BLKÖ:Gruber, Franz Xaver

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 5 (1859), ab Seite: 379. (Quelle)
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Gruber, Franz Xaver[BN 1] (Blumen-Maler, geb. zu Wien 10. Sept. 1801). Im J. 1817 kam er an die k. k. Akademie der bildenden Künste zu Wien. Daselbst erhielt er im J. 1823 das vom Maler Michael Huber für die Blumenmaler-Schule gestiftete Stipendium von jährlichen 200 fl. C. M. auf die Dauer von 6 Jahren (vom 1. Juli 1823 bis 1. Juli 1829); ferner von den im J. 1822 ausgesetzten Gundel’schen Preisen für Blumenmalerei den ersten; 1829 den gleichen für Landschaftzeichnung, nebst dem goldenen Füger’schen Medaillen-Preis für Composition in der Blumenmalerei. Um sich eine wissenschaftliche Kenntniß jenes Gegenstandes anzueignen, den G. mit besonderer Vorliebe malte, besuchte er 1831/2 die Vorlesungen des berühmten Jacquin aus der Botanik. Den 18. März 1834 wurde er an der k. k. Akademie der bildenden Künste als Corrector [380] für Blumen- und Früchtenmalerei angestellt. Nunmehr bildete er sich auch in den anderen Kunstfächern aus und wurde am 1. Sept. 1835 zum ordentlichen Professor der Manufactur-Schule an der k. k. Akademie der bildenden Künste ernannt. Außer den zahlreichen einzelnen Bildern, von denen die vorzüglichsten weiter unten ausgeführt werden, malte er im besonderen Aufträge ganze, u. z. umfangreiche Werke, nämlich von 1841 bis 1849 für Se. Majestät den Kaiser Ferdinand die blühenden ausländischen Pflanzen u. Palmen [das Blatt 2–3′ hoch, circa 600 Stück) aus den Glashäusern in Schönbrunn. Diese Sammlung befindet sich nunmehr in der Bibliothek Sr. Maj. zu Prag. Für den Fürsten von Metternich von 1839 bis 1859 blühende Camelien, etwa 120 Blätter. Auch unternahm der Künstler zu Naturstudien an Ort und Stelle in den Ferienmonaten Reisen nach Steiermark, Kärnten, Tyrol, Salzburg, Oberösterreich, Istrien und Italien und zeichnete von 1842 bis 1854 zum Behufe eigener Studien nach Antiken und dem Modelle an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Da an der Akademie der bildenden Künste die Manufacturschule aufgehoben wurde, wurde G. in Ruhestand versetzt (26. Oct. 1851), bei welcher Gelegenheit ihm in Anerkennung seiner Leistungen seine Schüler und Fabrikanten eine Dankadresse überreichten. Die Mailänder Akademie der bildenden Künste hat ihn im J. 1849 zu ihrem Mitgliede ernannt. Außer den schon erwähnten größeren Blumenwerken hat G. folgende Bilder gemalt: „Zwei Wespengeyer“ (1834 in Wien ausgestellt, H. 3′ 7″, Br. 2′ 9″), jetzt in Stuttgart; – „Ein Wespengeyer“ (in Stuttgart ausgestellt und verkauft, H. 3′ 7″, Br. 2′ 9″); – „Ein Wespengeyer“ (im Rhein’schen Vereine ausgestellt und verkauft, H. 3′ 7″, Br. 2′ 9″); – „Ein Wespengeyer mit einem Falken raufend“ (Ausst. Wien 1842, Eigenthum des Künstlers, H. 3′ 7″, Br. 2′ 9″); – „Eine Seeschwalbe“ (Ausst. Wien 1834, Eigenthum des Künstlers, H. 3′ 7″, Br. 2′ 9″); – „Ein Korb mit Früchten und Blumen“ (Ausst. Wien 1834, jetzt in England, H. 2″; Br. 2′ 6″); – „Schwimmende Wildenten“ (Ausst. Wien 1834, Eigenth. des Herrn Gottfried Havelek in Wien, H. 2′ 9″, Br. 3′ 7″); – „Blumen, Fruchte und ein Nussheher“ (Ausst. Wien 1834, nachher in Triest ausgestellt und verkauft, H. 2′ 9″, Br. 3′ 7″); – „Rosen auf der Erde liegend“ (Ausst. 1835), von diesem Bilde malte der Künstler mehrere Copien; – „Rosenstrauch, im Vordergrund ein Vogelnest“ (Ausst. 1835, Eigenthum des Grafen Czernin); – „Mehrere Rosen“ (Ausst. 1835), auch von diesem malte er mehrere Copien; – „Rosenstrauch“ (Eigenthum des Stadtbaumeisters Haine); – „Früchte“ (Ausst. Pesth 1836); – „Dornreiher“ (Ebenda); – „Blumenstrauß in einer Vase“, (in der k. k. Belvedere-Gallerie in Wien, H. 2′ 6″, Br. 2′). Das Gegenstück hiezu ist im Besitze eines Privaten; – „Vogelnester“, deren sind mehrere vorhanden von Dornreihern, Schwalben, Nußhehern u. d. m.; – „Blühende Distel- und Mohnblumen“ (Ausstell. Wien 1856, 1857 Pariser Weltausstellung. Eigenth. des Künstlers, H. 3′ 7″, Br. 2′ 10″); – „Distelbilder“, deren malte G. 11, von diesen eines im Besitze des Malers Amerling, ein anderes nebst einem „Vogelnest“ im Besitz des Herrn Franz Paul in Wien, ein drittes in der Mailänder Kunstgallerie, eines in der Ausstellung des österr. Kunstvereins (600 fl.); – „Hallstädter See“ (Ausst. Wien 1837, Eigenth. des Künstlers, H. 2′ 9″, Br. 3′ 7″); – „Grosser Blumenstrauß“ (Ausst. im Schwarzenberg Palais 1848, Eigenth. des Künstlers, H. 3′ 7″, Br. 2′ 9″); – „Orchis“ (Ausst. im Schwarzenberg Palais 1848, Eigth. des Künstlers, H. 2′ 2″, Br. 1′ 7″); [381] – „Gelbe Centifolien“ (Ausst. im Schwarzenberg Palais 1850, H. 1′ 6″, Br. 2′ 7″), als Gegenstück: „Rothe Centifolien“ (H. 1′ 6″, Br. 24′ 7″, Beide Eigth. des Künstlers); – „Früchte“ (Ausst. Wien 1858, H. l′ 5″, Br. 1′ 9″), auch deren in verschiedenen Gruppen malte der Künstler mehrere; – „Orchideengruppe“ (Ausst. 1844, H. 2′ 6″, Br. 2′), als Gegenstück: „Eine wildwachsende Ananas“ (H. 2′ 6″, Br. 2′, Beide Eigenth. des Künstlers). Außer der angeführten „Orchideengruppe“ malte G. noch 5 ähnliche Bilder (H. 2′ 2″, Br. 1′ 7″); – „Aurikeln“ (östr. Kstv. 1856), auch davon mehrere ähnliche Bilder, einige noch im Besitz des Künstler, H. 1′, Br. 10″; H. 1′ 3″, Br. 11″ und kleinere; – „Seidenraupen“ (östr. Kstv. 1857, H. 9″, Br. 1′, Eigenthum des Künstlers). Ein denselben Gegenstand behandelndes Gegenstück ist im Besitze des Herrn Anton Chwala in Wien, welcher noch folgende Bilder G.’s besitzt: „Ein Blumenstrauß“ (Wiener Weltausstellung 1847); – „Ein Allerheiligstes mit Feldblumen geschmückt“ (für einen Seitenaltar, H. 2′ 6″, Br. 2′); – „Orchideen“ (östr. Kstv. 1851, H. 2′ 6″, Br. 2′, Eigenthum des Herrn Dr. Creutzer in Wien); – „Bewegtes Wasser“; – „Ein Seesturm“ (H. 2′ 3″, Br. 3′ 4″, noch im Besitz des Künstlers); – „Wassermelone mit Trauben“ (östr. Kstv. 1857, 120 fl., H. 1′ 6″, Br. 2″); – „Helleborus niger (Christwurz) in landschaftlicher Umgebung“ (östr. Kstv. 1851, 180 fl., H. 2′ 3″, Br. 3′ 4″, Eigenthum des Künstlers); – „Tulpen und Iris“ (österr. Kstv. 1851, H. 3′ 7″, Br. 2′ 9″, 300 fl.); – „Blumen und Früchte“ (H. 1′ 7″, Br. 2′ 3″, im Besitz des Herrn Gattinger); – „Rosen in einer Vase, daneben eine Doppelflinte nebst Pulverhorn“ (H. 2′ 6″, Br. 2″); – „Madonna mit dem Christuskinde, von einem Blumenkranze eingeschlossen“; – „Der heil. Hieronymus in einem Blumenkranze“, die beiden Heiligenbilder stellen marmorne Basreliefs vor (H. 1′ 8″, Br. 1′ 8″), 1838 in Mailand ausgestellt; anläßlich dieser Bilder wurde G. zum Mitglied der Akad. der bildenden Künste zu Mailand ernannt. Außer den angeführten und vielen anderen in Mailand, Pesth, Triest, Wien, Hamburg, Brüssel, Paris, Stuttgart und anderen Orten ausgestellt gewesenen und mehrtheils verkauften Bildern, ging der bei weitem größere Theil unmittelbar in Privatbesitz über. Seltene Farbenpracht und große Naturwahrheit charakterisiren sämmtliche Bilder dieses als Blumenmaler europäisch berühmten Künstlers. Ein Bruder und eine Schwester unseres Künstlers waren auch geschickte Blumenmaler, u. z.: Karl Franz (geb. zu Wien 26. Juli 1803, gest. ebenda 24. Juli 1845). Bruder und Schüler des Vorigen, kam 1819 an die k. k. Akademie der bildenden Künste zu Wien, erhielt 1831 den ersten Gundl’schen Preis für Blumenmalerei. In der Wiener Ausstellung 1834 war ausgestellt: „Ein Marder“, verkauft in Stuttgart. – Mehrere seiner Bilder, besonders Federwild, besitzt sein Bruder Franz. – Katharina (geb. zu Wien 12. August 1807, gest. ebenda 10. Juni 1859). Schwester der beiden Vorigen und Schülerin des Franz. Malte nur Blumen. „Blumen in einer Vase“ H. 2′ 6″, Br. 2′, Ausst., Wien 1834), sind im Besitze ihres Gatten Gottfr. Havelek in Wien, welcher noch mehrere andere von ihr gemalte Bilder besitzt.

Nagler (G. K. Dr.), Neues allgem. Künstler-Lexikon (München 1835) V. Bd. S. 402. – Müller (Fr.), Die Künstler aller Zeiten u. Völker (Stuttgart 1857, Ebner u. Seubert, Lex. 8°.) II. Bd. S. 303. – Frankl (L. A. Dr.), Sonntagsblätter (Wien, gr. 8°.) 1844 (III. Jahrg.) S. 23. – Die verschiedenen Kataloge der Wiener Bilder-Ausstellungen sowohl des älteren als des neuen (österr.) Kunstvereins; und zwar von dem letzteren die Kataloge des Jahres: 1854 März Nr. 50, Mai Nr. 50; 1856 December Nr. 62; 1857 Jänner Nr. 40, Febr. Nr. 18, Mai Nr. 65, 83, Juli Nr. 15. –

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Gruber, Franz Xaver, Blumenmaler [s. d. Bd. V, S. 379], gest. zu Wien 12. April 1862. Die Presse, die dem in seinem Fache trefflichen Künstler einen kurzen Nachruf widmet, schließt denselben mit folgenden Worten: „Seine Disteln haben ihm im Munde des Wieners einen volksthümlichen Beinamen (der Distelgruber) erworben. In diese stillen verschmähten Disteln legte er die ganze Schönheit der an Formenreichthum und Farbe so ausdrucksvollen Pflanzen. Er fand sie als Künstler und Mensch so häufig auf seinem Lebenswege blühen, daß er sie kannte, liebte und poetisch schöne und wahre Bilder daraus malte. In Folge der vom Grafen Thun in der Akademie angestellten Reformen wurde er in den zeitlichen Ruhestand versetzt und ihm im Wege der Gnade die Hälfte seines Gehaltes bewilligt. Er errichtete nun eine Zeichen- und Malerschule, malte und lehrte bis zu seinen letzten Stunden, war der Jugend und seinen Mitmenschen, für die er in seinem 54. Jahre noch Studien unternahm, um sie weiter lehren zu können, nützlich; diese haben ihm seinen ganzen Gehalt, wenn auch leider nur seinen moralischen, zuerkannt.“
    Fremden-Blatt (Wien, 4°.) 1862, Nr. 104, in der Rubrik: „Theater und Kunst“. – Süddeutsche Zeitung 1862, Nr. 204 [nach dieser gestorben am 13. April 1862]. – Presse 1862, Nr. 108. [Bd. 11, S. 421.]