BLKÖ:Haanen, Remy van

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 6 (1860), ab Seite: 101. (Quelle)
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Haanen, Remy van (Landschaftsmaler, geb. zu Oosterhout in der Provinz Nordbrabant 5. Jänner 1812). Der jüngere Bruder Georg’s (s. d. Vor.). Kam in seiner ersten Jugend nach Utrecht und ward von seinem Vater im Malen unterrichtet. Anfänglich zeigte er wenig Lust dazu, erst das eifrige Bitten seines Vaters bewog ihn, die Akademie der Künste in Utrecht zu besuchen; aber auch das steigerte nicht seinen Sinn für die Kunst. Nun sandte ihn sein Vater nach Hilversum, einem zwischen Utrecht und Amsterdam gelegenen Dorfe, wo mehrere tüchtige Landschaftsmaler sich aufhielten, malten und Schüler unterrichteten. Dort unter der Leitung des berühmten Thiermalers Jan von Ravenszwang entwickelte sich sein Sinn für die Landschaftsmalerei. Remy zählte damals 16 Jahre. Fünf Jahre lang oblag er eifrig seinen Studien und nicht selten überraschte ihn die tiefe Nacht bei denselben. Die Lust fremde Länder zu sehen, trieb ihn nun auf Reisen. Vorerst brachte er noch Ein ein halb Jahre bei seinen Eltern in Amsterdam zu, wohin diese mittlerweile übersiedelt waren, dann begab er sich an den Rhein; ein halbjähriger Aufenthalt an den reizenden Ufern desselben machten ihm deutsche Sitte und deutsches Leben angenehm, er verlängerte seinen Aufenthalt und verweilte 2 Jahre in Frankfurt a. M. In der Zwischenzeit machte er mit seinem früheren Lehrer Ravenszwang einen Kunstausflug in die Schweiz und brachte von demselben eine reiche Mappe tüchtiger Studien mit. Nun begab er sich nach München, wo er ein halbes Jahr, nach Stuttgart, wo er eben so lange zubrachte. Im Jahre 1837 kam er nach Wien, nicht entschlossen seinen bleibenden Aufenthalt daselbst zu nehmen; doch immer wieder verlängerte er denselben, ihn nur durch Studienreisen nach Frankreich, Italien, Deutschland, in seine Heimath, nach Steiermark und Ungarn unterbrechend. Im Jahre 1842 vermälte er sich mit einer Wienerin. Emilie von Mayer und scheint nun Wien zur zweiten Heimath erwählt zu haben, denn noch gegenwärtig lebt er daselbst der Kunst. Im Jahre 1845 ernannte ihn die [102] königl. Akademie der bildenden Künste zu Amsterdam zu ihrem Mitgliede und das Jahr darauf zeichnete Se. Majestät der König der Niederlande den Künstler durch das Ritterkreuz des Ordens von der Eichenkrone aus. Seine ersten Bilder (Jugendarbeiten) befinden sich fast alle in Holland; seine in Deutschland vollendeten sind in den Gallerien von Frankfurt, Cassel, Berlin und Karlsruhe und in vielen Privatsammlungen. Erst die Arbeiten von der Zeit seines Aufenthaltes in Wien können hier namhaft gemacht werden; sie waren in den verschiedenen Wiener Ausstellungen, regelmäßig aber in jenen des (neuen) „österreichischen Kunstvereines“ ausgestellt; in der Ausstellung bei St. Anna, 1840: „Holländische Landschaft bei Mondbeleuchtung“ und eine „Winterlandschaft I“; – 1845: gleichfalls eine „Winterlandschaft II“; – in den Ausstellungen des österr. Kunstvereines, 1850: „Wasserfall bei Mondbeleuchtung“ (90 fl., im Besitze des Grafen Dionys Festetics); – „Sommerlandschaft I“ (70 fl.); – 1851: „Eingang in eine Kirche zur Winterszeit“ (200 fl.); – „Winterlandschaft III“ (600 fl., im Besitze der Frau Amalie Klein, geb. von Henikstein); – 1852: „Sommerlandschaft II“ (300 fl.); – „Winterlandschaft IV bei Abendbeleuchtung“ (700 fl.); – „Mondnacht“ (150 fl.); – „Kanallandschaft“ (200 fl.); – 1854: „Waldende im Winter“ (1200 fl.); – „Landschaft mit Eichen“ (300 fl.); – 1855: „Partie aus dem Odenwalde im Winter“ (800 fl.); – „Waldlandschaft im Sommer“ (1200 fl.); – 1856: „Partie bei Weisskirchen in Mähren“ (700 fl.); – „Waldpartie aus dem Bakonyer Waide im Winter“ (1600 fl., Eigenthum des Herrn von Schey); – „Kirchenhalle“ (285 fl.); – „Westphälische Landschaft“ (300 fl.); – „Partie aus den Karpathen im Sommer“ (800 fl.); – 1858: „Sommerlandschaft III“ (450 fl.); – „Sommerlandschaft IV“ (600 fl.); „Gebirgslandschaft mit Wasserfall“; – „Gegend aus den Karpathen“ (1200 fl.); – „Brandung an der französischen Küste“ (250 fl.); – „Ansicht eines Dorfes“ (70 fl.); – „Holländisches Intérieur“ (125 fl.); – 1859: „Waldlandschaft nach dem Regen“ (1000 fl.); – „Abendlandschaft“ (300 fl.). In der deutschen allgemeinen und historischen Ausstellung zu München 1858 waren nebst ein Paar der oben genannten, im Privatbesitze befindlichen Bilder, auch 5 seiner eigenen Radirungen (Landschaftsbilder) ausgestellt, deren mehrere in die Suite des „Wiener Künstler-Albums“ gehören. Remy van H.’s Bilder beurkunden große Virtuosität der Technik; mit besonderer Vorliebe malt er Winterbilder, weßhalb ihn auch der Volkswitz zur Unterscheidung von seinem ältern Bruder Georg den „Schnee van Haanen“ nennt. Wie schon die den Bildern beigesetzten sehr wechselnden Preise errathen lassen, ist die Ausführung seiner Arbeiten gleichfalls wechselnd, eine Erscheinung, aus der übergroßen Fruchtbarkeit dieses Künstlers erklärt. Uebrigens verrathen seine Bilder tiefes Studium der Natur, die er so in sich aufgenommen zu haben scheint, daß er mehr aus dem Gedächtniß, als nach der Wirklichkeit zu malen scheint, was seinen Arbeiten den Typus einer Manier, die fast in Monotonie ausartet, aufdrückt. Uebrigens ist van Haanen der Erste, der die Winterlandschaft, die in Wien vor ihm fast unbekannt war, hierorts bekannt und beliebt gemacht hat. Bilder seines Pinsels dürfen in einer gut bestellten Sammlung nicht fehlen.

Frankl (Ludw. Aug.), Die Sonntagsblätter (Wien, gr. 8°.) Jahrg. VI (1847), Kunstblatt Nr. 7: „Remy van Haanen. Biografie“ [nach diesen geb. 5. Jänner 1812]. – Dieselben, Jahrg. III (1844), S. 166. – Dieselben, Jahrg. V (1846), [103] Kunstblatt Nr. 27, S. 642. – Perger (R. A. von) Die Kunstschätze Wiens in Stahlstich nebst erläuterndem Text (Triest 1854, lit. artist. Abthlg. des österr. Lloyd, 4°.) S. 299 [nach diesen geb. 15. Jänner 1812. Daselbst auch eine Winterlandschaft in Stahlstich nachgebildet, welche sich in der Sammlung Galvagni in Wien befindet]. – Die Ausstellungs-Kataloge des (neuen) österr. Kunstvereines: 1852: März Nr. 8; Juni 14; Juli 3; October 7, 24; December 16; – 1853: October 19; – 1854: Jänner 9; August 11; – 1855: März 30; April 30; October 81; – 1856: Jänner 15; März 27; April 9; Mai 3; Juni 34; November 63; December 7; – 1857: Juli 38; Oct. und Nov. 2; – 1858: Februar 19, 28. 45; April 32, 54; Mai 39; Juni 3; September 18, 24, 33; October 1, 37; – 1859: Jänner 42; März 8. – Katalog der deutschen allgem. Münchener Ausstellung 1858, Nr. 231, 232, 878, 1612–1614. – Professor Eitelberger in seiner Besprechung der Kunstausstellung im Jahre 1846 [Sonntagsblätter 1846, Kunstblatt Nr. 27, S. 642] beurtheilt Remy van Haanen’s Bilder wie folgt: „In einen ähnlichen Fehler (wie Rottmann, bei dem das Gefühl für eine andere Naturstimmung die Seele des Künstlers überwuchert) verfällt auch Remy van Haanen. Auch bei ihm ist das Talent des Machens größer als das für Natur, der geschickte Künstler größer als der empfindende. Die Composition ist immer nach ein und demselben Gesichtspuncte, wie man einen Knäuel Zwirn nach derselben Richtung zu immer ab- und aufwickelt. Im Winter sind die Landschaften eben so verschieden als im Sommer, haben denselben Reichthum von Stimmung, von Beleuchtung und Gruppirung, aber von all’ der Verschiedenheit bemerkt man bei van Haanen Nichts; jedes feine Gefühl geht unter in der Geschicklichkeit des Machwerkes, diese einseitige Geschicklichkeit wird nun auch zur Manie im Vortrage von Einzelnheiten, die Hand folgt willig der eingewöhnten Richtung und kann die Verschiedenheit nicht mehr darstellen, die das Auge in der Natur wahrnimmt.“