BLKÖ:Kuhn von Kuhnenfeld, Franz Freiherr

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Kuhe, Wilhelm (II.)
Nächster>>>
Kuik, Ignaz
Band: 13 (1865), ab Seite: 344. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Franz Kuhn von Kuhnenfeld in der Wikipedia
GND-Eintrag: 133510743, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Kuhn von Kuhnenfeld, Franz Freiherr|13|344|}}

Kuhn von Kuhnenfeld, Franz Freiherr (k. k. General-Major und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Proßnitz in Mähren im Jahre 1816). Sohn des 1823 geadelten Hauptmannes Franz von Kuhn. Erhielt in der Wiener-Neustädter Militär-Akademie seine soldatische Ausbildung und trat, 20 Jahre alt, am 27. September 1837 als Lieutenant aus derselben in das Infanterie-Regiment Kaiser Nr. 1. Am 18. December 1843 wurde er zum Oberlieutenant befördert, zugleich aber zum k. k. General-Quartiermeisterstabe übersetzt, in welchem er am 15. April 1848 zum Hauptmanne, am 2. September 1849 zum Major vorrückte. Als der Feldzug des Jahres 1859 große Veränderungen in der Armee veranlaßte, wurde K. Oberst und Qua-Brigadier bei der zweiten Armee. Am 29. October 1863 wurde K. zum General-Major ernannt und erhielt seine Brigade in Trient. Kuhn’s glänzender Name datirt aus den Jahren 1848 und 1849, in diesen war er mit großer Auszeichnung thätig im Straßenkampfe zu Mailand, bei Santa Lucia, Montanara, Curtatone und Goito, bei Somma-Campagna und Custozza, im Gefechte bei S. Marino vor Cremona, bei Busiaco und Turano vor Lodi und bei der Einnahme von Mailand. Hatte er sich schon bei Custozza durch besonnene Umsicht und Tapferkeit vortheilhaft bemerkbar gemacht, seine schönsten Waffenthaten verrichtete er doch bei Santa Lucia und Mailand. Die siegreiche Schlacht an ersterem Orte wurde am 6. Mai 1848 geschlagen. Kuhn war in den Feldzügen 1848 und 1849 bei der Brigade Strassoldo als Chef des Generalstabes eingetheilt. Die Brigade stand auf Vorposten. Zu einem [345] Kampfe mit drei feindlichen Brigaden war sie weder verpflichtet, noch hatte sie dazu Befehl erhalten. Hauptmann Kuhn hatte Santa Lucia in Vertheidigungsstand gesetzt und, die Wichtigkeit der Stellung erkennend, den Brigadier vermocht, Stand zu halten. Dabei entwickelte er eben so große Umsicht als Herzhaftigkeit. Als eine halbe Batterie beim linken Ausgange des Ortes, von dem weit stärkeren Feinde gedrängt, ihre Stellung aufgab, führte sie Kuhn unter dem heftigsten Kugelregen wieder vor. Nach dreistündiger hartnäckiger Vertheidigung von Santa Lucia mußte die Brigade endlich bis an das die Ebene von Verona einschließende Rideau weichen, wo sie dann Posto faßte, um das weitere Vordringen des Feindes, so weit es noch möglich war, zu verhindern oder doch zu erschweren. Indessen drängte der bei weitem stärkere Feind unaufhaltsam vor, und wirkte sein mörderisches Geschützfeuer so vernichtend auf unsere Truppen, daß bereits ein Adjutant des zweiten Corps bei dem Feldmarschall erschienen war, Befehle für den Rückzug einzuholen, da sich dieses Corps nicht länger zu halten vermöge. Kuhn erkennend, daß die Behauptung des Rideau von höchster Wichtigkeit sei, forderte nun den Feldmarschall-Lieutenant d’Aspre, Commandanten dieses Corps, schriftlich auf, sich so lange als möglich zu halten und selbst mit dem rechten Flügel von Chievo aus vorzudringen, um die von der Brigade Clam gegen des Feindes rechte Flanke unternommene Diversion zu unterstützen. D’Aspre sah dieser Aufforderung gegenüber sich veranlaßt, von den Anordnungen zum Rückzuge seiner Truppen abzustehen. Das Gefecht blieb also im Gange und an dem siegreichen Ausgange der Schlacht, wie an den damit für unsere Armee so vortheilhaften Folgen hatte K. wesentlichen Antheil. Eine neue Probe seiner Umsicht gab K. am 23. Juli, als es seinen Vorstellungen gelang, den General zu bestimmen, daß er den Monte vento noch in der nämlichen Nacht besetzen ließ. Bei dem Sturme auf den Berg, zu welchem das 10. Jäger-Bataillon und die ersten zwei Bataillone Hohenlohe befehligt waren, führte K. selbst das zweite Bataillon Hohenlohe und, am Fuße des Berges angelangt, erhielt er Befehl, nicht weiter vorzudringen und keinen Schuß mehr zu thun. Das letztere versprach K. zu halten, aber am Fuße des Berges wollte er nicht stehen bleiben und bemächtigte sich noch Nachts um 10 Uhr der wichtigen Höhe. Als der Feldmarschall am folgenden Tage bei General Strassoldo erfreut über diese Unternehmung sich bedankte, erwiderte der General vor der ganzen Suite: „Nicht mir, sondern dem Hauptmann Kuhn gebührt das Verdienst“. – Am 25. Juli – dem denkwürdigen Schlachttage von Custozza – hatte sich K. aus eigenem Antriebe dem Recognoscirungs-Commando des Obersten Wyß von Erzherzog Karl-Uhlanen angeschlossen. Bei dieser Gelegenheit bemerkte er, daß eine mehrere Tausend Mann starke feindliche Colonne sorglos auf der Straße nach Villafranca und auf der Wiese stand. Die dem Commando beigegebenen zwei Artillerie-Geschütze führte er nun selbst in eine treffliche, dem Feinde gegenüber gedeckte Stellung und eröffnete sofort ein so schnelles und wohlgezieltes Feuer, daß die ganze feindliche Colonne förmlich auseinanderstäubte und gegen Villafranca flüchtete. Wohl eröffnete der Feind in einer Weile auch gegen unsere Geschütze ein mörderisches Feuer; da aber unsere Kanonen sehr günstig aufgestellt waren, [346] so richtete sein Feuer keinen erheblichen Schaden an. Das Alles hatte sich gegen 5 Uhr Nachmittags ereignet, um welche Zeit die Piemontesen Custozza noch besetzt hielten. Nachdem aber die oben erzählte Ueberraschung der feindlichen Colonne widerfahren war, verließen die Piemontesen in aller Eile Custozza und zogen sich nach Villafranca zurück. So waren denn die für die weiteren Bewegungen unserer Truppen so wichtigen Höhen von Custozza durch K.’s wackeres Verhalten, wobei er ebenso große Herzhaftigkeit als taktisches Genie verrieth, vom Feinde geräumt worden. Es kann hier nicht der einzelnen Momente seines muthvollen und umsichtigen Vorgehens bei den vielen Gelegenheiten dieses Feldzuges ausführlich Erwähnung geschehen, aber seines ruhmvollen Antheils an den Kämpfen des 4. August vor Mailand sei hier noch in Kürze gedacht. An diesem Tage wurde die Brigade Strassoldo als Avantgarde verwendet. Die Piemontesen standen vor Nosedo und hielten das Feuer einer sechspfündigen Fußbatterie und die nacheinander folgenden Angriffe der Zehner-Jäger, des 3. Bataillons Warasdiner-Kreutzer, des 2. Bataillons Hohenlohe und einer Division Oguliner standhaft aus. Da beschloß K. einen Sturmangriff auf die Flanke des Feindes zu unternehmen. In der That griff er mit dem Bajonnete den linken Flügel des Gegners rasch und entschlossen an und warf ihn über Nosedo und Bettolino zurück. Eine 16pfündige Batterie der Piemontesen verlor bei dieser Gelegenheit ihre Bedeckung und unsere Zehner-Jäger mit 2 Compagnien Hohenlohe bemächtigten sich derselben sammt der Bedienungsmannschaft. Nicht genug noch, unseren Truppen war die Munition ausgegangen und hatten überdieß eine Position, in der sie dem mörderischen Feuer des Feindes sehr ausgesetzt waren. Die Gefahr war, wenn die Piemontesen mit einem Male zur Offensive übergingen, für unsere Truppen sehr groß und die von den Unseren erbeuteten feindlichen Geschütze wären wieder verloren gegangen. K. eilte nun mitten durch das feindliche Geschützfeuer nach Nosedo, um Unterstützung herbeizuholen, und kam mit einem Bataillon Ernst-Infanterie zurück und die Sache der Unseren war gesichert. So war die Brigade Strassoldo ganz allein zwei volle Stunden im Kampfe gestanden und Kuhn, der den ganzen Feldzug über so zu sagen ihre Seele gewesen, hatte auch diesesmal durch seine raschen Dispositionen und indem er überall selbst Hand anlegte, die Stellung des Feindes, die eine ebenso ausgedehnte als uns gegenüber sehr drohende war, gesprengt, ehe noch eine andere Brigade in’s Feuer kam. Noch sei hier einer That seines persönlichen Muthes gedacht. Im Feldzuge des Jahres 1849 stellte er sich im Gefechte bei San Siro – am 21. Mai – nachdem er die Truppen zuvor zweckmäßig aufgestellt, aus eigenem Antriebe als Freiwilliger an die Spitze der 6. Compagnie des 10. Jäger-Bataillons und stürmte mit derselben den Ort, durch sein Beispiel die Truppen zum Kampfe anfeuernd. Später machte K. den Zug in’s Römische mit, kam im September 1849 zur Armee nach Ungarn, wo er bis zur Uebergabe Komorns vor dieser Festung verwendet wurde. Für seine Bravour und sein ausgezeichnetes umsichtsvolles Verhalten dem Feinde gegenüber, das sich dann geradezu steigerte, wenn die Gefahr drohender wurde, erhielt K. bereits mit Allerh. Erlaß vom 26. Mai 1848 die Allerh. Belobung Sr. Majestät; für seine erfolgreiche Theilnahme [347] am 1848ger Feldzuge mit Allerh. Cabinetschreiben vom 30. September 1848 den Orden der eisernen Krone 3. Classe; und endlich für seine Waffenthaten bei Santa Lucia und bei der Einnahme Mailands vermöge Capitelbeschluß mit Allerh. Entschließung vom 29. Juli 1849 (in der 153. Promotion) das Ritterkreuz des Maria Theresien-Ordens, welcher Verleihung mit Diplom vom 28. December 1852 die Erhebung in den Freiherrnstand folgte. Ein minder glücklicher Stern leuchtete ihm, als ihm in Erinnerung an seine ruhmesvollen Leistungen in den Jahren 1848 und 1849 die Stelle des Chefs im Generalstabe des Feldzeugmeisters Grafen Gyulay anvertraut wurde. Noch schwebt über diesen für Oesterreichs politische Gestaltung so folgenreichen, wenngleich an sich so unglücklichen Ereignissen ein noch nicht aufgehelltes Dunkel. Wohl fehlte es nicht an heimlichen und offenen Angriffen auf K. nach dem unglücklichen Ausgange des 1859ger Feldzuges, wie je nach dem edelsten Wilde immer die blutrünstigste Meute einherzurasen pflegt. Um eine Wiederholung der kriegerischen Ereignisse jener Tage zu vermeiden, sei hier auf die Lebensskizze des Franz Grafen Gyulay [Bd. VI, S. 70] gewiesen. Ob und wie viel von der schweren Schuld, die auf den mit dem Oberbefehle betrauten General geworfen wird, auf seinen Generalstabschef fällt, dieß kann nur eine beglaubigte actenmäßige Geschichte des Feldzuges, des Zustandes der Armee, eine zuverlässige Darstellung ihrer Verpflegung vor dem Ausbruche desselben und jenes kleinen Details, das oft von so gewichtigen Folgen begleitet ist, darthun. Für jetzt muß der Held als das gelten, als der er sich so oft bewiesen; unbewiesene Beschuldigungen sind leerer Lufthauch. Freiherr von K. ist seit 1852 mit Rosa von Thoren vermält.

Oesterreichischer Soldatenfreund, herausgegeben von J. Hirtenfeld (Wien, 4°.) III. Jahrg. (1850), S. 58: „Scenen aus dem Mailänder Straßenkampfe. III und IV“; – ebenda, Nr. 113: „Ehrenhalle. XIV“; – ebenda, Beilage zu Nr. 120: „Berichtigung des Obersten Chmielnicki“; S. 550: „Antwort Kuhn’s“; S. 572: „Antwort Chmielnicki’s“. – Militär-Zeitung, herausg. von J. Hirtenfeld (Wien, gr. 4°.) Jahrg. 1859, Nr. 37; – dieselbe 1860, S. 742 seine Berichtigung des Obersten Kuhn, die in Nr. 51, S. 642 der Militär-Zeitung abgedruckten Beiträge zum Feldzuge 1859 betreffend]; – dieselbe 1862, S. 411. – Hirtenfeld (J. Dr.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1856, Staatsdruckerei, 4°.) S. 1512 und 1752. – Oesterreichisches Militär-Konversations-Lexikon, herausg. von J. Hirtenfeld (Wien 1850 u. f., gr. 8°.) Bd. III, S. 678. – Ergänzungs-Conversations-Lexikon der neuesten Zeit. Herausgegeben von Dr. Fr. Steger[WS 1] (Leipzig und Meißen, Lex. 8°.) Bd. XIV, S. 764. – Frankfurter Konversationsblatt 1859, Nr. 119, S. 475. – Neuigkeiten (Brünner polit. Blatt) 1859, Nr. 112: „Feldherren des gegenwärtigen Krieges“. – Die Illustrirte Welt (Stuttgart, bei Hallberger, schm. 4°.) Jahrg. 1859, S. 283, im Aufsatze: „Geschichtsbilder aus dem Kriege der Gegenwart“. – Presse (Wiener polit. Journal) 1859, Nr. 110. – Freiherrnstands-Diplom vom 28. December 1852. – Wappen. Quadrirter Schild. 1: in Gold ein rechtsgekehrter Drache von natürlicher Farbe, mit ausgeschlagener rother Stachelzunge und ringförmig hinter sich übergeschlagenem Schweife; 2: in Blau ein vom Fußrande des Feldes aufragender Felsenberg in natürlicher Farbe; 3: in Blau zwei blanke, in Form eines Andreaskreuzes gestellte Schwerter, deren Spitzen aufwärts gerichtet sind, das schrägrechts liegende ist mit einem goldenen, das andere mit einem eisernen Gefäße versehen; 4: in Silber ein vom Fußrande aufragender, aus Quadern gebauter, mit drei Zinnen und einem verschlossenen Thore versehener runder Thurm. Auf dem Schilde ruht die Freiherrnkrone, auf welcher sich ein in’s Visir gestellter goldgekrönter Turnierhelm erhebt. Aus der Krone wachsen zwei mit den [348] Sachsen einwärtsgekehrte Adlerflügel, von denen der rechte von Gold und Blau, der linke von Blau und Gold quergetheilt ist. Die Helmdecken sind blau, rechts mit Gold, links mit Silber belegt. Schildhalter: Zwei auswärtssehende geharnischte Wappenknechte, welche auf einer verzierten Stufe von grünem Marmor stehen und deren jeder mit der dem Schilde zugekehrten Hand den Schild erfaßt, die andere aber in die Hüften stemmt.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Fr. Stege.