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BLKÖ:Habermann, Franz Johann I.

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 6 (1860), ab Seite: 116. (Quelle)
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Habermann, Franz Johann I. (Tonkünstler, geb. zu Königswart in Böhmen 1706, gest. zu Eger 7. April 1783). Besuchte die Humanitätsclassen in Klattau und hörte die Philosophie in Prag, wo er die Magisterwürde erhielt. Frühzeitig trieb er Musik, reiste, um die italienische Musik kennen zu lernen, nach Italien, und nahm Unterricht bei den berühmtesten Meistern in Rom, Neapel und anderen Städten. Nun begab er sich nach Spanien und Frankreich, und trat 1731 als Capellmeister in des Prinzen Condé Dienste. Nach dessen Tode wurde H. in Florenz in gleicher Eigenschaft bei der großherzoglichen Capelle angestellt. Als der Großherzog starb, kehrte er in seine Heimath zurück. Um diese Zeit fand die Krönung Maria Theresias zur Königin von Böhmen Statt. Aus diesem Anlasse gaben ihm die Altstädter Jesuiten den Auftrag, für sie eine Oper zu schreiben. H. entsprach dieser Aufgabe in so trefflicher Weise, daß der hohe Adel Böhmens und Andere, welche tüchtige, musikalische Ausbildung wünschten, ihn zum Meister wählten. So [117] legte H. mit den Grund zu jener herrlichen musikalischen Epoche, in welcher Prag lange Zeit nur an Wien eine Nebenbuhlerin besaß, dieses aber – nachdem die musikalischen Zustände Wien’s in den traurigsten Verfall gerathen – heute schon überflügelt hat. Habermann hat – ohne die vielen Cavaliere zu nennen, denen er Liebe für die Musik und musikalischen Geschmack einflößte – Schüler gebildet, wie den Capellmeister Franz Joseph Dussek (siehe Bd. III, Seite 398 im Texte), die Tonsetzer Mysliwecžek und Cajetan Vogel. Nun wurde H. Chorregens an der Theatiner-, 1750 an der Maltheserkirche in Prag, und folgte 1773 einem Rufe nach Eger als Musikdirector an der Decanatkirche mit ansehnlichem Gehalte. Noch 10 Jahre, bis an seinen Tod, der ihn im Alter von 77 Jahren erreichte, wirkte er auf diesem Posten. Der größere Theil von H’s. Compositionen, u. z. Sonaten, Symphonien, Messen, Litaneien, Salve Regina, Regina Coeli, Alma, Miserere, Stabat Mater ist in Manuscript vorhanden. Darunter das große Oratorium: „Conversio peccatoris“, in der Minoritenkirche St. Jacob in Prag aufgeführt; – ein zweites: „Deodatus a Gazzone S. Joann. Hierosolymit. Ordinis, pestiferi Draconis Rhodensis interfector“, welches er selbst 1754 als Chorregent in der Maltheserkirche zu Prag dirigirte. Im Druck erschienen: „Missae XII“ (Prag 1746, Fol.) – und „Litaniae VI“ (ebd. 1747, Fol.). Seine Compositionen, von Kennern anerkannt, beurkunden ihn als einen besonders tüchtigen Meister im Contrapuncte. Franz Johann besaß auch Brüder und einen Sohn, sämmtlich tüchtige Musiker. Näheres über dieselben unten in den Quellen.