BLKÖ:Gall, Ludwig

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Gall, Luise von
Band: 5 (1859), ab Seite: 66. (Quelle)
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Gall, Ludwig[BN 1] (Landwirth, geb. zu Aldenhoven bei Jülich 28. Dec. 1791). Besuchte die Secundärschule zu. Aachen, an welcher sein Onkel Dr. Franz Gall als Director thätig war. Nach 11/2 Jahren schickte ihn sein Onkel mit dem Zeugniß, daß er es nicht weiter als zum Schreiber bringen werde, seinen Eltern zurück. Nun begann Gall auch wirklich seine Laufbahn als Schreiber und trieb in. den Mußestunden gewerbliche, landwirthschaftliche und technische Studien. Nach mannigfaltigen Geschicken in französischen und preußischen Diensten wurde er endlich Regierungs-Secretär in Trier, gab aber 1817 die Stelle auf und wanderte 1819 nach Amerika aus, von dort verarmt und als Schiffbrüchiger 1820 nach Europa zurückkehrend. Die Erlebnisse seiner Auswanderung beschrieb Gall in einem eigenen Werke. Wieder fand er 1823 als Kreissecretär in Trier eine Anstellung. Im Herbst 1828 machte G. den ersten Versuch: die überschüssige Säure des Traubenmostes nach Professor DöbereinersAngabe durch Wasser zu verdünnen und den Zuckergehalt der Mischung durch Zuckerzusatz zu erhöhen. Der Versuch gelang vollkommen und 1830 stellte er bei Nathusius seine Dampfbrennapparate auf. Er nahm nun Diensturlaub, stellte ähnliche Apparate in andern Provinzen Preußens auf, und das Jahr 1834 führte ihn auf österreichischen Boden, auf welchem er bis 1849 für landwirthschaftliche Zwecke, namentlich in Ungarn, mit glücklichen Erfolgen thätig war. 1834 ging er nach Galizien und der Bukowina, dann nach Schlesien, und baute und verbesserte dort viele Spiritusbrennereien; 1836 kam er in Folge seiner Schrift: „Vorschläge zur Errichtung von Versuchs- und Lehranstalten der landwirthschaftlichen technischen Gewerbe nächst für die Rübenzuckerfabriken“, nach Ungarn, wo er sich dann, nach erhaltener Entlassung aus dem Dienstverbande in Preußen, häuslich in Pesth niederließ. In Szerednyi auf dem Gute des Barons Ghillany errichtete er eine Versuchsastalt nach seinem System. Baron Eötvös nahm nun G. als Oberleiter seiner sämmtlichen Gewerbsanstalten [67] u. z. von 10 Brennereien, 3 Bierbrauereien, 1 Stärkezuckerfabrik, 2 Essigfabriken, mehrerer Oel- und Mahlmühlen u. s. w. auf, und in dieser Stelle schaffte Gall zwölf Jahre lang durch Verbesserung der technischen Anstalten in Ungarn dem Lande großen und anerkannten Nutzen, und dies sein 15jähriges einflußreiches und nützliches Wirken im Kaiserstaate räumt G. eine Stelle in diesem Lexikon ein. Die Wirren des J. 1849 trieben ihn in seine Heimat zurück. 1850 trat er dann in der Weinsache auf, lehrte aus sauren Trauben angenehme Weine bereiten und fertige geringe Weine aus einer neuen Gährung in hohem Grade verbessert hervorgehen. Seine anderen Erfindungen, insbesondere die seiner sogenannten verschlossenen Gährung, seines Dampfapparates, der zur Cholerazeit 1831 allgemein zur schnellen Erzeugung des nöthigen Schweißes in Rheinpreußen eingeführt wurde, seiner Schnellgärbung, des Dampfwasch-Apparates, der rauchverzehrenden Dampfkesselofen, geschieht in der Illustrirten Zeitung (s. d. Quellen) ausführliche Erwähnung. In Folge eines unstatthaften Ausdruckes in einem offenen Briefe an Se. Majestät den König von Baiern, der in den „Praktischen Mittheilungen“ (II. Bd. 1. Heft) abgedruckt war, und worin das Verfahren der rheinbaierischen Behörden scharf getadelt wurde, wurde G. gerichtlich verfolgt und verhaftet. Der Haft entsprang er und wurde durch eine Dame glücklich nach Trier gebracht. Durch viele Schriften und Aufsätze hat G. für die Bekanntmachung und Verbreitung seiner nützlichen Erfindungen gewirkt.

(Leipziger) Illustrirte Zeitung, herausgeg. von J. J. Weber 1858, Nr. 759 (16. Jänner). Daselbst auch sein Porträt im Holzschnitt. – Meine Auswanderung und meine Heimkehr. Von Ludwig Gall. 2 Bde. (Trier 1822). – Kayser (Christian Gottlob), Vollständiges Bücher-Lexikon. (Leipzig 1834, Schuman, 4°.) II. Thl. S. 293 rechte Spalte: Gall Ludwig II.; VII. Thl. S. 314 linke Spalte; IX. Thl S. 309 rechte Spalte; XI. Thl. S. 336 rechte Spalte; – und Albr. Kirchhoffs Bücher-Katalog (Leipzig 1856) I. Bd. (1851–55) S. 108 linke Spalte [diese beiden zählen G.’s zahlreiche gewerbliche und technische Schriften auf].

Berichtigungen und Nachträge

  1. Gall, Ludwig, Landwirth [s. d. Bd. V, S. 66], gestorben zu Trier 31. Jänner 1863.
    Der Adler (Frankfurter a. M. polit. Blatt) 1863, Nr. 48. [Bd. 11, S. 413.]