BLKÖ:Dzieduszycki, Moriz Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Eberhöfer, Franz
Band: 3 (1858), ab Seite: 405. (Quelle)
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Dzieduszycki, Moriz Graf[BN 1] (Geschichtforscher, geb. zu Rychcice im Samborer Kreise Galiziens 10. Febr. 1813). Entstammt einer alten polnischen Adelsfamilie. Sein Vater Ludwig war k. k. Kämmerer und in jüngern Jahren Officier im Genie-Corps. Seine Mutter Domicella entstammt dem alten mit den ersten polnischen Adelsfamilien verwandten Adelsgeschlechte der Bielski. Graf Moriz erhielt eine sorgfältige Erziehung, zuerst im väterlichen Hause, dann 1823–32 im Convicte der Gesellsch. Jesu zu Tarnopol. Hierauf studirte er die Rechte an der Lemberger Hochschule, nach deren Beendigung er 1836 in Staatsdienste trat. In demselben stieg er von Stufe zu Stufe, wurde 1854 Statthaltereirath und im J. 1855 k. k. Kämmerer. Frühzeitig trieb Graf Moriz literarische Studien; die gründliche Kenntniß der lateinischen, französischen, italienischen und deutschen Sprache förderte ihn in seinen Arbeiten, worin er sich mit besonderer Vorliebe der Geschichte zuwendete. Die erste Frucht seiner Forschungen war die Geschichte der Lissovzer, welche unter dem Titel: „Krótki rys dziejów i spraw Lisowczyków“, d. i. Kurze Darstellung [406] der Thaten und Begebenheiten der Lissovzer, zuerst in der „Biblioteka naukowego Zakładu Imienia Ossolińskich“, d. i. in der Zeitschrift des gräflich Ossolińskischen Institutes (vom III. Bande 1842 bis zum XII. Bde. 1844 inclus.) dann aber in einem Separatabdruck in zwei Bdn. (Lemberg I. Bd. 1843; II. Bd. 1844, 8°.) erschien. Die Lisowzer oder Lisowczyker waren ein gefürchtetes polnisches Freicorps, von Alex. Lisowski 1612 gesammelt, welches ohne Sold, blos auf Beute angewiesen, sich dem polnischen Feldherrn Chodkiewicz im Kriege gegen Rußland anschloß. Es diente nachher im 30jährigen Kriege. In der Folge verbannte der polnische Reichstag die entsittlichte Schaar aus dem Lande und sie löste sich zuletzt ganz auf. Einzelne Räuberbanden verwüsteten noch mehrere Jahre das benachbarte Schlesien. Die Geschichte dieses Freicorps erzählt Dzieduszycki im obgenannten Werke. – Der Verlust zweier Männer, denen der Graf Moriz im Leben nahe gestanden und durch Dank verpflichtet war, veranlaßte die zwei Aufsätze: „Wspomnienie pośmiertne Józefa hr. Dunina Borkowskiego“, d. i. Nekrolog des Grafen Jos. Dunin-Borkowsky (s. d. II. Bd. d. Lex. S. 68 u. diesen Bd. S. 394 unter: Dunin-Borkowski) in der vorbenannten Zeitschr. „Biblioteka“ (VIII. Bd. 1843) und „Wspomnienie pośmiertne Władysł. hr. Tarnowskiego“, d, i. Nekrolog des Ladislaus Grafen Tarnowski, in den „Rozmaitości“, d. i. Miscellen, eine Beilage zur Lemberger Zeitung (1844, Nr. 48). Beide Männer, insbesondere aber Graf Borkowski, ein Neffe des Grafen Moriz, hatten wesentlich auf seinen Bildungsgang eingewirkt. Die freundliche Aufnahme, welche die Geschichte der Lissowzer gefunden, regte den Grafen zu neuen Forschungen an und es erschien sein Werk: „Piotr Skarga i jego wiek“, d. i. Peter Skarga und sein Zeitalter, 2 Bde. (Krakau 1850 und 51, 8°.). Dieses und das folgende gab er unter dem Pseudonym Rychcicki, nach seinem Geburtsorte Rychcice, heraus. Das obige Werk gibt eine Darstellung des Reformations-Zeitalters in Polen, es umfaßt die Zeit vom J. 1536–1612. Nun folgte das gleichfalls umfassende Geschichtswerk: „Zbigniew Oleśnicki“, 2 Bde. (Krakau 1853 und 54). Darin schildert der Autor das Leben eines denkwürdigen Kirchenfürsten, des Krakauer Bischofs Zbigniew Olesnicki (1410–1455), einer jener Persönlichkeiten, in welchen sich die höchsten und wichtigsten Momente der menschlichen Gesellschaft aller Zeiten, d. i. die Ideen des Staates und der Kirche concentriren. Neben diesen größern Forschungen veröffentlichte der Graf noch viele andere Arbeiten. In Lemberg besteht seit mehreren Jahrzehnden ein wissenschaftliches nach seinem Gründer benanntes, das gräflich Ossolińskische Institut. Ueber Zweck, Aufgabe und Bedeutung desselben herrschte eine durch die Zeitverhältnisse und den Wechsel in den leitenden Personen veranlaßte Verworrenheit der Ansichten, so daß der Graf Moriz, welcher seit 1. Juli 1851 als literarischer Curators-Stellvertreter dieses Institutes fungirt, in der Lemberger Zeitung (poln. Ausgabe) den Aufsatz veröffentlichte: „Zakład Imienia Ossolińskich“, d. i. Das Ossolińskische Institut (1851, Nr. 32), worin er den Standpunct und die Aufgabe desselben feststellte und in diesem Geiste auch alljährlich Berichte über den Zustand und die Fortschritte der Anstalt erstattet, welche in jüngster Zeit gesammelt im Drucke erschienen unter dem Titel: „Sprawozdania z Czynności Zakładu narodowego Imienia Ossolińskich od 1 lipca 1851 do 12 pazdiernika 1856“, d. i. Rechenschaftsberichte erstattet über [407] das gräflich Ossolińskische National-Institut vom 1. Juli 1851 bis 12. Oct. 1856 (Lemberg 1857, 8°.). Der Tod des verdienstvollen Kasimir Grafen Badeni veranlaßte die Biographie: „Krótki rys życia Kazimiersza Badeniego“, d. i. Kurze Lebensskizze des Grafen Kasimir Badeni (Krakau 1854, 8°.), welche zuvor in der Krakauer Zeitschrift „Czas“, d. i. Die Zeit (1854, Nr. 87) abgedruckt war. Diese Zeitung wie die in Octavheften ausgegebene gleichnamige literarische Beilage derselben enthalten mehrere größere literarische Abhandlungen des Grafen u. z.: „Dązności moralne dzisiejszego teatru“, d. i. Die moralischen Tendenzen der Bühne heut zu Tage (im Feuilleton des Blattes 1854, Nr. 234, 235 und 236), worin der Graf die Richtung bekämpft, welche Gutzkow mit seinem „Uriel Acosta“ und Korzeniowski mit seiner „Stary mąz“, d. i. Der alte Mann, eingeschlagen. Die vorerwähnte literarische Beilage des „Czas“ enthält aber die Aufsätze: „Opinia publiczna“, d. i. Die öffentliche Meinung (1856, Aprilheft) und „Szachy w Polsce“, d. i. Das Schachspiel in Polen (1856, Juliheft). In dem von Karl Szajnocha redigirten in Lemberg erscheinenden Blatte: „Dziennik literacki“, d. i. Literarisches Tageblatt, erschien von dem Grafen ein längerer Aufsatz: „Zbiory numizmatyczne we Lwowie“, d. i. Die numismatischen Sammlungen in Lemberg (1853, Nr. 22–25). Auch gab er in einer Prachtausgabe die getreue Uebersetzung der berühmten Hymne: „Crux fidelis inter omnes“ mit gegenüberstehendem Originaltexte und der berichtigten Melodie unter dem Titel heraus: „Hymn o św. krzyżu, spiewany przy nabożenstwie wielkopiątkowém, przełożył ze Miszału M. D.“, d. i. Die Hymne vom heiligen Kreuze, welche bei den Festlichkeiten des Charfreitags gesungen wird, aus dem Missale übersetzt von M. D. (Lemberg 1854, Fol.). Im J. 1851 wurde der Graf von Sr. Majestät durch die Verleihung des Ordens der eisernen Krone III. Classe ausgezeichnet und im J. 1857 von der Krakauer gelehrten Gesellschaft zum correspondirenden Mitgliede erwählt.

L(ucian) S(iemieński), Pogdanki literackie, d. i. Literarische Besprechungen (Krakau 1855, kl. 8°.) [enthält einen größeren Aufsatz über den Grafen Dzieduszycki und sein Werk: „Zbigniew Oleśnicki“]. – Wurzbach von Tannenberg (Const. , Bibliogr.-statistische Uebersicht der Literatur des östr. Kaiserstaates (Wien, Staatsdruckerei, gr. 8°.) II. Bericht (1854) S. 247, Marg. 7678. – III. Bericht (1855) S. 235, Marg. 7046.

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Dzieduszycki, Moriz Graf [Bd. S. 405].
    Kronika domowa Dzieduszyckich. Odbita w dwustu exemplarzach nakładem familii dla własnego użytku, d. i. Chronik des Hauses Dzieduszycki; aufgelegt in 200 Exemplaren auf Kosten der Familie zu eigenem Gebrauche (Lemberg 1865, Ossolinski’sche Druckerei, 4 Bl. 478 S., 1 Blatt Verbesserungen, LXXXIV S. Documente und zwei Stammtafeln). S. 463–473 enthält eine vollständige Uebersicht der Werke und zerstreut gedruckten Abhandlungen des Grafen Moriz Dzieduszycki. [Ueberdieß enthält das Buch ausführliche Nachrichten über sämmtliche Familienglieder seit dem Ursprunge der Familie bis auf die Gegenwart.] [Bd. 26, S. 374.]