BLKÖ:Eisenstecken, Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Eißl, Mathias
Band: 4 (1858), ab Seite: 17. (Quelle)
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Eisenstecken, Joseph (Schützenmajor, geb. zu Matrei im Wippthale 1. April 1779, gest. zu Botzen 1. Mai 1827). Taglöhnerssohn. Zog, 18 Jahre alt, mit dem Luttischen Corps nach Italien und kehrte mit ehrenvollem Abschied in die Heimat zurück. Nun trat er bei einem Kaufmann in Botzen als Commis ein. 1802 kaufte er die Badlwirths-Taverne an der Talfer bei Botzen und lebte daselbst bis zum J. 1809. In diesem I. schloß sich E. voll Patriotismus an Hofer an, der solches Vertrauen zu ihm besaß, daß er nichts Wichtiges ohne seinen Rath und seine Mitwirkung unternahm. Als im J. 1809 der österr. General Buol Befehl erhielt, die Brennerschanze zu verlassen, war Hofer, der indessen [18] 5–6000 Schützen gesammelt hatte, außer sich über diese Anordnung. E., die Verzweiflung seines Freundes gewahrend, setzte eine Schrift auf, worin die Officiere der Buol’schen Brigade erklären: Tyrol nicht zu verlassen und unter Hofer zu fechten. Nachdem er sich eine Zusammenkunft der Officiere erbeten hatte, stellte er ihnen in so begeisterter Rede die Lage Tyrols vor, daß alle Officiere die erwähnte Schrift unterzeichneten, welche E. seinem Freunde Hofer überbrachte. Diesen Moment hat Ludw. von Schnorr durch sein Bild, welches sich im Innsbrucker Museum befindet, verherrlicht (vergl. den Boten für Tyrol und Vorarlberg 1833, Nr. 4). Buols Corps und Hofers Schützen besetzten nun wieder die Brennerschanze. E. aber bot alles bewegliche Volk auf, um Hofers Truppen zu verstärken und trug wesentlich zu den entscheidenden Erfolgen der Gefechte am Berg Isel (25. u. 29. Mai) bei. Später entzweite er sich mit Hofer, und zwar so sehr, daß dieser die große goldene Medaille und die 3000 Stück Ducaten, welche ihm E. aus dem kaiserl. Hauptquartier zu Keßthely nach einem gefahrvollen Zuge durch die von Feinden besetzten österr. Länder nach Innsbruck (29. Sept.) überbrachte, aus E.’s Händen nicht empfangen wollte. Aber die erneuerte Gefahr des Vaterlandes führte bald die Versöhnung der beiden Helden herbei. E. eilte nach Salurn (5. Oct.), stellte die aufgelöste Ordnung daselbst wieder her, ergänzte die schwachen Streitkräfte und vereitelte von Salurn aus alle feindlichen Pläne, bewahrte Bozen und die Umgebung vor dem Einfalle der Franzosen und setzte die Vertheidigung bis zur stipulirten Amnestie (3. Nov.) fort. Schmerzvoll legte E. nun die Waffen nieder, entließ die Compagnien und wirkte klug zur Beruhigung des erbitterten Volkes. Für seine Verdienste erhielt E. 1810 den Rang eines kaiserl. Majors in der Armee, die große goldene Medaille und 800 fl. Gehalt. Als er, 49 Jahre alt, starb, erhielt seine Witwe 400 fl. Pension. E. war ein Patriot, vor dem Feinde tapfer und kaltblütig, besaß Scharfblick und richtigen Tact in Entwurf und Ausführung kriegerischer Dispositionen und behielt in entscheidenden Augenblicken stets die Gegenwart des Geistes. – Bartholomä, Schützenanführer und wohl auch ein Verwandter des Vorigen. War einer von den Anführern bei den glorreichen Gefechten von Lazfons, Verdings, Pardell und Villanders (24. März 1797), wofür die tyrolische Landschaft jeder Compagnie der Gemeinde Lazfons eine eigene Fahne mit der großen Medaille geziert zustellen ließ und unter andern Anführern auch Bartholomä Eisenstecken zu Verdings mit der großen Ehrenmedaille auszeichnete.

Peternader (Ant.), Tyrols Landes-Vertheidigung, nebst interessanten Biographien und Skizzen merkwürdiger Tyroler Landes-Verteidiger (Innsbruck 1853, 8°.) III. Theil, S. 210: „Joseph Eisenstecken.“ – Staffler (Joh. Jak.), Das deutsche Tirol und Vorarlberg, topographisch u. geschichtl. Bemerkungen (Innsbruck 1847, Rauch, 8°.) II. Bd. S. 877 [über Joseph] u. S. 969 [über Bartholomä]. – Oestr. Militär-Konversations-Lexikon. Herausg. von Hirtenfeld u. Dr. Meynert (Wien 1851) II. Bd. S. 197.