schuster, dem sie die Arbeit gemacht. 2. Von einem Dienstmädchen, das Gevatter bei ihnen gestanden. 3. Von einer Frau, der sie das Kind vertauscht haben) 364
40. Der Räuberbräutigam 370
41. Herr Korbes 375
42. Der Herr Gevatter 375
43. Frau Trude (1837) 377
44. Der Gevatter Tod 377
45. Däumerlings Wanderschaft 389
46. Fitchers Vogel 398
47. Van den Machandelboom 412
48. Der alte Sultan 424
49. Die sechs Schwäne 427
50. Dornröschen 434
51. Der Fundevogel 442
52. König Drosselbart 443
53. Sneewittchen 450
54. Der Ranzen, das Hütlein und Hörnlein (1819) 464
54a. Hans Dumm (1812) 485
55. Rumpelstilzchen 490
56. Der liebste Roland 498
57. Der goldene Vogel 503
58. Der Hund und der Sperling (1819) 515
59. Der Frieder und das Catherlieschen (1819) 520
60. Die zwei Brüder (1819) 528

  1. Besonders bezeichnet sind die nur in der ersten Auflage der Kinder- und Hausmärchen (1812) stehenden und die erst in der zweiten (1819) eingesetzten Nummern .