Anmerkungen zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm I/Rumpelstilzchen

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Hans Dumm Anmerkungen zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm I von Johannes Bolte, Jiří Polívka
55. Rumpelstilzchen
Der liebste Roland
Für verschiedene Auflagen des Märchens der Brüder Grimm siehe Rumpelstilzchen.

[490]

55. Rumpelstilzchen. 1856 S. 94.

1812 nr. 55: von Dortchen Wild in Kassel am 10. März 1811. – 1819 erweitert nach drei andern im ganzen übereinstimmenden, im einzelnen ergänzenden Erzählungen aus Hessen (von Hassenpflugs und von Lisette Wild). In der einen ist der Schluß insoweit abweichend, daß die Königin keinen Boten aussendet, fremde Namen zu erkundigen, sondern der König kommt am dritten Tag von der Jagd und hat zufällig das Männlein behorcht und gehört, wie es sich selbst da genannt habe.

Eine fünfte Erzählung fängt folgendergestalt an: Einem kleinen Mädchen wird eine Kaute Flachs gegeben Garn zu spinnen, aber was es spann, war immer Goldgarn und kein Flachsgarn. Da ward es traurig, setzte sich aufs Dach, spann und spann, aber immer nichts als Gold. Da kam ein Männlein gegangen und sprach: ‘Ich will dir aus aller Not helfen, ein junger Königssohn soll vorbeikommen, dich mitnehmen und heiraten; aber du mußt mir dein erstes Kind versprechen.’ Hernach geht die Magd der Königin hinaus, sieht das Männlein auf einem Kochlöffel um das Feuer reiten und hört den Spruch. Als sich Rumpelstilzchen[1] verraten sieht, fliegt es auf dem Kochlöffel zum Fenster hinaus.

Noch ist eine sechste abweichende Erzählung aus Hessen (ebenfalls vor 1822 gehört) anzuführen, welche nichts von dem Spinnen sagt. Eine Frau geht vor einem Garten vorbei, worin schöne Kirschen hängen, bekommt ein Gelüsten, steigt ein und ißt davon; aber ein schwarzer Mann kommt aus der Erde, und sie muß ihm für den Raub ihr Kind versprechen (wie oben S. 98 nr. 12). Als es geboren ist, dringt er durch alle Wachen, die der Mann ausgestellt hat, und will der Frau nur dann das Kind lassen, wenn sie seinen Namen weiß. Nun geht der Mann nach, sieht, wie er in eine Höhle steigt, die von allen Seiten mit Kochlöffeln behangen ist, und hört, wie er sich Flederflitz nennt.

In einer siebenten hessischen Fassung, die Vilmar (Idiotikon von Kurhessen 1867 S. 295) um 1806 hörte, singt der Zwerg:

[491]

Wenn die gülle Frogge [güldne Frau] wüßt,
Daß ich Berlewitchen [? mhd. pilwiz] hieß,
So behielt sie ihre Kindchen.

J. G. Müller, Straußfedern 2, 1–122 {Berlin 1790) lieferte eine Bearbeitung der französischen Erzählung des Fräuleins L’Héritier, in der die Namen Rosanie und Ricdin-Ricdon in Rosalie und Göbhard verwandelt sind. Caroline Stahl, Fabeln 1818 S. 85 ‘Das Stäbchen’. – Aus der Schweiz bei Henne am Rhyn, Die deutsche Volkssage ² 1879 S. 288 (Hans-Öfeli-Chächeli). Aus Tirol bei Zingerle, KHM 1 ², 4 nr. 2 ‘Zistel im Körbel’ (so nennt sich der Jäger, von dem das arme Mädchen wie im Aschenputtelmärchen schöne Kleider erhält) und 1, 184 nr. 36 ‘Purzinigele’ (dieser soll die Frau des Grafen bekommen, wenn sie seinen Namen nicht errät); 2, 278 ‘Kugerl’ (Mädchen muß den Namen des Wichtleins erraten). Zingerle, Sagen ² nr. 134 ‘Das verliebte Pechmannl’ (Waldkügele). Alpenburg, Mythen Tirols 1857 S. 307 ‘Hahnenkikerle’. Aus Österreich bei Vernaleken, KHM nr. 2 ‘Winterkölbl’, nr. 3 ‘Kruzimugeli’ (Namen nicht vergessen) mit den Varianten S. 341 (Siperdintl, Springhunderl, Ziliguckerl, Felixe, Kolerberabritschl). Bünker nr. 50:

Wås i prauch, tås kriach i,
Unt wås i håb, tås wåass i,
Unt is guit, tass neampt wåass,
Taas i Grumplsitza håass.

Kletke, Almanach 1840 S. 65 nr. 3 (Hopfenhütel verheißt der kinderlosen Königin einen Sohn, der ihm gehören soll, falls sie nach 18 Jahren seinen Namen nicht mehr weiß). Aus Bayern bei Schöppner, Sagenbuch 2, 380 nr. 849 ‘Das alte Haus bei Aicha’ (die Dirne, die der Jäger schön und reich gemacht hat, soll nach drei Jahren seinen Namen Silfingerl erraten). Aus Franken: C. Weiß, Aus dem Volksleben 1863 S. 14 (Popemannel). Aus Schlesien: Zs. f. Volkskunde 7, 444 (Friemel Friemel Frumpenstiel). Vom Harze: Pröhle, KVM nr. 23 ‘Jungfer Schön’ (Hipche Hipche), M. f. d. Jugend nr. 20 ‘Horle-Horle-Wip’ (die hilfreiche Spinnerin heißt Bekehrin) und Unterharzische Sagen S. 210 ‘Frû Frêen’ (Pumpernelle). Aus Niederdeutschland: Colshorn S. 88 nr. 29 ‘Zwerg Holzrührlein Bonneführlein’. Schambach-Müller S. 300 nr. 23 ‘Verlefränzchen’ und S. 369 (Hoppentienchen). Harrys, Sagen Niedersachsens 1, nr. 5 (wie Colshorn). Kuhn, Westfalen 1, 150 nr. 154 ‘Erdmännchen’ (Hoppetînken) und 1, 298 nr. 337 ‘Zirkzirk’. [492] Gredt nr. 919 ‘Rumpelstilzchen’. Müllenhoff S. 306 nr. 417 ‘Gebhart’ (vgl. J. G. Müller 1790. Namen nicht vergessen), nr. 419 ‘Ekke Nekkepenn’ und S. 409 nr. 8 ‘Fru Rumpentrumpen’ (die junge Königin vergißt, die eine der drei hilfreichen Spinnerinnen einzuladen, und soll deshalb ihr Kind hergeben, falls sie ihren Namen nicht errät). Hansen, Friesische Sagen 1858 S. 148 = 1875 S. XIII (Ekke Nekkepenn). Am Urquell 5, 249 (1894). Wisser 3, 77 ‘Schümkell’ (verbunden mit den drei Spinnerinnen nr. 14). Temme, Volkssagen von Pommern 1840 nr. 216 ‘Die Erdgeister in Greifswald’ (Doppeltürk) = Jahn, Volkssagen 1889 nr. 82. Jahn, Volksmärchen 1, 1 nr. 1 ‘Das Goldspinnen’ und nr. 41 ‘Duurnrösken’ (verbunden mit dem Märchen von den drei Spinnerinnen und von Dornröschen). Blätter f. pomm. Volksk. 2, 19 ‘Die Königsbraut’ (Griebentraut). Lemke 2, 128 nr. 23, 4 ‘Die faule Spinnerin’ (Ettle-Pettle. Namen nicht vergessen).

Niederländisch bei L. de Baecker 1854 S. 284 ‘Myn haentje’ (Kwispiltatje). Ons Volksleven 5, 14 = Cornelissen und Vervliet S. 103 nr. 26 ‘Van een slimme spinster’ (Mispelteertje. Angehängt das Motiv der drei Spinnerinnen). Joos 1, 50 nr. 31 ‘Van een oude spinster’ (Tijfelaar). – Dänisch: ‘En smuk Historie om Rosanie … tjent ved Fandens Hjelp for Spindepige og omsider en regjerende Dronning, af italiensk paa dansk oversat af Bastian Stub’, Kopenhagen 1708 und 1735 (nach L’Héritier, Ricdin-Ricdon. Nyerup, Morskabslæsning 1816 S. 173). Grundtvig, Minder 2, 163 ‘Trillevip’ (Zwerg hilft spinnen für das Versprechen ihn zu heiraten. Namen erraten. Angehängt die drei Spinnerinnen). Kristensen 3, 27 nr. 4 ‘Pisk-i-Aske’ (ein Aschenbrödel erhält drei prächtige Kleider gegen das Versprechen, ihre künftigen drei Kinder an den Mann hinzugeben; von einem alten Bettler hört die Königin nicht wie sonst den Namen des bösen Geistes, sondern daß sie bloß dreimal zu sagen brauche: ‘Du kaltes rotes Vieh bekommst meine Kinder nicht’, dann werde er zu Stein werden). v. Sydow 1909 S. 15–18. – Schwedisch: Cavallius nr. 10 ‘Das Mädchen, das Gold aus Lehm und Schüttenstroh spinnen konnte’ = Thorpe p. 168 (Titteli Ture). Wigström, Sv. landsmålen 5, 1, 77 ‘Flickan som inte ville spinna’ (Titteliture). Nordlander, Sv. fornminneföreningens tidskr. 4. v. Sydow 1909 p. 10. Hackmans Register nr. 500. – Norwegisch bei Faye S. 13. – Färöisch bei Jakobsen S. 52. – Isländisch: Rosania und Ricdin-Ricdon, in einer Hs. des 18. Jahrh. bei Ward, [493] Catalogue of romances in the department of ms. in the British museum 1, 865. 1883. Maurer S. 42 (Gilitrutt). Árnason 1, 181 ‘Gilitrutt’ = Lehmann-Filhès 1, 81 = Rittershaus S. 325. Árnason 2, 20 ‘Rigdín-Rigdón’ = Powell 2, 27 = Rittershaus S. 323. – Die englische Fassung ‘Tom Tit Tot’ bei Jacobs 1, nr. 1 (= Clodd, Tom Tit Tot 1898 S. 9 = Folklore Journal 7, 138 = County folk lore 2: Suffolk, ed. by E. C. Gurdon 1893 p. 43; vgl. Lenz S. 30) leitet wie Basiles oben S. 112 zu nr. 14 angeführtes Märchen 4, nr. 4 ein; als das näschige Mädchen fünf Kuchen verzehrt hat, singt die spinnende Mutter:

My darter ha ’ate five, five pies to-day,

verbessert sich aber, als der König vorbeikommt und fragt, was sie da singe:

My darter ha’ spun five, five skeins to-day.

Der König wählt das Mädchen zur Braut, verlangt aber, daß sie ebensoviel spinne. Ein schwarzer Kobold hilft ihr, doch soll sie ihm folgen, falls sie seinen Namen nicht errät. In einer Aufzeichnung aus Cornwall bei Hunt S. 239 ‘Duffy and the devil’ heißt der schwarze Herr Terrytop, in einer von den Orkneys in Folk-lore 1, 302 = Black, Folk-lore concerning the Orkney Islands 1903 p. 222 ist das kleine Volk ‘Peerifolk’ an seine Stelle getreten. Schottisch bei Chambers p. 72 ‘Whuppity Stoorie’. – Aus Wales bei Rhys p. 591 (Marget Totts) und 593 (Gwarwynathrot). – Aus der Insel Man in Folk-lore 19, 78 ‘The lazy wife’ (hier heißt der Riese Mollyndront, d. i. Myl yn druaight, des Druiden Knecht). – Irisch bei E. Taylor, Gammer Grethel 1839 p. 333 (Little does my lady wot, that my name is Trit-a-Trot). Yeats p. 17 (Even-trot). Rhys p. 593. Folk-lore 2, 132 (Trit a trot). – Französisch: Die älteste, leider durch viele Zutaten und Ausschmückungen entstellte Fassung findet sich 1705 in der ‘Tour tenébreuse’ der Marie Jeanne Lhéritier: ‘Ricdin-Ricdon’ (= Cabinet des fées 12, 31 = Kletke, Märchensaal 1, 183), deren Nachwirkung wir schon in Deutschland, Dänemark und Island begegneten. Hier soll die Braut des Prinzen den Namen des fremden Helfers nicht erraten, sondern im Gedächtnis behalten, bis sie ihm nach drei Monaten sein Zauberstäbchen zurückgibt. Ähnlich bei Marguerite de Belz, La clef des champs = Mélusine 1, 150 ‘Le lutin Furti-Furton’. Sébillot, Contes 1, 297 nr. 48 ‘Rodomont’ und 1, 301 (Rigaut Séné) und Traditions 1, 130 (Grignon). Fleury p. 190 ‘Rindon’ = Blümml S. 138. Pineau, Contes p. 131 ‘Racapet’. Cosquin 1, [494] 268 nr. 27 ‘Ropiquet’. Romania 8, 222 = Carnoy, C. français p. 229 ‘Dick-et-Don’ (aus der Picardie). Revue 2, 31 (Rigausounait). 8, 369. (Mirkikevier). 13, 633 (Virlouvet). Madelaine 1, 165 ‘Le diable Troguenolgotife et la filouse’. – Italienisch bei Gonzenbach nr. 84 ‘Lignu di scupa’. Bei Visentini nr. 22 ‘Zorobubù’ und Schneller nr. 55 ‘Taradandò’ kommt noch ein eigentümlicher Schluß vor, s. oben S. 112. – Serbokroatisch: Bos. Vila 23, 93 (1908. Eine Hexe hilft der Braut spinnen; dafür soll diese ihr das erste Kind übergeben oder ihren Namen erraten). – Wendisch bei Černy S. 90; der Vater sagt, seine Tochter spinne Haberstroh zu Seide; das hilfreiche Männlein heißt Cyketarušk. – Čechisch: Slavia 1, 4, 6 (Kulfáček. Das Männlein zeigt dem Mädchen einen Brunnen, der die Haare vergoldet). Hošek S. 149 nr. 2 (Tyngl Tangl; seine Stiefel sind von Flohleder). Aus Mähren bei Stránecká S. 25 (Tingl-tangl). – Slovakisch aus Ungarn bei Němcová 1, 137 = Chodzko p. 341 ‘Kinkaš Martinko’ (Hanf zu Gold spinnen. Das Männlein singt im Walde seinen Namen und daß es Stiefel aus Lausfell habe). Aus dem Komitat Neutra in Národopis. Věstník 2, 232 nr. 2. Aus dem Komitat Zips ebd. 4, 217 nr. 3. – In der polnischen Erzählung aus dem Gouv. Kielce im Zbiór 9, 3, 54, die schon oben S. 113 angeführt wurde, ist eine Vermischung mit dem Motive der drei Spinnerinnen eingetreten; diese haben sich das erste Kind des Mädchen ausbedungen und verraten im Gesange ihre Namen Ciacia, Łacia und Łup-cup-cup po drodze. Aus Masuren bei Töppen S. 138 ‘Titelituri’ (Aus Stroh Gold spinnen). – In einem kleinrussischen Märchen aus Ostgalizien bei Hnatjuk, Etnogr. Zbirnyk 6, 72 nr. 208 fehlt der hilfreiche Dämon völlig; das von der Mutter zuerst wegen seiner Gefräßigkeit gescholtene und dann als fleißige Spinnerin gepriesene Mädchen zeigt vielmehr ihrem Bräutigam eine Raupe an der Wand; dies sei eine Frau gewesen, die sieben Jahre hindurch täglich ein Garngebinde versponnen habe, das gleiche Loos stehe nun auch ihr bevor. – Litauisch bei Schleicher S. 96 (die Laume nennt beim Weben unbedacht ihren Namen Bigutte). – Lettisch: Puschkaitis S. 154 = Zs. f. Vk. 10, 438 (der Zwerg, der Moos zu Seide spinnt, heißt Neezińsch, d. i. Nichts). – Finnisch: Aarnes Register nr. 500. – Ungarisch: Arany 1862 S. 277 (Panczimanczi). Kriza nr. 4 = Jones-Kropf p. 46 nr. 10 ‘The lazy spinning-girl, who became a queen’ (Dancing Vargaluska), vgl. p. 330.

[495] In diesen Märchen hilft das elbische Wesen, dessen Namen binnen einer bestimmten Frist erraten werden muß oder nicht vergessen werden darf, einem Mädchen, das in kurzer Zeit eine große Menge Flachs oder gar Stroh verspinnen[2] soll; vermag sie den Namen nicht zu sagen, so soll sie oder ihr Kind jenem Wesen angehören. Bisweilen ist es auch ein Mann, dem der Zwerg unter der gleichen Bedingung aus der Not hilft; ein armer Weber im vlämischen Märchen bei de Mont und de Cock, Vertelsels S. 316 ‘Van den ouden wever en den duivel’ (Negelanderken); ein armer Bauer bei Vernaleken, KHM. S. 343 (Spitzbartele), Baumgarten, Linzer Museal-bericht 22, 142, Müllenhoff nr. 416 (Knirrficker) und 418 (Tepentiren). In verschiedenen norddeutschen und skandinavischen Ortssagen, die C. W. v. Sydow[3] näher untersucht hat, handelt es sich um die Errichtung eines großen Bauwerkes. Von dem Bau des Domes zu Lund erzählt man (J. L. Wolf, Encomion regni Daniae 1654 p. 568), daß ein Riese dem h. Laurentius den Bau zu vollenden verhieß; wenn dieser ihm aber nachher seinen Namen nicht zu nennen wisse, so habe er ihm Sonne und Mond zu geben (wie auch in Snorres Edda, Gylfaginning c. 42 dem Asgård bauenden Riesen verheißen wird) oder müsse sich seine Augen ausstechen lassen. Als das Werk fast vollendet war, ging der Heilige sorgenvoll umher, da hörte er einer Riesenfrau Stimme: ‘Schweig stille, mein Kind! Bald kommt dein Vater Find und bringt die Sonne und Mond zum Spielzeug oder des h. Laurentius beide Augen’. Froh kehrte Laurentius heim; wie er den Riesen mit seinem Namen anredete, ward dieser zu Stein. Ähnlich bei Cosquin 1, 271 (Finn). J. P. Möller, Folkesagn fra Bornholm 1867 S. 3 (Finj). Thiele, Danmarks [496] Folkesagn 1, 45 (Finn und Esbern Snare in Kallundborg. J. Grimm, Myth. ³ S. 976). Kristensen, Jyske Folkeminder 3, 91 und Danske Sagn 3, 181. Müllenhoff nr. 411 (Vader Finn) und 401 (Vader Zy). Fischer, Slesvigske Folkesagn 1861 S. 265. Lorenzen, Rejseskildringer fra Sönderjylland 1877 S. 61. Strackerjan 1, 274 = 2. Aufl. 1, 342 (Vater Fink). Zs. f. Vk. 3, 383 (friesisch. Vatter Fink). Árnason 1, 327 = Rittershaus S. 327 (Finnur). In Südnorwegen (Fataburen 1907, 201) heißt der Riese Finn, Fingfang, Kinn, Flinkflottflank, Piblak usw., in Nordskandinavien Skalle, Slätt, Vigge, Fille, Påwel, Vind-och-Väder, Tväster, Fysling usw., und der h. Olaf ruft dem an der Kirchturmspitze beschäftigten Unhold zu: ‘Skalle, sätt spiran rätt!’ (J. Grimm, Myth. ³ S. 515. A. Kaufmann, Quellenangaben zu Simrocks Rheinsagen 1862 S. 46. Afzelius, Volkssagen aus Schwedens Vorzeit 1842 3, 181. 183. 187. Segerstedt, Sv. folksagor S. 141. Faye, Norske folkesagn ² S. 14). In einer finnischen Sage bei Castrén, Kleinere Schriften 1862 S. 248 verheißt der Baumeister eine große Summe dem, der die Namen der Riesen entdecke, die beim Kirchenbau geholfen; eine Riesenmutter singt von Kilia, Nalli und dem Fremdling. – Die Unterirdischen führen Namen, die bei dem Menschen nicht im Gebrauch sind, und wollen nicht, daß man ihre Namen weiß; vgl. Zingerle, Sagen ² nr. 61–63. 73. 77. Zs. f. dt. Mythol. 2, 183. Meier, Schwäb. Sagen nr. 65 (San Nefle). Müllenhoff S. 578 nr. 594 (Hans Donnerstag). Oben S. 366. Denn mit des bösen Geistes Namen vernichtet man seine Macht[4]. Daher verspricht in der Tiroler Sage bei Zingerle ² nr. 677 ein Priester einer Dirne, sie von ihrem teuflischen Liebhaber zu befreien, sobald sie ihm dessen Namen angebe; den erfährt sie durch zwei Knaben, die nachts sein Lied hören, in dem der Name Kälberfuß vorkommt. Ähnlich V. Bühler, Davos 1, 313. 365 = Laistner, Das Rätsel der Sphinx 1889 1, 213. Auch in einem Tiermärchen aus Kamerun (Lederbogen S. 66 = Mitt. des oriental. Seminars in Berlin 4, 3, 179 nr. 15) will die Tigerkatze den Tieren ihre Beile nur leihen, wenn sie ihren Namen erraten; auf den Rat der Spinne tut die Antilope einen Fisch in die Vogelfalle und einen Vogel in die Reuse und horcht, wie die Kinder der Tigerkatze diese anreden. Auf ähnliche Weise belauscht in einem Negermärchen aus Jamaika bei Jekyll nr. 2 die Spinne die drei Königstöchter, deren Namen geheim gehalten werden, [497] und singt dann die Namen Yung-kyum-pyung, Eggie-Law und Margret-Powell-Alone laut vor den Ohren des Königs, so daß dieser vor Ärger stirbt. Likanga, der seine Frauen verhungern läßt, tötet sich, als ihn eine mit Namen ruft (Junod, Ba-ronga p. 309). In der Novelle von Turandot (1001 Tag. Chauvin, Bibliographie arabe 5, 192. Oben S. 199) hat Kalaf alle ihre Rätsel gelöst, will sich aber doch seines Rechts wieder begeben, wenn sie seinen Namen erraten könne. Eine ihrer Jungfrauen geht listig zu ihm und erzählt von der grausamen Unmenschlichkeit der Turandot, die ihn wolle ermorden lassen, weil sie sein Rätsel nicht raten könne. Da ruft er unvorsichtig aus: ‘O unglückseliger Sohn des Timurtas, o beklagenswerter Kalaf!’ So erfährt Turandot seinen Namen. In einer kirgisischen Erzählung (Radloff 3, 374) muß die Jungfrau dem Werwolf folgen, der ihren Namen erraten hat.

Manchmal verlangt der Kobold, daß nicht sein Name, sondern sein Alter erraten werde. So in einer lothringischen Erzählung bei Cosquin 1, 271, wo der Bauer in einem hohlen Baume wie ein Kuckuck schreit und der Teufel erstaunt ruft: ‘Hunderttausend Jahre bin ich alt, und nie hörte ich den Kuckuck zu dieser Jahreszeit’. In einem übereinstimmenden mährischen Schwanke bei Václavek 2, 60 sind es 7 ✕ 777 Jahre; in einem Märchen von der Insel Mauritius bei Baissac nr. 18 verkleidet sich der listige Mann als Tiger. Mit der bekannten Geschichte von den drei Lehren ist das Motiv in einem Negermärchen aus dem Sudan bei Monteil S. 148 verknüpft: ein Mann wettet mit dem Könige, daß dieser nicht die Namen seiner drei Haarschopfe angeben könne; seine Frau verrät aber, daß sie in drei Weisheitssprüchen bestehen.

Eine Entstellung des Ursprünglichen ist es, wenn in Pröhles Harzsagen S. 193 (= Grässe, Sagenbuch des preuß. Staates 1, 573 = Am Urquell 5, 248) ein Zwerg die Verse, in denen er seinen Namen Fidlefitchen offenbart, einer Edelfrau als Rätsel aufgibt und dann ihr Kind stiehlt, oder wenn in der oberpfälzischen Sage bei Schönwerth 2, 353 ein grüner Zwerg die Anrede mit dem Namen Spitzbärtl durch ein ‘Rätsel’ nahe legt und geradezu als seine Erlösung erfleht.

Über unser Märchen hat E. Clodd im Folklore-Journal 7, 135 und darauf in einem besonderen Buche ‘Tom Tit Tot, an essay on savage philosophy in folk tale’ (London 1898) gehandelt und die ihm zugrunde liegenden Ideen, insbesondere den Namenaberglauben [498] untersucht[5]. In einer umfassenderen Arbeit (Zs. f. Volkskunde 10, 254–272. 325. 382–396. 438f.) hat dann Polívka das Verbreitungsgebiet dieses Märchens und des verwandten der drei Spinnerinnen (nr. 14) festgestellt; den Ursprung beider sucht er bei den germanischen Völkern, nach deren Glauben Elben und Zwerge das von Frau Holde und Frikke begünstigte Spinnen und Weben treiben. Die fliegenden Spinneweben im Herbst hält der Volksglaube für ein Gespinnst von Elben und Zwergen; schwedisch bedeutet dverg außer nanus auch aranea, dvergsnät ein Spinneweb (J. Grimm, Myth. ³ S. 440). Von den germanischen Völkern drang das Märchen zu den romanischen und slawischen. Noch bestimmter bezeichnet C. W. v. Sydow (Två spinnsagor, Diss. Lund 1909 S. 64) die schwedische Fassung als die ursprüngliche, in der das Mädchen vom Zwerge Handschuhe erhält, mit denen sie Stroh zu Gold spinnen kann, und deutet seinen Namen Titeliture als den Drosselruf.


  1. Dieser Name kommt schon 1582 bei Fischart vor; im 25. Kapitel seiner Geschichtklitterung, wo die Spiele verzeichnet werden, (1891 S. 264) steht, ein Spiel ‘Rumpelestilt oder der Poppart’. J. Grimm, Myth. ³ S. 473.
  2. Zum Spinnen des Goldes erinnert J. Grimm an die schwere, kummervolle Verfertigung des Golddrahtes, die armen Jungfrauen zufiel. So heißt es in der dänischen Ballade bei W. Grimm 1811 S. 249 = Grundtvig, DgF. 5, 385 nr. 285 D, 24: ‘Nun hab ich Sorg so mannigfach wie Jungfrauen, die spinnen Gold’. A. Schultz, Das höfische Leben ² 1, 193³. Hartmann, Iwein v. 6186. Wolfdietrich B, Str. 85 (Deutsches Heldenbuch 3, 180). In der färöischen Ballade von der wunderbaren Harfe dagegen (Hammershaimb, Fœrösk Anthologi nr. 7. Geijer-Afzelius, Sv. folkvisor² 2, 69. Firmenich 3, 830. R. Köhler, Aufsätze 1894 S. 83) wird es als Vorzug der kunstreichen jüngeren Schwester angeführt, daß sie Gold spinnen konnte.
  3. Studier i Finnsägnen och besläktade byggmästarsägner (Fataburen 1907, 65. 199. 1908, 19).
  4. Vgl. Nyrop, Navnets magt (Opuscula philologica udg. af det philologisk-hist. samfund 1887 S. 179).
  5. Über das Namenerraten vgl. auch Dähnhardt, Natursagen 1, 195. Chauvin 5, 192¹.
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