BLKÖ:Steinfeld, Franz

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Steinfeld, Wilhelm
Band: 38 (1879), ab Seite: 81. (Quelle)
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Steinfeld, Franz (Landschafts-Maler, geb. in Wien 26. Mai 1787, gest. zu Pisek in Böhmen 3. November 1868). Sein Vater Franz (geb. 1750, gest. 13. April 1832) war Bildhauer und half die Figuren im Garten des k. k. Lustschlosses zu Schönbrunn meißeln; er verwendete den Sohn, der sich auch der Kunst widmen sollte, noch ehe er die Akademie besuchte, praktisch bei der Ausführung von Verzierungen u. dgl. Der Bildhauer Prokop [Band XXIV, S. 1] übernahm später die Ausbildung des Knaben. Unter dessen Leitung war er in dem Atelier in der Josefstadt an der Fertigung der Figuren für die Kirche in Steinamanger thätig; eine der Gruppen hat er nach einem kleinen Modelle im Großen modellirt. Als der Meister ihn, vielleicht zu eigenem, vielleicht [82] auch zum Nutzen des Schülers, mit Steinmetzen beschäftigte, verlor er alle Freude an der Bildhauerkunst, für die er, wie dies die Folge lehrte, auch nicht berufen schien. Steinfeld besuchte zuweilen den Bruder des berühmten Abenteuerers, den Maler Casanova [Band II, Seite 301], in der Brühl und in dem Kaiserhause auf der Wieden mit seinem Vater, der für die Bilder des Künstlers die Rahmen lieferte. Der junge Mensch äußerte viele Theilnahme an den Bildern Casanova’s, der auf ihn aufmerksam wurde und gern und freundlich mit ihm sprach. Bei der ausgesprochenen Lust, Maler zu werden, gab ihm Casanova drei Bilder mit, eine Landschaft, ein Thierstück, ein Schlachtgemälde, mit der Weisung, sie zu copiren, er wolle ihm dann sagen, für welches Fach er Talent habe. Steinfeld copirte tapfer drauf los und als er die drei Bilder fertig hatte, brachte er sie Casanova, der ihm kurz und decidirt sagte: „Sie müssen Landschaftsmaler werden.“ Nun betrat er die Schule der Landschafts- und Figurenzeichnung und erhielt bald in ersterer zwei Preise. Der wohlhabende Vater, wiewohl liebevoll, doch streng in der Erziehung, ging von dem Grundsatze aus, ein junger Mann könne nicht schnell genug, zur Bildung seines Charakters, selbständig werden, und er mußte sich sein Brod selbst verdienen. Wie half sich der kunstbegeisterte Jüngling? Er malte Bilder auf – Dosen. Viele hundert Dutzend Dosen für 16 kr. C. M. das Stück. Bei dem geringen Preise erwarb er sich doch bald – fabriksmäßig rasch wußte er zu produciren – so viel, um anständig leben und die beste Zeit des Tages der Kunst, für die er glühte, widmen zu können. So hatte er wohl an die tausend und mehr Dosen doch so zu sagen patronirt. Nicht lange aber und trotz des guten Erwerbes konnte ihn das geistlose Thun fesseln; aber erwerben mußte er, und so widmete er seine Fähigkeiten dem Bilderhändler Braun als Restaurateur. Bei dieser Gelegenheit mußte er auch Ansichten von Rheingegenden coloriren, und das weckte in dem Jünglinge die unüberwindliche Sehnsucht, den stolzen Rhein mit seinen Burgen und Rebenhügeln, seinen Städten und Thalschluchten zu sehen. Sein Vater gab ihm 60 fl. C. M. und freudig wanderte der 18jährige Jüngling, die Fahrt von Mannheim nach Mainz und Köln abgerechnet, zu Fuß bis Antwerpen. Vom August bis November überließ er sich begeistert froher Wanderlust, Natur und Kunst strömten als goldener Regen in sein weiches Gemüth und frisch im Herzen und reicher im Geiste kehrte er nach Wien zurück. Nun begannen seine gewonnenen Anschauungen, bei bereits heranreifender Technik, sonnige Reflexe auf seine Bilder zu werfen, man wurde auf dieselben aufmerksam. Ein schlichter Bürger in Wien, der Tuchscherermeister Wiest, wurde der Mäcen des jungen Künstlers; er kaufte alle Bilder, die dieser damals malte, und bei dem, in den Vierziger-Jahren erfolgten Tode Wiest’s wurden aus dessen Nachlaß 60 Bilder Steinfeld’s auctionirt, die im zwei- und dreifachen Werthe, als sie bezahlt waren, gekauft wurden und so den Erben die Kunstliebe und die einem Talente zugewendete Protection Wiest’s lohnten. Die Reiselust war wieder in dem jungen Künstler rege geworden. Der Süden, das Meer zogen ihn an, und mit wenigem ersparten Gelde trat er mit einem Kaufmanne die Reise nach Italien an. Auf dem Wege dahin, in Klagenfurt, wo ihn der Kaufmann in mehreren [83] angesehenen Häusern einführte, wurde der junge, liebenswürdige Künstler festgehalten, er blieb einen Winter hindurch, malte und gab Unterricht. Schöne Stunden verlebte er dort in dem trefflichen Hause der Ritter von Moro und im Kreise vieler liebenswürdiger und kunstsinniger Menschen. Die Reiseferien waren verstrichen, er mußte nach Wien zurückkehren, nicht ohne gegebenes Wort, wieder zu kommen. Zurückgekehrt, mit des Schaffens Drang im Herzen, aber bekümmert, weil er wieder, um die ihm klar gewordene Sendung des Künstlers zu erfüllen, manche unkünstlerische Aufgabe des Erwerbes wegen lösen sollte, ließ ihn eines Tages der Erzherzog Anton, Deutschmeister des Johanniter-Ordens, zu sich rufen und trug dem jungen Manne mehrere Zeichnungen für ein Album, das einer hohen Dame als Geschenk bestimmt war, auf. Die Aufgabe gelang und der edle Prinz stellte den Künstler sofort als seinen Kammermaler an. Von nun an, es war im Jahre 1815, wurden dem Künstler würdige Muße, begeisternde Aufgaben, entsprechende Belohnung und Auszeichnung. Mit dankbarer Rührung schildert der Künstler diese Wendung in seinem Leben, welche er seinem fürstlichen Mäcen verdankte. Für ihn malte Steinfeld acht große Bilder. Am 1. Juli 1837 erfolgte seine Ernennung zum Corrector an der Landschaftsschule der k. k. Akademie in Wien, 1838 wurde er außerordentlicher Professor, 1845 erhielt er die Würde eines ordentlichen akademischen Rathes und wurde im nämlichen Jahre ordentlicher Professor der Landschaftszeichnenschule an Stelle des verstorbenen Mößmer [Band XVIII, S. 431]. Steinfeld’s Thätigkeit als ausübender Künstler ist, von der Qualität, über welche weiter unten Näheres folgt, abgesehen, quantitativ eine bedeutende. Er hat, wie wir aus einem Nachweise ersehen, bis zum Jahre 1846 an 400 Bilder gemalt; darunter für Seine kaiserliche Hoheit Franz Karl 6 Bilder, unter diesen „Das Gosauthal mit den Donnerkogeln“; – für das k. k. Belvedere 3 Bilder; – für die Gallerie des Fürsten Liechtenstein 1 Bild; – für Herrn Feldmüller 4 Bilder; – für die Gräfin Sophie Zichy geborene Széchényi 10–12 Bilder; – für den Grafen Taafe 1 Bild; – für Herrn Arthaber 1 Bild; – für die Gräfin Fries geborene Pereira 1 Bild; – für den Grafen Otto Traun 1 Bild; – für die Baronin Pereira geborene Arnstein 1 Bild; – für die Freiherren Adolph und Louis Pereira 2 Bilder. Wohl ebensoviel, wenn nicht mehr, mag die Zeit von 1848 bis 1868 umfassen. Seine große Productivität wußte er durch viele Reisen noch zu steigern. Die fast jährlichen Ausflüge nach Steiermark, Kärnthen, Oberösterreich abgerechnet, besuchte er im Jahre 1828 das Lombardisch-Venetianische Königreich, im Jahre 1830 Paris und kehrte durch das Berner Oberland zurück; im Jahre 1838 Oberitalien, die Schweiz und Tirol mit dem Grafen Széchényi, von dem er sich in Luzern trennte; im J. 1842 mit dem verewigten Danhauser [Bd. III, S. 153] die Rheingegenden, Belgien und Holland; im Jahre 1844 Norddeutschland und Helgoland; das schöne Bild: Helgoland von den Dünen aus gesehen, das der Kunstverein ankaufte und der Seidenhändler Herr Wininger in Wien gewann, war unter anderen eine Frucht dieser Reise. Am gewaltigsten hat die Schweiz auf das Gemüth des Künstlers [84] gewirkt; doch behauptet er, gleich große Eindrücke in der Alpenwelt Tirols, Kärnthens und des Salzkammergutes empfangen zu haben. Seine spätere Reise führt ihn wieder nach Italien, nach Rom und Neapel. Der Künstler hat ziemlich fleißig die Jahres-Ausstellungen in der k. k. Akademie der bildenden Künste bei St. Anna in Wien und die Monats-Ausstellungen des österreichischen Kunstvereines beschickt; auch sind mir in öffentlichen Gallerien und aus Versteigerungen von Privatsammlungen mehrere Arbeiten des Künstlers bekannt geworden, deren Uebersicht hier folgt. In den Jahres-Ausstellungen in der k. k. Akademie der bildenden Künste in Wien waren zu sehen im Jahre 1820: „Ansicht einer Mühle am Schwarzbach in Salzburg“; – „Felsige Landschaft bei Baden“, nach der Natur; – „Waldige Landschaft“; – 1822: „Gegend bei Heiligenstadt“; – „Der Schleierfall bei Gastein“; – „Gegend bei Mariabrunn“; – „Studium nach der Natur“; – „Capelle auf dem Klosterberge bei Guttenstein“; – „Ideale Landschaft“; – „Der Grottensee“; – „Ansicht von Berchtesgaden und dem Watzmann“; – „Der Traunsee bei Gmunden“; – „Waldige Gegend“, ideale Landschaft; – „Ansicht der Schafalpe“; – „Der Wasserfall bei Muckendorf“. Studie; – 1824: „Gegend am Bartholomäussee bei Salzburg“; – „Gegend nächst dem Traunfalle“, zwei verschiedene Ansichten; – „Gartenpartie in Hadersdorf“; – „Ideale Landschaft“; – „Landschaft mit Wasserfall“ aus dem Bärenthal in Kärnthen; – „Gegend am Wörthersee bei Klagenfurt“ und zwei ideale Landschaften; – 1826: „Der Hallstädtersee in Oberösterreich“; – „Ein Teich nächst Klagenfurt“; – „Waldbach bei Weibisch in Kärnthen“; – „Ansicht des Dorfes Heiligenblut in Kärnthen“; – „Gegend bei Klagenfurt“; – 1832: „Waldbach Strubb in Oberösterreich“, Studium nach der Natur, 35.5 Centimeter hoch, 54 Centimeter breit (im Besitze des Grafen Victor von Wimpfen); – „Der Hallstädtersee im Salzkammergut“; – 1835: „Das Steinerne Meer und die Ansicht des Zellersees im Pinzgau“; – 1836: „ Partie vom Hallstädtersee“; – „Ansicht von Hallstadt“; – „Felsenpartie am Hallstädtersee“; – 1837: „Altaussee mit dem Triffelstein“; – 1839: „Das Wetterhorn“; – 1840: „Partie am Wörthersee bei Klagenfurt“ (Eigenthum der Baronin von Pereira); – 1841: „Partie gegen den Grundelsee in Steiermark“, zwei Bilder; – „Partie am Hallstädtersee“; – 1843: „Gebirgslandschaft in Oberösterreich“ (Eigenthum der Gräfin Fries); – „Motiv vom Niederrhein“; – „Waldpartie mit einem Sumpfe“; – „Feldweg“; – 1847: „Tagesanbruch“; – 1850: „Felsenpartie“; – 1852: „Fischerhütte“. – In den Monats-Ausstellungen des österreichischen Kunstvereins, 1852 im Mai: „Der Grundelsee“ (130 fl.); – 1853 im Februar: „Gebirgslandschaft“ (380 fl., vom Kunstverein angekauft); – 1868: „Landschaftsstudie“; – 1871 Mai: „Die Ruine Kronos mit den am Abhange des Hügels befindlichen Eisengewerken im Köflacherthale“; – 1872 December: „Gebirgslandschaft mit Wasserfall“; – „Ansicht von Gastein“; – „Partie am Hallstädtersee“. – In den Ausstellungen des Künstlerhauses in Wien, 1870: „Landschaft mit Jägern“. – In der Belvedere-Gallerie: „Der Hallstädtersee in Oberösterreich“, bezeichnet: Steinfeld 1834 auf Holz 1′ 91/2″ hoch, 1′ 6″ breit; – „Wildbad Gastein vor 44 Jahren“, bezeichnet: Franz Steinf. 1857, auf Holz, 2′ 7″ hoch, 2′ 3″ breit; die bisher genannten sind sämmtlich Oelgemälde. [85] – In der historischen Ausstellung der k. k. Akademie der bildenden Künste 1877: „Baumschlag“ Sepiazeichnung. 31 Centim. hoch, 36 Centim. br.; – „Der kalte Gang zu Guttenstein in Niederösterreich“, Original-Lithographie Qu. Fol.; – „Partie aus dem Graben nächst Neumarktl in Krain“, Original-Lithographie, Fol.; – „Sumpflandschaft mit einer verlassenen Mühle“, 71.5 Centim. h., 103.5 Centim. br. (1846); von G. A. Troitsch gestochen, in den vom österreichischen Lloyd herausgegebenen „Kunstschätzen Wiens“; – „Verfallene Hütte an einem Weiher“, 69.5 Centim. hoch, 87 Centim. breit (1846); – „Der Gosausee“ auf Holz, 52.5 Centim. hoch. 60.5 Centim. breit (1839), (Erzherzog Karl Ludwig); – „Gebirgslandschaft“, Oelskizze, 46.5 Centim. hoch, 36.5 Centim. breit; – eine zweite, gleichfalls Oelskizze, 43 Centim. hoch, 33 Centim. br., beide in der Bibliothek der k. k. Akademie der bildenden Künste. – In verschiedenen Auctionen von Privatsammlungen sind mir bekannt geworden: „Gebirgspartie. Vorne ein angelnder Knabe“, auf Holz. 191/2″ hoch, 16″ breit; – „Partie aus dem Waldbach Strubb“, Carton auf Holz, 12″ hoch, 9″ breit; – „Seegestade“, jetzt unter dem Namen „Ostende“ in der Belvedere-Gallerie; – „Alpenhütte“, Studie; – „Gletscher am Grossglockner“, Studie; – „Der Hintersee“, Studie, alle drei in der im Jahre 1863 versteigerten Sammlung des Professors F. G. Waldmüller; – „Gebirgsbach“ auf Holz, 16″ 19′′′ hoch. 20″ 7′′′ br.; – „Der Ausfluss des Traunfalls“ auf Leinwand. 171/2″ hoch, 22″ breit; – „Der Gmundnersee“ auf Leinwand, 23″ hoch, 31″ breit; – „Waldlandschaft mit einigen Kühen staffirt“ auf Leinwand, 271/2″ h., 39“ br.; – „Donau-Ansicht“ in der Koller’schen Sammlung, Oelstudie. Wie aus vorstehender Uebersicht erhellt, hat Steinfeld auch etliche Blätter lithographirt und zwar sind solcher von ihm lithographirten Landschaften 13, sowie vier von seiner Hand radirte Blätter bekannt. Wir schließen die voranstehende Künstlerskizze noch mit einigen Einzelheiten aus des Künstlers Privatleben. Steinfeld war der Typus eines Vollblut-Wieners, eine Species, wenn nicht bereits erloschen, so doch im Erlöschen begriffen. In seinem Benehmen liebenswürdig, männlich gerade, war er in den höchsten Kreisen wie unter seinen Kunstgenossen gern gesehen und sehr beliebt. Mit einem kindlich heiteren Humor verband er eine fast rührende Liebe für das Gedeihen und Fortkommen seiner zahlreichen Schüler, unter denen sein Sohn Wilhelm, von dem ein besonderer Artikel folgt, besonders hervorzuheben ist. Seine loyale Haltung im Jahre 1848 setzte ihn von Seite politischer Parteigänger und Gegner übler Nachrede aus, die ihn jedoch bei seinem Bewußtsein, das Richtige und Rechte gethan zu haben, weiter wenig kümmerte. Im Mai 1848 wurde ihm die große goldene Civilehrenmedaille verliehen. Im Jahre 1815 hatte er sich mit Dorothea Fertbauer, der Tochter eines Wiener Uhrmachers und nahen Verwandten eines im Jahre 1844 erblindeten jungen Malers gleichen Namens, der zu schönen Hoffnungen berechtigte, verheirathet. Nach einer 13jährigen glücklichen Ehe, in welcher sie ihm zwei Kinder, einen Sohn und eine Tochter, gebar, verlor er seine Frau durch den Typhus, und dieß war der erste Schlag, der das heitere Künstlergemüth schwer traf und von dem er sich nie wieder erholen konnte. In der Kunst und in seinen [86] Kindern fand er seinen einzigen Trost, bis ihn durch den Tod seines Sohnes Wilhelm ein neuer schwerer Schlag traf. Die letzten drei Jahre seines Lebens waren durch schwere Leiden getrübt. Ein Schlaganfall hatte ihn in der freien Bewegung seines von einem noch immer lebhaften Geiste beseelten Körpers gehindert. Mit den größten Opfern und wahrer Todesverachtung unternahm er seine Reisen nach Wien und Oberösterreich, um das von ihm wenig geliebte, durch die amtliche Stellung seines Schwiegersohnes – Steinfeld’s Tochter war an einen Kanzleidirector Herrn Seemann verheirathet – ihm aufgezwungene Domicil in Pisek zu vermeiden. Endlich im Alter von 81 Jahren erlöste ihn der Tod von seinen Leiden. Er war von Wien in der letzten Zeit nach Pisek zurückgekehrt und dort in den Armen seiner einzigen Tochter sanft verschieden. Was nun Steinfeld’s Stellung zur Kunst betrifft, so nimmt er einen nicht gewöhnlichen Standpunct ein. Mit ihm beginnt in Oesterreich eine neue Epoche der Landschaftsmalerei. Mit der bisherigen Methode, welche sich begnügte, die geringsten Motive in schablonenhafter Weise abzuconterfeien, und es nicht wagte, diese engen Schranken zu durchbrechen, weil sie als heilige Tradition vom Meister auf die Schule übergegangen waren, hatte Steinfeld bald gebrochen. Ein Tümpel im Prater, ein Durchschlag im Walde oder ein paar Bäume in der Au genügten ihm nicht; er zog hinaus, der Erste, an die herrlichen Seen und in die frischen, saftgrünen Thäler Oberösterreichs und Salzburgs, um dort die gewaltige Natur in ihrer vollen Herrlichkeit zu studiren und sie mit aller Treue und vom Geiste der Poesie durchweht wiederzugeben. Steinfeld der Vater ist der erste Stimmungsmaler in Oesterreich. Sein „Herbstmorgen“, sein „Tagesanbruch“, seine „Verlassene Mühle“ beweisen es, was er in dieser Richtung geleistet. Ein kräftiges, einheitliches Colorit, mit welchem er nie die Wahrheit dem Effecte opfert, gibt seinen Bildern einen eigenthümlichen Charakter, und enthüllt, je länger man eines betrachtet, die große Meisterschaft des Künstlers, mit geringen Mitteln mächtig zu wirken. Die Berge und Seen Oberösterreichs und Kärnthens, auch Salzburgs und Berchtesgadens waren seine Domäne. Dort kannte er jeden malerischen Punct, den er meisterhaft mit seinem Pinsel zu fesseln verstand. Ein einfacher Gegenstand, ein moosbedeckter Felsstein, eine aus Steingerölle hervorbrechende Quelle, eine verlassene Hütte, eine einsame Mühle genügen ihm; er baut nun Feld und Gestein, Gesträuch und Gewölk mit einer Naturwahrheit ohne Gleichen herum und schafft ein Stimmungsbild, das unsere Sinne mit seinem ganzen Zauber gefangen nimmt. Ruysdael hat er gründlich studirt und ohne ihn nachzuahmen, mahnt er nicht selten an ihn. Insbesondere in der Behandlung des Wassers steht er einzig da; das ist nicht gemaltes Wasser, das ist eine lebendige Quelle, die uns reizt, den Feldbecher zu nehmen, daraus zu schöpfen und daran uns zu laben. Schließlich sei noch bemerkt, daß im Besitze des Erzherzogs Anton sich eine große Menge seiner Handzeichnungen und Aquarellen befand.

Zellner’s Blätter für Theater, Musik und bildende Kunst (Wien, kl. Fol.) XIV. Jahrgang (1868), Nr. 95, S. 378. – Oesterreichische illustrirte Zeitung (Wien, 4°.) 1851, Nr. 20. – Oesterreichischer Volks- und Wirthschafts-Kalender für das Jahr 1870 (Wien, Karl Fromme, [87] gr. 8°.) XIX. Jahrg. (1870), S. 38. – Archiv für die zeichnenden Künste (4°.), 1869, im 1. Heft. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1839, E. A. Fleischmann, 8°.) Band XVII, S. 288. – (Hormayr’s) Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst (Wien, 4°.), XII. Jahrg. (1821), Nr. 108; XIII. Jahrg. (1822), Nr. 95; XV. Jahrg. (1824), Nr. 105 u. 106. – Perger (A. v.), Die Kunstschätze Wiens in Stahlstich nebst erläuterndem Texte. Herausgegeben vom österreichischen Lloyd in Triest (Triest 1856, 4°.), S. 473. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.), zweite Abtheilung, Bd. X, S. 205. – Die Künstler aller Zeiten und Völker. … Begonnen von Professor Fr. Müller, fortgesetzt und beendigt von Dr. Karl Klunzinger und A. Seubert (Stuttgart 1864, Ebner und Seubert, gr. 8°.) Bd. III, S. 595, Anhang S. 40. – Kataloge der Jahres-Ausstellung in der k. k. Akademie der bildenden Künste bei St. Anna in Wien (8°.) 1820, S. 14, Nr. 45; S. 19, Nr. 148; S. 21, Nr. 193; 1822, S. 15, Nr. 40; S. 16, Nr. 44; S. 17, Nr. 74, 76, 82 und 83; S. 21, Nr. 157 und 161; S. 24, Nr. 228 und 238; 1832, S. 20, Nr. 143; 1834. S 19, Nr. 131; 1835, S. 13, Nr. 64; 1836, S. 15, Nr. 110, 115 und 116; 1837, S. 16, Nr. 95; 1839, S. 17, Nr. 158; 1840, S. 30, Nr. 528; 1841, S. 25, Nr. 379, 380; 1843, S. 11, Nr. 86; S. 12, Nr. 87–89; 1846, S. 22, Nr. 236; S. 26, Nr. 283; 1847, S. 18, Nr. 260; 1850, S. 14, Nr. 208; 1852, S. 11, Nr. 146; 1858, S. 8, Nr. 95. – Monats-Verzeichnisse der Ausstellungen des österreichischen Kunstvereines 1852: Mai, Nr. 29; 1853: Februar, Nr. 6; 1868: Juni, Nr. 86; 1871: Mai, Nr. 133; December, Nr. 92–95.
Porträte. 1) Unterschrift: Franz Steinfeld | k. k. akadem. Rath, Professor | und Commandant des 1. Bürger-Regiments | gewidmet von seinem Officier-Corps | Kriehuber, 1845 (lith.). Gedruckt bei J. Höfelich (Fol.), in Uniform. – 2) Ein Holzschnitt ohne Angabe des Zeichners und Xylographen in der „Oesterreichischen illustrirten Zeitung“ (Wien, 4°.) 1851, Nr. 20.