BLKÖ:Becke, Franz Karl Ritter von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 14 (1865), ab Seite: 395. (Quelle)
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* Becke, Franz Karl Ritter von[BN 1][BN 2] (Sectionschef im k. k. Finanzministerium, geb. zu Kollinetz in Böhmen 31. October 1818). Erhielt eine sorgfältige Erziehung im elterlichen Hause [396] und besuchte dann das Gymnasium in Pilsen. 16 Jahre alt, bezog er 1834 die Hochschule zu Prag, wo er die philosophischen und juridisch-politischen Studien beendete, nebenbei aber mit besonderem Eifer lebende Sprachen, Geschichte, Statistik und Nationalökonomie trieb. Dem Staatsdienste sich widmend, trat er am 21. December 1840 bei der k. k. böhmischen Kammer-Procuratur als Concepts-Praktikant ein, erlangte, während er im Staatsdienste thätig war, am 21. December 1842 die juridische Doctorwürde, wurde dann Concepts-Praktikant bei der k. k. allgemeinen Hofkammer in Wien und erhielt unter Einem die Gestattung die Stelle eines Assistenten der Lehrkanzeln der Statistik und Gefäll-Gesetzkunde an der Wiener Hochschule zu übernehmen. Im Jahre 1846/47 zum Kanzler des kais. Consulates in Galacz ernannt, bekleidete er drei Jahre diesen Posten, kam dann in gleicher Eigenschaft zum General-Consulate für Egypten, wo er, da der General-Consulsposten unbesetzt war, die Leitung der Geschäfte führte und Gelegenheit fand, die österreichischen Verkehrsbeziehungen von einem allgemeineren handelspolitischen Standpuncte aufzufassen und zu behandeln. Im Jahre 1850 zurückberufen, arbeitete er bis 1852 im Consulats-Departement des Handelsministeriums und war an den damaligen umfassenden, die Organisation des Consulatswesens in Oesterreich betreffenden Systemalarbeiten wesentlich betheiligt. Im Jahre 1853 wurde er zum Kanzleidirector des k. k. General-Consulates in Constantinopel ernannt, als aber im folgenden Jahre dieser Posten in ein k. k. Consulat umgestaltet wurde, erhielt B. die Stelle des Consuls daselbst. Dritthalb Jahre, in der schwierigen Epoche des orientalischen Krieges, versah B. dieses Amt, bei welchem aber nicht nur ein außerordentlicher Geschäftsandrang stattfand, sondern noch manche andere und darunter sehr wesentliche Umstände den Dienst ebenso schwierig als wichtig machten, als z. B. die durch die Umformung des Amtes nothwendig gewordene Reorganisation des inneren Consulatsdienstes; die Abstellung von Mißbräuchen bei Abmachung der überhand genommenen Havarien; die Aufrechthaltung der Disciplin in der österreichischen Handelsmarine, welche sich an dem durch den Krieg hervorgerufenen enormen Verkehr des Hafens von Constantinopel mit einer jährlichen Schiffsbewegung von 3000 Fahrzeugen und 30.000 Matrosen betheiligte ; die Einrichtung des österr. Marineamtes; die Reorganisirung des österr. Marine-Hospitals und jene der österr. Schule; die Vorarbeiten für die Reform der österr. Consular-Civil-Jurisdiction und später die praktische Einführung der dießfalls erflossenen neuen Normative; die Handhabung der Polizei und Criminal-Gerichtsbarkeit über die durch den Verlauf des Krimkrieges außerordentlich angewachsene, zum Theil aus den schlimmsten Elementen bestehende flottante österreichische Bevölkerung von Constantinopel, Gallipolis, Varna und Balaklava; die Vertretung der toscanischen, hannoveranischen, oldenburgischen Schutzgenossen und ihrer Marine-Angelegenheiten u. dgl. m. Als in Folge der Mission des Christian Franz Ser. Grafen Leiningen-Westerburg [s. d. S. 330 dies. Bds.] eine gemischte Reclamations-Commission organisirt wurde, fungirte B. als deren ständiges Mitglied und war nun bemüht, die Liquidirung langjähriger Forderungen österreichischer Unterthanen an die Pforte zur Ausführung zu bringen. Ueber ein Jahr [397] besorgte B. auch die Geschäfte der russischen Gesandtschaftskanzlei und schlichtete die Angelegenheiten zahlreicher russischer Unterthanen. Im Mai 1856 zum Sectionsrath befördert, wurde er zugleich zum österreichischen Vertreter bei der europäischen Donau-Commission ernannt und trat im October g. J. seine Functionen mit dem Amtssitze in Galacz an. Hatte er schon früher als Consul daselbst Gelegenheit gehabt, für die österreichischen Handels- und Schifffahrts-Interessen in den unteren Donauländern fördernd zu wirken, als österreichisches Commissionsmitglied vertrat und wahrte er energisch in der europäischen Donau-Commission die Machtstellung und Rechte Oesterreichs als Donauuferstaates und that bei Wahrung des Princips Alles, um die praktischen Zwecke der Commission zu fördern, wie denn z. B. durch die glücklich zu Stande gebrachte Schiffbarmachung der Sulinamündung von der Commission sehr günstige Resultate erzielt wurden. Im Spätherbste 1860 trat er den mannigfaltigen in Waffenschmuggel, Abordnung von Emissären u. dgl. m. bestehenden Umtrieben der Umsturzpartei und den in den unteren Donauländern mit Beharrlichkeit und unermüdlicher Thätigkeit zu Oesterreichs Nachtheil agirenden sardo-magyarischen Elementen mit Nachdruck entgegen. Später wurde B. zum Vicepräsidenten der Central-Seebehörde in Triest ernannt und bekleidete diesen Posten bis Ende Juli 1865, um welche Zeit ihn der neue Finanzminister Graf Larisch in sein Ministerium berief, wo er nun an der völligen Umgestaltung desselben wesentlich betheiligt, als Chef der einen von den zwei Sectionen, in welche dieses Ministerium nun abgetheilt ist, thätig ist. Diese Verdienste B.’s haben von Seite Sr. Majestät ihre Würdigung gefunden, indem er mit dem Orden der eisernen Krone 3. Classe ausgezeichnet und den Statuten dieses Ordens gemäß in den erbländischen Ritterstand erhoben wurde, aber auch fremde Fürsten, wie z. B. der türkische Sultan, der König von Hannover, haben ihn für seine um den Schutz ihrer Angehörigen erworbenen Verdienste mit ihren Orden geschmückt.

Ritterstands-Diplom vom 21. April 1862. – Neue freie Presse (Wiener politisches Journal) 1865, Nr. 334. – Wappen. In Blau ein wellenweise gezogener gewässerter silberner Balken, den Schild schrägrechts durchziehend. Auf dem Schilde ruhen zwei gekrönte Turnierhelme. Auf der Krone des rechten Helms steht ein offener blauer, jederseits von einem gewellten silbernen Balken sparrenartig durchzogener Adlerflug, welchem ein weißer einwärts gerichteter Reiher eingestellt ist; auf der Krone des linken Helms ein rechts von Silber über Blau, links abgewechselt, quer getheilter Adlerflug, zwischen welchem ein Wache stehender Kranich sich befindet. Die Helmdecken sind zu beiden Seiten blau mit Silber belegt.

Berichtigungen und Nachträge

  1. Becke, Franz Karl Freiherr von [Bd. XIV, S. 393]. Gestorben zu Wien 15. Jänner 1870. Zuletzt kais. österreichischer Reichs-Finanzminister.
    Neue freie Presse 1865, Nr. 334; 1866, Nr. 561: „Zahlbar in Berlin“; 1867, Nr. 910: „Ein neues Finanzproject des Freiherrn von Becke“; Nr. 912: „Der Reservefond des Herrn v. Becke“; Nr. 1152: „Baron Becke, der Polemiker“; 1870, Nr. 1932, 1934, 1936, 1943 [sein Tod und seine Biographie]. – Neues Fremden-Blatt 1867, Nr. 26, in den „Tagesnotizen“; Nr. 68: „Freiherr von Becke“ (Leitartikel). – Wanderer 1867, Nr. 292: „Eine Szene beim „Schachspiele“. – Presse 1866, Nr. 383: „Herr v. Becke“. – Fremden-Blatt. Von Gust. Heine (Wien, 4°.) 1870, Nr. 15 u. 16 [Tod und Biographie]. – Neues Wiener Tagblatt 1870, Nr. 15: „Freiherr v. Becke“. [Bd. 22, S. 476.]
  2. E Becke, Franz Karl Freiherr von [Bd. XIV, S. 395; Bd. XXII, S. 476].
    Neue freie Presse 1872, Nr. 2804 vom 15. Juni, im Feuilleton: „Der Heiraths-Roman des Herrn v. Becke“, von F. Becke; – dieselbe, Nr. 2810 vom 21. Juni 1872, in der „Kleinen Chronik“. [Bd. 24, S. 376.]