Anna Ritter (Die Gartenlaube 1899/1)

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Textdaten
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Autor:
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Titel: Anna Ritter
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 1, S. 36
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1899
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger G. m. b. H. in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[36] Anna Ritter. (Mit dem Bildnis der Dichterin.) Vor einigen Jahren hat Anna Ritter ihre ersten Gedichte in verschiedenen Zeitschriften veröffentlicht. Der Klang dieser Lieder war so eigenartig und bezaubernd, daß man schon nach diesen Proben deren Schöpferin ein hohes dichterisches Talent zuerkennen mußte. Was das Frauenherz bewegt, Liebesglück und Liebesleid, das spiegelte sich in den Gedichten wieder mit einer solchen Frische und Ursprünglichkeit, daß die Kritik für die Dichterin nur Worte des Lobes und der Ermutigung finden konnte.

Nunmehr sind die Gedichte Anna Ritters gesammelt in einem schmucken Bändchen bei A. G. Liebeskind in Stuttgart innerhalb weniger Monate in zweiter Auflage erschienen und bilden in der That eine der herrlichsten Gaben, mit welchen die deutsche lyrische Dichtung im Laufe der letzten Jahre bereichert wurde. Was in ihnen geboten wird, ist weder schüchterne Mädchenpoesie, noch sind es naive Reime einer Volksdichterin, deren Gesichtskreis engere Grenzen gezogen sind. Anna Ritter hat die weite Welt kennengelernt, hat in ihrem Leben höchstes Frauenglück und herbstes Weh empfunden; sie weiß von heißem Sehnen zu singen und von schweren Herzenskämpfen des Entsagens, und eine Meisterin der Form, findet sie für die Stimmungen, die ihre Seele so mächtig bewegten, stets den schönen künstlerischen Ausdruck. Wir sind in der angenehmen Lage, zwei neue Gedichte der schnell berühmt gewordenen Dichterin (vgl. Seite 20 dieses Halbheftes) unseren Lesern zu bieten, und werden demnächst auch Beiträge in Prosa von ihr zum Abdruck bringen.

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Anna Ritter.

Anna Ritter wurde im Jahre 1865 zu Koburg geboren. Ihre Kinder- und erste Jugendzeit verlebte sie in Kassel, wo ihr Vater ein idyllisches Besitztum hatte. Dort empfing sie die ersten poetischen Anregungen, denn in dem elterlichen Hause war die schöne Litteratur heimisch und zu den Freunden, die in ihm verkehrten, zählte unter anderen auch [[Rudolf Genée]]. Frühzeitig heiratete sie den Mann ihrer Herzenswahl und zog mit ihm, der zuletzt Regierungsrat war, nach Berlin, Köln, Münster und dann nach dem ihr lieb gebliebenen Kassel. Ihr Vater war inzwischen gestorben, und an der Stätte des sonnigen Jugendglücks sollte sie das bitterste Leid erfahren. Im Jahre 1893 wurde ihr der geliebte Mann nach kaum neunjähriger Ehe durch einen frühzeitigen Tod entrissen. In der Trauer um diesen Verlust entstanden die herrlichen Witwenlieder, die zu dem Schönsten zählen, was über Frauenliebe und -leben gesungen wurde. Anfangs nervenleidend, zog sich Anna Ritter nach dem stillen Frankenhausen am Kyffhäuser zurück, um dort zu genesen und ihre drei Kinder zu erziehen. Von frischer Schaffenslust beseelt, sucht sie zeitweilig Berlin auf, um in der Reichshauptstadt neue Anregungen zu schöpfen.