BLKÖ:Blank, Johann Conrad

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Blancus
Band: 1 (1856), ab Seite: 422. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Johann Conrad Blank in der Wikipedia
GND-Eintrag: 143619756, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Blank, Johann Conrad|1|422|}}

Blank, irrig nach Einigen Plank, Johann Conrad[WS 1] (Weltpriester und Professor der Mathematik, geb. zu Sulzberg[WS 2] in der Bregenzer Herrschaft in Vorarlberg, ermordet in Wien 13. Febr. 1827). Blank studirte zuerst in Constanz, dann in Wien Philosophie und Theologie und wendete sich mit Vorliebe der Mathematik zu. Nachdem er zum Priester geweiht worden, that er zehn Jahre lang Dienste in der Seelsorge. Dann übernahm er eine Professur der Mathematik an der Theresianischen Ritterakademie, deren Präfect er wurde. Als diese Anstalt an die Piaristen überging, wurde B. Professor der Mathematik bei der architektonischen Abtheilung der k. k. Akademie der bildenden Künste. In seinem Fache wirkte B. auch als Schriftsteller und zeichnet sich darin durch seine Gründlichkeit und Faßlichkeit aus. Seine Schriften sind: „Anfangsgründe der Messkunst. Zu dem Gebrauche der k. k. Ther. Ritterakademie in Wien“ (Wien 1800, gr. 8°., mit 8 K. K., Zeichnungen dazu ebenda 1805); – „Vollständige Anfangsgründe der allgem. Rechnenkunst“ (Wien 1809); – „Vollständige Anfangsgründe der Kegelschnitte“ (Wien 1814, gr. 8°., mit 11 K. K.); – „Tafeln der Logarithmen und Zahlen, Sinus und Tangenten“ (Wien 1816, gr. 8°.); – „Vollständige Anfangsgründe der ebenen und sphärischen Trigonometrie“ (Wien 1818, gr. 8°. mit 8 Taf.); – „Instruction über den methodischen Gebrauch der Anfangsgründe der Rechnenkunst“ (Wien 1822); – „Elementa arithmeticae singularis et universalis“ (Wien 1824). – Das traurige Loos, daß er durch Mörderhand gefallen, lenkte mit einemmale die allgemeine Theilnahme dem schlichten frommen Priester und von seinen Zöglingen geliebten Lehrer zu, und erst in neuester Zeit war es die grauenhafte Geschichte seines Mordes, womit Adolph Bäuerle das neue Genre des „Wiener Localromans“ schuf, welches von seinen Nachahmern zu einer Sorte von Unterhaltungslecture mißbraucht ward, wofür es in der Literatur keine Bezeichnung und für [423] die Erbärmlichkeit dieser Producte keinen Maßstab mehr gibt. Hier als Ergänzung der obigen Lebensskizze den Thatbestand des Mordes, durch welchen das Opfer förmlich auch eine Celebrität für Deutschland wurde. Blank hatte sich während seines langjährigen Wirkens als Professor 400 Ducaten in Gold und 10,000 fl. in Papieren erspart, und dieses Vermögen theils seinem Neffen, theils zu wohlthätigen Zwecken testirt. Severin v. Jaroszynski, ein junger Edelmann aus dem russischen Gouvernement Podolien, verheiratet u. Gutsbesitzer, war in früherer Zeit sein Zögling, der mit nicht geringen Talenten unbändige Gesinnungsart und Trotz verband. Jaroszinski war nunmehr auf Reisen gegangen und 1826 vergnügungshalber nach Wien zurückgekehrt. Regelloses Leben, Kartenspiel, Verschwendung hatten seine mitgebrachte, nicht unbedeutende Baarschaft so geschmälert, daß er in die drückendsten Geldverhältnisse kam. Der Zufall führte Lehrer und Schüler – die sich seit Jahren nicht gesehen – wieder zusammen und letzterer weiß des Greises Vertrauen so zu gewinnen, daß ihn dieser zu wiederholten Besuchen in seine sonst menschenleere Wohnung (Ecke der Johannesgasse und Seilerstätte Nr. 978, das Haus zur eisernen Birne) einladet und ihm endlich, veranlaßt durch Jaroszinski’s Vorwand, daß auch er sich Obligationen anzuschaffen, dieselben aber vorläufig kennen zu lernen wünsche, in einer vertraulichen Stunde sein Erspartes und auch den Ort der Aufbewahrung zeigt. Da erwachte in Jaroszinski’s Seele die Begierde, das Geld sein nennen zu können. In seiner schon auf’s Höchste gestiegenen Geldnoth erhielt er noch zu Anfang des Jahres 1827 von seiner Regierung den ernstgemessenen Befehl zur Rückkehr in sein Vaterland mit dem Beifügen, daß er noch über die Führung des von ihm zuletzt bekleideten Amtes Rechenschaft abzulegen und in Bezug auf diese eine bedeutende Zahlung zu leisten habe. In diesem Zustande – da er von keiner Seite Hilfe in seiner Lage zu erwarten hatte – erwachte in ihm der Gedanke, seinen alten Lehrer zu berauben. Der schnell gefaßte Entschluß wurde nun eben so schnell ausgeführt. Mit einem breiten Messer und einem dicken, mit Blei ausgegossenen Stocke begibt er sich zu Blank. Es war den 13. Febr. 1827 Mittags 1 Uhr. B. hatte ihm Tags vorher den nächsten Tag bestimmt, an welchem er ihm Papiere höherer Summen vorweisen wollte. In der That zeigt er ihm auch 8 Stücke im Gesammtbetrage von 6100 fl. Da erhebt sich B., um etwas zu holen. In diesem Moment stürzt sich der Mörder auf ihn und versetzt dem Unglücklichen mit dem Messer einen Hieb auf das Hinterhaupt. Blank stürzt zusammen, u. erhält noch sechs Hiebwunden in den Kopf, zwei Stiche in die Brust und fünf in den Unterleib, deren einer so gewaltig, daß er den ganzen Leib durchdringt. Nun rafft der Mörder das vorhandene Geld zusammen, hüllt sich in seinen Carbonarimantel u. eilt die Treppe herunter. Erst am folgenden Tage entdeckt man Blanks Leiche mit den dreizehn Wunden, im Blute schwimmend. Die wirksamsten Maßregeln werden nunmehr getroffen, auf der Polizei auf jeden Paßsuchenden, bei den Linien auf jeden Passirenden invigilirt und das bei Blank unter seinen Papieren vorgefundene Verzeichniß der Obligationen in Copien unter allen Kaufleuten und Banquiers vertheilt. Bald meldete sich ein Kaufmann auf der Polizeidirection mit der Angabe: ein Fremder, den er beschrieb, habe ihm zwei Stunden vor Empfang des Circulars mehrere der darin bezeichneten Obligationen verkauft und bei ihm einen goldenen Ring gekauft; er sei in einem Fiaker gekommen. Mehr wußte er nicht. Nun [424] wurden alle Fiaker Wiens verhört, wen und wohin sie in der angegebenen Stunde jenes Tages geführt hätten. Einer der letzten sagte aus: Er habe einen solchen Herrn wie der, den man ihm beschrieb, aus der Leopoldstadt zum bezeichneten Gewölbe und dann zurück in die Leopoldstadt zu einem Sattler geführt. Der Sattler wurde vorgerufen und berichtet, jener Herr sei der in Wien wohlbekannte und angesehene Graf Jaroszinski gewesen. (J. ließ sich Graf nennen, welches ihm, da er Kriegsdeputirter und Inhaber einiger kleiner russischer Orden war, leicht wurde.) Vorsichtshalber wurde nun Jaroszinski’s Wohnung sogleich beobachtet und man erfuhr, daß er auf den nächsten Tag früh Postpferde bestellt, heute aber noch mehrere Personen zu einem Mittagsmahle eingeladen habe. Um zwei Uhr Nachmittags begab sich ein Polizei-Obercommissär mit der nöthigen Bedeckung an der Seite des Kaufmanns, bei dem J. die Obligationen verkauft, in dessen Wohnung, wo dieser eben bei einem Bankett saß, dem unter andern die so beliebte Schauspielerin des Leopoldstädter Theaters, Ther. Krones beiwohnte. Der Bediente mußte J. herausrufen und als den in’s Vorzimmer Getretenen der Kaufmann sogleich als den Verkäufer der Obligationen erkannte, wurde J. ohne ihm Zeit zu lassen, sich zu fassen, arretirt und in einem bereit stehenden Wagen auf die Polizei gebracht. Allein sowohl im ersten summarischen Verhör, als in den folgenden blieb er hartnäckig beim Läugnen und den Verkauf der Obligationen entkräftete er durch die feste Behauptung, er habe dieselben wenige Tage vor der Ermordung Blank’s von ihm gekauft. Die Zeugenverhöre wurden nun mit dem größten Eifer fortgesetzt und diese wie die in J.’s Wohnung vorgenommene Durchsuchung, bei welcher man einen Theil des Geldes, die Mordwerkzeuge und sogar die blutbefleckten Kleider fand, steigerten die Inzichten zur Gewißheit. Endlich, nachdem man nach und nach durch das Resultat der Zeugenverhöre eine Lüge nach der andern in seinen Aussagen aufdeckte und ihm vorhielt, wurde er kleinmüthig, weinte ganze Nächte und gestand endlich am 20. Mai sein Verbrechen umständlich, worauf er am 30. Aug. in Wien bei der Spinnerin am Kreuz durch den Strang hingerichtet wurde. J. war ungefähr 34 Jahre alt, gebildet, sprach geläufig mehrere Sprachen und hatte die meisten Städte Europa’s besucht. Auf seinem Gute in Podolien verließ er eine junge Frau und zwei Kinder, deren Namen er so tief befleckt hatte. Ueber J.’s Verhalten im Kerker hat der ihm beigegebene Seelsorger das unten in den Quellen angegebene Tagebuch geführt, welches mehrere Bogen stark, von psychologischer Wichtigkeit ist. Noch eines Umstandes muß dabei gedacht werden, der zu merkwürdig ist, um hier übergangen zu werden. Als zehnjähriger Knabe war Severin Jaroszinski Zögling in der damals vielbeliebten Pleban’schen Erziehungsanstalt, welche auf dem hohen Markte im freiherrlich Sina’schen Gebäude, das gerade gegenüber dem Schrannengebäude gelegen war, sich befand. Rohheit, wildes Gemüth, Zügellosigkeit traten damals schon bei J. hervor. Eines Tages als aus dem gegenüberstehenden Schrannengebäude eben wieder ein Verbrecher zum Tode abgeführt wurde, trat die Frau Pleban mit dem jungen Menschen an das Fenster, wies ihm die Scene und bat ihn mit der Zärtlichkeit einer liebenden Mutter, sich bei Zeiten zu bessern, widrigenfalls ihm vielleicht auch solch ein entsetzlicher Weg bevorstehe. Thatsächlich trat J. 24 Jahre später aus dem nämlichen Hause heraus, um zum Hochgerichte abgeführt zu werden. Dem Gemordeten, der sich durch seinen strengsittlichen [425] Lebenswandel die allgemeine Achtung, und als ausgezeichneter und sehr humaner Professor die Liebe seiner Zöglinge erwarb, folgte die ehrenvollste Theilnahme in’s Jenseits, seine Schüler gruben ihm mit eigenen Händen das Grab und geleiteten den durchbohrten Leichnam zur letzten Ruhestätte. – Der Roman von Adolph Bäuerle, womit dieser ein Sittengemälde aus dem Leben Wiens vor 30 Jahren, also gerade in jener Zeit, wo die Lustigkeit und Herzlichkeit des Wienerlebens einen europäischen Ruf hatte, zeichnete und welcher die grause, an Blank verübte That, mit den authentischen, für den Psychologen sehr interessanten Nebenumständen erzählt, heißt „Therese Krones“ und erlebte binnen der kürzesten Zeit drei, jede mehrere tausend Exemplare starke Auflagen.

Unser Planet. Blätter für Unterhaltung, Literatur, Kunst u. Theater (Grimma, 4°.) 1837, Nr. 262–271: „Der Raubmörder Jaroszinsky während der letzten Tage und Augenblicke vor seiner Hinrichtung. Von Phil. Jac. Münich, erstem Seelsorger im k. k. Prov.-Strafhause in Wien“ – Oestr. National-Encyklopädie (von Gräffer u. Czikann), (Wien 1835, 6 Bde.) I. Bd. S. 307 [nach diesem geb. zu Weiler im Vorarlberg’schen]. – Staffler (J. J.), Tyrol und Vorarlberg statistisch, topographisch etc. (Innsbruck 1841, F. Rauch, 8°.) II. Thl. I. Bd. S. 40. – Neuer Nekrolog der Deutschen (Ilmenau 1829, Voigt) V. Jahrg. (1827) I. Thl. S. 168. – Frankfurter Oberpostamts-Zeitung 1827, Nr. 231. – Gräffer (Franz), Kleine Wiener Memoiren (Wien 1845, 8°.) III. Bd. S. 220: „Blank, der Ermordete“ (mit Zusätzen). – Vorarlberg. Aus den Papieren des in Bregenz verstorbenen Priesters Franz Jos. Weizenegger. In 3 Abtheil. Bearbeitet und herausgegeben von M. Merkle, Präfect des Gymnasiums zu Feldkirch. (Innsbruck 1839, Verlag der Wagner’schen Buchh.) I. Abtheil. S. 44 [nach diesem geboren zu Sulzberg in Vorarlberg]. – Wanderer [Zeitung] (Wien, 4°.) 1827, Nr. 241 u. 243 [nach diesem geb. zu Gulenberg in der Bregenzer Herrschaft in Vorarlberg.]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Nachtrag Plank, Johann Conrad.
  2. Vorlage: Gulenberg (korrigiert laut Nachtrag).