Ausflug nach Tirol

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Textdaten
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Autor: Joachim Ringelnatz
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Titel: Ausflug nach Tirol
Untertitel:
aus: Reisebriefe eines Artisten, S. 133–134
Herausgeber:
Auflage: 5.–9. Tausend
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1928 (EA 1927)
Verlag: Ernst Rowohlt
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Erscheinungsort: Berlin
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Quelle: Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
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[133]
AUSFLUG NACH TIROL


Kann man das Jodeln wohl
In meinem Alter lernen?
Nie war, wie in Tirol,
Ich derart nah den Sternen.

5
Ich sah vom Stripsenjoch

Drüben an steiler Wand
Leute aufs Totenkirchl kraxeln,
Wahrscheinlich Sachseln
Aus Hosenträgerland.

10
Aber kühn und schön war es doch.


Was ich um Hochwürden dann
Später in Sankt Johann
Sang, lebte und sprach in der „Post“,
Schmeckte wie Herz am Rost

15
Nach ausgegangener Hochtouristenkost.


Alm und Kuhstall, fette Weiden,
Bärenwirt und Sennerin –
Wo ich durchgegangen bin,
Schien mir alles zum Beneiden.

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Nur die Wandervögel, die

Einem jede Poesie
Und den Appetit verleiden,
Mocht ich meiden.

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Alle Tiroler sind
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Keine Amerikaner.

Wäre ich eine Mutter mit Kind,
Ich nährte mein Kind mit Terlaner.

Im Kursalon in Kitzbühel
Da ist des Nachts der Sekt so kühel.

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Ich muß die Gäste loben,

Die zur Musik dort oben
So vornehm tanzen und schweigen,
Um ja nicht mehr zu zeigen
Als ihre hochmodernen Garderoben.

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Ich möchte ein wilder Gebirgsbach sein,

Klar, schäumend, rauschend und blinkend,
Unhaltsam kämpfend von Stein zu Stein
Mich an mir selber betrinkend.

Daß ich mein Kragenknöpfchen verlor,

40
Kommt schließlich auch einmal anderwärts vor.

Du, mein einziges Tirol,
Lebe wohl! Lebe wohl!