BLKÖ:Kaiser, Friedrich (II.)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Kaiser, Ignaz
Band: 10 (1863), ab Seite: 360. (Quelle)
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Kaiser, Friedrich (II.) (dramatischer Volksdichter, geb. zu Biberach in Württemberg 3. April 1814). Der Sohn eines k. k. Officiers, und daher, obgleich im Auslande geboren, österreichischer Unterthan. Kam noch als Kind nach Wien, wo er die Schulen bei St. Anna, dann das akademische Gymnasium besuchte und an der Universität die philosophischen Studien beendete. Sein Vorhaben, die Theologie zu studiren und in das Augustiner-Chorherrenstift zu Klosterneuburg einzutreten, für welches er schon vorgemerkt war, gab er über Vorstellungen seines älteren Bruders Franz Xaver [s. d. S. 374 in den Quellen Nr. 4] auf, der nicht unwesentlichen Einfluß auf seinen Bildungsgang nahm und zu dem ihn eine innige brüderliche Liebe hinzog. „Wenn du ein Priester wirst, sagte dieser eines Tages zu ihm, so wirst du, wie ich dich zu kennen glaube, entweder ein Heuchler oder der unglücklichste Mensch auf der Welt“. Der Gedanke, Geistlicher zu werden, wurde demnach mit dem Entschlusse, sich um eine Praktikantenstelle beim k. k. Hofkriegsrathe zu bewerben, vertauscht, welche Kaiser auch erhielt. Bereits während der Studien versuchte sich K. in poetischen Arbeiten, und als er 15 Jahre alt war, brachten die von Ebersberg herausgegebenen „Feierstunden“ sein erstes Gedicht. Ein Jahr später übergab er dem Director Carl ein Lustspiel, welches dieser zwar nicht zur Aufführung geeignet fand, aber ein so ausgeprägtes Talent darin erkannte, daß er dem Verfasser rieth, den betretenen Weg nicht aufzugeben, wenngleich diese Arbeit sich nicht als darstellbar bewährte. Dieser Rath fiel nicht auf unfruchtbaren Boden, auch wurde die Neigung für das Theater, die schon durch die geistigen Anlagen als vorherrschend sich zeigte, durch Kaiser’s Mitwirken auf Privattheatern, an denen Wien nie arm war, gesteigert. K. spielte auf dem Reisner’schen Theater auf der Landstraße, auf jenem des k. k. Rathes Megerle von Mühlfeld in dessen Villa zu Währing und im Haustheater der Gräfin d’Orsay in ihrem – vormals Rasumoffsky’schen – Palais auf dem Rennwege. Nebenbei schriftstellerte er fleißig und man begegnete in den Jahren 1833 und 1834 seinem Namen oft im „Wanderer“ und „Sammler“, welche belletristischen Ergüsse und schriftstellerischen Talentproben nicht eben geeignet schienen, ihn in der Gunst seiner hofkriegsräthlichen Vorgesetzten fester zu stellen. Auch sagte seiner mehr poetisch als praktisch angelegten Individualität das Leben in der dunklen Amtsstube immer weniger zu. Im Jahre 1834 übergab er nun ein neues Stück: „Das Rendezvous“, Lustspiel in 3 Acten, dem Director Carl, der es auch sofort annahm, aber vorhinein erklärte, es müßten daran wesentliche Aenderungen vorgenommen, d. i. das Stück seiner Bühne accommodirt werden. Ein Stück seiner Bühne accommodiren, bedeutete bei Carl so viel, als es mußte das Lustspiel in eine Posse verwandelt und die Hauptrollen für die damaligen zwei Träger der Volkskomik, Scholz und Nestroy – auch an sich dachte Carl noch manchesmal – eingerichtet werden. Es wurde also an dem „Rendezvous“ eine haarsträubende Verstümmelung vorgenommen [361] und auch der wenig lockende Titel in den für das Volk drastischeren: Hans Hasenkopf – wie ein dummer Bedienter im Stücke hieß, den Carl sogar in Hosenknopf umtaufen wollte– verwandelt. Der 19jährige Autor ließ sich das Alles gefallen, um nur einmal das namenlose Glück zu erleben, sein eigenes Werk aufführen zu sehen. Am 16. December 1835 ging das in die Posse „Hans Hasenkopf“ verwandelte Lustspiel „Das Rendezvous“ über die Bretter und fand eine im Ganzen günstige Aufnahme. Das Stück wurde in Berücksichtigung der amtlichen Verhältnisse des Autors anonym gegeben, aber der Name desselben war ein lautes Geheimniß. K. hatte bald das Recept, Possen zu bereiten, herausgefunden und schon im folgenden Jahre wurde zu Wenzel Scholz’ Einnahme seine neue Posse: „Wolf und Braut“ gegeben. Der Erfolg war ein so günstiger, daß Kaiser dem Drange seiner Eitelkeit, für die weiteren Aufführungen der Posse genannt zu werden, nicht widerstehen konnte. Dazu schien aber die Bewilligung seiner Vorgesetzten nöthig. Der Bescheid, den Kaiser damals von dem Hofkriegsrathe Fastenberger erhielt, trug ganz das Gepräge jener entwürdigenden Bevormundung, die sich damals von den kleinen Bureautyrannen bis auf die intimsten Verhältnisse des Familienlebens der bei ihnen Angestellten erstreckte. Kaiser nahm den Bescheid hin und stellte seinen vollen Namen auf den Theaterzettel. Die Bedingungen, unter welchen damals Carl ein den ganzen Abend füllendes Stück annahm, waren folgende: er zahlte für die 1., 7., 11, und 20. Vorstellung jedesmal 20 fl., „Wolf und Braut“ wurde 11 mal gegeben, K. hatte also 60 fl. und außerdem von einem Agenten für das Recht der Aufführung auf fremden Bühnen 40 fl., also für sein zweites Stück 100 fl. erhalten. Welch’ eine Summe für einen unbesoldeten Praktikanten, der bereits 3 Jahre unentgeltlich diente und die Aussicht hatte, noch einmal so lange, wenn nicht länger, umsonst zu dienen! Daß K. sich also mit dem Gedanken herumtrug, seine amtliche Carrière für die des Schriftstellers hinzugeben, erscheint um so begreiflicher, als seine dienstlichen Verhältnisse auch sonst nichts Verlockendes besaßen, und immer neue Einschübe bevorzugter Candidaten die Hoffnung, in den Gehalt zu treten, nur ferner rückten. Der sehr vortheilhafte Verkauf einer Gelegenheitsarbeit, der an allen Orten, wo Rappo mit seiner Gesellschaft auftrat, aber immer anonym gegebenen mythologischen Parodie: „Sysiphus auf der Oberwelt“, im Jahre 1837, setzte K. in die Lage, sich alle jene Kenntnisse anzueignen, welche auf Schulen nicht gelehrt werden; er lernte auf der Hofreitschule reiten, besuchte fleißig den Fechtboden und noch fleißiger die verlockenden Plauderstübchen der schönen Schauspielerinen und faßte endlich einen so gründlichen Widerwillen gegen das Amtsleben, daß er um seine Entlassung bat, welche ihm auch nach beinahe 5jähriger unentgeltlicher Dienstleistung am 11. August 1838 anstandslos ertheilt wurde. K. war nun auf sich selbst gestellt und mit sich noch nicht einig, ob er Theaterdichter oder Maler werden sollte. Denn obwohl er bis dahin keinen Unterricht im Zeichnen und Malen erhalten hatte, besaß er doch eine so entschiedene Naturanlage für diese Kunst, daß er für mehrere Kunsthandlungen, wie namentlich für Bermann, F. Müller, Paterno u. A. Zeichnungen lieferte. Auch in der Lithographie hatte er es zu einiger Vollkommenheit [362] gebracht, und um die Technik des Oelmalens sich anzueignen, nahm er Privatunterricht bei Waldmüller. K. übte aber das Malen nur zum Vergnügen aus. Zwei seiner Bilder. „Der Gefangene“ und das allegorische Bild: „Bettler und König“ waren in der Kunstausstellung d. J. 1840 (Nr. 120 und 121) ausgestellt; und das letztere derselben befindet sich jetzt in der Kirchhofcapelle zu Lilienfeld, wohin es Castelli gab, dem es Kaiser geschenkt hatte. Später verlegte sich K. besonders auf das Carricaturzeichnen, welche Fertigkeit ihm aber keine rosigen Früchte, wohl aber manche Unannehmlichkeiten, ja bittere Feindschaften einbrachte. Jedoch diese Liebe zur Malerei und Zeichnenkunst tritt nur episodisch in Kaiser’s Leben auf; sein Entschluß, sich ausschließlich dem Theater zu widmen, war bald gefaßt, und in Gemeinschaft mit seinem Freunde Ferdinand Thalhammer schrieb er im Jahre 1838 eine neue Posse: „Die Theaterwelt“, welche eine sehr günstige Aufnahme fand. Mehrere Stücke, welche sich nun rasch aufeinander folgten und gefielen, richteten Carl’s Aufmerksamkeit auf den jungen Poeten. Carl hatte im Jahre 1839 das Theater in der Leopoldstadt gekauft; ein Theaterdichter, wie er sich einen solchen abzurichten gedachte, war ihm um so nöthiger geworden, als Nestroy’s köstliche Muse bereits zu altern begann. K., in einer solchen Stellung sein Lebensglück zu finden meinend, ging ohne Bedenken ein. Kaiser mußte sich nun verpflichten, für keine andere Wiener Bühne als für jene Carl’s zu arbeiten. Auf jeden einzelnen Uebertretungsfall stand eine Strafe von 100 fl.; auch mußte er jährlich sechs den ganzen Abend füllende Stücke, welche den Hauptmitgliedern der Bühne auf den Leib gearbeitet waren, liefern. Dafür zählte Carl an Kaiser einen Monatsgehalt von 24 fl. (!) und für jedes Stück 48 fl. Honorar. Es ist kaum glaublich und doch Thatsache, daß Kaiser diesen Vertrag unterschrieb. In diesem neuen Verhältnisse schrieb er nun zuerst seine Posse „Dienstbotenwirthschaft“ [das ausführliche Verzeichniß von Kaiser’s Stücken siehe unten in den Quellen] dann „Wer wird Amtmann“, womit sich Kaiser zuerst auf ernstlichem Gebiete versuchte und es deßhalb auch ein Lebensbild nannte. Zu Carl’s Ueberraschung hatte dieses Stück einen glänzenden Erfolg und wurde 50 Mal gegeben. Carl ließ in der Zwischenzeit Kaiser rufen, ihm eröffnend, daß er ihm seinen Monatsgehalt auf 40 fl., im folgenden Jahre auf 50 fl. erhöhe, und ihm jährlich ein Benefiz, das in der halben Einnahme der ersten Vorstellung des einen seiner Stücke bestand, gestatte. Aber Kaiser, dessen erster Vertrag in anderthalb Jahren ablief, mußte seinerseits denselben auf neue 3 Jahre verlängern. Diese scheinbare, denn nur auf Carl’s Vortheil berechnete, Großmuth verfehlte nicht ihre Wirkung; Kaiser, damals 26 Jahre alt, unerfahren und nach dramatischen Lorbern heißhungrig, unterzeichnete und wurde der Leibeigene Carl’s. Er arbeitete nun in diesem Joche, und in der That, nicht wenige seiner Arbeiten tragen die Kerbzeichen dieses Joches, wenn auch einzelne wieder darunter sich finden, in denen sich das wirkliche Talent vereint mit dem Streben nach Höherem unverkennbar ausspricht. In die Zwischenzeit und zwar gegen Ende des Jahres 1840 fällt nun eine Episode in K.’s Leben, welche seinem Namen in der Geschichte des gesellschaftlichen Lebens in Wien eine bleibende Stelle sichert. Die Gründung der Künstlergesellschaft „Concordia“, [363] nicht zu verwechseln mit dem erst 1859 in’s Leben gerufenen Journalistenverein gleichen Namens, ist damit gemeint. Es galt, die Vertreter der verschiedenen Kunstzweige zu vereinigen und zur Verschönerung des Lebens zu einem gemeinschaftlichen Wirken aus freiem Antriebe zu veranlassen. Um die Bedeutung und die Schwierigkeit der zu lösenden Aufgabe ganz zu erfassen, denke man sich das vormärzliche Oesterreich, in welchem der Alles bevormundende Polizeistaat seine schönsten Blüthen trieb, jeder Verein geistiger Kräfte auf das Höchste verpönt war, während das Verlangen derselben, sich einander zu nähern und wechselseitig zu befruchten, täglich dringender wurde. Alle Spitzen der verschiedenen Kunstzweige, Dichter: dramatische und lyrische; bildende Künstler: Maler und Bildhauer, Tonkünstler und dramatische Künstler fanden sich zusammen, das Bedürfniß eines geistigen Austausches war ein so mächtiges geworden, daß Jeder unbekümmert; ob er Feind oder Freund in diesem Kreise finde, beitrat, mit dem Feinde konnte er sich ja versöhnen, mit dem Freunde in edlem Wettstreite sich messen oder zu gemeinschaftlichem Schaffen verbrüdern. Um nur annäherungsweise ein Bild dieser Versammlung zu geben, seien die Namen der Ersten genannt unter den Dichtern und Schriftstellern: Bauernfeld [Bd. I, S. 186], Baumann [Bd. I, S. 189], Castelli [Bd. II, S. 303], Deinhardstein [Bd. III, S. 207], Feuchtersleben [Bd. IV, S. 210], L. A. Frankl [Bd. IV, S. 334], Grillparzer [Bd. V, S. 338], Halm, Holbein [Bd. IX, S. 220], Kaltenbrunner, Prechtler, J. N. Vogl, Witthauer, Zedlitz; unter den Musikern: Dessauer [Bd. III, S. 255], Donizetti [Bd. III, S. 359], Hoven (Vesque v. Püttlingen), Adolph Müller, Lannoy, Nicolai, Proch, Storch: unter den Malern und Bildhauern: Amerling [Bd. I, S. 29], Borsos [Bd. II, S. 78], Georg und Gabriel Decker [Bd. III, S. 193, im Texte zu Albert Decker, und S. 194], Dannhauser [Bd. III, S. 153], Johann und Thomas Ender [Bd. IV, S. 38 und 41], Gauermann [Bd. V, S. 104], Raffalt, Ranftl, Preleuthner, Schilcher, Schrotzberg, Schwemminger, Steinfeld, Stoeber, Waldmüller: unter den vortragenden Künstlern sowohl in musikalischer als declamatorischer Hinsicht: Ander [Bd. I, S. 32], Anschütz [Bd. I, S. 45], Director Carl [Bd. I, S. 327, unter Bernbrunn], Erl [Bd. IV, S. 71], Fichtner [Bd. IV, S. 217], Löwe, Lucas, La Roche, Mayseder, Nestroy, Staudigl, Wild, u. A. Die Ludlamshöhle, diese, um sich einer grotesken, nichtsdestoweniger aber treffenden Bezeichnung zu bedienen, vollendete Hochschule des höheren Blödsinns, war polizeilich aufgehoben, aber durch keinen andern Verein ersetzt worden. Die Idee Kaiser’s, sich zur Verschönerung des Daseins durch geistigen Wettkampf in bestimmten, nicht zu ferne gerückten Zeiträumen zu versammeln, fand demnach allgemeinen Anklang, und in der That bildete die Concordia vom Augenblicke ihrer Gründung bis zu jenem ihrer Auflösung, in den Märztagen 1848, in welchen sie überflüssig geworden, den Glanzpunct der geistigen Seite des Residenzlebens. Den Heroen der Kunst sowohl denen der Heimat wie der Fremde, wurde die verdiente Huldigung in Festen dargebracht, welche noch im Andenken Aller leben, die denselben beigewohnt; so wurden Grillparzer’s fünfzigster Geburtstag [364] (am 15. Jänner 1844), Schiller’s Geburtstag alljährlich in der Concordia festlich begangen; der dänische Dichter Oehlenschläger, als er Wien besuchte, von dieser Gesellschaft begrüßt; Meyerbeer nach Aufführung seiner Oper „Vielka“, die er selbst dirigirte, und die erste Aufführung von Bauernfeld’s „Deutscher Krieger“ als eine zeitgemäße Demonstration des Deutschthums in Oesterreich, von diesen Rittern des Geistes gefeiert. Es war keine kleine Mühe, diesen Verein, den Graf Sedlnitzky immer mit scheelen Blicken ansah und nur duldete, zusammenzuhalten, und dieß um so mehr, als die Leiter zweier Journale, welche damals in Wien maß- ja tonangebend waren, Bäuerle, Redacteur der „Theater-Zeitung“, und Saphir, Redacteur des „Humoristen“, als Nichtmitglieder desselben, sich ihm feindlich gegenüber gestellt hatten. Mittlerweile gingen mehrere Stücke Kaiser’s in beiden damals von Carl geleiteten Theatern, in jenem der Leopoldstadt, wie in jenem an der Wien über die Bretter; jedoch einen nachhaltigen Erfolg hatten nur erzielt: „Ein Abend, eine Nacht und ein Morgen in Paris“ (1843), aber mehr durch die glänzende Ausstattung, als durch den dem Stücke innewohnenden Werth, „Stadt und Land“, unstreitig eine der besten Arbeiten Kaiser’s, und „Der Krämer und sein Commis“, in dessen Titelrolle ein Wiener Kaufmann sein Porträt erkennen wollte, gegen Kaiser klaghaft auftrat und so dem Stücke in Wien und auswärts mehr nützte, als dasselbe im Grunde verdiente. Schon in der letzteren Zeit hatten zwischen Kaiser und Director Carl Mißverständnisse stattgehabt, indem der Letztere sich in Kaiser’s Arbeiten Eingriffe erlaubte, die über die Rechte des Directors gehen mochten. Willkürliche und dem Stücke nachtheilige Aenderungen, welche Carl an der Posse: „Tänzerin und Enthusiast“ ganz eigenmächtig vornahm, erbitterten aber den Verfasser so sehr, daß dieser dem Director Carl gerichtlich kündigte und einen sehr vortheilhaften Vertrag mit Director Pokorny abschloß, welcher damals das Josephstädter Theater dirigirte, bald darauf aber jenes an der Wien käuflich an sich brachte. Director Carl leitete nun gegen Kaiser auf Grund des mit ihm abgeschlossenen Vertrages den Proceß ein. Während sich aber dieser, wenn auch mit der geringen Aussicht für K. ihn zu gewinnen, durch mehrere Jahre hinzog, schrieb K. für Pokorny mehrere Stücke, welche aber, ausgenommen „Sie ist verheirathet“ (1845) und die „Schule des Armen“ (1847), keinen Erfolg erzielten, woran wohl zunächst eine schwere Krankheit Kaiser’s Schuld tragen mochte, die er sich durch Ueberbürdung mit Arbeit und durch seinen Versuch, mit dem Genusse von schwarzem Kaffeh es zu forciren, zugezogen und von der er nur sehr langsam genas. In die Zwischenzeit (1846) fällt auch das Erscheinen des von Kaiser begründeten satyrischen Blattes: „Der Kobold“, welches aber bereits nach einem halben Jahre zu erscheinen aufhörte. In dem Stücke „Die Schule des Armen“ trat aber, da für die Rolle des ernsten Hauptcharakters kein geeigneter Schauspieler sich vorfand, Kaiser als Schauspieler auf und spielte diese Rolle wie die des Malers Otto Frei in seinem zunächst gegebenen Charaktergemälde: „Männerschönheit“. Mit diesen zwei Rollen schließt die Laufbahn Kaiser’s des Schauspielers ab, der bis dahin als Beamter, Maler und Theaterdichter mit mehr oder weniger günstigem Erfolge debutirt hatte. Mit den eben hereinbrechenden Märztagen [365] beginnt die Thätigkeit Kaiser’s des Volksmannes, die für ihn einen höchst gefährlichen Ausgang nehmen konnte. So übernahm er es, die von der Concordia entworfene Petition um Aufhebung der Censur am denkwürdigen 13. März, als die Aufregung, noch mehr aber die dagegen in Anwendung gebrachten Vorkehrungen einen sehr bedenklichen Charakter annahmen, im Einreichungs-Protokolle der niederösterreichischen Stände abzugeben; die Nacht über zog er als Patrouillenführer durch Stadt und Vorstädte und hielt um Mitternacht unter der Statue des Kaisers Joseph eine Rede an die rings versammelte Volksmasse: am folgenden Tage trat er in das bewaffnete Corps ein, welches von den Mitgliedern des juridisch-politischen Lesevereins gebildet wurde und stand in demselben auf dem Michaelerplatze der Militärabtheilung gegenüber, welche den Eingang gegen die kaiserliche Burg besetzt hielt. Dieses Corps hatte die Aufgabe, jeden Conflict zwischen Militär und Publikum hintanzuhalten. Kaiser fungirte als Führer dieser Abtheilung und wurde selbst, wie auch die ganze Abtheilung von den Officieren des Militärs wie der nächststehenden Arcièren-Leibgarde auf das Zuvorkommendste behandelt und später gastlich bewirthet. Die die Straßen der Stadt nach allen Richtungen durchwogenden zahllosen Menschenmassen erwarteten indessen in höchster Spannung die Verkündigung der Constitution. Bereits befand sich das Manifest unter der Presse, endlich kam es aus derselben, nun aber sollte dasselbe auch sogleich publicirt werden. Man suchte nach einem geeigneten Manne. Keiner fand sich. Da erging an Kaiser die Frage, ob er dieß übernehmen wolle: „Mit Freuden“, lautete seine Antwort. Es galt nun die Sache mit einigem Pomp in die Scene zu setzen, es wurden also vier berittene Trompeter aufgesucht und nach langen Bemühungen ein Pferd für Kaiser herbeigeschafft, und mit dem deutschen Hute auf dem Kopfe, in dem durch den Dienst bei Tag und Nacht etwas in Unordnung gerathenen Anzuge, ritt K., das kaiserliche Manifest hoch in den Händen haltend, von den vier berittenen Trompetern im Gardecostume, welche ihre Fanfaren helle ertönen ließen, denen ein Cavalier auch zu Pferde sich angeschlossen hatte, hinaus über der Michaelerplatz, Kohlmarkt Hohenmarkt, dann durch die Kärnthnerstraße in die Vorstädte, vorerst durch das laut verkündete Wort Constitution die aufgeregten Massen beschwichtigend und ihren Jubel erweckend, dann aber auf allen Plätzen haltend und unter tausendstimmigem Freudegeschrei des Volkes das kaiserliche Manifest lesend. Erst Abends nach 8 Uhr kehrte er mit seinem Gefolge in die Stadt zurück. Der Moment dieser ersten Verkündigung der Constitution durch Friedrich Kaiser wurde in einem bei L. T. Neumann erschienenen lithographirten Bilde und später in Joh. Nep. Vogl’s Volkskalender für 1849 (S. 27) dargestellt. Das lithographirte Blatt, ein paar Jahre später gesuchter Gegenstand der Confiscation, ist sehr selten geworden. Nachdem die Nationalgarde und die akademische Legion organisirt waren, trat K. in das mit letzterer verbundene Akademiker-Corps, welches größtentheils aus Künstlern und Schriftstellern bestand, wurde in demselben sogleich Lieutenant und im Mai Hauptmann der 3. Compagnie. Als solcher wohnte er am 6. October dem blutigen Kampfe an der Taborbrücke bei, wo ein Bataillon Nassau-Infanterie die erste Decharge gab, welche sodann von den Legionären erwidert wurde; die Letzteren [366] blieben Sieger und kehrten mit zwei erbeuteten Kanonen in die Stadt zurück. Die kaiserlichen Truppen zogen sich aus der Stadt in das Fürst Auersperg’sche Palais am Rennwege und ein kleiner Theil Infanterie und Artillerie in das kaiserliche Zeughaus in der Renngasse zurück, welches aber am nämlichen Tage vom Reichstage als Nationaleigenthum erklärt wurde und von der Nationalgarde bewacht werden sollte. Als die Garde dieses eben geschaffene Nationaleigenthum übernehmen sollte und dahin abrückte, kam zwischen ihr und der innerhalb des Arsenals befindlichen Besatzung keine Verständigung zu Stande, und das Volk begann das Zeughaus zu stürmen. Das Studenten-Comité verlangte von Kaiser, daß er die der Legion gehörigen Kanonen auf die Bastei führen und mit ihnen von dort das Zeughaus beschieße. Kaiser widersetzte sich diesem Ansinnen und schlug einen gütlichen Ausweg vor, ja trug sich selbst an, als Parlamentär in das Zeughaus zu gehen und dem Commandanten den Sachverhalt darzustellen. Man nahm den Vorschlag an und Kaiser ging als Parlamentär mit dem Trompeter voran von der hohen Brücke gegen das am Ende der Renngasse befindliche Thor. Mit einem Male öffnete sich das in demselben angebrachte kleinere Thor und ein Kartätschenschuß fiel in die von Menschen vollgestopfte Wipplingerstraße. Viele getroffen, stürzten zusammen, auch von Kaiser stand es am folgenden Tage in den Journalen, daß er als Parlamentär vor dem Zeughause gefallen sei. Aber er hatte auch nicht die geringste Verletzung erhalten. Hierauf übernahm er die Stelle eines Platzcommandanten der akademischen Legion, als welcher er die von der Legion und Mobilgarde besetzte Caserne am Heumarkte, wo sich viele ärarische, Monturs- und Rüstungsstücke befanden, vor Plünderung schützte. Als später Wien von den kaiserlichen Truppen eingenommen wurde, wurde K. von einem ihm unbekannten Officier als Einer derjenigen bezeichnet, welche an der Spitze der Legion gestanden, verhaftet und in’s Stabsstockhaus abgeführt, aber schon nach wenigen Tagen über Verwendung eines hochgestellten Militärs auf freien Fuß gesetzt. Nach dieser stürmischen Episode in Kaiser’s Leben, kehrte er wieder zu den Musen, die er während dieser Zeit begreiflicher Weise vernachlässigt hatte, zurück und nach einigen unbedeutenderen Arbeiten brachte er das Stück: „Ein Fürst“, im Februar 1849 im Theater an der Wien zur Aufführung. Die Aufnahme war eine sehr beifällige, aber die liberale Tendenz des Stückes gegenüber dem damals über Wien verhängten Belagerungszustande verwickelte Kaiser in Unannehmlichkeiten, die einen ernsten Charakter anzunehmen drohten und denen er sich durch rechtzeitige Entfernung von Wien entzog. Nach drei Wochen, nachdem der erste Sturm sich gelegt, kehrte er aber wieder zurück und nun wurde ihm das Urtheil in dem von Carl gegen ihn geführten Processe zugestellt. Carl hatte, wie vorauszusehen war, den Proceß gewonnen und Kaiser war verurtheilt, seine contractlich eingegangenen Verpflichtungen gegen Carl zu halten, diesem aber außerdem an Pönalien und Entschädigung eine Summe von 64.000 fl. zu leisten. An die Erlangung der letzteren, als uneinbringlichen Betrages, dachte Carl gar nicht, aber nachdem er das neue Theater in der Leopoldstadt gebaut und alle dort gegebenen Stücke bisher ohne Erfolg geblieben waren, war es ihm darum zu thun, in Kaiser eine Kraft wieder zu gewinnen, deren günstige Erfolge er [367] bereits erprobt, wie er die Nachtheile gefühlt, da er sie 5 Jahre hatte entbehren müssen. Carl lud Kaiser zu einer Besprechung ein, deren Ergebniß der Abschluß eines neuen für Kaiser sehr günstigen Vertrages, wie die Verzichtleistung Carl’s auf obige Summe von 64.000 fl. war. So blieb Kaiser von der Hälfte des Jahres 1849 bis zu Carl’s (am 14. August 1854 erfolgtem) Tode in dessen Diensten und lieferte in dieser Zeit 25 Stücke, unter denen mehrere einen glänzenden Erfolg hatten, wie: „Mönch und Soldat“, „Eine Posse als Medicin“, „Junker und Knecht“, „Verrechnet“. „Ein Lump“, „Eine Feindin und ein Freund“. Nach Carl’s Tode schwankte Kaiser, ob er mit Nestroy oder Pokorny in Verbindung treten sollte. Um zu einem Entschlusse zu kommen, machte er den Versuch und ließ seine Posse: „Nur Romantisch“ in dem unter Pokorny’s Sohn Leitung stehenden Theater an der Wien aufführen, überzeugte sich aber bald von der völligen Verkommenheit dieser Bühne, von der Nachlässigkeit und dem Unverständniß in der Regie, so daß er keinen Augenblick länger zögerte, Nestroy’s übrigens sehr vortheilhafte Anträge anzunehmen, die ihm einen Jahresgehalt von 1200 fl., 5 Percent von jeder Aufführung seiner Stücke und die Hälfte der Einnahme von jeder 20. Aufführung derselben sicherten. Bis zum Frühling des Jahres 1857 blieb das Verhältniß Kaiser’s mit Nestroy, für den er unter andern des „Krämers Töchterlein“, „Unrecht Gut“, „Zwei Testamente“, „Die Frau Wirthin“, lauter Stücke, die volle Häuser gemacht und oft gegeben wurden, geschrieben hatte, ein ungetrübtes. Aber Nestroy stand unter weiblichen Einflüssen und die alten Theatercabalen verleideten dem Dichter die Lust zur Arbeit. Wohl schrieb er noch einige Stücke, aber das Verhältniß war gestört und Kaiser drang zuletzt auf Lösung des Vertrages, welcher endlich im September 1859 erfolgte. Nun blieb Kaiser freilich keine Wahl, als beim Theater an der Wien einzutreten, welches aber damals bereits seiner Auflösung entgegen ging. Dort brachte er nun nach 25jähriger Thätigkeit als Theaterdichter am 16. December 1860, also am nämlichen Tage, an welchem vor einem Vierteljahrhundert sein erstes Stück gegeben worden, sein hundertstes zur Aufführung, welches jedoch zu ernst gehalten, einen nur mäßigen Erfolg hatte. Nachdem Nestroy den Pacht des Carl-Theaters aufgegeben und Treumann die Concession zum Baue des (am 9. Juni 1863 abgebrannten) Quaitheaters erhalten hatte, trat Kaiser bei Treumann ein. Aber die Richtung, welche Treumann seiner Bühne gab, ging nicht mit Kaiser’s Muse zusammen; Kaiser sollte und wollte Volksstücke schreiben, Treumann pflegte die französische Operette, die frivole 1actige Farce und erzielte damit volle Häuser; auch schienen die ewigen Wanderungen von einer Bühne zur andern, deren jede ein besonderes Publikum hatte, auf Kaiser’s schaffendes Talent wenig günstig gewirkt zu haben, die ungünstigen Erfolge seiner letzten Arbeiten hatten materielle Einbußen zur Folge und so verlautete es im August 1862 mit einem Male, Kaiser habe Wien verlassen. Während alle Gerüchte, daß er sich nach Turin, nach Griechenland u. s. w. begeben habe, sich als unwahr heraus stellten, blieb das eine Thatsache, daß Kaiser seit dieser Zeit, obgleich als Dramendichter immer noch thätig, bis heute unsichtbar ist. In jüngster Zeit kamen mehrere seiner Stücke im Carl-Theater, welches Lehmann dirigirte, und [368] im Theater an der Wien zur Aufführung, dessen Leitung Director Strampfer übernommen hat, und soll Kaiser, wie es heißt, im Mai l. J. mit Strampfer einen Vertrag als Theaterdichter abgeschlossen haben. Viele Stücke Kaiser’s wurden zuerst bei Anton Pichler, dann bei Wallishausser (jetzt Klemm), bei Letzterem der größere Theil in der Sammlung „Theater-Repertoire“ gedruckt. Außer diesen dramatischen Arbeiten schrieb Kaiser bei Gelegenheit von Carl’s Tode: „Theater-Director Carl. Sein Leben und Wirken – in München und Wien, u. s. w.“ (Wien 1854, Sallmayer und Comp., kl. 8°.), welche Schrift durchaus nicht als das erscheint, als was sie Kaiser bezeichnet; als eine Entwickelung des Charakters und der Stellung Carl’s zur Volksbühne, da darin zu vieles verschwiegen und das Gesagte ohne tiefere Begründung gesagt ist. Auch journalistisch war Kaiser thätig und die „Morgen-Post“, ein in Wien erscheinendes politisches Blatt, brachte von ihm im Jahre 1858 „Ereignisse und Denkwürdigkeiten aus dem Leben Wenzel Scholz’“ (Nr. 71 bis 106); seine Novelle „Ein Wort“ erschien im Feuilleton der „Ostdeutschen Post“ (1850) und eine andere, „Ein Diner in einer Bauernhütte“ in der Vorstadt-Zeitung (1855). Viele Gedichte, wohl das schwächste was K. geschrieben, denn er ist durchaus kein Lyriker, sind in Journalen und Taschenbüchern abgedruckt. Was Kaiser’s ästhetische Bedeutung als Theaterdichter betrifft, so ist in allen seinen Arbeiten entschiedenes Talent unverkennbar; er hat mit Glück fremde Stoffe bearbeitet, leider aber nicht immer die Quelle angegeben, sowie z. B. erst in jüngster Zeit sein Stück: „Ein grober Freund“ nur die geschickte Bearbeitung eines auch erst in neuerer Zeit veröffentlichten italienischen Schauspiels: „Un vero amico“, ist. Bei ihm „tritt, wie Gottschall bemerkt, „die Göttermaschine mehr (wir möchten sagen fast ganz) in den Hintergrund und räumt sogar direct politischen Tendenzen, wie der Emancipation des Bauernstandes, den Platz ein. Ein gesunder Humor und die Gabe geschickter Erfindung geben seinen meisten Stücken inneres Leben, obwohl die Poesie des Praters und Augartens, welche auch von Kaiser vertreten wird, keine bedeutenden geistigen Hebel anzusetzen vermag. Kaiser ist sehr witzig, schreibt auch prächtige Couplets, ist im Gebiete des Grellen groß; aber der sittliche Stoff, mit dem er seine dramatischen Gestalten kleidet, ist sehr fadenscheinig und seine Gewohnheit: eben der Zote die Moral in den Mund zu legen, ist eine empörende Unart. Auch würde Kaiser, wenn er nicht eben immer Lohnarbeit hätte verrichten müssen, ungleich Bedeutenderes geleistet haben, da er dazu die Fähigkeiten in ausgiebigstem Maße besitzt. Wenn ihn der „Pester Lloyd“ 1857, Nr. 103, „den Molière des Carl-Theaters“ nennt, so wird diese papricirte ästhetische Ansicht hier nur deßhalb mitgetheilt, damit die Priorität derselben diesem Pesther Blatte in der Zukunft nicht streitig gemacht werden kann.

l. Die dramatischen Arbeiten Friedrich Kaiser’s, in chronologischer Folge. (Die mit einem Stern (*) bezeichneten sind im Drucke, u. z. wenn beim Sterne ein P steht, bei Pichler, wenn dabei ein W steht, bei Wallishausser, nachmals Klemm, erschienen.)
1834. „Das Rendezvous“, Lustspiel in 3 Acten (von Director Carl aber zu einer Localposse verbalhornt, worauf es als „Hans Hasenkopf“ am 16. December 1835 im Theater an der Wien zur Aufführung kam und 3 Mal gegeben wurde).
1836. „Wolf und Braut“, Posse (8. Juni im Theater a. d. Wien, 11 Mal gegeben).
[369] 1837. „Sisiphus auf der Oberwelt“, mythologische Parodie (als Unterlage für Rappo’s gymnastische Productionen geschrieben und oft und überall, wo Rappo auftrat, gegeben).
1838. „Die Theaterwelt“, Posse, in Gemeinschaft mit Ferdinand Thalhammer geschrieben (am 12. Dec. im Theater a. d. Wien gegeben. Carl, der in diesem Stücke selbst gegeißelt war, gab den Theaterdirector. Es wurde 20 Mal wiederholt).
1839. „Liebe und Ehe“, Lustspiel (2. Februar im Theater in der Josephstadt, 7 Mal gegeben). – „Der erste Mai“, Posse in 2 Acten (1. Mai im Theater in der Leopoldstadt). – „Die gespenstige Mühle“, Posse in 2 Acten (im Mai ebenda). – „Gutsherr und Messerschmidt“, Posse, locale Bearbeitung von Ziegler’s[WS 1] „Liebhaber und Nebenbuhler“ (im Theater a. d. Wien). – „Haarlocken statt Ducaten“. Zauberposse (ebd.).
1840. „Staberl’s List und Lügen“ (4. Jänner, die Rolle des Staberl hatte sich Carl selbst an den Leib geschrieben, ohne jedoch einen Erfolg zu erzielen). – *W„Dienstbotenwirthschaft oder Chatoulle und Uhr“, Posse in 2 Acten (26. März im Theater a. d. Wien, über 30 Mal gegeben). – „Das Preisstück“, Gelegenheitsstück (1. Juli im Theater a. d. Wien, geschrieben anläßlich der von Carl für das beste Volksstück ausgeschriebenen Preise, 10 Mal gegeben; im Stoffe identisch mit dem 17 Jahre später im Hofburgtheater aufgeführten „Preislustspiel“ von Eduard Mauthner). – *P„Wer wird Amtmann, oder des Vaters Grab“, Local-Lebensbild (22. September im Theater a. d. Wien, 50 Mal gegeben). – „Wunsch und Erfüllung oder die Zebrahaut“, nach Balzac’s „Peau de chagrin“ (im Winter 1840 im Theater in der Leopoldstadt gegeben, hat nicht gefallen).
1841. „Kaufmann und Maler“. Lebensbild (2. April im Theater in der Leopoldstadt). – „Das lose Maul“, Posse (4. Mai ebd.). – *P„Der Zigeuner in der Steinmetzwerkstätte“, Lebensbild in 2 Acten (im Theater in der Leopoldstadt 30 Mal gegeben). – *P„Geld“, Posse in 3 Acten, nach dem Englischen Bulwer’s frei bearbeitet (31. December).
1842. „Die reiche Bäckerfamilie“ (24. Febr.). – „Verleumder und Plauderer“, Lebensbild (24. März). – „Der alte Musiker“, Lebensbild (21. April); – „Das Armband“, Posse (im Mai). – „Bürger und Soldat“, Charakterbild (26. Juni). – „Die Wünschelruthe“, Posse (28. September; alle im Jahre 1842 gegebenen Stücke K.’s fanden zwar eine beifällige Aufnahme, erhielten sich aber nicht auf dem Repertoir).
1843. *W„Der Schneider als Naturdichter“, Posse in 2 Acten (17. Februar im Theater in der Leopoldstadt). – *W„Müller und Schiffmeister“, Posse in 2 Acten (20. Mai im Theater in der Leopoldstadt). – *W„Des Schauspielers letzte Rolle“, Posse in 3 Acten (7. August im Theater a. d. Wien). – *W„Der Rastelbinder oder 10.000 Gulden“, Posse in 3 Act. (17. August ebenda). – „Der todte Bär“ (im Theater a. d. Wien). – „Der Corporal und seine Landsmännin“ (ebd.). – „Vater und Sohn in einer Person“, (ebd.). – „Lucilla“, Schauspiel (4. November ebd.). – „Ein Abend, eine Nacht und ein Morgen in Paris“, Vaudeville (25. November ebd., über 40 Mal gegeben).
1844. „Die Spielcameraden“ (2. März im Theater a. d. Wien). – „Stadt und Land“, Posse (10. August, anfänglich im Leopoldst. Theater, dann im Theater a. d. Wien, über 100 Mal gegeben; machte die Runde auf den meisten deutschen, selbst Hofbühnen und ging in Weimar einmal zu Goethe’s Geburtstagsfeier über die Bretter (!); wurde in’s Böhmische, Polnische, Russische übersetzt). – „Der Krämer und sein Commis“, Posse (anfangs October 1844 im Josephstädter Theater. In der Figur des Kaufmanns sah sich ein Wiener Kaufmann persiflirt und klagte den Verfasser auf Ehrenbeleidigung; die weiteren Aufführungen wurden eingestellt. Als es zur Untersuchung kam, stellte sich der Sachverhalt so, daß gegen die weitere Aufführung des Stückes keine Anstände vorlagen; jetzt erst war das Glück des Stückes gemacht, das über 50 Mal gegeben wurde). – „Lord und Wirth“ (12. Oct. im Leopoldst. Theater, ging spurlos vorüber).
1845. *W„Doctor und Friseur oder die Sucht nach Abenteuern“, Posse in 2 Acten (25. Jänner ebd.). – „Tänzerin und Enthusiast“ (ohne Erfolg ebd.). – „Die Industrie-Ausstellung“, Posse (im Sommer g. J. im Josephst. Theater 20 Mal gegeben). – „Sie ist verheirathet“, Lustspiel (im October g. J. im Theater a. d. Wien, [370] über 50 Mal gegeben; namentlich durch Beckmann’s Spiel sehr wirksam). – „Der preußische Landwehrmann“, Genrebildchen, nach einer Idee von Louis Schneider dramatisirt (anläßlich einer Wohlthätigkeits-Akademie zum ersten Male im k. k. Hof-Operntheater und dann auf allen übrigen Bühnen gegeben).
1846. „Der Sohn der Haide“, Lebensbild (im Sommer g. J. im Theater a. d. W., ging spurlos vorüber). – *W„Die zwei Pistolen“ (im Sommer g. J. ebenda). – „Carricaturen“ (im Sommer g. J. ebd.; dieses wie das vorgenannte ohne nachhaltigen Erfolg).
1847. *W„Die Schule des Armen oder zwei Millionen“, Original-Charakterbild in 4 Acten (im Theater a. d. Wien, Kaiser selbst spielte darin die Hauptrolle; über 30 Mal gegeben).
1848. *W„Männerschönheit“, Original-Charakterbild in 3 Acten (im Februar im Theater a. d. W.). – „Städtische Krankheit und ländliche Cur“, Posse (im Juni ebd.). – *W„Ein Traum kein Traum oder der Schauspielerin letzte Rolle“, Posse in 2 Acten (im November). – „Nacht und Licht“, Gelegenheitsstück in 1 Acte. – *W„Zum ersten Male im Theater“, Scherz in 1 Acte (beide am 31. December im Theater a. d. Wien).
1849. *W„Ein Fürst“, Charakterbild in 3 Acten (im Februar im Theater a. d. Wien, gefiel sehr, wurde jedoch, ungeachtet die Bewilligung zur Aufführung behördlich ertheilt worden war, nach der ersten Aufführung verboten und der Verfasser in schwere Unannehmlichkeiten verwickelt, Umstände, die ihren Erklärungsgrund im Ausnahmszustande, welchem Wien zu jener Zeit verfallen war, finden). – „Mir fällt Nichts ein“, Lustspiel in 3 Acten (im Juli im Leopoldst. Theater, beifällig aufgenommen). – „Das Kirchweihfest zu St. Anna im Böhmerwalde“, Charakterbild in 3 Acten (im August ebd., beifällig aufgenommen). – *W„Mönch und Soldat“, Charakterbild in 3 Acten (6. October, 50 Mal nach einander im Leopoldst. Theater gegeben, bei seiner Wiederaufnahme im J. 1856 verboten. Man vergleiche darüber im Wiener Blatte „Morgen-Post“ 1861, Nr. 48, den „ein merkwürdiges Actenstück“ überschriebenen Feuilleton-Artikel). – *W„Eine Posse als Medicin“, Original-Posse in 3 Acten (6. December ebd., über 30 Mal gegeben).
1850. *W„Ein neuer Monte Christo“, Charakterbild in 3 Acten (ebd., gefiel nicht). – *W„Junker und Knecht“, Charakterbild in 3 Acten (3. Juni ebd., über 20 Mal gegeben). – „Der Ritter vom Sattel und Stegreif“, Charakterbild in 3 Acten (im September ebd., gefiel nicht). – „Das Geheimniß des Forsthauses“, Charakterbild in 3 Acten (im September ebd., 12 Mal gegeben). – „Wer zuletzt lacht, lacht am besten“, Posse in 2 Acten (26. October ebd., obgleich es gefiel, doch bald zurückgelegt).
1851. „Frauenstärke und Männerschwäche“, Charakterbild in 3 Acten (31. März ebd., 15 Mal gegeben). – *W„Verrechnet“, Charakterbild in 3 Acten (5. Juni ebd., über 30 Mal gegeben). – „Ein Schwiegervater, der Schwiegersohn seines Schwiegersohnes“, Lustspiel in 2 Acten (3. Juli ebd., hatte nur mäßigen Erfolg). – „Naturmensch und Lebemann“, Charakterbild in 3 Acten (4. September ebd., 15 Mal gegeben). – „Die Oesterreicher in Amerika“ (25. October ebd., sollte in 2 Abtheilungen, deren jede einen Abend füllte, gegeben werden; da aber die erste Abtheilung nicht gefiel, zog Kaiser beide Abtheilungen in eine zusammen, worauf dieselbe am 1. November d. J. unter dem Titel: „Die Oesterreicher in Amerika und ihre Rückkehr“ ebenda gegeben und 10 Mal wiederholt wurde). – „Künstler und Handwerker“, Charakterbild in 3 Acten (16. December ebd., 20 Mal gegeben).
1852. „Alm-Friedl“, Charakterbild in 2 Acten (ebenda, nur 3 Mal gegeben). – *W„Ein Lump“, Posse in 3 Acten (7. Juli ebenda, 15 Mal gegeben). – „Die drei Eichen“, Charakterbild in 3 Acten (16. Oct. ebd., zu ernst, und nur 5 Mal gegeben).
1853. *W„Eine Feindin und ein Freund“, Posse in 3 Acten (2. April ebd. 30 Mal gegeben). – „Der letzte Hanswurst“, Zeitgemälde in 2 Acten (2. Juni ebd., gefiel, wurde in Wien nur wenige Male gegeben, während es auf anderen Bühnen ein Repertoirstück wurde). – „Der Ueberspannte“, Posse in 2 Acten (6. September ebd., gefiel nicht). – „Im Dunkeln“, Posse in 3 Acten (8. October ebenda, 14 Mal gegeben).
1854. „Harfenist und Wäschermädel“, Posse in 3 Acten (14. Jänner ebenda, gefiel nicht). – „Kniffe und Pfiffe“, Posse [371] in 2 Acten mit einem Vorspiel (6. Mai ebd., wurde bald zurückgelegt). – „Die Hand und das Messer“, Charakterbild in 3 Acten (12. August ebenda, mehr Schauspiel als Volksstück und daher bald zurückgelegt). – *W„Palais und Irrenhaus“, Charakterbild in 2 Acten (3. October ebd., 20 Mal gegeben; in der Zwischenzeit, am 14. August, erfolgte Carl’s Tod, und obiges Stück brachten seine Erben zur Aufführung). – „Nur romantisch“, Posse (18. November im Theater a. d. Wien). – *W„Des Krämers Töchterlein“, Charakterbild in 3 Acten (29. November im Leopoldst. Theater, Kaiser’s erstes unter Nestroy’s Leitung gegebenes Stück; über 30 Mal gegeben). – „Ein Sylvesternachts-Spaß“, Gelegenheitsschwank (30. Dec. ebd., 4 Mal gegeben).
1855. *W„Unrecht Gut“, Charakterbild in 3 Acten mit einem Vorspiele (20. Jänner ebd., über 30 Mal gegeben). – *W„Zwei Testamente“, Charakterbild in 3 Acten (13. September ebd., 25 Mal gegeben).
1856. *W„Die Frau Wirthin“, Charakterbild in 3 Acten (5. Jänner ebd., 50 Mal in ununterbrochener Folge). – „Ein Bauernkind“, Charakterbild in 3 Acten (25. October ebd., nur 8 Mal gegeben).
1857. *W„Etwas Kleines“, Charakterbild in 3 Acten (7. April ebd., mit ungewöhnlichem Erfolge 20 Mal gegeben, ob Theater-Intriguen zurückgelegt).
1858. „Der Abwesende“, Charakterbild in 3 Acten (23. Jänner ebd., gefiel nicht). – „Die Braut aus Mexico“, Posse in 1 Acte (5. Februar ebd., gefiel). – „Ein alter Handwerksbursche“, Charakterbild in 3 Acten (30. September ebd., gefiel sehr, wegen Theater-Intriguen schon nach der 10. Aufführung zurückgelegt). – „Das Kind und sein Müller“, Charakterbild in 3 Acten (30. October ebd., gefiel sehr, aus gleichen Gründen aber wie das vorige, schon nach der 4. Aufführung zurückgelegt). – „Die Wirthstochter“, Charakterbild in 3 Acten (30. December ebd., 8 Mal gegeben).
1859. „Ein Jagd-Abentheuer“, Posse in 2 Acten (19. Februar ebd., oft, jedoch in unterbrochener Folge gegeben). – „Nur Courage“, Volksstück in 3 Bildern (7. Mai ebd., obgleich es gefiel, nur 3 Mal gegeben). – „Der Sohn des Fabrikanten“, Charakterbild (10. October im Theater a. d. Wien 15 Mal gegeben, war für die Leopoldstädter Bühne geschrieben, von Nestroy aber, der sich von Kaiser’s Gegnern sehr beeinflußen ließ, als nicht aufführbar zurückgewiesen).
1860. „Eine neue Welt“, Charakterbild (21. Jänner im Theater a. d. Wien, 50 Mal bei vollen Häusern gegeben). – „Eine Caprice der Pepita“, Gelegenheits-Schwank in 1 Acte (im Winter g. J. im Theater in der Josephstadt, ohne Nennung des Autors gegeben). – „Gute Nacht Rosa“, dramatisches Genrebild in 1 Acte (22. April, in einer Wohlthätigkeits-Akademie im Theater a. d. Wien gegeben, später, am 24. Jänner 1861, in’s Repertoir des Burgtheaters aufgenommen). – „Mein ist die Welt“, Charakterbild (16. December im Theater a. d. Wien; wurde als Kaisers 100. Stück an demselben Tage gegeben, an welchem er vor 25 Jahren mit dem ersten Stücke vor das Publikum trat, meine Zählung gibt jedoch nur 98 und selbst, wenn die später in eine Abtheilung zusammengezogenen 2 Abtheilungen des Stückes „Die Oesterreicher in Amerika“ als 2 Stücke gezählt werden, erst 99 Stücke; wahrscheinlich zählte der Verfasser auch sein erstes nicht zur Darstellung gelangtes Lustspiel, dessen Titel nicht bekannt ist, dazu, dann sind es thatsächlich hundert; das Stück wurde nur 5 Mal gegeben).
1861. „Zwischen zwei Stühlen“, Schwank in 1 Acte (5. Mai in einer im Quai- (nachmals Treumann-) Theater veranstalteten Wohlthätigkeits-Akademie gegeben). – „Der Herr Bürgermeister und seine Familie“, Charakterbild (14. September im Treumann-Theater). – „Der alte Bader und die jungen Doctoren“, Charakterbild in 3 Acten (23. November ebd., nach der 8. Aufführung zurückgelegt). – „Nichts“, Posse (4. October im Treumann-Theater).
1862. „Der Billeteur und sein Kind“, Originallustspiel (13. December in dem in Director Strampfer’s Leitung übergegangenen Theater a. d. Wien, 15 Mal gegeben). – „Der Blitzableiter in der Sylvesternacht“, Gelegenheitsschwank in 1 Acte (zum Jahresschluß 1862 im Theater a. d. Wien).
1863. „Künstler oder Millionär“, Originallustspiel (21. Jänner im Theater a. d. Wien, erlebte nur wenige Vorstellungen). – „Mit dem Feuer spielen“, Charakterbild (28. Februar ebd., ist nur die Umarbeitung eines seiner älteren Stücke, 4 Mal gegeben). – „Ein grober Freund“, Charakterbild (10. April im Carl-Theater, als Lehmann dessen Leitung führte).
[372] II. Zur Biographie. Illustrirte Novellen-Zeitung (Wien, 4°.) 1855, Nr. 9, S. 69: „Die Vehme. An den Bühnendichter Herrn Friedrich Kaiser. Erster Besuch“. – Frankl (L. A. Dr.), Sonntagsblätter (Wien, 8°.) Jahrgang 1848, Beiblatt: Wiener Abendzeitung, S. 40 und 134. – Oesterreichisches Morgenblatt, herausg. von Oesterlein (Wien, 4°.) 1841, Nr. 138. – Morgen-Post (Wiener polit. Blatt, Fol.) 1861, Nr. 48: „Ein merkwürdiges Actenstück“ [betrifft das Verbot seines Stückes „Mönch und Soldat“, nachdem dasselbe wenige Jahre früher über 50 Mal gegeben worden]. – Humorist. Von M. G. Saphir (Wien, 4°.) 1835, Nr. 77. [Saphir schreibt über Kaiser: „F. K. ist einer der Begabtesten unter dem neuen Geschlechte, voll Talent und Rührigkeit, aber ganz ohne Richtung, ganz zerfahren, ohne Tendenz, ohne Ziel wohin er strebt, ohne Bewußtsein was er erstrebt oder erstreben möchte. Seine Stücke haben alle Talent, aber nie Charakter, die meisten haben viel Effecte, aber nie auch einen einzigen Kern“.] – Presse (Wiener polit. Blatt) 1862, Nr. 97 und Nr. 224 Abendblatt. – Fremdenblatt 1862, Nr. 98. – Wiener Zeitung 1862, Nr. 84.
III. Porträte. 1) Mit dem Facsimile seines Namens. Eybl (lith. in Wien) 1842, gedr. bei K. Leykam (Halbfol.). – 2) Mit dem Facsimile seiner Unterschrift. Kriehuber (lith.) 1844. Gedr. bei Johann Höfelich (Wien, Halbfolio). – 3) Lithographie. Kaiser zu Pferde, die Constitution verkündend. Ein durch Confiscation höchst seltenes Blatt.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Jünger’s.