BLKÖ:Pulszky Edler von Lebócz und Cselfalva, Franz Aurel

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Pulszky, Therese
Band: 24 (1872), ab Seite: 71. (Quelle)
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Pulszky Edler von Lebócz und Cselfalva, Franz Aurel (ungarischer Publicist und Archäolog, geb. zu Eperies im Saroser Comitate 17. September 1814). Entstammt derselben alten Familie, welcher der Freiherr Ferdinand Pulszky [s. d. Vorigen] angehört. Früh verwaist, kam er zu seinem Onkel, dem Alterthumsforscher Georg Fejervári, in dessen Hause er eine gute Erziehung erhielt und jene Vorliebe für Archäologie in ihm geweckt wurde, die er in allen politischen Stürmen bewahrt und die ihn endlich auf die Stelle gebracht hat, welche er zur Stunde bekleidet. Den ersten Unterricht erhielt P. in deutscher und slavischer Sprache, erst später, nachdem er auf das Collegium nach Miskolcz kam, machte er sich das Ungarische vollkommen eigen. Im Jahre 1833, damals erst 19 Jahre alt, unternahm er eine Reise nach Italien, machte in Rom bei seiner Vorliebe für antiquarische Forschungen Bekanntschaft mit Männern wie Bunsen, Steinbüchl, Thiersch u. A., und erregte in wissenschaftlichen Kreisen solche Aufmerksamkeit, daß das archäologische Institut in Rom dem Zweiundzwanzigjährigen das Diplom als correspondirendes Mitglied nachsendete. Nach seiner Rückkehr in die Heimat lag er dem Studium der Rechtswissenschaften ob und begab sich, um sich die Geschäftspraxis anzueignen, im Jahre 1834 nach Preßburg zum Reichstage. Im Jahre 1835 erlangte er die Advocatur und die Unternotärsstelle im Saroser Comitate. Im folgenden Jahre unternahm er eine zweite größere Reise, auf welcher er [72] Deutschland, England, Belgien, Holland und Frankreich besuchte. Eine Frucht derselben ist sein in deutscher Sprache verfaßtes Werk: „Aus dem Tagebuche eines in Grossbritannien reisenden Ungarn“ (Pesth 1837), ferner die im ersten Bande des Sammelwerkes „Arvizkőnyy“ veröffentlichten ungarischen Reiseskizzen (Uti vazlatai), welche Arbeiten die ungarische Akademie durch seine Ernennung zum correspondirenden Mitgliede würdigte. Auch schrieb er in dieser Zeit in deutschen und ungarischen Blättern belletristisches, national-ökonomisches, philosophisches, kunsthistorisches, so z. B. im Pester Tagblatt eine deutsche Novelle, betitelt: „Ein Abend in Typermory“, im ungarischen juridischen Sammelwerke Themis: „Historische und volkswirthschaftliche Betrachtungen über Geld“, in der ungarischen Wochenschrift Athenaeum: „Ideen zur Philosophie der Geschichte Ungarns“, „Vom Nutzen der Kunstsammlungen“ u. s. w., in einem ungarischen Taschenbuche: „Epigramme“, ferner „Bemerkungen über oberungarische Volkssagen“ u. dgl. m. Kurz, er entwickelte eine Vielseitigkeit seltener Art, und es läßt sich nicht sagen, daß diese Menge und Mannigfaltigkeit auf Kosten des Inhalts geboten wurde. Als bald darauf Kossuth den „Pesti Napló“, dieses zu jener Zeit so wichtige politische Blatt Ungarns, begründete, wurde P. einer der fleißigsten Leitartikelschreiber desselben, und den praktischen Boden betrat er mit der Flugschrift: „Bemerkungen über die Donauregulirung und die orientalische Frage“ (Preßburg 1838). Im Jahre 1839 wählte ihn das Comitat Saros, dem er durch seine Geburt in der Comitatshauptstadt Eperies angehörte, zum Abgeordneten in den Preßburger Landtag. Hier bot sich dem 25jährigen vielgereisten und vielseitig gebildeten Abgeordneten ein reiches Feld zur Thätigkeit und thatsächlich zählte P. auch zu den fleißigsten Mitgliedern des Landtages. Besondere Wirksamkeit entfaltete er in der Städtefrage und in den Verhandlungen über die Munizipalorganisation der Comitate; ferner in der Strafgesetzgebungs-Commission, dann in den Berathungen über den Wechselcodex, dessen zweiten Theil und das Handelsrechte, er selbst redigirt hat. In der Donau-Theißcanal-Gesellschaft fungirte er als Schriftführer, und seine Vaterstadt würdigte diese umfassende Thätigkeit ihres Abgeordneten dadurch, daß sie ihm nach seiner Rückkehr vom Landtage das Ehrenbürgerrecht verlieh. Indessen blieb er in dieser Periode auch literarisch nicht unthätig, er correspondirte für die „Augsburger Allgemeine Zeitung“, und einige seiner in derselben erschienenen Aufsätze, z. B. „Vom Zustande Irlands“, „Ueber englische Carricaturen“, wurden in anderen deutschen Blättern nachgedruckt. Um diese Zeit, 1839, führte er auch eine Polemik mit Freiherrn von Zedlitz, dem stehenden Wiener Correspondenten der „Augsburger Allgemeinen Zeitung“ und im folgenden Jahre mit Leo Grafen Thun eine andere über die Nationalitätsfrage. Sonderbarer Weise wurde er in die folgenden Landtage der Jahre 1843 und 1847 nicht gewählt. In der Zwischenzeit beschäftigte er sich vielfach mit der Journalistik, schrieb auch für das von dem geistreichen Publicisten Albert Hugo herausgegebene Werk: „Croquis aus Ungarn“ einen größeren Aufsatz: „Die Sprachfrage in Ungarn“, welcher im zweiten Theile („Neue Croquis aus Ungarn“ [Leipzig 1844]) abgedruckt steht, und widmete sich in dieser Periode auch der Bewirthschaftung eines im Neograder Comitate gelegenen, käuflich erworbenen [73] Gutes, welches er im Jahre 1845, bald nach seiner Vermälung mit Therese Walter [siehe d. Folg. S. 77], der gräflichen Familie Szecsenyi abgekauft hatte. Daselbst lebte P. seinen literarischen Arbeiten und agronomischen Beschäftigungen, bis ihn die Ereignisse des Jahres 1848 wieder auf den politischen Schauplatz riefen. Bald, nachdem die Pesther Revolution vom 15. März 1848 gesiegt, in Folge dieses Sieges die alten Beamten weichen mußten und das im April ernannte neue Ministerium auch neue Beamten berief, wurde P. in der Zwischenzeit von dem Erzherzog-Palatin Stephan zugleich mit Klauzal und Szemere zum Regierungscommissär mit Ausnahmsgewalt ernannt. Die Aufgabe dieser Regierungscommissäre war, da nach dem Siege der Revolution im ersten Momente eine Stockung der behördlichen Functionen eingetreten war, die Ruhe und Ordnung im Lande zu erhalten und das nicht unerhebliche Verdienst der Unterdrückung des Judenkrawalls in Stuhlweissenburg wird vornehmlich Pulszky zugeschrieben. Im April wurde P. zum Unter-Staatssecretär im Finanzministerium und zum Protokollführer in den Ministerconferenzen ernannt; im Mai ging er als Unter-Staatssecretär des ungarischen Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten nach Wien und besorgte daselbst, während sein Minister Paul Fürst Eßterházy dem Kaiser nach Innsbruck folgte, die Geschäfte im auswärtigen Amte. In dieser Stellung beeinflußte P. mit Erfolg die öffentliche Meinung und die Wiener Presse, sorgte auch für die Waffensendungen aus Belgien nach Ungarn. Die fürchterlichen Beschuldigungen, welche Levitschnigg in seinem Werke: „Kossuth und seine Bannerschaft“, Bd. II, S. 31–34, gegen Pulszky erhebt, dürfen wir hier nicht wiederholen. Darüber muß die auf den genauesten unumstößlichen Quellen später gearbeitete Geschichte erst ihr letztes Wort sprechen. Am 5. October 1848 wurde P. durch ein kaiserliches Handschreiben seines Postens in Wien enthoben und nach Ausbruch der Wiener Revolution am 6. October verließ P. noch am Abend dieses fürchterlichen Tages Wien und begab sich nach Pesth. Alsbald aber schickte ihn das Ministerium, seine kaiserliche Enthebung nicht beachtend, in seiner vorigen Eigenschaft wieder nach Wien, welches er aber Ende October wieder verließ, um dem Pesther Parlamente des Marschalls Windisch-Grätz geflügeltes Wort: „mit Rebellen unterhandle ich nicht“, zu hinterbringen. Nach seiner dießmaligen Rückkehr nach Pesth übernahm P., als nach der verlornen Schlacht bei Schwechat das zweite ungarische Ministerium: Kasimir Graf Batthyány Auswärtiges, Paul Nyári Inneres, Ludwig Kossuth Finanzen, L. Mészáros Krieg, B. Szemere Justiz, Ladislaus Madarász Polizei, gebildet wurde, das Ministerium des Handels, in welcher Eigenschaft er namentlich für Herbeischaffung der Materialien zur Pulverbereitung thätig war. Sobald sich die Kunde der russischen Intervention verbreitete, verließ P., wie es heißt, von Kossuth abgeschickt, um bei den fremden Regierungen die Neutralisirung dieser Intervention zu bewirken, Ungarn und gelangte über Galizien, wo er verhaftet ward und sich durch die Flucht dem traurigen Geschicke entzog, das ihn damals sicher erreicht hätte, in’s Ausland und endlich nach Paris, wo er mit dem Grafen Teleki zusammentraf, und als dieser nach Belgien abreiste, die Geschäfte der dortigen Stellung des letzteren [74] übernahm. In Paris blieb P. nur wenige Monate, schon im Mai 1849 begab er sich nach London, errichtete dort mit englischen Freunden ein Centralbureau für ungarische Angelegenheiten, das die wichtigsten Journale und Wochenschriften Londons mit Nachrichten und Artikeln über Ungarn regelmäßig versorgte, aber, obgleich er sich mit Lord Palmerston und mehreren Parlamentsmitgliedern in Verbindung gesetzt, gelang es ihm doch nicht, die englische Regierung zu irgend einem Schritte gegen die russische Intervention zu bewegen. Nun ernannte ihn die ungarische Revolutions-Regierung zu ihrem Gesandten für England. Diese bloß nominelle Stellung war jedoch von keiner Dauer, übrigens setzte P. seine Thätigkeit für Ungarn auch nach der Waffenstreckung von Villagos fort und soll es besonders sein Einfluß gewesen sein, der die Entlassung Kossuth’s aus Kiutahia zur Folge hatte. Indessen wurde er in seiner Heimat mit noch 39 anderen „Hauptanstiftern der ungarischen Rebellion“ in effigie zum Tode verurtheilt, und wurden seine Güter wie jene seiner Frau, die sich auch geflüchtet, confiscirt. Er war nun zunächst auf den Ertrag seiner Feder angewiesen und schrieb gemeinschaftlich mit seiner Frau Vorreden und Noten zu den englischen Ausgaben des „Wiener Tagebuchs“ von Berthold Auerbach, des „Dorfnotärs“ von Baron Eötvös und zu Schlesinger’s Buch „Aus Ungarn“. Ferner erschien damals von ihm der historische Roman: „Die Jakobiner in Ungarn“, 3 Bände. Als Kossuth im Jahre 1851 in England landete, schloß sich ihm Pulszky an, verrichtete auf des Dictators Rundreisen durch England und Nordamerika Adjutantendienste und hielt überhaupt treu zu Kossuth, und auch zu einer Zeit, als dieser von dem größten Theile seiner Anhänger verlassen worden war. Auch beschrieb P. gemeinschaftlich mit seiner Frau diese Touren in dem Werke: „Red, white and black“[WS 1], 3 Bände, wovon auch eine deutsche Uebersetzung erschien. Im Jahre 1853 ging P. noch einmal nach Nordamerika, und nach seiner Rückkehr nach England griff er wieder zu seiner publicistischen Thätigkeit, beschäftigte sich aber nebenbei mit archäologischen und sprachlichen Studien, in letzteren vornehmlich mit Sanskrit und seiner Muttersprache. Aus dieser Zeit stammen viele Artikel für Chamber’s Journal, „Daily news“, die „Philosophical Transactions“, den „Examiner“, vornehmlich für die „New York Tribune“ und für die Berliner archäologische Zeitung. Außerdem schrieb er das Buch: „The Tricolor on the Atlas“ und einen Anhang zu Gliddon’s „Indogerman Races“. Im Jahre 1860 begab er sich als Correspondent der Londoner „Daily news“ nach Turin, wohin er bald seine Familie nachkommen ließ und nicht bloß für das vorgenannte englische Journal, sondern auch, und zwar von seiner Frau eifrig unterstützt, für die ungarische, deutsche, französische, italienische, englische und amerikanische Presse thätig war. Von Turin aus setzte er sich mit Garibaldi in Verbindung, den er öfter auf Caprera besuchte, berichtete über diese Begegnungen mit dem italienischen Volksmann in ungarischen Blättern in einer Reihe: „Aus dem Exil“ betitelten Briefen. In diesen schilderte er Garibaldi als einen schärferen politischen Charakter, als dieß gemeinhin zu geschehen pflegt. Er selbst trat, wie einer seiner Biographen berichtet, als Anhänger eines Programms Garibaldi-Deak auf, welchem zufolge jedes Volk sicher nur auf sich selbst zu rechnen habe, [75] seine Befreiung nur von innen heraus, nicht aber durch fremde Beihilfe erwarten dürfe. Dadurch kam es auch im Jänner 1861 zwischen Pulszky und Kossuth zum förmlichen Bruche, da Kossuth sich zu sehr, ja ausschließend auf Napoleon’s III. Hilfe stützte. Als nach dem Umschwunge der politischen Verhältnisse in Oesterreich und zunächst in Ungarn im Jahre 1861 der Pesther Reichstag zusammentrat, wurde P. von dem Saroser Comitate in denselben gewählt, konnte aber, obgleich die Wahlcommission seine Wahl für gesetzlich erklärt hatte, seinem Mandate nicht folgen, da er keinen freien Geleitsbrief erhielt. Während seines mehrjährigen Aufenthaltes in Italien trat P. auch öffentlich als Vorleser auf, und zwar begann er im Gebäude der Akademie der schönen Künste zu Florenz populäre Vorträge über die Sprachen und geistigen Eigenthümlichkeiten der turanischen Völkerschaften in Europa, welche jedoch wenig Theilnahme fanden. P. lebte bis 1866 in Italien, bis ihm ein unglückliches Familienereigniß die Rückkehr in’s Vaterland ermöglichte. Seine Gattin war schon früher mit einer Tochter nach Ungarn gereist, um an Ort und Stelle die Zurücknahme der in Folge der Vorgänge von 1848 über das Vermögen der Familie verhängten Confiscation zu betreiben, war aber während ihres Aufenthaltes daselbst im September 1866 von der Cholera befallen worden. Unmittelbar darauf erkrankte auch die Tochter. Freunde verwendeten sich für P., ihm die Erlaubniß zum Besuche seiner erkrankten Frau und Tochter zu erwirken, welche er auch erhielt. Er traf aber bei seiner Ankunft in Ofen Frau und Tochter als Leichen. Sofort entschlossen, da ihn ferner keine Bande mehr an seine Heimat fesselten, zurückzukehren, und bereits auf der Rückreise nach Italien begriffen, ereilte ihn auf derselben ein Telegramm, welches ihm die Kunde brachte, daß ihm von Sr. Majestät die Erlaubniß zu einem verlängerten Aufenthalte ertheilt worden sei. Aber noch ein neuer Schmerz sollte den bereits Vielgeprüften treffen. Auf seiner Reise nach Ungarn hatte P. auch seinen Sohn Gabriel mitgenommen. Auch dieser erkrankte bald nach seiner Ankunft zu Paty im Pesther Comitate und war in wenigen Tagen eine Leiche. Eifrige Verwendung seiner Freunde, namentlich jene des damaligen ungarischen Hofkanzlers, Herrn von Majláth, erwirkten nun P. eine Audienz bei Sr. Majestät dem Kaiser und in dieser kündigte ihm der Monarch selbst an, daß er begnadigt und ihm die Rückkehr nach Oesterreich gestattet sei. Die Journale brachten diese Nachricht mit der Bemerkung, daß man von seinem Ansehen und seiner Begabung viel für den Ausgleich mit Ungarn hoffe. Sein Einfluß auf die ungarische Emigration dürfte sich gleichfalls als wirksam erweisen. Jedenfalls hat Ungarn und Oesterreich an P. eine bedeutende Capacität gewonnen, die leider zum Nachtheile für das Interesse Oesterreichs lange genug brach gelegen ist. P. kehrte, nachdem er in Italien seine Angelegenheiten geordnet, auch wieder in seine Heimat zurück, wo er in der ersten Zeit seines Aufenthaltes in den politischen Kämpfen seines Vaterlandes eine vermittelnde Rolle spielte, endlich aber mit Allerh. Entschließung ddo. Wien 25. Februar 1869 über Vortrag des ungarischen Ministers für Cultus und öffentlichen Unterricht (damals Joseph Freiherr von Eötvös), nachdem die Enthebung des Augustin von Kubinyi von der Leitung des ungarischen National-Museums genehmigt [76] worden war, auf den erledigten Posten eines Museums-Directors berufen wurde. Kurz zuvor wurde P. noch in einen ernstlichen Handel mit Moriz Jókai verwickelt. Csernatony hatte nämlich in einem Artikel des „Hon“, dessen Redacteur Moriz Jókai ist, Pulszky’s Thätigkeit und Verhalten in den Jahren 1848 und 1849 in energischer Weise angegriffen. Darüber kam es nun zwischen Jókai und Pulszky zu einem Duelle, in welchem Jókai von seinem Gegner leicht verwundet wurde, womit der Ehrenhandel beendigt war. Als Nachspiel zu diesem Duell folgte ein zweites mit Herrn Czernatony selbst im November 1871, welches ebenso harmlos verlief, indem die Kugeln beider Kämpfer ihren Weg in’s unendliche Blaue nahmen. Pulszky hat, wie es aus der vorliegenden gedrängten Skizze erhellt, eine reiche Vergangenheit hinter sich. Er war als Abgeordneter, Partei- und Staatsmann, als Gelehrter und Schriftsteller vielfach thätig. In der ersten Periode seines politischen Wirkens entfaltete er große Gewandtheit, verbunden mit seltener Arbeitskraft. Umsicht, tüchtige national-ökonomische Kenntnisse und die redlichste Absicht, seinem Vaterlande zu nützen, streiten ihm selbst seine Gegner nicht ab. Ueber sein Verhalten in der bedrängnißvollen Periode seines Vaterlandes lauten die Stimmen sehr verschieden; während ihn seine Gegner mit blindem Parteieifer verurtheilen, finden seine Freunde nicht genug an ihm zu rühmen. Der Ton aber, den Levitschnigg in seinem Werke: „Kossuth und seine Bannerschaft“ über P. anschlägt, ist durchaus ungeziemend. Die unbefangene Presse, ohne in den maßlosen Tadel seiner Gegner einzustimmen, hegt von seinem staatsmännischen Talente keine zu hohe Meinung. Sie spricht ihm den sicheren Blick und jene kühle Besonnenheit ab, ohne die ein Staatsmann nicht bestehen kann. Als Schriftsteller und Gelehrter besitzt er unbestritten große Vorzüge. In antiker Gemmenkunde galt er in London als eine Autorität. Selbst seine bittersten Gegner spenden seinen Talenten nach dieser Richtung großes Lob. In seinen Fehden in der „Allgemeinen Zeitung“ hat er sich als gewandter und unerschrockener Kämpe seine ersten publicistischen Sporen ritterlich verdient. Sein Styl ist rein und präcis, und zeigt mitunter französische Tournüre. Sein Aufsatz „über die Sprachfrage in Ungarn“ in Hugo’s „Neuen Croquis“ ist ein wahres Muster von scharfer Logik. Dabei entwickelt er in seinen Kenntnissen eine seltene Vielseitigkeit, umfassende, in manchen Zweigen gründliche Bildung, welche durch große Menschen- und Länderkenntniß geläutert ist. Wie schon oben bemerkt worden, war Pulszky mit einer Wienerin, Therese Walter, verheirathet. Aus dieser Ehe stammen sieben Kinder: August (geb. 1846), der sich der Publicistik zugewendet hat und von dem bisher folgende Schriften im Drucke erschienen sind: gemeinschaftlich mit Emil Tauffer: „A börtönügy multja elmélete, jelen állása, különös tekintettel magyarországra“, d. i. Das Gefängnißsystem mit besonderer Rücksicht auf Ungarn (Pesth 1867, Gustav Emich, 8°.) und „A római jogsaz ujabkori jogfejlődes“ u. s. w., d. i. Das römische Recht und die Rechtsentwickelung in neuerer Zeit (Pesth 1869, Eggenberger, 8°.), bildet Nr. 7 der von Johann Hunfalvi herausgegebenen Abhandlungen der juridischen Section der ungarischen Akademie; Gabriel (geb. 1807, gest. zu Pesth im Jahre 1866); Julius (geb. 1849, gest. zu Florenz 1863); Henriette (geb. [77] 1850, gest. zu Pesth 1866); Karl (geb. zu London 1853); Polyxena (geb. zu London 1857) und Garibaldi (geb. zu Turin 1861), Garibaldi’s Täufling, dem zu Ehren er auch diesen Namen führt.

Ungarns Männer der Zeit. Biografien und Karakteristiken hervorragendster Persönlichkeiten. Aus der Feder eines Unabhängigen (Prag 1862, A. G. Steinhauser, kl. 8°.) S. 91 u. f. – Männer der Zeit. Biographisches Lexikon der Gegenwart (Leipzig 1860, C. B. Lorck, 4°.) II. Serie, Sp. 545. – Levitschnigg (Heinrich Ritter von), Kossuth und seine Bannerschaft. Silhouetten aus dem Nachmärz in Ungarn (Pesth 1850, G. Heckenast, 8°.) Bd. II, S. 30. – Ungarns politische Charaktere. Gezeichnet von F. R. (Mainz 1851, J. G. Wirth Sohn, 8°.) S. 118. – Vehse (Eduard Dr.), Geschichte der deutschen Höfe seit der Reformation (Hamburg, Hoffmann und Campe, kl. 8°.) Abtheilung: „Oesterreichs Hof und Adel“, Bd. XI, S. 194. – Aufzeichnungen eines Honvéd (Leipzig, 1850, F. W. Grunow, 8°.): „Amtliche Begründung des Todesurtheils gegen Batthyany und deren Widerlegung durch Pulszky“. – Schlesinger (Max), Aus Ungarn (Berlin 1850, Franz Duncker, 8°.), im 16. Capitel. – In der historischen Einleitung zu dem Buche: „Aus dem Tagebuche einer ungarischen Dame“. – Croquis aus Ungarn (Leipzig 1843, O. Wigand, kl. 8°.) Bd. I, S. 155. – Der Osten (Wiener Parteiblatt, 4°.), redigirt von Bresnitz, 1861[WS 2], Nr. 46: „Das Duell Czernatony-Pulszky“. – Fremden-Blatt. Herausgegeben von Gustav Heine (Wien, 4°.) 1865, Nr. 105; 1866, Nr. 246, 250, 254, 258; 1867, Nr. 34; „Pulszky über die ungarischen Staatsmänner“; 1868, Nr. 287; 1869, Nr. 8 u. 9 [theils in den politischen Tagesnotizen, theils in besonderen Artikeln, über die Erkrankung seiner Frau, über seine Flucht aus Wien, sein Duell mit Jokay u. m. a.). – Neues Fremden-Blatt (Wien, 4°.) 1866, Nr. 283, im „Nachtrag“. – Neue freie Presse (Wiener polit. Blatt) 1866, Nr. 734: „Pulszky’s Rückkehr“; Nr. 741: „Ein Vielgeprüfter“; Nr. 766: „Pulszky“; 1867, Nr. 972; „Rothe und schwarze Reaction“. – Presse (Wiener polit. Blatt) 1866, Nr. 264: „Franz Pulszky“. – Pester Lloyd (deutsches polit. Blatt) 1861, Nr. 162, im Feuilleton: „Briefe aus dem Exil“. – Magyar irók. Életrajz-gyüjtemény. Gyüjté Ferenczy Jakab és Danielik József, d. i. Ungarische Schriftsteller. Sammlung von Lebensbeschreibungen. Von Jacob Ferenczy und Jos. Danielik (Pesth 1856, Gust. Emich, 8°.) I. Theil, S. 374. – Hajnal. Arczképekkel és életrajzokkal diszitett Album. Tulaj- donos szerkesztő és kiadó: Sarkady István, etc., d. i. Die Heimat. Bilder- und Biographien-Album, herausgegeben von Stephan Sarkady (Wien 1867, Leop. Sommer, 4°.) – Illustrated London News, July 10, 1858, p. 28: „The Pulszky gems“ [mit mehreren Abbildungen]. – Porträt. Von Marastoni lithographirt in Sarkady’s „Hajnal“ (4°.).

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: „Read, white and black“.
  2. Vorlage: 1801.