BLKÖ:Belzoni, Johann Baptist

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Bem, Joseph
Band: 1 (1856), ab Seite: 252. (Quelle)
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Belzoni, Johann Baptist[BN 1] (berühmter Reisender, geb. zu Padua 1778, gest. zu Gato an der afrikanischen Goldküste 3. Dec. 1823). Einer jener merkwürdigen Charaktere, die durch Willenskraft und Ausdauer das Höchste zu vollbringen im Stande sind. Nachdem er seine Jugendzeit in Rom verlebt, und er die Absicht gehabt hatte, in ein Mönchskloster [253] zu treten, ward er von diesem Ziele durch die Kriegsunruhen des Jahres 1800 abgelenkt. Er kam 1803 nach England, wo er sich mit mechanischen Künsten, besonders der Hydraulik, beschäftigte. Durch seine Verheirathung daselbst kam er in sehr bedrängte Lage, aber er war nicht der Mann, der im Drange der Verhältnisse untergehen konnte. Gestützt auf seine Kenntnisse in der Mechanik, begab er sich nach Edinburg und construirte dort in verschiedenen Formen Wassertriebmaschinen. Als er damit längere Zeit die Schaulust des Publikums befriedigt hatte, kam er auch auf den Gedanken, die außerordentliche Kraft und Gewandtheit seines Körpers zu produciren, und er ließ sich herbei, athletische Vorstellungen zu geben. So kam er nach Irland, Portugal, Spanien und endlich nach Aegypten, wo er seinen eigentlichen spätern Ruhm begründete (1815). Dort fand er bald eine ihm genehme Beschäftigung. Statt der in Kairo üblichen Bewässerungsräder sollte B. eine neue hydraulische Maschine anlegen und errichtete die erste auf einer Domäne des Pascha’s. Obgleich Holz und Eisen daran sehr schlecht waren, verrichtete doch die Maschine ihren Zweck, und brachte ihm den Werth sechs solcher Maschinen ein. Da fanden die Intendanten des Pascha’s an ihr den Fehler, den einst der Pariser Präfect in der englischen Trinkwasser-Beschaffungsmaschine in Paris fand: sie machte nämlich eine Menge Menschen erwerbsunfähig. Von 400 Menschen waren auf einmal 300 unbeschäftigt. Es hatte daher von dieser Neuerung sein Abkommen. B. wandte nun, von dem berühmten Reisenden Burckhardt aufgemuntert, seinen Blick auf Ober-Aegypten und die zahlreichen alten Baudenkmäler desselben. Mit ungeheuren Hindernissen kämpfend, drang er in das Innere vergessener Königsgräber, Katakomben und Tempel. Er schaffte die Statue des jüngern Memnon von Theben nach Alexandria, und eröffnete (1817) das berühmte Königsgrab des Psametich, dessen alabasternen Sarkophag er in’s britische Museum beförderte. Auch gelang ihm die merkwürdige Eröffnung der Pyramide des Chephyren. Er widerlegte dadurch den seit Herodot aufrecht erhaltenen Glauben, daß diese Pyramide keine unterirdischen Gemächer habe. Eine reiche Sammlung von Alterthümern war die Ausbeute derselben. Ueberdieß entwarf er von Allem treffliche eigenhändige Zeichnungen. Ein Anschlag auf sein Leben vermochte ihn aber, Aegypten zu verlassen (1819). Seine Gattin, eine wahre Amazone, die alle Gefahren mit ihm getheilt, begleitete ihn nach Europa zurück. Seiner Vaterstadt Padua schenkte er 2 ägyptische Granitstatuen (Palazzo della Giustizia). In England besorgte er die Herausgabe seiner Reisebeschreibung unter d. Titel: „A narrative of the Operations and recent discoveries within the pyramide, temples, tombs and excavations in Egypt and Nubia; and of a journey to the coast of the Red Sea, in search of the ancient Berenice, and an other to the Oasis of Jupiter Ammon.“ (London 1820, Murray. Vergleiche: Brunet (J. Ch.), Manuel du libraire (Bruxelles 1838) I. Bd. S. 223. Sein Stolz war, das Buch selbst und allein zu schreiben, da er, wie er sich ausdrückte, auch die Entdeckungen allein gemacht hatte. Zu Anfang des Jahres 1821 veranstaltete B. eine Ausstellung seiner Alterthümer in London, die allgemeines Aufsehen machte. Aber sein Unternehmungsgeist war noch nicht befriedigt. Er wollte auch noch das Innere von Afrika, schon für so viele Europäer ein frühes Grab, durchforschen, und 1822 schiffte er sich in dieser Absicht nach Gibraltar ein. Nach manchen Kreuz- und Querfahrten und vielen Hindernissen erreichte er Benin (unter dem 3° 40′ [254] nördl. Breite), wo er an einer Ruhr tödtlich erkrankte. Nach Gato transportirt, starb er daselbst, und ward mit allen Ehren unter einer mächtigen Platane beerdigt. Die Stelle, wo er ruht, bezeichnet ein Stein mit einer Inschrift in englischer Sprache, folgenden Inhalts: „Hier ruhen die Gebeine von Giambattista Belzoni Esq. der auf der Reise nach Tombuctu am 26. Nov. 1823 von einer Dissenterie befallen wurde, und am 3. Dec. zu Gato starb.“ B. war erst 45 Jahre alt. Eine Bildsäule ist ihm auf dem Rathhause seiner Vaterstadt Padua errichtet worden.

Menin (N. N.), Cenni biografici intorno al viaggiatore italiano G. B. Belzoni (Milano 1825). – Zeitgenossen, Neue Reihe (Leipzig 1826) V. Bd. S. 143. – (Brockhaus) Conversations-Lexikon (10. Aufl.) II. Bd. S. 491. – Nouvelle Biographie générale ... publiée sous la dir. de M. le Dr. Hoffer (Paris 1853) V. Bd. Sp. 308. – Blätter aus der Gegenwart, herausgeg. von Dr. A. Diezmann (Leipzig, Baumgärtner, 4°.) XI. Jhrg. 1840, Nr. 20 u. 21, S. 98 und 101: „Der gelehrte Herkules.“ – Buch der Wett (Stuttgart, Hoffmann, 4°.) 1847 S. 193. – Annuaire nécrologique (Paris 1826) von Depping. – Conversationsblatt (Wien, 8°.) III. Jahrg. 1821: „Erste Eröffnung des Tempels zu Ybsambul durch Belzoni.“ – Der Wanderer (Wien, 4°.) 1824, Nr. 128. – Der Freimüthige, herausgeg. von Dr. Aug. Kuhn (Berlin, 4°.) XXVI. Jahrg. 1829, Nr. 106–108: „Biographie“ von L. R. Marchaud. – Biblioteca italiana 1826, Jänner- u. Februarheft. – Porträte: im Archiv für Natur, Wissenschaft u. Kunst (Karlsruhe, 4°.) II. Jahrg. auf einem Blatte zusammen mit den Porträten von F. Drake, R. Lander, Alex. v. Humboldt u. Roß. – Im oberwähnten Buch der Welt, ohne Angabe des Zeichners und Stechers. Stahlst.

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Belzoni, Johann Baptist [Bd. I, S. 252].
    Theater-Zeitung (Wien) 1860, Nr. 184, im Feuilleton: „Giovanni Belzoni“. [Bd. 22, S. 479.]