BLKÖ:Beltramelli, Judith

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Beltramelli, Joseph
Band: 1 (1856), ab Seite: 249. (Quelle)
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Beltramelli, Judith (Sängerin, geb. zu Bergamo um das Jahr 1834). Sie ist die Tochter Peter B.’s, eines ausgezeichneten Professors der Musik. Von frühester Jugend schon begann ihre Ausbildung in der Musik. Die hervorragende Eignung zur Kunst bewog den Vater, sie in’s Conservatorium nach Mailand zu schicken, wo sie ihre höhere musikalische Ausbildung erhielt, schon mit 14 Jahren meisterhaft das Piano spielte und im Gesange eine gute Schule zeigte. Ihr schüchternes, häusliches Wesen ließ sie lange nicht mit dem Gedanken sich befreunden, als Sängerin die Bühne zu betreten. Endlich gab sie den Wünschen ihrer Eltern nach und nahm, 17 Jahre alt, ein Engagement beim Theater in Berlin; dort trat sie zuerst in der „Nachtwandlerin“ auf und ihr Spiel und Gesang gefielen. Mit gleich schönem Erfolge sang sie nun in „Moses,“ „Robert der Teufel“ und in der „Heimlichen Ehe.“ Nun erhielt sie ein Engagement nach London, wo sie mit der Grisi und mit Mario in den „Hugenotten,“ im „Propheten“ und in der „Jüdin“ auftrat. Von London begab sie sich nach Brüssel, wo sie mit Mario und Lablache in Mozarts „Zauberflöte“ sang, und mit diesen Beiden auf mehreren Theatern Schottlands und Irlands mit glänzendem Erfolge gastirte. Nach Beendigung dieser Kunstreise kehrte sie in ihre Vaterstadt Bergamo zurück, um von dort einem neuen Rufe nach Paris an’s Théâtre italien zu folgen, wo sie mit Calzolari und Ronconi in der „Nachtwandlerin“ und den „Puritanern“ und andern Opern sang; von dort ging sie nach Lyon, um daselbst das Publicum im „Barbier von Sevilla,“ wie später jenes von Constantinopel und Alexandrien in Aegypten, auf welchen Bühnen sie in „Rigoletto“ und „Trovatore“ auftrat, zu entzücken. Im Dec. 1854 sang sie auf dem königl. Theater von Neapel und feierte Triumphe in der „Luisa Miller“ und „Traviata.“ Weniger hervorragend in heroischem Gesange, ist sie sehr bedeutend in sentimentalen Rollen und überall dort, wo Einfachheit und Natürlichkeit – diese zwei heut zu Tage so selten gewordenen Tugenden der Kunst – die höchsten Wirkungen im Gesange erzielen. In ihrem Gesange ist Anmuth und vollendete Schule, in ihrem Spiele ist sie wahr und natürlich.

Giornale di Bergamo (Anno XLII.) 1855, vom 29. Juni, Nr. 52. – Galleria artistica contemporanea (Napoli 1854).