Anmerkungen zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm I/Fitchers Vogel

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Des Schneiders Daumerling Wanderschaft Anmerkungen zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm I von Johannes Bolte, Jiří Polívka
46. Fitchers Vogel
Van den Machandelboom
Für verschiedene Auflagen des Märchens der Brüder Grimm siehe Fitchers Vogel.

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46. Fitchers Vogel. 1856 S. 73.

1812 nr. 46 nach Friederike Mannel und Dortchen Wild in Kassel.

Eine dritte Erzählung aus dem Hannöverschen, die den Brüdern Grimm vor 1822 zu Händen kam, weicht ab. Ein armer Holzhacker, der drei Töchter hat, geht in den Wald an die Arbeit und bestellt, die älteste sollte ihm das Essen hinaus bringen, und damit sie den Weg finde, wolle er ihn (wie im Märchen vom Räuberbräutigam [399] nr. 40, das auch im ganzen verwandt ist) mit Erbsen bestreuen. Im Walde aber hausen drei Zwerge, die hören, was der Mann zu seinen Kindern spricht, suchen die Erbsen und streuen einen Weg nach ihrer Höhle. Das Mädchen geht nun zur Mittagszeit in den Wald, findet den Weg und gerät zu den Zwergen. Es muß bei ihnen dienen, hat es aber sonst gut; in alle Gemächer der Höhle darf es gehen, nur in eins nicht. Nun folgt das Märchen dem unsrigen, die zwei andern Schwestern werden auch hinausgelockt. Als die Zwerge diese im Korb heimtragen müssen, und sie allein ist, steckt sie sich in das Blut und dann in die Federn und stellt einen Wisch mit ihren Kleidern angetan bei den Herd. Als sie aus der Höhle herausgeht, begegnen ihr Füchse, die fragen: ‘Geputzter Vogel, wo kommst du her?’ – ‘Aus der Zwergenhöhle, da machten sie sich zur Hochzeit bereit’. Darauf gehen die Füchse vorüber. Ebenso begegnet sie Bären, welche dieselbe Frage tun, endlich auch den zurückkehrenden Zwergen, die sie nicht erkennen. Sie gibt allen dieselbe Antwort. Die Zwerge, wie sie in ihre Höhle kommen und den Wisch finden, merken den Betrug und laufen dem Mädchen nach, sie können es aber nicht eher erreichen als bei ihres Vaters Haus; sie schlüpft noch glücklich hinein, aber die Türe schlägt ihr die Ferse ab[1].

Bei Pröhle, M. f. die Jugend nr. 7 ‘Bienchens Haus’ heißt sie Fledervogel, die Wiederbelebung der toten Schwestern fehlt. Bei Schambach-Müller S. 301 nr. 24 a–b ‘Das Zwergloch’ erhalten die von den Zwergen in Rosen verwandelten Schwestern durch die jüngste ihre menschliche Gestalt wieder und entrinnen in verschiedenen Verkleidungen; vgl. S. 369 und die Erzählung aus Dorste bei Grimm, Mythol. ³ S. 436. Abgekürzt bei Kuhn-Schwartz S. 326 nr. 4 ‘Die beiden Mädchen bei dem Zwerge’ und Wolf, DMS. S. 73 nr. 15 ‘Die drei Schwestern’. Aus Thüringen bei Bechstein 1845 S. 111 = 1874 S. 112 ‘Die schöne junge Braut’ (Herr Federsack; keine Schwestern.)

Wir unterscheiden hier folgende Motive: A. Ein Mädchen wird durch ein verbotenes Zimmer auf die Probe gestellt; ein Ei oder ein Schlüssel wird blutig. – B. Zwei Schwestern erleiden für ihre Neugier den Tod. – C. Die jüngste findet und belebt die Leichen. – D. Der Mörder muß selber die Wiedererweckten in einem [400] Korbe forttragen. – E. Die Heldin entrinnt als Vogel verkleidet. – F. Der Mörder wird bestraft.[2]

Anderwärts erscheint statt des Zwerges oder Hexenmeisters ein Räuber oder Ritter, wie im Räuberbräutigam nr. 40 und im Blaubart-märchen, oder der Teufel; die Heimkehr aus dem Räuberhause verliert oft das Wunderbare, da die Frau ihren Mann zu einem Besuche bei ihrem Vater zu bereden weiß. So bei Meier nr. 63 ‘Der Räuberhauptmann und die Müllerstöchter’ (angehängt: der Fuhrmann verbirgt die Fliehende unter seinen Brunnentrögen). Vonbun 1858 S. 78 ‘Der Rotkopf’, vgl. Zs. f. d. Mythol. 2, 174. Hoffmeister S. 1 ‘Vom Müller und seinen Töchtern’. Wucke 2, 162 ‘Vom bösen Ritter am Dietrichsberg’ (die Heldin flieht mit den Köpfen ihrer Schwestern). Colshorn nr. 38 ‘Die Räuberbraut’ (zieht dem Brunnenpfahl ihre Kleider an und versteckt sich in einem hohlen Baum; der Menschenfresser wird von einem jagenden Prinzen erschossen). Arnim S. 59 nr. 9 ‘Die verwünschten Vögel’ (werden von der dritten Schwester besprengt; diese bindet den Kopf der Katze, den sie verzehren soll, sich auf den Leib, von wo er ihrem Manne antwortet wie bei R. Köhler 1, 314; Flucht; Augen ausgestochen und wiedergekauft wie bei R. Köhler 1, 347. 463). – Vlamisch bei De Mont en de Cock, Wondersprookjes p. 22 ‘Van den kasteelheer en de drie gezusters’ (Vogel warnt, Schiffer setzt die Fliehende über). – Dänisch[3] bei Grundtvig, Minder 2, 182 nr. 312 ‘Bjærgmandshøjen’ (Troll als Hase lockt in den Berg) und 3, 24 ‘Svinet’ (Troll als Schwein). Grundtvigs hsl. Verzeichnis nr. 49 ‘De tre søstre i bjærget’. Madsen S. 7 ‘Det sorte Svin’. Berntsen 1, 157 nr. 18 ‘Den guldbenede Høne’ und 2, 1 nr. 1 ‘Guldhjulet’ (verbotenes Zimmer, blutiger Schlüssel). Kristensen, Aev. fra Jylland 1, 277 nr. 37 ‘Søstrene i bjærgmandens høj’ (Troll als Schwein). Kristensen, Fra Bindestue 1, 143 nr. 27 ‘Bjærgmandshøjen’ (verbotenes Zimmer, blutiger Goldapfel). – Skattegraveren, [401] Efterslæt S. 58 nr. 29 ‘Pigerne hos bjærgmanden’. – Norwegisch bei Asbjörnsen-Moe nr. 35 = Bresemann 2, 50 ‘Die drei Schwestern im Berge’ = Thorpe p. 288 = Dasent p. 16 (Huhn lockt in den Berg). Winter-Hjelm, Aeventyrbogen S. 167 ‘Grønskjæg’. Sloraker og Fuglestaedt, Folkesagn i Lister 1, nr. 6 ‘Risen i Steinslands fjældet’. – Schwedisch Sv. landsmålen 5, 1, 11 ‘Guldkatten’. Hackmans Register nr. 311. – Isländisch bei Árnason 2, 455 = Rittershaus S. 269 nr. 69 ‘Kolrassa’ = Poestion nr. 2. – Färöisch bei Jakobsen S. 245 nr. 2 ‘Risans klóta’, vgl. S. 590. 603. – Schottisch bei Campbell ² 2, 269 nr. 41 ‘The widow and her daughters’ (Pferd lockt in den Hügel, verbotenes Zimmer, hilfreiche Katze); vgl. R. Köhler 1, 256. – Italienisch bei Andrews nr. 9 ‘Le diable joué par sa femme’ (sie darf nicht in die Kessel sehen, in denen die armen Seelen kochen, und läßt sich vom Teufel in einer Kiste heimtragen). Schneller nr. 32 ‘Der Teufel und seine Weiber’ (ein Rettich zieht die drei Schwestern hinab; verbotenes Zimmer, Rose; der Teufel trägt in drei Kisten die Schwestern zurück, ohne es zu merken). Widter-Wolf nr. 11 ‘Der Teufel heiratet drei Schwestern’ (Jahrbuch 7, 148. R. Köhler 1, 312). Visentini nr. 39 ‘Il diavolo’. Bernoni nr. 3 ‘Lo diavolo’. De Gubernatis, Die Tiere S. 365 ‘Der König der Mörder’. Archivio 23, 72 ‘Il diavolo dal naso d’argento’. 24, 164. 168 ‘Il capoassassino’. Gradi nr. 5. Tuscan fairy tales nr. 7 ‘The three cauliflowers’. Imbriani, Nov. fior. ² nr. 1 ‘L’orco’ (Leben des Unholds im Ei; Monnier p. 358), nr. 23 ‘Le tre fornarine’ (verbotenes Zimmer; die jüngste entflieht mit einem Prinzen aus dem Räuberhause; der Räuber Centomogli schleicht sich nachts in den Palast ein, wird aber gefangen) und nr. 22 ‘Gli assassini’ (ebenso). Nerucci nr. 17 ‘I cinque ladri’. Comparetti nr. 18 ‘La colonna d’oro’. Bei Gonzenbach nr. 23 ‘Ohimè’ sollen die Schwestern Menschenfleisch essen, das nachher auf die Frage des Unholds antwortet. Ebenso bei Pitrè, Fiabe sicil. 1, 175 nr. 19 ‘Lu scavu’ = Kaden S. 73; Pitrè 1, 191 nr. 21 ‘Lu spunsaliziu di ’na riggina o’un latru’, nr. 22 ‘Li setti latri’; Nerucci nr. 49 ‘La manetta di morto’; De Nino 3, 329 nr. 67 ‘Perdenegoso’.[4]Maltesisch bei Stumme nr. 6 ‘Der goldene Adler’ (Flucht mit einem Prinzen). – Spanisch: [402] Biblioteca de las trad. pop. esp. 2, 25 ‘La mano negra’. Folklore andaluz p. 309. – Portugiesisch bei Coelho nr. 26 ‘El colhereiro’. – Baskisch bei Webster p. 173 ‘The cobbler and his three daughters’. – Griechisch bei Hahn nr. 19 ‘Der Hundskopf’. B. Schmidt S. 122 nr. 24 ‘Der Teufel und des Fischers Töchter’. Sakellarios nr. 1 (Jahrbuch 11, 345) = Misotakis S. 124 = Legrand p. 124 Trimmato’s. Δελτίον 1, 296 Ὁ τρισκατάρατος = Garnett 2, 99. Die Menschenfleischprobe allein erscheint im Eingange von Hahn nr. 73 ‘Filek-Zelebi’ und Legrand p. 1 ‘Le seigneur du monde souterrain’ (R. Köhler 1, 371). – Rumänisch bei Obert nr. 1 ‘Die drei Schwestern’ (Ausland 1856, 473). Şăinénu p. 339. 974. – Slowenisch: Krauß 1, 209 nr. 44 ‘Der Räuber und seine drei Frauen’ (Menschenzunge essen). Gabřsček S. 94 nr. 12. – Serbokroatisch: Strohal 1, 251 nr. 82 (A B C; der Räuberhauptmann folgt der jüngsten Schwester; Schluß wie in Ali Baba und den vierzig Räubern). Kres 5, 146 nr. 3. Letopis mat srpske 152, 86 nr. 18 (die Schwestern sind durch eine schwarze, unter die Zunge gestoßene Nadel betäubt). Krasić 1, 43 nr. 9 (A¹˙³ B C D; auch die jüngste läßt sich in einem Kasten zurücktragen). – Bulgarisch: Trud 1, 280 = Arnaudov S. 67 nr. 76 (A³ B; die jüngste entflieht in einer goldenen Laterne, die dann ein Kaiser findet). Sbornik min. 4, 114 nr. 2 (ein Vampir; A³ B; die jüngste entflieht in einem Kasten). – Čechisch aus Mähren: Kulda 3, 143 nr. 19 (A³ B. Der Teufel führt die Mädchen zu Luciper in die Teufelsburg; ihre und andrer Seelen werden mit Hilfe der Jungfrau Maria aus den Töpfen erlöst); 3, 135 nr. 18 (A B C D E² F; statt des Hexenmeisters eine Hexe). – Slowakisch: Škultety-Dobšinský S. 81 nr. 10 = neue Ausg. S. 142 nr. 11 (A¹˙³ B C E F. Die Schwestern salben sich und fliegen heim); ebd. S. 432 46 (A B C; die jüngste entflieht; Allerleirauh). Czambel S. 241 § 131 (A¹˙³ B C, dazu ein andrer Stoff). Dobšinský 5, 21 nr. 51 (A³ B A¹ E F). – Wendisch bei Veckenstedt S. 214 ‘Der Grünbart’. – Polnisch: Kolberg, Lud 3, 131 nr. 8 (A B C. Die jüngste Schwester erschlägt den Kater, dem sie nicht zu fressen geben soll, und entflieht mit den belebten Schwestern); 3, 132 nr. 9 (A B C. Die jüngste entlockt dem Manne, wo sein Leben liegt: in einem unter einem großen Steine verborgenen Schafe). Malinowski 1, 67 (A B C D¹. Sie fährt mit Erlaubnis des Räubers zu den Eltern). Ciszewski, Krakowiacy S. 80 nr. 70–71 (A B C D; der Räuber trägt auch die jüngste Schwester im Korbe [403] fort). Świętek S. 395 nr. 39 (A B; wie im Blaubart ruft die jüngste durch einen Brief Soldaten herbei, die das Schloß umstellen). Zbiór wiad. 16, 41 nr. 28. – Großrussisch: Chudjakov 2, 78 nr. 58 (A B. Statt des Räubers ein Bär; die Heldin fährt, ohne die Schwestern belebt zu haben, in einem Mörser voll Gold nach Hause; wie sie dem Bären zuruft: ‘Ich sehe, ich sehe, krummfüßiger Teufel’, reißt er zornig Bäume nieder und wird von ihnen erschlagen). Avdějeva S. 22 nr. 3 (der Bär trägt das geraubte Mädchen im Korbe zurück). Ončukov S. 145 nr. 55. – Kleinrussisch: Sadok Barącz S. 42 (A B C. Die Schwestern fliehen zusammen; der Bettler zündet ihre Hütte an, wird bald gefangen und gehängt). Jastrebov S. 203 nr. 15 (A B C D; auch die jüngste im Korbe heimgetragen) Čubinskij 2, 92 nr. 25 (A³ eingeschaltet in das Mädchen als Krieger). – Weißrussisch: Federowski 2, 39 nr. 40 (A B C D. Der Räuber erhängt sich aus Wut.) Materyały kom. język. 2, 83 nr. 2 (Bär); 2, 134 (Bär; dann Bärensohn und seine Gefährten). – Litauisch: Karłowicz S. 5 nr. 2 (A³ B C D. Die Koffer mit den sechs Schwestern werden von den Gesellen des Räubers zurückgetragen; Soldaten umstellen ihre Höhle). – Lettisch: Zbiór wiadom. 18, 321 nr. 30 (A B C D, die dritte Frau läßt sich auch vom Mann wegtragen; ergibt sich selbst den Tod, als er sieht, wie er betört worden). – Permjakisch: Živaja Starina 13, 139 (Bär). – Estnisch: Kreutzwald 1, 273 nr. 20 ‘Der Frauenmörder’. Kirby 2, 1. – Finnisch: Salmelainen 2, 187 nr. 11 = Hertzberg p. 34 ‘Det tunga skrinet’; vgl. Schiefner, Bull. de l’acad. de St. Pétersbourg 12, 376 (1855) = Mélanges russes 2, 689. Suomi 3, 12, 80. Aarnes Register nr. 311. – Türkisch: Kúnos, Adakale 2, 164 nr. 26 (A³ B C D. Die Schwestern waren mit den Ohren an die Wand genagelt; die jüngste flieht in einer Kiste, die ins Meer geworfen wird). – Aus Palästina: Hanauer p. 221 (A³˙¹ B E. Vampyr hängt die Schwestern an den Haaren auf und steckt die jüngste in eine Kiste, die er ins Meer wirft). – Indisch bei Hahn 1906 nr. 39 ‘Der gefräßige Tiger’ (Vogel warnt; der Bruder rächt den Tod seiner drei Schwestern). Steel-Temple p. 73 ‘Bopoluchi’ (Krähe, Pfau und Schakal warnen; das Mädchen tötet des Räubers Mutter, setzt die Leiche in ihren Kleidern ans Spinnrad und entrinnt; als nachts vier Räuber ihr Bett forttragen, erschlägt sie diese alle). Folk-lore 1, 302 ‘Peerifool’. North Indian notes and queries 5, 102 nr. 254 ‘The princess and the thieves’. – Aus Zentralafrika bei Barth in Petermanns Mitteilungen 1856, [404] 470. Globus 91, 239. Archiv f. Litgesch. 10, 117. Chatelain p. 99. Ferrand p. 119. – Eskimoisch: Rink S. 55 nr. 3 ‘Igimarasugsuk’.

Perraults berühmte Erzählung ‘Barbe-bleue’, welche 1697 veröffentlicht wurde, macht den Frauenmörder zu einem reichen Ritter von unheimlicher Häßlichkeit. Seine letzte Frau soll sterben, als durch den blutigen Schlüssel offenbart[WS 1] wird, daß sie das verbotene Zimmer betreten hat; sie erlangt eine Viertelstunde Aufschub und sendet ihre ältere Schwester Anne auf den Turm, um nach den erwarteten Brüdern auszuschauen; schon schleift sie der Wüterich an den Haaren fort, da stürmen die beiden Brüder herein und durchbohren ihn. Dieser dramatische Schluß, die wiederholten angstvollen Fragen der Frau an die in die Ferne spähende Schwester[5] und die drohenden Rufe des unten harrenden Blaubart, klingen in den neueren französischen Volksmärchen wieder, wo oft die Brüder durch einen Hund oder Falken der Frau herbeigerufen werden und der sein Messer wetzende Unmensch beständig singt: ‘J’ aiguise, j’ aiguise mon couteau, pour tuer ma femme qu’est en haut.’ Sébillot, Litt. orale H. Bret. p. 41 ‘Barbe-rouge’. Sébillot, Auvergne p. 50 ‘Barbe-bleue’. Revue des trad. pop. 2, 245 ‘Barbe-bleue’. Ebd. 9, 54. 94. 167. 10, 569. Mélusine 3, 330 ‘Barbe-bleue’. Luzel 1, 25 ‘Le prince turc Frimelgus’; 2, 341 ‘La fille qui naquit avec une couleuvre autour du cou’. Bladé 1, 241 ‘Barbe-bleue’. Pineau, Poitou p. 13 ‘Barbe-bleue’. Souvestre, Le foyer breton 1853 1, 45 ‘Comorre’. In Revue des trad. pop. 3, 435 halten die beiden Schwestern den Teufel so lange zurück, bis Christus mit der h. Jungfrau kommt und den Teufel köpft. – Vlämisch: Van Heurck et Boekenoogen, L’imagerie populaire p. 18. 301. 328. 485. Baskisch: Cerquand nr. 105. Webster p. 175 ‘Blue-beard’.

Auch deutsche Märchen stammen aus Perrault ab. Die Brüder Grimm teilten 1812 als nr. 62 ‘Blaubart’ eine von Hassenpflugs in Kassel im Herbst 1812 vernommene Fassung mit, in der die Schwester Anne fehlt und die Geängstigte nach dem Volksglauben, Heu ziehe das Blut aus, den blutigen Schlüssel in Heu legt. Diese später von ihnen fortgelassene Erzählung lautet:

In einem Walde lebte ein Mann, der hatte drei Söhne und eine schöne Tochter. Einmal kam ein goldener Wagen mit sechs Pferden und einer Menge Bedienten angefahren, hielt vor dem Haus still, und [405] ein König stieg aus und bat den Mann, er möchte ihm seine Tochter zur Gemahlin geben. Der Mann war froh, daß seiner Tochter ein solches Glück widerfuhr, und sagte gleich ja; es war auch an dem Freier gar nichts auszusetzen, als daß er einen ganz blauen Bart hatte, so daß man einen kleinen Schrecken kriegte, so oft man ihn ansah. Das Mädchen erschrak auch anfangs davor und scheute sich, ihn zu heiraten, aber auf Zureden ihres Vaters willigte es endlich ein. Doch weil es so eine Angst fühlte, ging es erst zu seinen drei Brüdern, nahm sie allein und sagte: ‘Liebe Brüder, wenn ihr mich schreien hört, wo ihr auch seid, so laßt alles stehen und liegen und kommt mir zu Hilfe!’ Das versprachen ihm die Brüder und küßten es: ‘Leb wohl, liebe Schwester! Wenn wir deine Stimme hören, springen wir auf unsere Pferde und sind bald bei dir.’ Darauf setzte es sich in den Wagen zu dem Blaubart und fuhr mit ihm fort. – Wie es in sein Schloß kam, war alles prächtig, und was die Königin nur wünschte, das geschah; und sie wären recht glücklich gewesen, wenn sie sich nur an den blauen Bart des Königs hätte gewöhnen können; aber immer, wenn sie den sah, erschrak sie innerlich davor. Nachdem das einige Zeit gewährt, sprach er: ‘Ich muß eine große Reise machen. Da hast du die Schlüssel zu dem ganzen Schloß; du kannst überall aufschließen und alles besehen, nur die Kammer, wozu dieser kleine goldene Schlüssel gehört, verbiet ich dir; schließt du die auf, so ist dein Leben verfallen.’ Sie nahm die Schlüssel, versprach ihm zu gehorchen, und als er fort war, schloß sie nacheinander die Türen auf und sah soviel Reichtümer und Herrlichkeiten, daß sie meinte, aus der ganzen Welt wären sie hier zusammengebracht. Es war nun nichts mehr übrig als die verbotene Kammer; der Schlüssel war von Gold, da gedachte sie: In dieser ist vielleicht das Allerkostbarste verschlossen. Die Neugierde fing an sie zu plagen, und sie hätte lieber all das andere nicht gesehen, wenn sie nur gewußt, was in dieser wäre. Eine Zeit lang widerstand sie der Begierde, zuletzt aber ward diese so mächtig, daß sie den Schlüssel nahm und zu der Kammer hinging. ‘Wer wird es sehen, daß ich sie öffne?’ sagte sie, ‘ich will auch nur einen Blick hineintun.’ Da schloß sie auf, und wie die Türe aufging, schwamm ihr ein Strom Blut entgegen, und an den Wänden herum sah sie tote Weiber hängen, und von einigen waren nur die Gerippe noch übrig. Sie erschrak so heftig, daß sie die Türe gleich wieder zuschlug; aber der Schlüssel sprang dabei heraus und fiel in das Blut. Geschwind hob sie ihn auf und wollte das Blut abwischen, aber es war umsonst; wenn sie es auf der einen Seite abgewischt, kam es auf der andern wieder zum Vorschein. Sie setzte sich den ganzen Tag hin und rieb daran und versuchte alles Mögliche, aber es half nichts, die Blutflecken waren nicht herabzubringen. Endlich am Abend legte sie ihn ins Heu, das sollte in der Nacht das Blut ausziehen. – Am andern Tag kam der Blaubart zurück, [406] und das erste war, daß er die Schlüssel von ihr forderte. Ihr Herz schlug, sie brachte die andern und hoffte, er werde es nicht bemerken, daß der goldene fehlte. Er aber zählte sie alle, und wie er fertig war, sagte er: ‘Wo ist der zu der heimlichen Kammer?’ Dabei sah er ihr in das Gesicht. Sie ward blutrot und antwortete: ‘Er liegt oben, ich habe ihn verlegt, morgen will ich ihn suchen.’ – ‘Geh lieber gleich, liebe Frau! Ich werde ihn noch heute brauchen.’ – ‘Ach, ich will dirs nur sagen, ich habe ihn im Heu verloren, da muß ich erst suchen.‘ – ‘Du hast ihn nicht verloren’, sagte der Blaubart zornig, ‘du hast ihn dahin gesteckt, damit die Blutflecken herausziehen sollen; denn du hast mein Gebot übertreten und bist in der Kammer gewesen. Aber jetzt sollst du hinein, wenn du auch nicht willst.’ Da mußte sie den Schlüssel holen, der war noch voller Blutflecken. ‘Nun bereite dich zum Tode! Du sollst noch heute sterben,’ sagte der Blaubart, holte sein großes Messer und führte sie auf den Hausehrn. ‘Laß mich nur noch vor meinem Tod mein Gebet tun,’ sagte sie. ‘So geh, aber eil dich! Denn ich habe keine Zeit lang zu warten.’ Da lief sie die Treppe hinauf und rief, so laut sie konnte, zum Fenster hinaus: ‘Brüder, meine lieben Brüder, kommt, helft mir!’ Die Brüder saßen im Wald beim kühlen Wein[6], da sprach der jüngste: ‘Mir ist, als hätt ich unserer Schwester Stimme gehört. Auf, wir müssen ihr zu Hilfe eilen.’ Da sprangen sie auf ihre Pferde und ritten, als wären sie der Sturmwind. Ihre Schwester aber lag in Angst auf den Knien; da rief der Blaubart unten: ‘Nun, bist du bald fertig?’ Dabei hörte sie, wie er auf der untersten Stufe sein Messer wetzte; sie sah hinaus, aber sie sah nichts als von ferne einen Staub, als käm eine Herde gezogen. Da schrie sie noch einmal: ‘Brüder, meine lieben Brüder, kommt, helft mir!’ Und ihre Angst ward immer größer. Der Blaubart aber rief: ‘Wenn du nicht bald kommst, so hol ich dich; mein Messer ist gewetzt.’ Da sah sie wieder hinaus und sah ihre drei Brüder durch das Feld reiten, als flögen sie wie Vögel in der Luft; da schrie sie zum drittenmal in der höchsten Not und aus allen Kräften: ‘Brüder, meine lieben Brüder, kommt, helft mir!’ Und der jüngste war schon so nah, daß sie seine Stimme hörte: ‘Tröste dich, liebe Schwester! Noch einen Augenblick, so sind wir bei dir.’ Der Blaubart aber rief: ‘Nun ists genug gebetet; ich will nicht länger warten. Kommst du nicht, so hol ich dich.’ – ‘Ach, nur noch für meine drei lieben Brüder laß mich beten!’ Er hörte aber nicht, kam die Treppe heraufgegangen und zog sie hinunter, und eben hatte er sie an den Haaren gefaßt und wollte ihr das Messer in das Herz stoßen, da [407] schlugen die drei Brüder an die Haustüre, drangen herein und rissen sie ihm aus der Hand, dann zogen sie ihre Säbel und hieben ihn nieder. Da ward er in die Blutkammer aufgehängt zu den andern Weibern, die er getötet. Die Brüder aber nahmen ihre liebste Schwester mit nach Haus, und alle Reichtümer des Blaubarts gehörten ihr.

Auf Perrault scheinen auch die 1726 von E. J. Westphal (De consuetudine ex sacco et libro tractatio p. 224) angeführte historiola vom König Blaubart, die Sage von der Burg Dahl bei Freiligrath, Das malerische Westfalen S. 218 und Weddigen-Hartmann, Sagenschatz Westfalens 1884 S. 199, das schwäbische Märchen bei Meier nr. 38 ‘König Blaubart’, die thüringischen bei Bechstein 1845 S. 262 = 1874 S. 233 ‘Vom Ritter Blaubart’; 1845 S. 275 ‘Die drei Bräute’ und S. 296 ‘Das goldene Ei’, das Tiroler bei Dörler, Zs. f. österr. Volksk. 14, 161, das holländische ‘van Blouwboard’ (Volkskunde 14, 81), das kleinrussische in Odessa im Jubil. Sbornik Miller p. 178 und ein Negermärchen aus Jamaika mit gesungenem Dialog (Jekyll p. 35 ‘Mr. Bluebeard’) zu beruhen. Eine schwedische Übersetzung ‘Blå-skägget’ erschien seit 1781 häufig als Volksbuch (Bäckström 2, 68–73), niederländische erwähnen z. B. Mone, Niederländische Volksliteratur S. 144 und E. van Heurck et Boekenoogen, Imagerie populaire flamande 1910 p. 18. 301. 328. 485, englische Liebrecht, Zur Volkskunde S. 483 nr. 17 und J. Cheap, The chapman’s library 3 (1878).

Eine an Perrault anklingende holländische Überlieferung, deren Schluß an den Räuberbräutigam nr. 40 erinnert, teilten die Brüder Grimm 1812 als nr. 73 ‘Das Mordschloß’ (’t Moordcasteel) ‘aus dem Munde einer Fräulein’ deutsch und im Originaltext mit[7]:

Es war einmal ein Schuhmacher, welcher drei Töchter hatte. Auf eine Zeit, als der Schuhmacher aus war, kam da ein Herr, welcher sehr gut gekleidet war und welcher eine prächtige Equipage hatte, sodaß man ihn für sehr reich hielt, und verliebte sich in eine der schönen Töchter, welche dachte ihr Glück gemacht zu haben mit so einem reichen Herrn, und machte also keine Schwierigkeit mit ihm zu fahren. Da es Abend ward, als sie unterwegs waren, fragte er sie:

[408]

Der Mond scheint so hell,
Meine Pferdchen laufen so schnell:
Süß Lieb, reut dichs auch nicht?’[8]

(’t Maantje schynt zo hel,
Myn paardtjes lope zo snel:
Soete liefje, rouwt ’t w niet?)

‘Nein, warum sollt michs reuen? Ich bin immer bei Euch wohlbewahrt’, da sie doch innerlich eine Angst hatte. Als sie in einem großen Wald waren, fragte sie, ob sie bald da wären. ‘Ja’, sagte er, ‘siehst du das Licht da in der Ferne? Da ist mein Schloß.’ Endlich kamen sie da an, und alles war gar schön. – Am andern Tage sagte er zu ihr, er müßt auf einige Tage sie verlassen, weil er wichtige Affären hätte, die notwendig wären, aber er wolle ihr alle Schlüssel lassen, damit sie das ganze Kastell sehen könnte, von was für Reichtum sie all Meister wär. Als er fort war, ging sie durch das ganze Haus und fand alles so schön, daß sie völlig damit zufrieden war; bis sie endlich an einen Keller kam, wo eine alte Frau saß und Därme schrapte. ‘Ei Mütterchen, was macht sie da?’ – ‘Ich schrap Därme, mein Kind; morgen schrap ich Eure auch.’ Wovon sie so erschrak, daß sie den Schlüssel, welcher in ihrer Hand war, in ein Becken mit Blut fallen ließ, welches nicht gut wieder abzuwaschen war. ‘Nun ist Euer Tod sicher,’ sagte das alte Weib, ‘weil mein Herr sehen kann, daß Ihr in der Kammer gewesen seid, wohin außer ihm und mir kein Mensch kommen darf.’ (Man muß aber wissen, daß die zwei vorigen Schwestern auf dieselbe Weise waren umgekommen.) Da in dem Augenblick ein Wagen mit Heu von dem Schloß wegfuhr, so sagte die alte Frau, es wäre das einzige Mittel, um das Leben zu behalten, sich unter das Heu zu verstecken und dann da mit wegzufahren, welches sie auch tat. Da inzwischen der Herr nach Haus kam, fragte er, wo die Mamsell wäre. ‘O’, sagte die alte Frau, ‘da ich keine Arbeit mehr hatte und sie morgen doch dran mußte, hab ich sie schon geschlachtet, und hier ist eine Locke von ihrem Haar und das Herz, wie auch was warm Blut; das übrige haben die Hunde alle gefressen, und ich schrap die Därme.’ Der Herr war also ruhig, daß sie tot war. – Sie kommt inzwischen mit dem Heuwagen zu einem nahbei gelegenen Schloß, wo das Heu hin verkauft war, und sie kommt mit aus dem Heu und erzählt die ganze Sache und wird ersucht, da einige Zeit zu bleiben. Nach Verlauf von einiger Zeit nötigt der Herr von diesem Schloß alle in der Nähe wohnenden Edelleute zu einem großen Fest, und das Gesicht und Kleidung von der fremden Mamsell wird so verändert, daß sie nicht erkannt werden konnte, weil auch der Herr von dem Mordkastell dazu eingeladen war. Da sie alle da waren, mußte ein [409] jeder etwas erzählen. Da die Reihe an die Mamsell kam, erzählte sie die bewußte Historie, wobei dem sogenannten Herrn Graf so ängstlich ums Herz ward, daß er mit Gewalt weg wollte; aber der gute Herr von dem adelichen Haus hatte inzwischen gesorgt, daß das Gericht unsern schönen Herrn Grafen in Gefängnis nahm, sein Kastell ausrottete und seine Güter alle der Mamsell zu eigen gab, die nach der Hand mit dem Sohn des Hauses, wo sie so gut empfangen war, sich verheiratete und lange Jahre lebte.

In dem Helden von Perraults Märchen hat man eine historische Persönlichkeit, den 1440 hingerichteten bretonischen Edelmann Gilles de Laval Marschall von Retz, gesucht,[9] schwerlich mit Recht. Der Name Barbe-bleue bedeutete im 16. Jahrhundert einen Mann mit bläulich schimmerndem schwarzen Bart, und ein solcher galt als ein Mädchenverführer.[10] Perrault aber sah darin etwas Abnormes und Unheimliches, wie auch andre Fassungen dafür einen Rotbart oder Grünbart einsetzen. Vermutlich hängt das Märchen näher zusammen mit der in ganz Europa verbreiteten Ballade von dem Lustmörder, der von einer in den Wald geführten Jungfrau oder von deren Bruder erstochen wird: den deutschen von Ulinger, Adelger oder Ulrich (Erk-Böhme, Liederhort 1, 118 nr. 41–42. Reifferscheid, Westfäl. Volkslieder S. 161), niederländisch von Halewijn (van Duyse, Het oude nederl. Lied 1, 1 nr. 1), dänisch von Ulver oder Oldemor (Grundtvig, DgFv. 4, 1 nr. 183), schwedisch von Rymer (Geijer-Afzelius, Sv. folkvisor ² nr. 66), norwegisch von Svein Norðmann oder Rullemann (Landstad, Norske folkeviser nr. 69–70), englisch vom Elfenritter (Child, English pop. ballads nr. 4), französisch von Renaud (Doncieux, Romancéro pop. fr. p. 351 = Mélusine 9, 265), italienisch vom Grafensohn (Nigra, Canti pop. del Piemonte nr. 13), [410] spanisch von Rico Franco (Wolf y Hofmann, Primavera 2, 119), portugiesisch von Dom Franco (Hardung 2, 61), slowenisch (Štrekelj 1, 207), serbisch Thomas (Talvj ² 2, 172), čechisch Indriasch (Waldau 2, 25. Erben S. 536. Sušil nr. 134. 141. 189), wendisch Holdrašk (Haupt-Schmaler 1, 323), polnisch Ligar (Kozłowski S. 54. Wisła 4, 393. 9, 645. Waldbrühl 1843 S. 425), ungarisch Martin (Aigner S. 170)[11] An die drei Schreie, die hier die Jungfrau vor ihrem Tode tun darf, erinnert die Szene auf dem Turm bei Perrault. Der Gehorsamsprobe mit dem verbotenen Zimmer dagegen, welche im Märchen den Mord begründen soll, ist ein neues, wenngleich bereits in indischen und arabischen Erzählungen, auch im Marienkind (nr. 3) vorkommendes Motiv.[12] Da nun in italienischen, griechischen und slavischen Versionen, wie wir sahen, dafür auch eine andere Probe vorkommt, nämlich das Gebot Menschenfleisch zu essen, so hat Kretschmer[13] den geistreichen Gedanken ausgesprochen, der dämonische Entführer der Jungfrau sei als der griechische Totengott aufzufassen, der sich mit den Leichen seiner Opfer sättige.[14] Die Tafel des Charos und seiner Gattin Charondissa ist nach einem neugriechischen Volksliede aus Ithaka (B. Schmidt 1877 S. 167) mit den Köpfen kleiner Kinder besetzt, als Messer und Gabel dienen ihnen die Hände Erwachsener. Aus der verbreiteten Metapher, ein früh dahingeschiedenes Mädchen [411] als ‘Braut des Todes’ zu bezeichnen, erwuchs die Frage: Warum holt der Tod immer wieder eine neue Braut? Und darauf antwortet unser Märchen: ‘Weil keine sein gräßliches Mahl mit ihm teilen will’. Im Gegensatz zu Kretschmer nimmt Macculloch, Childhood of fiction p. 293 diesen Zug als Zeugnis für früheren Kannibalismus in Anspruch. Einzelne Fassungen übrigens wie die rumänische vereinigen beide Gehorsamsproben, das Menschenfleischessen und das verbotene Zimmer.

Den skandinavischen und russischen Versionen eigentümlich ist die Tiergestalt, die der Unhold annimmt, um das Mädchen in seine unterirdische Wohnung zu locken; in italienischen zieht ein Rettich oder Blumenkohl das Mädchen hinunter. Daß der Hexenmeister selber die Mädchen heimtragen muß, erinnert an die dänische Ballade von Rosmer (Grundtvig, DgF. 2, 72 nr. 41 und 4, 816. Grimm, Altdänische Heldenlieder 1811 S. 201), der auch, ohne es zu wissen, die erst geraubte Braut wieder auf dem Rücken fortträgt; vgl. das Märchen von Meermann bei Winther S. 74. Daß eine angekleidete Puppe die Braut vorstellen muß, wird ebenso im Märchen von der Häsichenbraut (nr. 66) erzählt und zeigt die Verwandtschaft. Die Verkleidung des Mädchens in einen Vogel, den der begegnende Hexenmeister nicht erkennt, gemahnt sowohl an die zur Fastnacht, bei Hochzeiten und andern Festen üblichen Vermummungen wie an Hans Sachsens Meisterlied ‘Der arm Krämer’ (1531. Sachs, Fabeln und Schwänke ed. Goetze 3, 83 nr. 26; vgl. Zs. f. vgl. Litgesch. 7, 456. 11, 71), wo der Teufel den ihm verfallenen Mann nur loslassen will, wenn er ihm unbekanntes Tier bringe, und die Frau sich nackt mit Teig bestreicht und in Vogelfedern wälzt.[15] Das [412] Beteeren und Federn war indes auch eine alte Strafe für Unzucht und Verleumdung (J. Grimm, Rechtsaltertümer ⁴ 2, 322. Notes and queries 4. ser. 5, 116b. 1870). Becherer, Thüringische Chronik 1601 S. 307 erzählt von den Soldaten des Kaisers Adolf von Nassau: ‘sie funden ein altes Weib, dasselbe haben sie nackt ausgezogen, mit Wagenpech beschmiert und in einem aufgeschnittenen Federbett umgewälzt, darnach an einem Strick als einen Bären oder Wundertier durchs Lager und sonsten geführt, da sie bei Nacht abgeholt und wieder zurecht bracht worden.’ Ähnliches berichtet aus Böhmen Abr. Hossmannus, Verae vitae coniugalis constantia 1613 S. 131. In Madrid ward im J. 1824 eine Frau, die sich unehrerbietige Reden gegen den König erlaubt hatte, zur Strafe am ganzen Leibe mit Öl bestrichen und mit allerlei Federn bedeckt. Ebenso die einfältige Frau bei Asbjörnsen-Moe nr. 10; der Narr bei Frey, Gartengesellschaft nr. 1 (oben S. 313. 316) und der versteckte Buhler in V. Schumanns Nachtbüchlein 1893 nr. 47 und bei Afanasjev 2, 403 nr. 242.


  1. Zu diesem Abschlagen der Ferse vgl. Grimm, Mythologie ³ S. 924. 3, 289.
  2. Dazu kommen in weiteren Versionen: das Verbot, die armen Seelen in der Qual zu sehen, das Gebot, einen Menschenknochen zu essen, G die Aufnahme der fliehenden Heldin durch einen mitleidigen Fuhrmann, wobei die Verfolger sie verwunden, ohne sie zu entdecken, H die Flucht mit einem Jüngling und das spätere Einschleichen des Räubers in ihr Haus.
  3. In andren dänischen Märchen bei Kristensen, Aev. fra Jylland 1, 271 nr. 36 ‘Bjærgmandens Banemand’ und Berntsen 1, 116 nr. 3 ‘Ungerød’ rettet der jüngste Sohn mit seinen Tieren die vom Troll entführte Schwester und belebt die von jenem getöteten Brüder.
  4. Drei Brüder werden ebenso erprobt bei Imbriani ² nr. 2 ‘Il contadino che aveva tre figlioli’ (magische Flucht, das Pferd wird zu einer Prinzeß). Bei Maspons, Rondallayre 3, 103 nr. 17 ‘Los cabells d’or’ ähnlich. Hahn nr. 68 ‘Der Lehrer und sein Schüler’.
  5. ‘Anne, ma soeur Anne, ne vois-tu rien venir?’ – ‘Je ne vois que le soleil qui poudroie, et l’herbe qui verdoie.’
  6. Vgl. Erk-Böhme, Liederhort nr. 42d, 19 (Schön Ulrich und Rautendelein): ‘Der Bruder saß beim kühlen Wein, der Schall der kam zum Fenster rein’.
  7. Später ward nur ein stilistisch gebesserter Auszug in die Anmerkung zu nr. 46 aufgenommen. Vgl. auch Wolf, Wodana 1843 S. 168 ‘Het Moordslot’.
  8. Über dies weitverbreitete Totenreiterlied vgl. W. Wackernagel, Kl. Schriften 2, 422 und besondere Erich Schmidt, Charakteristiken 1, 213. 226–232 (1902). Grundtvig, DgFv. 2, 492. 3, 871. Wollner, Archiv f. slav. Phil. 6, 239.
  9. Bossard, Gilles de Rais 1885. Lemire, La Barbe-bleue de la legende et de l’histoire 1886. Sébillot, Folk-lore de France 4, 354. Volkskunde 17, 75.
  10. K. Hofmann, Romanische Forschungen 1, 434. Nach den Brüdern Grimm ist Blaubart der Volksname eines Starkbärtigen, wie in Hamburg (Schütze, Holstein. Idiotikon 1, 112) und in Kassel, wo 1812 ein verwachsener, halbtoller Handwerksbursch, Kranz geheißen, unter diesem Namen bekannt genug war (Briefe der Brüder Grimm an P. Wigand 1910 S. 74). Eigentlich bedeutet es (gleich dem nordischen Blâtand, Schwarzzahn) einen Schwarzbärtigen, vielleicht auch einen Kranken, Aussätzigen, der sich durch das Baden im Blut reiner Jungfrauen heilen wollte (Hartmanns Armer Heinrich ed. Grimm S. 173. Weimarisches Jahrbuch 1, 408).
  11. Vgl. auch Pröhle, M. f. d. Jugend nr. 32 ‘Der Reiter in Seiden’, das englische Märchen ‘Jack Otter’ bei Addy nr. 8 und das rumänische im Siebenbürgischen Archiv 33, 621 nr. 112 ‘Der Fremde’.
  12. Vgl. oben S. 21. – Das unauslöschbare Blut kommt auch in den Gesta Romanorum nr. 13 vor: einer Mutter fallen vier Tropfen Blut ihres unschuldigen, von ihr gemordeten Kindes auf die Hand, welche nicht fortzubringen sind, sodaß sie ständig einen Handschuh trägt.
  13. Kretschmer, Das Märchen vom Blaubart (Mitt. der anthropolog. Ges. in Wien 31, 62–70. 1901). – Zum Antworten der Speisen vgl. R. Köhler 1, 314.
  14. Auf Polygnots Unterweltsbild zu Delphi verzehrte der Dämon Eurynomos das Fleisch der Leichen (Pausanias 10, 28, 7). Hades (Sophokles El. 542) und Hekate heißen σαρκοφάγος, ἀωροβόρος, αἱμοπότις; ein Grabepigramm bei Kaibel (Epigrammata Graeca nr. 647, 16) nennt den Toten ein grausiges Mahl für Charon. Auch die Teufel des christlichen Mittelalters und des 16. Jahrh. schleppen die ihnen verfallenen Menschen in die Hölle, um sie zu braten und zu verspeisen. (B. Krüger, Spiel von den bäurischen Richtern 1884 v. 2254. 2400. 2412. Haslinghuis, De duivel in het drama der middeleeuwen, Leiden 1912 S. 99).
  15. Ebenso bei Nicolas de Troyes, Parangon de nouvelles nouv. 1869 p. 134 nr. 35 und in Schwankbüchern des 17. Jahrh. (Geest van Jan Tamboer 1664 S. 149. Mancherley Historien 1675 Bl. E4b. Ernst Wohlgemut, Traumender Musenfreund S. 89 nr. 98. Cubicularius, Lustige Gesellschaft Bl. D3b). Ferner Dähnhardt, Natursagen 1, 194. 350. Jegerlehner, Oberwallis S. 232. Traditionen zur Charakteristik Österreichs 1, 99 (1844). Zs. f. Volkskunde 11, 172. Schönwerth 3, 89. Wucke 1, 62. Pfister 1885 S. 35. Hansen nr. 7 (Zs. f. schleswig-holst. Gesch. 7, 230). Jahn 1, nr. 50. 51. Joos 1, 52. Wolf, Nld. Sagen nr. 459. De Cock, Brabantsch Sagenboek 1, 281. Wigström, Folkdiktning 2, 113. Bondeson, Halländska sagor nr. 18. Åberg nr. 107. Kryptadia 1, 59. 2, 206. 4, 197. Anthropophyteia 2, 180. Sébillot, C. de la Haute-Bretagne 1, 280. 284. Revue des trad. pop. 9, 82. Rolland, Faune populaire 5, 203. Contes lic. de l’Alsace 1906 nr. 28. Madelaine, Au bon vieux temps 1, 206. 1907. Balladoro 1900 p. 33. Andrews nr. 10. Crane p. 368. Archivio 1, 501. 16, 283. Cerquand nr. 93. Webster p. 58. Polívka, Archiv, f. slav. Phil. 21, 283. 22, 305. Serbokroatisch: Strohal 1, 176 nr. 51; Anthropophyteia 1, 173 nr. 144. Čechisch aus Mähren, Václavek, Val. poh. S. 70 nr. 15; Menšík, Mor. poh. Jemnic S. 80 nr. 27; u. 279 nr. 78. Polnisch: Kolberg, Lud 8, 158 nr. 64. Ungar. Revue 1885, 733. Sklarek 1, 227 nr. 26. Estnisch Revue des trad. pop. 8, 270.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: offenbar
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