Auf vulcanischem Boden

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Textdaten
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Autor: Ferdinand Hey’l
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Titel: Auf vulcanischem Boden
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aus: Die Gartenlaube, Heft 11, S. 178–181
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1878
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Auf vulcanischem Boden.
Von Ferdinand Hey’l.

Von kräftigen Ruderschlag getrieben, flog der leichte Rheinkahn am Städtchen Andernach vorüber. Der oft irrthümlich als Römerwerk bezeichnete Rundthurm am oberen Ende des Ortes warf seinen Schatten über den Spiegel des gletscherblauen Wassers und ließ jenes Meisterstück mittelalterlicher Befestigung, dem, wie leider fast allen älteren rheinischen Bauwerken, die Spuren der Sprengversuche französischer Kriegskunst anhaften, noch gewaltiger erscheinen. Die Spitzen und Thürme der Pfarrkirche zur heiligen Maria, jener ganz aus Tuffstein erbauten spätromantischen Pfeilerbasilikia, die Reste der ehemals erzbischöflichen Burg, der schon im sechszehnten Jahrhundert erbaute, nicht uninteressante Rheinkrahnen vervollständigten das charakteristische, oft durch Stift und Pinsel wiedergegebene Bild des malerischen, wenn auch wenig belebten Rheinstädtchens. Unsere Fahrt galt dem Brohlthale und dessen Endziel: dem größten der rheinischen Maare, dem Laacher See.

Hinter uns durchfurchte die Fluth der majestätische „Wilhelm, Kaiser und König“, einer der stattlichsten Dampfer des Rheines. Stolz und gebietend beschrieb er seinen Weg, wie sein Taufpathe gewaltig den „deutschesten“ Strom beherrschend. Gegenüber der ehemaligen Reichsfeste Hammerstein, die droben am rechten Stromufer auf dunklem Grauwackegestein

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Die Gartenlaube (1878) b 179.jpg

Das Weinfelder Maar auf der Eifel.
Nach der Natur aufgenommen von Emmerich Reichmann.

[180] thront, kam das mächtige Schiff uns zur Seite. Welch’ eine Wandlung der Zeit! Auf eben jener Burg Hammerstein, wohl einer der ältesten am Rhein, suchte der fliehende Kaiser Heinrich der Vierte ein Asyl; hier verwahrte sein Sohn die Kleinodien des deutschen Reiches, und heute – trägt unten das stolze Schiff, wie ein sichtbares Merkmal neuerer und besserer Reichszustände, den Namen des Herstellers deutscher Reichsherrlichkeit durch die klaren Wellen hinunter zum Meer. Links gesellt sich der kleine Brohlbach – im Frühjahre nicht immer ein sanfter Geselle – dem Hauptstrome, und nahe der Mündung desselben, dicht am malerischen Rheindörfchen Brohl, lenkt unser Steuer dem Ufer zu.

Unsere Wanderung beginnt. Schon am Gestade des Stromes bemerken wir hochaufgestapelte Tuffsteine, Erzeugnisse der nur diesem kurzen Landesstriche eigenthümlichen Montan-Industrie. Unser Fuß berührt ausgedehnte Lager des als Bimsteintuff bekannten und des unter dem Namen Traß nicht minder gesuchten Baumaterials.

Das ganze Brohlthal setzt sich aus jenem eigenthümlichen vulcanischen Gebilde zusammen. Die Gegend, bis hoch hinauf auf die Eifel ist bezüglich ihrer geognostischen Verhältnisse eine der merkwürdigsten Landesstrecken am ganzen Rheine. Erloschene Vulcane, abenteuerlich geformte Bergspitzen und die in den ausgebrannten Kratern zusammengelaufenen Gebirgsseen, Maare genannt, sind Ursache, daß dieser Landesstrich, nach einem Ausspruche Leopold’s von Buch, „seines Gleichen nicht auf der Welt hat“. Aus dem hier gewonnenen seltsamen Baumateriale, den Tuffsteinen, sind die Kirchen zu Sinzig, Andernach, Laach, Bonn und anderer Orte am Rheine errichtet, und weit stromab nach Holland führen die schwer befrachteten Schiffe den gemahlenen Tuffstein, jenes hellgelbe und weißgraue, ausnehmend poröse, häufig mit Bimstein gemischte Gestein, welches unter dem Namen Traß (holländisch Tyras-Kitt), mit einer Mischung von Kalk versehen, dort unten im Niederlande vornehmlich zu Wasserbauten verwendet wird. Zu beiden Seiten der Straße stehen die Mündungen der Tuffsteinbrüche an. Traßmühlen klappern, vom Brohlbach getrieben, unverdrossen ihren melancholischen Tact.

So erreichen wir, an der Netzermühle vorbei, die alte Schweppenburg, ein vielfenstriges, nicht eben baulich interessantes Burghaus aus dem Anfange des vorigen Jahrhunderts, ehedem im Besitze derer von Metternich. Auf kleinem Bergkegel erhebt sich inmitten des Thales jenes Feudalschloß, das zu dem tapferen Kriegsführer Schweppermann indessen – trotz der Meinung Einzelner – niemals in Beziehung gestanden. Und doch hatte die vor dem Jahre 1680 auf demselben Platze stehende Winneburg später auch ihren Schweppermann. Um 1794 vertheidigte ein Burgwart ganz allein die Burg gegen mehrere andringende französische Mordbrennerhaufen. Er verrammelte die Thür, warf Steine auf die Andringenden herab, feuerte, soviel er allein vermochte, in die stürmenden Haufen und mußte sich freilich wohl endlich der Uebermacht ergeben. Vor den General Lefèbre als Gefangener geführt, rettete er sein Leben durch die einfachen Worte: „General, ein guter Commandant verteidigt seine Festung, so lange er kann.“ –

Hinter der Schweppenburg, die im Jahre 1630 in ihrer jetzigen Gestalt erbaut wurde, verengt sich das freundliche und ziemlich belebte Thal. Ueppige Waldungen krönen die Höhen zu beiden Seiten. Mineralquellen (Säuerlinge) finden sich hin und wieder. Leichte Bimsteinstaubwolken kennzeichnen an heißen Sommertagen die sonst treffliche Straße. Zwei Wege stehen uns zur weiteren Wanderung offen. Der unten im Thale führt dicht an den Tuffsteinbrüchen vorbei; der links abzweigende leitet zunächst nach den Heilbrunnen – einer medicinisch angewendeten Quelle, nun welche sich in neuerer Zeit einige Gebäulichkeiten angesiedelt haben – und führt dann unter einem Laubdache von Buchen hin nach dem Bade Tönnistein.

Schon im 16. Jahrhundert als Heilquelle bekannt, erwecken hier die Reste eines ehemaligen Carmeliterklosters Antoniusstein nebst einer Brunneninschrift mittelalterliche Erinnerungen, während wir schon an der Schweppenburg Gelegenheit hatten, durch einen dort aufgefundenen römischen Altar und einzelne Votivsteine der einstigen Römerherrschaft in diesen Gegenden zu gedenken. An den freundlichen Restaurationsgebäuden des Bades vorüber, steigt unsere Straße leicht bergan. Links oben grüßt der spitze Kirchthurm des Dorfes Kell, und bald sind wir im Dörfchen Wassenach. Tief sinkt der Fuß in den Bimssteinsand ein, und ermüdend wird der Weg. Der vulcanische Kegel des Veitskopfs, mit einem noch heute erkennbaren breiten Lavastrome, winkt rechts herüber. Wie die Sanddüne der Meeresküste liegt ein Wall von vulcanischen Gebilden, zerbröckelt in die verschiedensten und wunderlichsten Formen, vor uns. Ein Kranz von Bäumen umgiebt den hier noch immer unsichtbaren See, bis plötzlich ein freier Durchblick die Rundschau auf die stille, unheimlich schwermüthige Wasserfläche freigiebt.

Im Hintergrunde spiegelt sich die stattliche Abtei mit ihrem umfassenden Gebäuden in dem dunklen Gewässer, und das Hôtel „Maria-Laach“ – ein Gasthausname, den die fromme Nachbarschaft entschuldigen mag – liefert zur ideellen Beschauung den irdischen Gegensatz. Keine Bewegung zeigt sich auf dem weitgestreckten eirunden Seebecken; tief dunkel erscheint die Wasserfläche; kein Kahn durchfurcht den wunderlichen Spiegel dieses Eifelmaars. Alle jene Seebecken der Eifel – und hierhin zählt auch der Laachersee – führen den Namen Maar im Volksmunde, nur Laach (lacus, und darum eigentlich richtiger: Lach genannt) hat sich die Bezeichnung „See“ bewahrt.

Entstanden durch vulcanische Thätigkeit, zeigt der Laachersee nirgends einen natürlichen Zu- oder Abfluß, und man vermuthet deshalb, daß sich Quellen in seinem Boden finden, da aber der Spiegel desselben oft bedenklichen Schwankungen unterworfen und die Klosterkirche häufig Ueberschwemmungen ausgesetzt war, ließen schon im 12. Jahrhundert die Mönche der Abtei einen Stollen zum Abfluß des Wassers in die südliche Uferseite treiben. Auch später noch (1845) wurde seine Wasserfläche künstlich verringert und beschränkt. Trotzdem erreicht keines der anderen Eifelmaare die Ausdehnung des Laachersees, der über drei Quadratkilometer groß, immerhin seine zwei Stunden im Umfange mißt. Seine Tiefe wird in der Mitte auf zweihundert Fuß angegeben; die Tradition im Volke behauptet: er habe überhaupt keinen ergründlichen Boden. Der tüchtige Forscher von Dechen bezeichnet dieses Seebecken als den Mittelpunkt der vulcanischen Thätigkeit der ganzen Gegend. Das Wasser des Sees ist kalt und hart, von Geschmack widerlich und der Uferrand von einem schwärzlich flimmernden Sande bedeckt, der zum Theil von Magnet angezogen wird. Selten friert der ziemlich fischreiche See zu. Alle rheinischen Dichter haben dem romantisch-ernsten Wasserspiegel ein Weihelied gesungen. Friedrich Schlegel, Simrock, Stolterfoth, Wolfgang Müller, J. B. Rousseau und viele Andere flochten ihm ein poetisches Erinnerungsblatt zum Ehrenkranze. Und er verdient es. Wo breitet anderwärts eine duftigere Sage, als jene der heiligen Genoveva, ihren romantischen Schleier über eine ganze Gegend, und wo schließt sich die Landschaft, in gleicher Weise der Sage entsprechender an? In friedlicher Waldeinsamkeit erhebt sich eine überraschend stattliche Abteikirche, dicht am Ufer einer unheimlich stillen und mächtigen Wasserfläche, ein Bild, welches dem Geisterglauben volle Nahrung giebt.

„Wahr ist’s, es hausen Geister da unten wundervoll,“ singt Friedrich Schlegel, und mag der Forscher hier ein noch so reiches Gebiet finden, dem Wanderer wird’s fast noch weniger an poetischem Eindrucke fehlen.

„Bei Andernach am Rheine liegt eine tiefe See;
Stiller wie die ist keine unter des Himmels Höh’. –
Da find’t nicht Grund und Boden der Schiffer noch zur Stund’,
Was Leben hat und Odem, ziehet hinab der Schlund.“ –

Wenn wir auch der naheliegenden Versuchung widerstehen, den eigenthümlichen mineralogischen Verhältnissen des ganzen Seegebietes und der Eifel einen größeren Raum zu widmen, so darf doch die unfern unseres Weges liegende Mofette (Bergschwadem) nicht ganz übersehen werden, vielleicht gerade vornehmlich deshalb nicht, weil ihr mehr nachgesagt wird, als sie verdient. Aus einer kleinen Vertiefung in der Nähe unseres Weges entsteigen dem Boden kohlensaure Gase, welche Insecten zu betäuben und wohl auch zu tödten vermögen. Weiter bringt’s die Mofette nicht, und die Erzählungen von getödteten größeren Vögeln, Eichhörnchen etc. gehören, wie manches Andere dieser Gegend, der Sage an. Wir haben weder jetzt noch jemals früher jene Behauptung als Thatsache erweisen können.

Wir aber wandern „weiter die Straße entlang“ – links [181] bleibt der See uns zu Seite - und erreichen das stattliche Gebäude der Benedictiner-Abtei und das dicht daranstehende - Gasthaus. Zum Bedauern des Wirthes hat das Letztere seit Aufhebung der „Erziehungs-Anstalt“, wie das hier etablirte „Jesuiten-Pensionat“ noch vor Kurzem sich zu nennen pflegte, wesentlich in seinen Einnahmen gelitten. Wie mancher Vater suchte und besuchte hier den „geistlichen Sohn“, der „in guter Schule aufgewachsen“ sich zu seinem wichtigen Amte vorbereitete.

Ein Graf von Schaesberg in Aachen erstand von der Familie Delius im Jahre 1863 die Klostergebäude. Der Kauf war entweder nur ein Scheingeschäft, denn die frommen Väter Jesu nahmen alsbald von den Gebäuden Besitz, oder der Käufer überließ sein Eigenthum bis zur Einführung des Reichsgesetzes vom 4. Juli 1872 dem frommen Zwecke. Heute ist das Besitzthum wieder an den genannten Käufer zurückgefallen.

Pfalzgraf Siegfried, der Gemahl der sagenhaften Genoveva, soll den Bau der Abtei wesentlich gefördert haben, und oft lag uns bei früheren Besuchen, wenn mehr als hundert schwarz gekleideter Novizen des Instituts im abgeschlossenen Klostergarten ernst und gesenkten Hauptes dahinschritten, der Gedanke nahe, daß auch unter ihnen gar mancher „Schmerzensreich“ sich finden dürfte, den elterliches Gebot oder Abhängigkeit anderer Art an diese Stätte der „Frömmigkeit“ gebannt.

„Es blickt in ruhiger Beschaulichkeit
Das ernste Kloster durch die grauen Schlüfte;
Die Kirche, welche ein Jahrtausend weiht,
Ragt vielgethürmt in einsam stille Lüfte;
Ihr Glockenschall klingt nicht in’s Land hinaus;
Der ernste Ton verhallt in nahe Klüfte.“

Die Benedictiner-Abtei Laach war einst eines der reichsten Klöster in Deutschland. Sie wurde muthmaßlich von Heinrich dem Zweiten, Pfalzgraf bei Rhein, und dessen Gemahlin Adelhaid (um 1090) gegründet. Des Stifters Grabmal befindet sich in der Kirche. Wir haben nicht viele Kirchen im deutschen Vaterlande, die in der Außenseite so mannigfaltige architektonische Wirkungen bieten. Auch das Innere, obwohl zur Zeit kahl und öde, besonders die Vorhalle, die sich aus drei Säulengängen zusammensetzt, ist im höchsten Grade beachtenswerth, ersteres sowohl durch reich entwickelte Säulencapitäle, wie durch treffliche Wölbung.

Erwähnen wir noch drei Merkwürdigkeiten der Kirche: der beiden polirten lichtbraunen Säulen am Grabmal des Stifters, die aus Kalksinter gefertigt sind, welcher sich in dieser festen Gestalt in einer römischen Wasserleitung abgelagert hatte, die von Trier nach Köln führte, sodann der dreischiffigen Krypta mit einem alten Grabstein und der trefflichen, beispiellos starken Akustik, wie sie sich vielleicht in keinem anderen Kirchengebäude wiederfindet, so können wir getrost das Freie wiedergewinnen, um am Ufer des Sees noch ein Stündchen zu verträumen. -

Sie wußten, wo es geraten war die stillen Wohnplätze aufzuschlagen, die frommen Väter früherer Zeiten. Der ehedem sehr fischreiche See half angenehm über die schmalen Fasttage hinweg, und an beschaulicher Ruhe mag es den frommen Herren hier schwerlich gefehlt haben. Und sonderbar - so oft auch unsere Wanderungen uns zum Laacher-See und seiner Abtei getragen, niemals wollte weder bei uns, noch bei unseren Freunden, die echt rheinische heitere Stimmung hier aufkommen. Ist’s die Einsamkeit der Umgebung, ist’s die Nähe der ernst hinausschauenden Abteikirche, ist’s die todtenhafte Stille des Seespiegels? Ueben die Sage von der verstoßenen Pfalzgräfin oder die Schwermüthigkeit aller jener Verse, die dem Laacher-See gesungen, auf uns und jeden Besucher ihre Wirkungen?

Nicht weniger ernst stimmen den Beschauer die übrigen Maare des Eifellandes, vor Allem wohl das sogenannte Weinfelder Maar, welches wir heute durch eine treffliche Abbildung den Lesern der „Gartenlaube“ vorführen. Hoch über dem Orte Schalkenmehren, welcher selbst an einem Maar gelegen sattelt sich jener einsame Kratersee zwischen Schlackenwänden ein, in gerader Richtung kaum hundert Schritte von dem tief drunten liegenden Schalkenmehrer Maar entfernt. Kein sichtbarer Zusammenhang verbindet diese beiden Wasserflächen, droben aber gemahnt nichts an menschliche Spuren, als das kleine Kirchlein auf der Höhe, der letzte Rest eines abgegangenen Dorfes, jetzt der Begräbnißplatz des eine halbe Stunde entfernten Ortes Schalkenmehren. Raben fliegen kreischend über uns dahin; hier und da wirft ein muthwilliger Bewohner des Maars runde Linien über den Wasserspiegel; kein menschlicher Laut tönt zu uns herauf; kein Wandergenosse kreuzt unseren Weg. Der Charakter des Laacher-Sees findet sich hier durchaus wieder.

„Schau dort in’s Thal! Wir sind am Laacher-See.
Ob rings die Höh’n auch grüne Wälder krönen:
Hier wohnt ein tiefes, unnennbares Weh;
Klag’lieder hörst du durch die Buchen tönen.
Man sagt, daß er vor Zeit ein Krater war,
Feu’r spie die Erde hier mit grausem Stöhnen;
Jetzt liegt er still, tiefblau, durchsichtig, klar;
Das hohe Schilf umflüstert rings das Ufer,
Und drüber fliegt der Wasservögel Schaar.
Ein ferner Hirt ist hier der einz’ge Rufer.“
                         Wolfg. Müller.

Und wie hier an den Eifelmaaren durch die überall unheimliche Stille die Sage reiche Nahrung findet, so sind auch alle Ueberlieferungen des Volkes dem Ernste der Gegend angepaßt. Das Bild der Zerstörung ist auch in Schlegel’s Ballade vom Laacher-See wiedergegeben:

„Einst lag auf einer Insel mitten darin ein Schloß,
Bis krachend mit Gewinsel es tief hinunter schoss.“

Der Schrecken der Landleute waren jene Ritter des sagenhaften Schlosses, von denen nach der Volksüberlieferung der eine einen frommen Waldbruder getödtet, nachdem dieser sich geweigert ihm die Absolution für sein sündiges Treiben zu ertheilen.

Und liegt auch nahe dem Kloster, am südlichen Ufer des Sees, die im 8. Jahrhundert durch die Pfalzgrafen von Aachen gegründete Altenburg schon lange in Trümmern, verkünden auch nur geringe Spuren heute noch ihre ehemalige Größe, so wird die für Erhaltung der Bauwerke früherer Zeiten so besorgte Mitwelt in diesem Falle doch des Dichters Wort nicht in Erfüllung gehen lassen, welches der Abtei Laach dereinst verkündete:

„Bald vielleicht beglänzt des Mondes Schimmer
Deiner stolzen Thürme letzte Trümmer,
Und der Dom, erhöht durch kühnen Muth,
Sinkt geborsten in die nahe Fluth.“