BLKÖ:Guasco, Franz Graf

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Guarneri, Joseph
Band: 6 (1860), ab Seite: 9. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Franz Guasco in der Wikipedia
GND-Eintrag: 136150896, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Guasco, Franz Graf|6|9|}}

Guasco, Franz Graf (Feldzeugmeister und Großkreuz des Mar. Theresien-Ordens. geb. 1711, gest. zu Königsberg 23. März 1763). Entstammt einer alten Piemonteser-Familie. Diente zuerst in der russischen Armee und machte mit derselben mehrere Feldzüge mit; 1752 trat er als General-Major – er zählte damals 31 Jahre – in die österreichische Armee. Ungewöhnliche militärische Kenntnisse erwarben ihm das Vertrauen der großen Kaiserin, die ihm beim Ausbruch des siebenjährigen Krieges die wichtige Stelle eines General-Quartiermeisters übertrug. Bei Kollin, Breslau und Moys zeichnete G. sich aus, er führte immer an der Spitze der Grenadiere die Angriffe aus; wichtige Dienste leistete er ferner bei der Belagerung von Schweidnitz. Für seine Verdienste rückte er im Jänner 1758 zum Feldmarschall-Lieutenant vor und erhielt in der fünften Promotion (23. Jänner 1760) das Ritterkreuz des Mar. Theresien-Ordens. 1759 leitete er mit besonderem Geschick die Unterhandlungen wegen Uebergabe Dresdens, welche wenige Stunden vor dem Eintreffen des Entsatzheeres unter König Friedrich II. abgeschlossen wurde. Als nun Friedrich 1760 Dresden belagerte, verstärkte G. die Garnison mit 10.000 Mann, in Folge dessen die Belagerung aufgehoben werden mußte. 1761 vereitelte er die Versuche der Preußen, das Reichsheer nach Franken zurückzudrängen. 1762 erwarb er sich das Großkreuz des Mar. Theresien-Ordens durch die berühmte Vertheidigung von Schweidnitz. 63 Tage trotzte er allen Angriffen des königlichen Gegners. Erst als alle seine Mittel erschöpft waren und die Jauernicker Schanze in Folge einer in deren Pulvermagazin gefallenen Granate (9. October) mit 205 Mann in die Luft flog und der Sturm nicht mehr aufgehalten werden konnte, ergab sich G. kriegsgefangen und wurde nach Königsberg gebracht. 8000 Mann hatte Friedrich II. für die Einnahme dieses Platzes geopfert. Maria Theresia sandte dem Helden in die Kriegsgefangenschaft das Großkreuz ihres Ordens und ernannte ihn zum Feldzeugmeister. Wenige Tage früher, als die Freigebung der österreichischen Kriegsgefangenen [10] erfolgte, traf ihn bei der Tafel in Königsberg der Schlag, dem unmittelbarer Tod folgte. G. zählte 52 Jahre. Seine feierliche Bestattung fand zu Königsberg in der dortigen katholischen Kirche statt und sein Adjutant Hauptmann Ferrari setzte ihm eine schöne Grabschrift.

Ô Cahill (Baron), Geschichte der größten Heerführer neuerer Zeiten (Frankenthal 1789, Gegel, 8°.) Bd. XII, S. 187 u. f. – Reilly (Franz Joh. Jos. von), Skizzirte Biographien der berühmtesten Feldherren Oesterreichs u. s. w. (Wien 1813, Kunst- und Industrie-Comptoir, kl. 4°.) S. 373. – Oesterr. Militär-Konversations-Lexikon. Herausg. von J. Hirtenfeld (Wien, in Kommission bei Gerold, gr. 8°.) Bd. II, S. 810. – Hirtenfeld (J.). Der Militär-Mar. Theresien-Orden (Wien 1856, Staatsdruckerei, gr. 8°.) S. 90, 157, 1728, 1730.