BLKÖ:Schilcher, Friedrich

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 29 (1875), ab Seite: 312. (Quelle)
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Schilcher, Friedrich (Maler, geb. zu Wien im Jahre 1811). Vielleicht ein Sohn des Historienmalers Jacob S., der, im Jahre 1763 geboren, am 31. März 1827 zu Wien gestorben, über den jedoch alle Künstler-Lexika und Kataloge schweigen. Auch über den Maler Friedrich S. fließen die biographischen Nachrichten sehr spärlich. Mein Versuch, Daten über den Künstler zu erlangen, war vergeblich. Er scheint ein Zögling der Wiener k. k. Akademie der bildenden Künste zu sein, in deren Ausstellungen er bereits im Jahre 1834 erscheint, von welcher Zeit man seinen Arbeiten einige Male bis zum Jahre 1844 begegnet. Nach einer längeren Pause finden wir seine Bilder im Jahre 1853 in den Monats-Ausstellungen des österreichischen Kunstvereins und dann später in den großen internationalen Ausstellungen des Künstlerhauses. Er hat Studienreisen in Ungarn, Siebenbürgen und in der Walachei gemacht, wie dieß manche seiner Arbeiten, vornehmlich einige treffliche Studienköpfe bekunden. Er war längere Zeit, zu Beginn der Vierziger-Jahre, mit Kirchengemälden für den Fürsten Liechtenstein thätig; arbeitete anfänglich stark in Rembrandt’scher Manier, gab sie aber dann auf und malte nun größtentheils nach Naturmodellen. Als er öffentlich auszustellen begann, waren es vornehmlich Porträte und darunter manche historische oder culturhistorischen Personen. In den Jahres-Ausstellungen in der k. k. Akademie der bildenden Künste bei St. Anna waren zu sehen im Jahre 1834: „Porträt des Dekorationsmalers de Pian“, Oelgemälde; – „Studienkopf“, nach der Natur; – 1835: „Porträt der Schauspielerin Josephine Planer am Theater an der Wien“, Oelgemälde; – „Porträt des Directors Carl (Bernbrunn)“; – „Porträt der Hofschauspielerin Margarethe Carl“; – 1837: „Ferdinand Raimund als Valentin in dem Zaubermärchen „Der Verschwender“; – 1840: „Studienkopf“; – „Ecce Homo“; – „Bachantin“; – „Bachant“; – 1841: „Studienkopf“; – 1842: „Ungarische Landleute“; – mehrere „Bildnisse“; – „Studienkopf“; – 1844: „Der schlafende Bettler“; – in den Monats-Ausstellungen des österreichischen Kunstvereins im Jahre 1853, im Jänner: „Studienkopf“; – Februar: „Die Schnitterin“ (150 fl.), vom Kunstverein angek.; – April: „Weiblicher Studienkopf“ (180 fl.); – „Schlafendes Bauernmädchen“ (150 fl.); – Juni: „Elementarschülerinen“ (160 fl.), vom K. V. angek.; – 1854, im März: „Studienkopf“ (180 fl.); – „Altargemälde“, Eigenthum des Grafen Ugarte; – Juni: „Der Drahtzieher. Studienkopf“ (220 fl.); – September: „Weiblicher Studienkopf“ (260 fl.); – December: „Studienkopf, ein Grieche“ (250 fl.); – 1855, im Februar: „Ein Romane. Studienkopf“ (240 fl.), vom K. V. angek.; – November: „Männlicher Studienkopf“ (300 fl.); – 1856, im Jänner: „Die kleine Rettigverkäuferin“ (240 fl.); – März: „Dame aus der Zeit Ludwig XVI.“ (200 fl.), vom K. V. angek.; – in der Naturforscher-Ausstellung [313] dess. Jahres: „Ungarischer Hirt“, Eigenthum des Herrn Ed. Frauenfeld; – 1861, im März: „Herzleid“ (350 fl.); – „Slovakenknabe“ (130 fl.); – im April: „Walachischer Hirt“ (160 fl.), vom K. V. angek.; – im Mai: „Mittagsmahl“ (150 fl.); – „Oesterreicherin im Sonntagsstaate“; – 1862, im Juni: „Weiblicher Studienkopf“ (140 fl.); – „Kopf einer alten Frau“; – im October: „Walachischer Bauer“ (160 fl.), vom Kunstverein angek.; – 1863, im Mai: „Italienerin“ (160 fl.); – „Slovakische Bäuerin im Sonntagsstaate“ (200 fl.); – „Zigeuner aus dem Biharer Comitate“ (160 fl.), vom K. V. angek.; – 1864, im März: „Tamburinspielerin“ (300 fl.); – Juli: „Ein Slovake“ (450 fl.); – „Lesendes Mädchen“ (150 fl.); – 1865, im Mai: „Bauernmädchen“ (100 fl.); – 1866, im Mai: „Studienkopf“ (150 fl.); – November: „Mädchen am Brunnen“ (300 fl.), zur Verlosung vom K. V. angek.; – December: „Weiblicher Studienkopf“, Eigenthum des Baurathes Romano; – 1867, im März: „Pifferaro“, Naturstudie (250 fl.); – December: „Die Raucherin“; – 1868, Juli: „Studienkopf“; – „Die Eifersüchtige“, Eigenthum des Herrn A. Zinner; – „Basrelief“, deren der Künstler öfters gemalt; – Juli und August: „Croatin“, Eigenthum des Grafen Braida; – 1870, Juli: „Studienkopf“; – 1871, Mai, Plafondgemälde: „Triumphzug des Neptun mit seiner Gattin Amphitrite“ – und vier Eckbilder: „Tritonen, Faune und Bachantinen darstellend“, Oelbild; – 1872, März und April: „Mutterliebe“ (280 fl.); – in der III. allgemeinen deutschen Kunstausstellung, 1868: „Neapolitanischer Sackpfeifer“; – „Basrelief“, Oelgemälde; – „Weiblicher Studienkopf“; – in der I. großen internationalen Kunstausstellung im Künstlerhause in Wien im April 1869: „Skizze aus einem Cyklus von Decorationsgemälden“, ausgeführt im fürstlich Schwarzenberg’schen Palais am Rennweg, Oelgemälde; – „Studienkopf“ (300 fl.); – in der III. großen intern. Kunstausstellung in Wien im April 1871: „Antikes Basrelief“, Oelgemälde (500 fl.); – in den Ausstellungen des Künstlerhauses in Wien, 1869, Jänner: „Studienkopf“, Oelbild (300 fl.); – 1870: „Zigeunerin“ (200 fl.). Von anderen Arbeiten S.’s sind bekannt aus der Cölner Ausstellung im Jahre 1861: „Ein Drahtbinder aus dem Trencsiner Comitate“ (450 fl.); – mehrere Altarbilder im Auftrage des Fürsten Liechtenstein, und zwar eine „Madonna mit dem kleinen Jesus und Johannes“; – „Namensfest Mariä“, ein großes Altarblatt (14 Schuh hoch, 7 Schuh breit), für die Kirche zu Atsch; – „Gott Vater in der Glorie“, für Tyrnau in Ungarn; und verschiedene Bildnisse, darunter: „Kaiser Franz“; – „Maria Theresia“; – „Der berühmte Schlachtenmaler Monten“ (gest. 1844). Endlich in der Kunstabtheilung der Wiener Weltausstellung 1873 war S. mit zwei Gemälden: „Amoretten“ und einem „Studienkopf“, vertreten. Im Jahre 1844 erhielt der Künstler von dem Stifte Mölk die Einladung, mehrere dort befindliche Fresken und Oelbilder zu restauriren und manche neue hinzuzufügen. Ferner hat er das große Deckengemälde für den Speisesaal im Palais des Grafen Henckel-Donnersmarck vollendet. Das Mittelstück stellt eine Jagd, die beiden überhöhten Seitenstücke Latona und Diana vor. In der modernen Abtheilung der kaiserlichen Gemälde-Gallerie im Belvedere befindet sich von dem Künstler ein Bild: „Bachant“, Brustbild (2 Schuh breit, 2 Schuh 4 Zoll hoch). Schließlich sei noch erwähnt, daß Maler [314] Schilcher im Jahre 1861 von den beiden Wiener Künstlervereinen „Eintracht“ und „Albrecht Dürer-Verein“ als Bevollmächtigter zu der Kunstausstellung nach Cöln, welche die Wiener Künstler mit nicht weniger denn 200 Bildern, darunter 106 Oelgemälde. beschickt hatten, zur Vertretung der Interessen österreichischer Künstler entsendet worden war. Schilcher gehört zu den fleißigsten und meistbeschäftigsten Wiener Künstlern. Seine Bilder, mit Ausnahme der Studienköpfe, die er mit genialem Pinsel durchführt und in denen er sich ganz dem mit künstlerischem Feuereifer erfaßten Gegenstande hingibt, tragen oft den Charakter bestellter Arbeit an sich, ohne deßhalb mit geringerer Sorgfalt behandelt zu sein. Man sieht es ihnen aber an, es ist wohl der Pinsel, den der Künstler mit technischer Virtuosität zu führen versteht, aber nicht immer seine Seele dabei.

Frankl (Ludwig Aug. Dr.), Sonntagsblätter (Wien, 8°.) 1842, S. 365, 862, 932; 1843, S. 308, 915, 1178; 1844, S. 119, 215. – Pietznigg (Joseph), Mittheilungen aus Wien (Wien, kl. 8°.) 1835, Bd. III, S. 127. – Das Vaterland (Wiener polit. Blatt) 1861, Nr. 114, im Feuilleton: „Vom österreichischen Kunstverein“, von Sp.(eidel?) – Neues Wiener Tagblatt 1868, Nr. 299, im Feuilleton. – Kataloge der Jahres-Ausstellungen in der k. k. Akademie der bildenden Künste bei St. Anna, 1834, 1835, 1837, 1840, 1841, 1842, 1844. – Monats-Verzeichnisse des österreichischen Kunstvereins 1853, 1854, 1855, 1856, 1861, 1862, 1863, 1864, 1865, 1866, 1867, 1868, 1870, 1871 u. 1872. –