BLKÖ:Guarneri, Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 6 (1860), ab Seite: 8. (Quelle)
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Guarneri, Joseph (Geigenmacher, geb. zu Cremona um das J. 1690, gest. nach 1759). Der Sproß einer durch den Bau ihrer Instrumente berühmten Familie. Schon Peter Andreas (geb. ebenda um 1630, gest. 1680) war ein Schüler des berühmten Amati und verfertigte treffliche Instrumente. Seine besten fallen in die Zeit von 1662 bis 1680. – Sein Sohn Peter (geb. ebenda um 1670, gest. zu Mantua um 1720) lernte die Profession seines Vaters, verließ aber um das J. 1700 seine Vaterstadt und begründete ein eigenes Geschäft zu Mantua. Seine besten Instrumente fallen in die Zeit von 1700–1717; sie sind nicht so vorzüglich wie die seines Vaters, werden aber dennoch mit 400–600 fl. [9] bezahlt. – Der obige, Joseph, ein Neffe des Peter Andreas, brachte den Ruf dieser Geigen-Familie zu eigentlichen Ehren. Er war ein Schüler des berühmten Stradivari und hatte durch fleißiges Studium der Tonlehre und ein fein gebildetes Gehör es dahin gebracht, daß seine Instrumente, wenngleich sie nicht die Trefflichkeit jener seines Meisters erreichen, dennoch zu den besten ihrer Art gehören. Seine Violinen, die von Kennern leicht erkannt werden, charakterisiren sich durch die fast geraden und schlecht geschnittenen F.; sein Modell ist in der Regel viel kleiner als das von Stradivari, die Wölbung ist weniger erhaben, hingegen die Tiefe viel stärker. Der Ton seiner Instrumente ist klangvoll, hat aber doch nicht jene Rundung und jenen Schmelz, der den Violinen Stradivari’s eigen ist. Der Preis einer Guarneri, je nachdem sie gut erhalten ist, steht zwischen 800–1200 fl.

Fétis, Biographie universelle des Musiciens. – Gaßner (F. S. Dr.), Universal-Lexikon der Tonkunst. Neue Herausgabe in Einem Bande (Stuttgart 1849, Köhler, Lex. 8°.) S. 385. – Universal-Lexicon der Tonkunst. Angefangen von Dr. Julius Schladebach, fortgesetzt von Eduard Bernsdorf (Dresden, Schäfer, gr. 8°.) Bd. II, S. 263. – Gerber (Ernst Ludwig), Neues historisch-biographisches Lexikon der Tonkünstler (Leipzig 1812, Kühnel, gr. 8°.) Bd. II, Sp. 426. – Nouvelle biographie générale ... par Hoefer (Paris, Didot, gr. 8°.) Bd. XXII, Sp. 328.