BLKÖ:Fesl, Michael Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 14 (1865), ab Seite: 446. (Quelle)
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* Fesl, Michael Joseph[BN 1] (gelehrter Theolog, geb. zu Prag 29. September 1788, gest. zu Wien 6. Februar 1864). Erscheint hie und da auch irrig Feßl geschrieben. Sohn armer Eltern; besuchte die Schulen in Prag und trat nach beendeten philosophischen Studien in das Seminar. Nachdem er im Jahre 1811 die h. Weihen erlangt, wurde er noch in demselben Jahre als Professor des Bibelstudiums nach Leitmeritz geschickt, wo ihn Bischof Hurdalek alsbald zum Präses des Seminars bestellte. Als solcher und als Professor entfaltete F. eine segensreiche Thätigkeit, er weckte regeren Sinn und wissenschaftlicheren Geist im Seminar. Und um den sittlichen Ernst unter den sich bildenden Dienern der Kirche zu befestigen, errichtete er unter ihnen einen Verein, eine Art Tugendbund, als dessen Abzeichen die Mitglieder einen eisernen Ring trugen. Seine strenge Disciplin und sein Eifer für die Lehre Bolzano’s [Bd. II, S. 35] schafften ihm jedoch bald viele und so sehr erbitterte Feinde, daß diese eigens zwei Alumnen, die aus dem Leitmeritzer Seminar in das Prager übergetreten waren, nach Rom schickten, um dort Fesl, Bolzano und Bischof Hurdalek zu denunciren. Balzano und Fesl wurden als Nachtreter Huß’ und Luther’s geschildert, die, wenn ihre Wirksamkeit nicht gelähmt werde, große Verwirrung in die böhmische Kirche bringen würden. In Folge dessen langte am 18. December 1819 ein päpstliches Breve an den Bischof Hurdalek herab, worin diesem aufgetragen wird, Fesl allsogleich seiner Stelle zu entsetzen. Hurdalek’s Bemühungen, F. auf seinem Posten zu belassen, blieben erfolglos; während nämlich der Bischof mit dem obersten Kanzler Grafen Saurau in der Angelegenheit Fesl’s correspondirte, erhielt der damalige Hofburgpfarrer Frint den Auftrag, gegen Fesl die Untersuchung einzuleiten. Frint’s Antheil an diesen Maßnahmen gegen F. erhellt aus der Thatsache, daß Frint’s „Lehrbuch der Religion für die philosophischen Lehranstalten“ von Dr. Bolzano, dem Freunde Fesl’s, einer strengen Kritik war unterzogen worden. Nun sollte dem einen Freunde heimgezahlt werden, was der andere Freund verschuldet. Am 11. März 1820 wurde F. in seinem Zimmer verhaftet, seine Papiere wurden versiegelt und er selbst fünf Tage später nach Wien abgeführt. Dort brachte man ihn in das Servitenkloster in der Rossau, wo er in einer Klosterzelle bis zum 11. August 1824 in strengster Haft gehalten wurde. Obgleich Fesl’s Mutter, die alt und krank war, von hoher Seite das Versprechen erhalten hatte, daß ihr der Sohn wiedergegeben werden solle, wußte doch Frint die Erfüllung dieses Versprechens zu vereiteln. F., dessen Versetzung nach Salzburg, später nach Galizien und Dalmatien beabsichtigt worden, kam gegen alle Erwartung nach Gratz. Dort traf er am 26. Mai 1825 ein und [447] nun wurde Bischof Zaengerle sein Zuchtmeister. Der Bischof ließ ihn sofort zu den Franziskanern bringen, suspendirte ihn de officis und bestimmte nur vier Geistliche, welche mit ihm verkehren durften. So hatte sich Fesl’s Lage gar nicht und nur der Ort seiner Leiden geändert. Erst im Jahre 1832 erfloß ein kaiserlicher Befehl, der Fesl’s Freigebung aussprach. Er erhielt nun die Erlaubniß zur Rückkehr nach Wien, wo er seither bei der Pfarre St. Leopold lebte, aber nur die heil. Messe lesen, sonst keine priesterliche Function ausüben durfte. 32 Jahre hatte F. in Wien zugebracht. Am 28. September 1861 feierte F. seine Secundiz in aller Stille und widmete aus diesem Anlasse eine durch langjähriges Sparen zusammengebrachte Summe von 300 fl. zu einem humanistischen Zwecke. Der böhmische Reichsrathsabgeordnete F. Sebek, dem er diese Summe übergeben hatte, fügte aus Seinem noch 300 fl. hinzu und schickte das Ganze nach Hohenmauth zur Begründung eines Fondes für eine landwirthschaftliche oder Handwerksschule bei der dortigen Realschule. In den letzten Lebensjahren wurde F. noch die Genugthuung, daß sein Name wieder in den Status des böhmischen Clerus aufgenommen wurde, aus dem er seit seiner Verhaftung gestrichen worden. Als sich F. im Jänner 1864 bereits leidend fühlte, begab er sich am 21. Jänner in das Spital der barmherzigen Brüder in der Leopoldstadt, wo er nach ein paar Wochen, im Alter von 76 Jahren, starb. Alle seine Habe, vor Allem seine durch fünfzigjährigen Fleiß zusammengebrachte kostbare Bibliothek, welche an 3–4000 Werke, meist theologischen, philosophischen und historischen Inhalts, enthält, vermachte er dem böhmischen Nationalmuseum. Was seine literarische Thätigkeit anbelangt, so umfaßt dieselbe zunächst das philosophisch-theologische Gebiet. Als Verfechter und Nachfolger Bolzano’s, hat er mehrere seiner Schriften und seine Biographie herausgegeben. Während seiner Klosterhaft in Gratz verfaßte er für die Franziskaner zwei Erbauungsbücher, welche – eine Ironie des Schicksals – die Approbation desselben Bischofs erhielten, der ihn als unverbesserlichen Ketzer behandelte und dessen Fastenpredigten Fesl selbst corrigirte, und zum Drucke vorbereitete. Mehrere wissenschaftliche Abhandlungen erschienen in einigen theologischen und literarischen Zeitschriften. Noch ist der Vollständigkeit halber anzuführen, daß F. ein eifriger Anhänger der Wasserheilkunde war und für dieselbe unter dem Namen Prof. Dr. Sebald auch schriftstellerisch auftrat. An der Vollendung eines diätetischen Volksbuches, mit dessen Bearbeitung F. beschäftigt war, scheint ihn der Tod gehindert zu haben. Schon in der ersten Versammlung der Wasserärzte zu Alexanderbad, im Jahre 1842, wurde F. zum Mitgliede des Vereins für rationelle Ausbildung der Wasserheilkunde erwählt.

Die Politik (ein in Prag herausgegebenes Parteiblatt, kl. Fol.) 1864, Nr. 43, 44 u. 46. – Bohemia (Prager Journal, 4°.) 1861, Nr. 231, Beilage, S. 2175. – Wanderer (Wiener polit. Journal) 1856, Nr. 166, im Feuilleton: „Ein theologisches Gutachten“. [Der evangelische Prediger Gustav Porubsky trat in einer gedruckten Predigt gegen den k. k. Schulrath Dr. Anton Jarisch auf, der bei Gelegenheit eines öffentlichen Vortrages die Bekenner der Reformation „Ketzer“ gescholten. Dieser Umstand veranlaßte den Dr. Fesl ein theologisches Gutachten abzugeben, auf welches einige Nummern später in einer Beilage desselben „Wanderers“ eine „Entgegnung aus der Provinz“ folgte, die sich den ruhigen Ton Fesl’s in seinem Gutachten immerhin hätte zum Vorbilde nehmen können.] – Wiener [448] Zeitung 1864, Nr. 33, S. 454, und Nr. 36, S. 491. – Fremden-Blatt (Wien, 4°.) 1864, Nr. 41. – Süddeutsche Zeitung 1864, Nr. 89 [nach dieser geboren am 28. September 1788]. – Národ, d. i. das Volk (čechisches, in Prag erscheinendes Parteiblatt) 1864, Nr. 48 [nach diesem geb. am 29. September 1788]. – Porträt. Blatt in 4°. ohne Namen. Kriehuber lith. (1824).

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Fesl, Michael Joseph [Bd. XIV, S. 446].
    Ginzel (J. A. Dr. ), Bischof Hurdalek. Ein Charakterbild aus der Geschichte der böhmischen Kirche (Prag 1873, Verlag der Bohemia, 8°.) S. 24–33. [Bd. 26, S. 377.]