BLKÖ:Beck, Wilhelmine Baronin von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 1 (1856), ab Seite: 214. (Quelle)
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Beck, Wilhelmine Baronin v. (Abenteurerin, gest. zu London 1851). Im J. 1850 erschien von einer Baronin Beck ein Buch betitelt: „Memoiren einer Dame während des letzten Unabhängigkeitskrieges in Ungarn. Eine treue Schilderung ihrer abenteuerlichen Reisen“ (Leipzig 1851, Geibel, 2 Bde.). Der „Constitutionnel“ in Paris brachte unter dem Titel: „Aventures de la baronne de Beck“ in den Nummern vom 18. Febr. bis 14. März 1851 eine Uebersetzung dieses Werkes, welches ursprünglich in englischer Sprache und in London herausgegeben wurde. Das Buch machte großes Aufsehen, theilweise weil das im Buche Erzählte Erlebnisse der Verfasserin waren, die sich als vertraute Freundin [215] und geheime Agentin Kossuths darstellte, in welcher Eigenschaft sie ihrem Vaterlande Ungarn große Dienste geleistet und die schwierigsten und gefährlichsten Aufträge ausgeführt haben wollte. Sich selbst gab sie als die Witwe eines ungarischen Edelmannes von liberaler politischer Gesinnung aus, der am 18. Oct. 1848 auf den Barrikaden von Wien, die er heldenmüthig vertheidigte, gefallen. Aber auch nach anderer Seite erweckte das Werk allgemeines Interesse. Ohne zu wollen, gab dasselbe auf fast jeder Seite den Nachweis, daß im Lager der Rebellen nur die Eifersucht und Nebenbuhlerschaft geherrscht; daß die ungarischen, polnischen, deutschen und fremden Officiere ebenso viele Coterien gebildet, die sich gegenseitig anfeindeten und verfolgten; daß Jeder das ihm anvertraute Corps als sein Eigenthum betrachtete, seinen Rival zu Grunde gehen ließ und sich um das Commando balgte, und daß die Feldzugspläne durch Eifersucht und Unkenntniß der Führer vereitelt wurden u. s. w. Wie sich leicht begreift, erweckten dergleichen Enthüllungen die allgemeine Aufmerksamkeit und die Verfasserin galt in England lange als „Agentin der ungarischen Regierung und Verfasserin höchst interessanter Memoiren.“ Da stellte es sich plötzlich heraus, daß die sogenannte Baronin von Beck nicht nur das nicht war, wofür sie sich ausgab, sondern daß ihr auch die Kenntnisse fehlten, um das von ihr herausgegebene Buch selbst zu schreiben und daß sie sogar als Spionin im Dienste der englischen Polizei gestanden, von welcher sie 5 Pfd. Sterl. 18 1/2 Shill. (40 Thaler) zwei oder drei Wochen lang als Sold bezogen haben soll. Sie wurde entlarvt, als sie in Birmingham, in Begleitung eines jungen Ungarn, Namens Constantin Derra, Pränumeranten auf ein neues Werk über Ungarn sammelte, wo es einem Herrn Georg Dawson auffiel, daß sie als ungarische Dame von hohem Adel und so großem literarischen Rufe nicht der französischen Sprache mächtig war. Dieses Bedenken hatte Nachforschungen zur Folge. Die Baronin und ihr Secretär wurden im Sept. 1851 unter der Anschuldigung, durch falschen Namen Geld erschwindelt zu haben, der Polizei in Birmingham übergeben. Als aber der Gerichtshof zusammentrat und nach der Baronin und ihrem Secretär geschickt worden war, kam der Polizeibeamte mit der Nachricht zurück, daß die Gefangene nicht mehr am Leben sei. Auf dem Wege vom Gefängnisse nach dem Gerichtshofe war sie unwohl geworden und in der Vorhalle des Gerichtssaales zusammengestürzt und todt geblieben. Aus den Angaben des zur Verfolgung der Sache von London nach Birmingham berufenen Rechtsanwaltes Toulmin Smith und den Aussagen ihres Begleiters, ferner aus denen P. Hajniks (Polizeiministers unter Kossuth) ging hervor, daß die angebliche Baronin thatsächlich eine Ungarin niedern Ranges, ohne alle literarische Bildung war. Im Insurrectionskriege war sie von der aufrührerischen Armee als Spionin benutzt worden und unter dem Namen Racidula bekannt. Ihre Angaben über erhaltene und ausgeführte Missionen waren rein aus der Luft gegriffen. Zur Zeit der Industrie-Ausstellung in London war sie im Dienste der aus diesem Anlasse errichteten ausländischen Abtheilung der englischen Polizei und hat als Spionin Thatsachen oder vorgebliche Thatsachen über deutsche und andere Flüchtlinge als Anzeigen geliefert. Von Pulßky suchte sie Geld zu erpressen durch die Drohung, in der deutschen Uebersetzung ihres Buches Stellen gegen ihn aufzunehmen, die in der englischen Ausgabe gestrichen worden waren. Ihr Begleiter Constantin Derra war selbst ein Opfer ihrer Mystification und wurde vom Gerichte straflos entlassen. [216] Wer aber der Verfasser des ihr zugeschriebenen Buches sei, das auf Pulßky’s Verwendung der Buchhändler Bentley in Verlag genommen, ist nicht ermittelt; doch schien der Anwalt Toulmin Smith denselben zu kennen, denn er erklärte Gründe zu haben, ihn vorläufig nicht zu nennen.

Le Constitutionel. Mardi 18. fevier 1851: „Aventures de la Baronne de Beck;“ besprochen von Cucheval-Clarigny. – Im nämlichen Blatte vom 18. Febr. bis 14. März d. J. die Uebersetzung des Werkes im Feuilleton. – Athenäum (London) 1851 vom 6. Sept. – Magazin für die Literatur des Auslandes (Berlin 1851) Nr. 111: „Die Baronin v. Beck.“