BLKÖ:Findeisen, Julius

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 14 (1865), ab Seite: 449. (Quelle)
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* Findeisen, Julius (Schauspieler und Volksdramendichter, geb. zu Leipzig 3. Juni 1809). Betrat die Bühne zu Leipzig im Jahre 1826, als sie noch unter Leitung des Hofraths Küstner stand. Als dieser das Leipziger Stadttheater aufgab, wurde F. bei der Bethmann’schen Gesellschaft engagirt, deren Leitung er später übernahm. Er spielte nun in Halle, Erfurt, Magdeburg, Halberstadt und auf den Hofbühnen zu Dessau, Köthen, Bernburg, Meiningen, Rudolstadt u. s. w., bis er mit Beginn des Jahres 1840 beim alten Königsstädter Theater in Berlin neben Beckmann engagirt wurde und die Regie übernahm. Im Sommer 1842 kam er mit Beckmann nach Wien und wurde vom Director Carl [Bd. II, S. 280] engagirt. Im Jahre 1850 trat er zum Theater an der Wien über. An demselben spielte er dreizehn Jahre und zählte zu seinen beliebtesten Mitgliedern. Als im Jahre 1863 der Decorationsmaler Moriz Lehmann [s. d. in diesem Band S. 314, Nr. 4] die Direction des Carl-Theaters antrat, nahm F. dessen Antrag, bei ihm einzutreten, an, und blieb, bis durch Lehmann ’s Flucht die Gesellschaft sich auflöste, worauf F. wieder zum Theater an der Wien zurückkehrte. Mit seiner Thätigkeit als tüchtiger und beliebter Schauspieler verbindet F. auch noch die eines gewandten Theaterdichters. Obgleich er schon im Jahre 1840, als er noch in Berlin war, sich darin versuchte, so beginnt er doch eigentlich erst im Jahre 1857 eine größere Thätigkeit auf diesem Gebiete zu entfalten. Findeisen hat bisher folgende Stücke geschrieben: „Die Bräutigamschau“, Lustspiel in 1 Act (zum ersten Male aufgeführt in Berlin im Juni 1840); – „Robinhall“, Lustspiel mit Gesang in 3 Acten (ebd. im August 1843); [450] – „Peter’s Schicksale oder der Herr Vater“, Posse mit Gesang in 4 Acten (zum ersten Male aufgeführt in Wien im Leopoldstädter Theater im October 1849); – „Die schöne Lene“, Volksstück mit Gesang in 3 Acten (zum ersten Male aufgeführt im Theater an der Wien am 4. October 1856); – „Eine Landparthie“, Posse mit Gesang in 3 Acten (zum ersten Male aufgeführt in der Arena in Fünfhaus am 17. Juli 1857); – „Wie man’s treibt, so geht’s“, Volksstück in 4 Acten (zum ersten Male aufgeführt im Theater an der Wien am 10. October 1857); – „Ich bin ein Ehrenmann“, Volksstück mit Gesang in 3 Acten (ebd. am 9. April 1858); – „Fanni, die schieche Nuss“, Volksstück mit Gesang in 3 Acten (ebd. am 23. November 1859); – „Die öffentliche Meinung“, Volksstück mit Gesang in 3 Acten (ebd. am 19. Jänner 1861); – „Plan und Zufall“, Volksstück mit Gesang in 3 Acten (ebd. am 9. Juli 1864); – „Eine passende Partie“, Volksstück mit Gesang in 3 Acten (ebd. am 26. October 1864); – „Unsere Nachbarin“, Posse mit Gesang in 1 Act (ebd. am 26. November 1864); ferner einige Operetten-Texte. In neuester Zeit (October 1865) wurde im Josephstädter Theater sein dreiactiges Volksstück: „Der Nonnenmüller“ gegeben. Findeisen besitzt nicht gewöhnlichen Beruf zum dramatischen Dichter, versteht zu fesseln und – ohne Zoten und Zweideutigkeiten – zu wirken. Seine Stücke gefallen auch, werden oft 30 bis 40 Mal hinter einander gegeben und erfreuen sich auf fremden Bühnen einer sehr günstigen Aufnahme.