Aus dem wissenschaftlichen und künstlerischen Leben Bayerns

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Titel: Aus dem wissenschaftlichen und künstlerischen Leben Bayerns
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 26, S. 446
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1889
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Digitalisat des besprochenen Werkes: Harvard-USA*
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[446] Aus dem wissenschaftlichen und künstlerischen Leben Bayerns. Die Liebe zur Heimath, die den Deutschen so mächtig beseelt, daß sie im Widerstreit mit anderen Gefühlen bei ihm stets die Oberhand behauptet, hat von jeher in allen deutschen Gauen einen regen Wetteifer in Bekundung dieses angeborenen Triebes genährt. In allen Zeiten und selbst in jenen, da der unselige Hang, das fremde Ausland zu bewundern und nachzuahmen, auf dem Gipfelpunkte stand, hat es in allen Gegenden, wo Deutsche wohnen, Männer gegeben, welche die Vorzüge der Heimath zu ergründen und ihr Lob aller Welt zu verkünden ihr Leben lang beflissen waren. Scheint nun auch in dieser eingeschränkten Beschäftigung eine gewisse Einseitigkeit zu liegen, so wird gerade durch solche dem Sonderleben der einzelnen Glieder unserer Nation gewidmete Schriften die gegenseitige Erkenntniß und Werthschätzung der Brüder Eines Volkes unter einander am allermeisten gefördert.

Schriften dieser Art haben nicht wenig unserer politischen Wiedervereinigung vorgearbeitet und manchem Schriftsteller, der scheinbar in dem Leben seiner engeren Heimath aufging, ist ein unvergängliches Verdienst auch dem großen Vaterlande gegenüber zuzusprechen. Von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet ist jedes Werk, welches sich mit der Geschichte eines einzelnen deutschen Staates oder Stammes beschäftigt, ein allen Volksgenossen dargebotenes Geschenk. Wenn wir daher schon aus dieser Erwägung eine als gediegen anerkannte Schrift, welche Ludwig Trost unter dem Titel „Aus dem wissenschaftlichen und künstlerischen Leben Bayerns“ herausgegeben hat (München, M. Riegersche Universitätsbuchhandlung), den Lesern der „Gartenlaube“ gern empfehlen, so wirkt dabei auch noch ein anderer Beweggrund mit, den eine kurze Angabe über den Inhalt des Buches von selbst ans Licht stellen wird.

Die Reihe der Aufsätze eröffnet ein „Die Pflege der Geschichte durch die Wittelsbacher“ betiteltes Kapitel, welches von den die ganze ausgedehnte bayerische Geschichte durchdringenden Kenntnissen des Verfassers ein glänzendes Zeugniß ablegt und in dem darauf folgenden Kapitel „Der bayerische Schatz“ eine Ergänzung findet. Die beiden folgenden Monographien „Zur Geschichte der den historischen Fresken in den Münchener Hofgarten-Arkaden beigesetzten Aufschriften“ und „Die Grundsteinlegung der Allerheiligen Hofkirche in München“ enthalten höchst beachtenswerthe Beiträge zur Charakteristik des genialen ersten Ludwigs, welchem, soviel wir wissen, Ludwig Trost ein ausführliches litterarisches Denkmal auf Grund besonderer, ihm in seiner Stellung als Staats- und Hausarchivar erschlossener Quellen zu errichten beschäftigt ist. Auf König Max II. beziehen sich die beiden folgenden Abschnitte, welche gleichfalls nur infolge landesherrlicher Ermächtigung überhaupt veröffentlicht wrden konnten, „Drei Briefe des Joseph Freiherrn von Hormayr zu Hortenburg an den König Maximilian II. von Bayern“ und „Das Sanktuarium des Königs Maximilian II. von Bayern“.

An diese Abschnitte schließt sich das Kapitel, welches für den Leser der „Gartenlaube“ ein ganz besonderes Interesse hat, „Zur Erinnerung an Herman von Schmid“ überschrieben. Wir haben in dieser von berufener Freundeshand geschriebenen Skizze die einzige bisher erschienene Biographie des berühmten bayerischen Volkserzählers. Herman von Schmid hat auch Stoffe aus der nichtbayerischen, zumal aus der Tirolergeschichte behandelt. Aber das außerordentliche Verdienst, welches er sich dadurch erworben hat, daß er, ohne eigentlich ein Dialektdichter zu sein, der unerreichte Darsteller seines heimathlichen Volksthums und damit auch der Vermittler desselben an die übrigen Glieder unseres großen Volkes geworden ist, geben das Recht, ihm den Ehrentitel eines bayerischen Volkserzählers dennoch beizulegen. Niemand aber hat die Natur und Eigenart dieses köstlichen Erzählers besser erkannt und überzeugender geschildert als sein treuer Landsmann Ludwig Trost.

Diese von so würdiger Hand uns geschenkte, ansprechende und zuverlässige Lebensbeschreibung kommt um so gelegener, als eben eine neue Ausgabe der Gesammelten Schriften Herman von Schmids im Erscheinen begriffen ist. Vielleicht könnten auch die im Anhang des Trostschen Buches mitgetheilten „Gedichte aus dem Nachlaß Herman von Schmids“ in vermehrter Zahl besonders herausgegeben werden. Das Gesammtbild des Dichters würde hiernach uns erst voll vor Augen treten.