BLKÖ:Boruslawski, Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Borwiz, Franz von
Band: 2 (1857), ab Seite: 79. (Quelle)
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Boruslawski, Joseph (berühmter Zwerg, geb. nächst Halicz in Galizien, im J. 1739, gest. in England im J. 1837). Seine Eltern waren von gewöhnlichem Wuchs, so wie auch sechs seiner Geschwister, doch drei waren Zwerge. Eine seiner Schwestern starb im zweiundzwanzigsten Lebensjahre, nur 22 Zoll hoch. Bei seiner Geburt hatte J. B. 8″ und war vollkommen gesund. Seine Eltern nahmen das Maß seiner Größe alle Jahre – im ersten Jahre maß er 8″, im dritten 12, im sechsten 17, im zehnten 21, im fünfzehnten 25, im zwanzigsten 28, im fünfundzwanzigsten 35″, im dreißigsten 3′ und 3″, über welches Maß er nicht mehr wuchs. Im achten Jahre verlor er seinen Vater, der seine Familie in großer Armuth zurückließ. Nun nahm sich seiner die Gattin des Castellans Humniecki an. Sie ging mit ihm zuerst nach Warschau und dann nach Wien, wo er der Kaiserin Maria Theresia vorgestellt wurde, welche ihn mit Wohlwollen aufnahm. In Wien erhielt er vom bekannten Tanzmeister Angelino Unterricht im Tanzen. Von Wien ging er nach München an den Hof des Churfürsten, dann nach Luneville zum poln. Könige Stanislaus Leszczyński, von welchem er Empfehlungsbriefe an seine Tochter, die Königin Marie erhielt. In Paris war er für Hof und Adel einige Zeit der Mann des Tages. Der Prinz von Orleans beschenkte ihn reichlich. – Der Großhetman von Lithauen, Oginski, ertheilte ihm Unterricht in den Anfangsgründen der Musik, und da B. ein großes Talent, verbunden mit großer Lust zur Musik zeigte, so übergab man ihn der Leitung des berühmten Gavinies, der ihm auf der Guitarre so viel beibrachte, daß es ihm in späteren Jahren viele [80] traurige Augenblicke vergessen half. Nun begab sich B. nach Belgien, und dann über Deutschland nach Warschau, wo er insbesondere durch sein seines Benehmen den Besuch junger Leute aus hohen Ständen veranlaßte. Nach und nach begann sich das Interesse für das zwerghafte Prototyp des guten Tones zu verlieren und aller Mittel entblößt, wendete er sich an den Fürsten Kasimir Poniatowski, den Bruder des Königs Stanislaus; der Fürst stellte B. dem Könige vor, und dieser wies ihm eine Pension von 100 Ducaten jährlich an. Indessen hatte ihn in Warschau eine gewisse Isaline Barboutan kennen gelernt, die durch obige Unterstützung sich bewogen fand, B. zu heiraten, mit dem sie drei Kinder hatte. Doch auch diese Summe war bald zu klein. Eine Rundfahrt auf den europäischen Höfen wurde wiederholt. B. ging wieder nach Wien, wo sich nun besonders der Fürst Kaunitz für ihn interessirte. Von Wien reiste er nach Deutschland, wo er am Hofe des Markgrafen Anspach sehr gut aufgenommen wurde, und der Fürst sogar die Sorge für seine Tochter übernahm. Nachdem er nachgerade die meisten Höfe bereist, ging er nach England, wo sich anfangs auch die höchsten Personen, ja selbst König Georg IV. für den Zwerg interessirten. Später aber erkaltete dieses Interesse. Boruslawski’s Vermögensverhältnisse kamen dadurch in solchen Verfall, daß ihn seine Frau verließ. In seiner äußersten Noth war B. gezwungen, – so liest man in seinen Memoiren – seinen Leichnam zu verkaufen. Mit dieser Summe, wie mit einem um’s J. 1807 im Wege der Subscription zusammengebrachten Gelde wurde er in die Lage gesetzt, im hohen Alter kummerlos und in Ruhe zu leben.

[Hérissant] des Carrières, Mémoires du célèbre nain J. Boruslawski, gentilhomme polonais ... écrits par lui-même en français et traduits de français en anglais par .... (London 1788, 8°.). – Memoirs of the celebrated dwarf Boruslawski a polish gentleman (London 1788, 8°., mit Porträt) [in’s Deutsche übersetzt von Christian August Wichmann (Leipzig 1789, 8°., mit Porträt)]. – Memoirs of the life and travels of count Boruslawski (Durham 1820, 8°.). – Rozmaitości, pismo dodatkowe do Gazety Lwowskiej, d. i. Miszellen, Beilage der Lemberger Zeitung (Lemberg, 4°.) 1845, Nr. 24, S. 189.