Auf dem Hexenberg

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Autor: Eduard Lynker
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Titel: Auf dem Hexenberg
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch I, S. 279–280
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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[279]
Auf dem Hexenberge am Kaiserstuhl.

Finstre Zeiten lagen drückend
Auf der Wahrheit sanftem Licht,
Ihren goldnen Tempel schmückend,
Nahte lang ihr Herold nicht.

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Aberglaube, Pfaffenränke

Wohnten düster weit und breit,
Hingen sperrend am Gelenke
Und am Wendepunkt der Zeit.

Hexen fuhren in den Lüften,

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Uebten tückische Gewalt;

Teufel hausten in den Klüften
In verschiedenster Gestalt.
In die Hütten und Paläste
Trug sich ihre Zauberei,

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Die Beschwörung war das Beste,

Denn der Mönch bestund dabei.

Es beweint noch die Geschichte
Schuldlos hingewürgtes Blut,
Das zum Malefizgerichte

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Jener Zeiten Wahnsinn lud.

Und sie schlichtete den Zweifel,
Gab uns Kunde laut und klar,
Daß ein Trugbild nur der Teufel
Und die ganze Hexenschaar.

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Auch des Kaiserstuhles Höhen

Haben jenes Wahnes Sieg
In dem schwarzen Rauch gesehen,
Der vom Hexenberge stieg.
Lange blieb der Hügel öde,

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Der den Scheiterhaufen trug,

Bis des Lichtes Morgenröthe
Weggebannt den langen Fluch.

Kühler Schatten grüner Reben
Weht jetzt überm Aschengrab,

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Einen Schleier möcht’ er weben

Ob dem Fluch, der es umgab.
Wie die Reben schattig ranken
Um das Denkmal düstrer Zeit,
So umschlingt auch den Gedanken

40
Nach und nach Vergessenheit. –


Aber aus dem Rebengrunde
Steigt zuweilen noch ein Geist,
Der schon oft zu später Stunde
Manchen feurig eingekreist.

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Wen der edle Saft erfreute,

Der am Hexenberge wächst,
Mißt die Länge und die Breite
Seines Wegs und scheint – verhext.

Eduard Lynker.