BLKÖ:Ferrari, Jakob Gottfried

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Ferrari, Guido
Band: 4 (1858), ab Seite: 194. (Quelle)
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Ferrari, Jakob Gottfried[BN 1] (Compositeur, geb. in Südtyrol in der zweiten Hälfte des vor. Jahrhunderts, gest.?). Stammt aus einer Familie in Südtyrol, aus welcher mehrere Personen als Musiker sich einen Ruf gemacht haben. Doch sind die hie und da zerstreuten Daten so verworren, daß sich nichts mit Sicherheit angeben läßt. Das Folgende ist aus Ferrari’s Lebensbeschreibung, worin wiederholt Tyrol seine Heimat genannt wird. Schon 1766 befand er sich in Paris im Orchester des Theaters du Monsieur angestellt. Den Grund seiner Berühmtheit legte er damit, daß er die poetische Erzählung des Abbé Garron, welche mit folgendem Verse anfängt: „Quand l’amour naquit a Cythere“ in Musik setzte. Der Stoff des Gedichtes ist: Der Liebesgott, von der Unschuld gesäugt, wird von der Sinnlichkeit mit zu vielen Leckereien gespeist und gibt endlich in den Armen der Letzteren seinen Geist auf. F.’s Composition machte in Paris Furore. Sein Lob floß von Aller Lippen. Nun begab er sich nach Neapel, um bei Paesiello Unterricht zu nehmen. Dort lebte er einige Zeit, bewunderte die berühmte Lady Hamilton, die Venus des 18. Jahrhunderts, schwärmte zugleich für die 4 Schwestern: Celeste, Constantine, Annette und Rosine Cosellini, nahm auch Unterricht bei dem berühmten Contrapunctisten Latilla, verkehrte mit vornehmen Dilettanten und kehrte wieder nach Paris zurück, wo er nunmehr Unterricht im Gesange gab, die größere Zeit aber zur Composition verwendete. Im J. 1798 begab er sich nach London und hielt sich dort als Gesangslehrer bis 1805 auf, dann unternahm er mit seinen Kindern Kunstreisen, war im J. 1807 in Deutschland, ging dann nach Petersburg und von dort nach Schweden, Dänemark, Norwegen, wo er sich um das J. 1810 niederließ. Seine zahlreichen Compositionen hat Gerber mit großem Fleiße zusammengestellt. Er schrieb außer einer komischen Oper: „La villanella rapita“, viele Romanzen, Duetten, Canzonetten und Sonaten im leichten gefälligen Style; mehrere davon für das Piano kamen in Wien heraus, als: „III Sonates av. Var.“ (op. 3); – „XII Pet. Pièces“ (op. 4); – „III Sonat. av. V. obl. et B.“ (op. 5); – „Concert in C-Dur“ (op. 6). Die übrigen erschienen in Paris, in Offenbach, Berlin bei Hummel und Leipzig bei Kühne. Das letzte Zeichen seiner Thätigkeit war die Herausgabe zweier Bändchen Anecdoten, in denen die meisten Musiker und Dilettanten der letzten vierzig Jahre eine Rolle spielen und worin er, wie ein Kritiker schreibt: „die musikalische Welt von Rom, Neapel und London treffender charakterisirt, als mancher gelehrte pedantische Kunstkritiker in seinen musikalischen Abhandlungen“. – Von seinen Kindern war sein Sohn Jakob Flötist, der auch Einiges für sein Instrument geschrieben hat, aber bald verschollen ist. – Seine Tochter Franciska (geb. zu Paris 1786, gest. zu Groß-Salzbrunn in Schlesien 3. Oct. 1828) war eine ausgezeichnete Harfenspielerin, welche auf dem Pariser Conservatoire ihre musikalische Ausbildung erhalten hatte, aber auf einer 1826 von Christiania aus unternommenen Kunstreise starb.

Life of Ferrari, the Composer (London 1839). – Magazin für die Literatur des Auslandes (Berlin, kl. Fol.) 1839, Nr. 61: „Aus dem Leben des Componisten Ferrari.“ – Gerber (Ernst Ludwig), Neues histor.-biogr. Lexikon der Tonkünstler (Leipzig 1812, Kühnel, gr. 8°.) II. Bd. Sp. 107 [mit einer reichen Uebersicht seiner Compositionen für Gesang und Pianoforte]. – Ersch (J. S.) und Gruber (J. G.), Allgem. Encyklopädie der Wissenschaften und Künste (Leipzig 1822, Gleditsch, 4°.) I. Sect. 43. Thl. S. 226.

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Ferrari, Jacob Gottfried [Bd. IV, S. 194]. (Compositeur, geb. zu Roveredo im Jahre 1763, n. A. 1759, gest. um 1830).
    Handschriftliche Biographie und ein Verzeichniß von 80 Compositionen im Archiv der Gesellschaft u. s. w., wie bei Campi. – Philarete Chasles, Études contemporaines, Théâtre Musique et Voyage (Paris 1867, Amyot, 8°.) p. 285: „Un compositeur tyrolien“. [Bd. 26, S. 377.]