BLKÖ:Ghega, Karl Ritter von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Gfall, Anton
Band: 5 (1859), ab Seite: 166. (Quelle)
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Ghega, Karl Ritter von[BN 1][BN 2] (Architekt, geb. zu Venedig 13. Juni 1808). Entstammt [167] einer alten venetian. Seemanns-Familie. Sein Vater Anton war Marineofficier der Republik und trat 1814 in österr. Dienste. In diesen segelte er 1820 anfänglich als Linienschiffs-Lieutenant mit dem Kriegsschiff „Carolina“ über Brasilien nach China, und übernahm, als der Capitän starb, das Commando dieses Schiffes, welches mit dieser Expedition höhere Zwecke verfolgte. Im griechischen Unabhängigkeits-Kriege erhielt er das Commando mehrerer Schiffe, starb aber während einer Fahrt von Aegypten nach Smyrna in letzterer Stadt. Sein Sohn Karl erhielt die erste Ausbildung im Elternhause, 1814–17 im kaiserl. Militär-Collegium zu St. Anna in Venedig, 1817–19 auf der Universität in Padua, wo er im letzteren Jahre Doctor der Philosophie u. Mathematik wurde. 1819 trat er bei der Landesbau-Direction in Venedig in Staatsdienste und arbeitete vornämlich bei der Ausführung der großen Gebirgsstraße l’Almagna in der Provinz Belluno (1820–24); 1824 wurde er Abtheilungs-Ingenieur in Treviso und leitete die Straßen- und Wasserbauten in diesem Gebiete; 1830 Delegations-Ingenieur und 1833 Amts-Ingenieur I. Classe in der hydraulischen Abtheilung bei der Landesbau-Direction in Venedig. In dieser Periode führte er aus und leitete er die Bauten in der Ober-Piave in Corneleco (Provinz Belluno), die Straßen Ceneda und Seravalle bei Conegliano, die Straße Collalto, die Projectirung des großen Tribunal-Gebäudes in der Provinz Treviso und die Projectirung und Schutzwerke am obern Piave bei Persenajo und Mare (1823 und 24) und die Regulirung des Po (1829–1833). 1836 wurde er Ober-Ingenieur der Ferdinands-Nordbahn und leitete die Projectirung der Strecke von Rabensburg bis Brünn (12 Meilen), jener von Lundenburg bis Olmütz, und von Brünn und Olmütz nach Prag. Die Führung der Bahn bis an ihren Zielpunct, der Viaduct bei Raigern, der große Viaduct und die schiefen Brücken bei Brünn, sind die kühnen Bauten jener Periode. 1840 wurde er Bau-Directions-Adjunct für Tyrol und führte als solcher bis 1842 aus die Gebirgsstraße des Val Sugana mit ihrer schwierigen Strecke Trient–Pergine, jene im Etschthale über Töll hinter Meran, und im Ober-Innthal bei dem Finstermünzpasse und das Project der Kettenbrücke über die Etsch bei More. Als das Eisenbahnwesen einen speciellen Dienstzweig der österr. Verwaltung bildete, wurde G. 1842 als kaiserl. Staats-Eisenbahn-General-Directions-Inspector angestellt und leitete als solcher den Bau der Staatseisenbahn in südlicher Linie bis Laibach, führte auch das von technischem Gesichtspuncte riesige Project der „Ueberschreitung des Semmering mittelst einer Locomotivbahn“ mit Meisterschaft durch, obwohl es vom national-ökonomischen Gesichtspuncte unbedingt verworfen wird. 1844 zum stabilen Inspector und zum kaiserl. Rathe ernannt, wurde er 1848 General-Inspector der Staatsbahnen, im nämlichen Jahre Sectionsrath im Ministerium für öffentliche Bauten, 1849 Vorstand der Eisenbahn-Bausection und 1850 bei der Bildung einer General-Bau-Direction Vorstand derselben für Staatseisenbahnbauten. Seiner Energie ist auch die rasche Vollendung der südöstlichen (ungarischen) und der Prag-Dresdener Staatsbahn (1851) zu danken. 1842 hatte er auf Staatskosten eine Reise nach England und Nordamerika gemacht, deren Ergebniß ein ausführlicher Bericht ist, den er über amerikanische Eisenbahnen, Dampfschifffahrt, den Zustand der Kriegsmarine und die Industrie-Verhältnisse an den damaligen Hofkammer-Präsidenten Freiherrn von Kübeck erstattete; im Drucke erschienen aber: „Die Baltimore-Ohio-Eisenbahn [168] über das Alleghany-Gebirg mit besonderer Berücksichtigung der Steigungs- und Krümmungs-Verhältnisse ...“ (Wien 1844, mit 1 Landkarte und 19 Taf.. Lex. 8°.); – „Ueber nordamerikanischen Brückenbau und Berechnung des Tragungsvermögens der Howe’schen Brücken“ Ebenda 184:5, mit Tabellen und 2 Tafeln, gr. 4°.); überhaupt hat G. den Bau der nordamerikanischen Gitterbrücken nach verbessertem Systeme in Oesterreich eingeführt; – „Quadro dei progressi principali delle strade ferrate nel decennio 1840–1850 e dei risultamenti delle corse di prova con le locomotive di concorso sulla strada ferrata del Semmering in Austria“, 2. ediz. (Wien 1852, mit 8 Tafeln, Lex. 8°.), auch in deutscher Sprache (Ebenda 1858); – „Malerischer Atlas der Eisenbahn über den Semmering“ (Ebd. 1854, kl. Fol.), auch französisch (Ebenda). Auch ist G. Erfinder zweier geodätischer Instrumente, u. z. einer verbesserten Nivellirlatte und eines Optanten mit Nonius zur Aussteckung mit Curven, für deren jedes er einen Preis, für letzteres 1832 die silberne Medaille erhielt. Im Jahre 1849 bei Eröffnung der Cilli-Laibacher Strecke zeichnete ihn der Monarch durch das Ritterkreuz des Ordens der eisernen Krone aus, welchem später die Erhebung in den erblichen Ritterstand folgte.

Oestr. illustrirte Zeitung (herausg. von Reyhongs) IV. Jahrg. 1854, Nr. 179 mit Porträt im Holzschnitt. – Wurzbach von Tannenberg (Const.), Bibliograph.-statist. Uebersicht der Literatur des östr. Kaiserstaates (Wien 1856, Staatsdruckerei, gr. 8°.) II. Bericht (1854) S. 269, Marg. 8376 u. S. 451, Marg. 14469. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon (Hildburghausen 1845, Bibl. Inst., Lex 8°.) III. Suppl. Bd. S. 1011. – Ritterstands-Diplom vom 22. Juni 1851. – Wappen. Im blauen Grunde auf am Fußrande sich verbreitenden Erdgrunde ein blätterreicher Baum. Auf der linken Seite des Wipfels ein rechtsgekehrter Schnepf. Auf den unteren Aesten hängt eine Kette mit kugelförmigen Gliedern, die einmal den Stamm umwindet. Auf dem Schilde zwei gegeneinander gekehrte gekrönte Helme; aus der Krone des rechten wachsen zwei hintereinander gestellte, mit den Sachsen nach innen gekehrte, von Blau und Silber wechselnd, quergetheilte Adlerflügel; aus der Krone des linken ragen drei Straußfedern, die mittlere Gold, die beiden andern blau.

Berichtigungen und Nachträge

  1. Ghega, Karl Ritter von, Architekt (Bd. V, S. 166), gest. zu Wien 14. März 1860. [Bd. 9, S. 470.]
  2. Ghega, Karl Ritter von [s. d. Bd. V, S. 166], gestorben zu Wien 14. März 1860. Zu den in der Lebensskizze dieses ausgezeichneten Ingenieurs angeführten Verdiensten und Leistungen [415] ist wenig hinzuzufügen. Oesterreich verlor an ihm und an Negrelli, der kurze Zeit vor Ghega starb, im Gebiete der Ingenieurkunst zwei gleich ausgezeichnete Männer wie England an seinem Brunel und Stephenson, welche auch kurze Zeit vor den Obgenannten starben. Als Ghega 1860 starb, wurde sein Alter mit 59 Jahren angegeben, wornach er also im Jahre 1801 geboren wäre, während man sonst den 13. Juni 1808 als sein Geburtsdatum angegeben findet.
    Presse (Wiener polit. Blatt) 1860, Abendbl. Nr. 76. – Die Glocke von Payne (Leipzig) 1860, Nr. 67. [Bd. 11, S. 414 f.]