BLKÖ:Beckmann, Friedrich

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 1 (1856), ab Seite: 216. (Quelle)
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Friedrich Beckmann (Schauspieler, 1803) in der Wikipedia
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Beckmann, Friedrich[BN 1][BN 2] (k. k. Hofschauspieler, geb. zu Breslau nach Brockhaus Conversations-Lexikon 10. Afl. im J. 1803, nach andern Angaben 1806). Machte schon in frühester Jugend theatralische Versuche und Studien, die der populären Komik angehörten. Im Jahre 1824 betrat er auf Empfehlung Schmelka’s, der seine erste Kunstentwicklung beeinflußte, das Berliner Königstädtertheater, aber noch in sehr untergeordneten Rollen. Nach und nach begann man aber auf Beckmann und sein Talent aufmerksam zu werden. Er erhielt nun bald bedeutendere Rollen, und mehr und mehr entwickelte sich das Charakteristische seiner Komik: Naturtreue, Fernhalten von aller Uebertreibung und Fertigkeit im witzigen Extemporiren. Die den Berlinern so verhaßt gewordene Figur des Eckenstehers ward durch ihn zu einer liebenswürdigen komischen Gestalt, und in Holtei’s „Trauerspiel in Berlin,“ so wie in der von ihm selbst geschriebenen Posse: „Eckensteher Nante im Verhör“ kehrte er all die glänzenden Seiten seiner Darstellungsweise heraus; nachdem das Stück 100 Mal wiederholt wurde, erlebte die Piece selbst 20 Auflagen. Eine seiner Forcerollen war auch die des Liborius in der „Reise auf gemeinschaftliche Kosten,“ wozu noch sein Vater Denner in „Adlers Horst,“ sein „Graf Schelle“ und Knieriem in „Lumpaci Vagabundus“ gehören. Im J. 1841 gastirte B. zum ersten Male als Mengler in „Endlich hat er es doch gut gemacht“ im Theater an der Wien und machte Furore, lehnte aber die glänzenden Anerbietungen des Directors Carl ab. 1845 nahm B. Engagement beim Director Pokorny. Im folgenden Jahre wurde er für die kais. Hofbühne gewonnen und ist seit 1846 eine Zierde derselben, wie als Komiker wohl gegenwärtig der Erste in Deutschland, da das Fach, welches Nestroy, Rott, Scholz, Treumann spielen, fast ausschließlich dem Volksstücke angehört. Beckmanns Witz ist aber auch außerhalb der Bühne in’s Volk gedrungen und sehr viele Anecdoten erzählen von seinen Einfällen und seiner Popularität, so wie er auch als Mensch die Achtung und Liebe Aller genießt. B. hat sich mit der als Sängerin und Schauspielerin beliebten Adele Muzzarelli vermält. Außer den schon angeführten Rollen sind noch als besondere Schöpfungen vollendeter [217] und origineller Komik Beckmanns zu nennen: sein „Vater der Debutantin;“ – Grübler in „Jurist und Bauer;“ – Gefängnißwärter Beil im „Leichtsinnigen Lügner;“ – als Onkel Baumann in „Er ist nicht eifersüchtig;“ – als Vetter im gleichnamigen Stücke von Benedix; – im „Hut;“ – in Bauernfelds „Zu Hause.“ Ein geistreicher Kritiker sagt von Beckmann (wir denken es ist Kurnik): „Die eigentliche Berliner Schnauze“ hat nie ein Mensch vor ihm und nach ihm mit dieser Vermessenheit gehandhabt, ebensowenig als einer durch stummes Spiel und schrecklich schweigendes Dulden den „passiven Widerstand,“ der lange schon vor 1848 da war, ausgedrückt hat, wie er. Seine Komik charakterisirt ein Anderer: B. ist großer Natur- und Menschenforscher, er lauscht der Natur und den Menschen ihre drolligsten Gebilde, ihre komischsten Nuancen, ihre launigsten Gebrechen und Auswüchse ab, und gibt sie wieder unversehrt, unverschlimmert, eher mit milderen als mit grelleren Farben. Seine Gebilde athmen alle eine gewisse gutmüthige, manchmal sogar gemüthliche Laune. Was Nestroy’s Komik von der B.’s an Genialität und Urkräftigkeit voraus hat, was die von Scholz an Ruhe und Unwiderstehlichkeit, das hat wieder die Komik B.’s an Wahrheit und Natürlichkeit vor den beiden voraus. Nestroy malt die Natur al fresco, Scholz malt sich immer selbst, Beckmann malt seine komischen Gebilde mit der sprechendsten Treue. – Beckmanns schlagende Witze und drollige Antworten circuliren in Wien im Volksmunde und machen, wie auch seine Couplets, z. B. sein „Kometen-Lied“ (Sammler 1842, Nr. 128), – sein Hobel-Lied im „Verschwender“ (Freischütz, Hamburg 1837, Nr. 48) u. A. die Runde durch die deutschen Journale. Beckmann zählt zu jenen Künstlern des Wiener Hofburgtheaters, welche vom Publikum im Leben und auf der Bühne immer mit besonderem Wohlwollen und ausgezeichneter Theilnahme behandelt werden. Sein ewig junges Talent die trefflichsten Witze, Bonmots und Couplets zu improvisiren, machte ihn zum Lieblinge in den Allerh. Kreisen und wenn hohe Gäste die Residenz besuchen, werden auf der Hofbühne vornehmlich Stücke dargestellt, in denen Beckmanns eminentes Talent seine Triumphe feiert. Diese Beliebtheit hat dem wackern Künstler nicht blos Beifall, sondern auch manche denselben ehrende Auszeichnung eingetragen.

(Brockhaus) Conversations-Lexikon (Leipzig 1851, 10. Aufl.) II. Bd. S. 418. – Brünner Anzeiger 1855, Nr. 109. – Frankl (L. A.), Sonntagsblätter (Wien 1855) S. 187. – Bäuerle’s Theaterzeitung vom 9. Juli 1850, S. 647. – Porträte: Als Onkel Baumann im Lustsp. „Er ist nicht eifersüchtig,“ nach der Natur gez. und lith. von E. Kaiser mit Facsimile (Wien 1852, Paterno, Fol.). – Nach d. Leben lith. von Kriehuber (Wien 1855, Neumann Fol.). – A. Duncas fec. mit Facsimile (Kunstbeil. der Leipziger Modenzeitung von Diezmann). – Costumebilder: Nr. 88 der allg. Theaterzeitung von Bäuerle: „Der Vater der Debutantin;“ B. als Tanne Windmüller; Schweller del. And. Geiger sc. – Nr. 91 ebend. B. als Constabler in dem Drama: „Lord und Seeräuber,“ And. Geiger sc. – Ebendas. im Lustspiele: „Der Vetter“ von Benedix; Ed. Edlinger del. And. Geiger sc.

Berichtigungen und Nachträge

  1. Beckmann, Friedrich [Bd. I, S. 216], gestorben zu Wien 7. September 1866.
    Kaiser (Friedrich), Friedrich Beckmann. Heiteres. Ernstes, Trauriges aus seinem Leben. Erinnerungen (Wien 1866, Wallishausser, 88 S. 8°.). – Findeisen (Julius), Friedrich Beckmann. Lebensbild (Wien 1866, Waldheim, 36 S. gr. 8°.). – Wiener Zeitung 1866. Abendblatt Nr. 207: „Fritz Beckmann“ (von Bucher); Nr. 212: „Zur Erinnerung an Beckmann“; Nr. 228: „Beckmann’s Thätigkeit am Burgtheater“. – Illustrirte Zeitung (Leipzig, J. J. Weber) 1866, Nr. 1215. – Presse 1866, Nr. 137, im Local-Anzeiger; Nr. 253, in Sp(itzer)’s „Wiener Spaziergängen“; 1867, Nr. 63: „Auf dem Grabe Beckmann’s“. – Neue freie Presse 1866, Nr. 746: „Beckmann’s Humor“; Nr. 755: „Beckmann in Karlsbad“; Nr. 759: „Beckmann’s Nachlaß“. – Gartenlaube (Leipzig, Ernst Keil, gr. 4°.) XIV. Jahrg. (1866), Nr. 44, S. 689 u. 808: „Vom lustigen Fritz“ (mit Bildniß im Holzschnitt); 1867, S. 144: „Noch einmal Fritz Beckmann“. – Oesterreichisches Morgenblatt 1841, Nr. 97: „Nachzügler zu Beckmann’s Nante“. – Fremden-Blatt. Von Gustav Heine (Wien, 4°.) 1866, Nr. 247: „Fritz Beckmann“: Nr. 250: in den Kunstnotizen; Nr. 251: ebenda; Nr. 254: ebenda und in den „Pariser Plaudereien“; Nr. 260, 1. Beilage: „Erinnerungen aus F. Beckmann’s Leben“; 1867, Nr. 62: „Noch einmal Fritz Beckmann“; 1868, Nr. 308, 1. Beilage: in den „Wiener Plaudereien“. – Pester Zwischenact 1864, Nr. 193: „Eine improvisirte Komödie“. – Theater-Zeitung, herausg. von Ad. Bäuerle (gr. 4°.) 1850, Nr. vom 9. Juli, S. 647: „Beckmann in Berlin“. – Neues [477] Fremden-Blatt (Wien, 4°.) 1866, Nr. 316 „Beckmann’s Uebergang von der Vorstadt in die Stadt“, von Dr. Märzroth. – Männer der Zeit u. s. w. (wie bei Joh. Nep. Beck), I. Serie (1860), Sp. 793. – Die Theaterwelt (Wiener Blatt) 1866, Nr. 17: „Beckmanniane“. – Tagespost (Gratz) 1865, Nr. 59: „Beckmann in Gratz“. – Die Bühnenwelt. Zeitschrift, herausgegeben von Julius Pohl, 1866, Nr. 14: „Friedrich Beckmann“, von Jul. Pohl. – Aesthetische Rundschau. Von Czeke (Wien, 4°.) 1866, Nr. 1: „Beckmann als Berliner Komiker“. – Wanderer (Wiener polit. Blatt) 1867, Nr. 262. „Beckmann und das Burgtheater“. – Familien-Blatt (Gratz) 1868, Nr. 91: „Der ordenssüchtige Beckmann“. [Bd. 22, S. 476 f.]
  2. E Beckmann, Friedrich [Bd. I, S. 216; Bd. XXII, S. 476].
    Gartenlaube (Leipzig, Ernst Keil, 4°.) 1866, S. 808: „Noch einmal vom lustigen Fritz“. – Hoffinger (Ritter v.), Oesterreichische Ehrenhalle u. s. w., wie bei Altschul, IV. 1866, S. 79. [Bd. 24, S. 377.]