Bürger’s Grab

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Titel: Bürger’s Grab
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aus: Die Gartenlaube, Heft 42, S. 672
Herausgeber: Ernst Keil
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1862
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[672] Bürger’s Grab. Die Grabstätte Bürger’s zu Göttingen war lange Zeit verschollen, als vor einigen Jahren das Interesse für dieselbe erwachte. Man forschte nach, und besonders durch die Aussage der alten Magd Bürger’s, die bei dem Begräbniß zugegen gewesen war, wurde mit ziemlicher Sicherheit das Grab auf dem Friedhofe vor dem Weenderthore rechts an der hinteren Wand ermittelt. Damals wurde öffentlich zu Beiträgen für ein Denkmal aufgefordert; aber von den eingegangenen Geldern hörte man nichts wieder, es hieß, der Student, welcher die Sammlungen übernommen hatte, sei mit dem Gelde durchgegangen. So schien der Unstern, der den Dichter im Leben verfolgte, auch über seinem Grabe zu walten, und mit doppelter Wehmuth stand der Fremde an dem niedrigen Rasenhügel mit der Akazie, den ihm der Todtengräber als solches bezeichnete. – Jetzt hat es der Zufall gefügt, daß nicht nur das Grab des Dichters mit Sicherheit entdeckt ist, sondern auch ein Grabdenkmal, das er längst besaß. Der Todtengräber des Gottesackers soll im Auftrage einer Familie das Grab eines von deren Angehörigen suchen. Bei der Entzifferung alter Leichensteine kommt er auch an ein Denkmal, das neben dem bisher als Bürger’s Grab bezeichneten Hügel steht, dicht von Gestrüpp eingehüllt und dick vom Moose umkrustet, und das sich nach Entfernung des Mooses als ein Grabdenkmal Bürger’s ausweist. Es ist eine cannelirte dorische Säule, die eine Urne trägt; in der Mitte wird die Säule durch einen Würfel unterbrochen, der auf drei Seiten die Inschrift führt: „Die Stadt Göttingen dem Dichter August Bürger“, nebst dem Geburts- und dem Sterbejahre des Dichters. So hatte also Bürger längst ein Denkmal, das nur im Laufe der Zeiten vergessen war. Es ist jetzt von dem Gestrüpp entblößt und ragt frei über die niedrige Mauer, an der es steht. Bürger ruht in einer Reihe mit dem großen Philologen Heyne; Thibaut, der Rechtsgelehrte, und Planck, der große Theolog, ruhen auf derselben Seite des Gottesackers; dort ist auch Cäcilie Tychsen begraben, die Geliebte Ernst Schulze’s, deren Grabstein eine Harfe mit zersprungenen Saiten zeigt.