BLKÖ:Dussek, Johann Joseph

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Dussek, Franz
Band: 3 (1858), ab Seite: 397. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: [1], SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Dussek, Johann Joseph|3|397|}}

Dussek, Johann Joseph (Compositeur, geb. zu Mlazowicz in Böhmen 1739, gest. nach 1810). Der Sohn eines Wagnermeisters aus Mlazowicz, dessen [398] Vorfahren aber in frühern Zeiten (1472–1497) nach Bienenbergs Geschichte der königl. Kreisstadt Königgrätz, daselbst Raths- und andere höhere Würden bekleidet hatten. Johann Joseph verlor früh seinen Vater, die Mutter schickte den 10jährigen Knaben in die Schule ihres Schwagers, der Lehrer im Orte war, aber auch gute musikalische Kenntnisse besaß. Johann Joseph machte schöne Fortschritte, kam als Schulgehilfe nach Langenau, studirte den Generalbaß und erhielt die zweite Lehrerstelle in Chlumetz. In Folge seiner Fortschritte in der Musik übertrug ihm der Magistrat von Časlau die erste Lehrer- und Organistenstelle an der dortigen Stadtschule, an welcher Dussek bis an sein Lebensende thätig war. In seiner Familie bildete er zwei Söhne Franz Benedict (siehe weiter unten) und Johann Ladislaus (siehe die folg. Seite) und eine Tochter Veronica (siehe die zweitfolgende) zu Virtuosen aus, nebstbei unterrichtete er auch Andere, darunter mehrere Edelfräulein mit Erfolg in der Musik. Dussek hat Mehreres componirt, darunter eine Pastoral-Messe, 1 Regina Coeli, 2 Litaneien und viele Clavier-Sonaten, Fugen u. d. m. Er hat sich an den classischen Arbeiten eines Caldara, Bach, Fux, Tuma u. A. gebildet und seine bessern Arbeiten sind im Geiste derselben gehalten. – Veronika (Harfenspielerin, geb. zu Časlau in Böhmen 1738, gest. zu Ende des vorigen Jahrhunderts). Gemalin des Obigen, eine geborne Stebeta, Tochter des Časlauer Stadtrichters. Sie vermälte sich mit Johann Joseph am 9. Mai 1760. Besaß eine vortreffliche musikalische Bildung und spielte mit Virtuosität in ihren jungen Jahren die Harfe. – Ihre Tochter, auch Veronika (Sängerin, geb. zu Časlau 1771, gest. ?) ist von den Eltern im Gesange und Clavier unterrichtet worden. Sie ließ sich öffentlich hören und gefiel außerordentlich. Im J. 1795 ließ sie ihr Bruder Johann Ladislaus nach London kommen. Dort gab sie Concerte, erntete großen Beifall und gewann die Neigung des Londoner Kunsthändlers Cianchettini, mit welchem sie sich auch vermälte.Franz Joseph öfter auch Franz Benedict (Virtuose, geb. zu Časlau 13. März 1766, lebte noch 1816). Sohn des Joh. Joseph. Wurde auch von seinem Vater musikalisch ausgebildet und spielte vortrefflich Violin, Violoncell und das Clavier. Bald konnte er, wenn sein Vater abwesend war, seine Stelle als Organist vertreten. Später trat er in Dienste der Gräfin von Lützow, begleitete sie auf einer Reise nach Italien und gab daselbst mit Erfolg mehrere Concerte. Er wurde nun Concertmeister am Operntheater zu Venedig und 1806 Capellmeister des Infanterie-Reg. Dawidowitsch ebendaselbst. Er hatte viele Concertstücke, Sonaten und Solos für die drei Instrumente, in denen er Meister war, componirt, doch sind alle Manuscript geblieben. Im Besitze des Musikalien-Verlags von Ricordi in Mailand befinden sich mehrere Opern von einem Dussek, größtentheils Autographe. Es sind folgende (die mit einem (*) bezeichneten sind Autographe): *„La Caffetiera di spirito“ (o. b.); – „La ferita mortale“ (farsa); – *„La feudataria“ (o. b.); – *„L’Impostore“ (o. b.); – *„L’incantesimo senza magia“ (farsa); – *„Matrimonio e divorzio in un sol giorno ossia Angiolina“ (o. b.); – *„Voglia di dote e non di moglie“ (o. b.); – und das Oratorium: *„Gerusalemme distrutta“, außerdem mehrere Simphonien und Gesangsstücke. Dem Namen Dussek in Ricordi’s Musikalien-Katalog ist kein Taufname beigefügt. [399] Da weder von Opern des Johann Ladislaus (oft Johann Ludwig) noch des Johann Joseph (des Vaters) etwas bekannt ist, so dürfte der Obige der Verfasser dieser Opern und identisch mit dem Compositeur Franz Joseph Dussek sein, dessen Opern in der Leipziger allgemeinen musikalischen Zeitung 1817, S. 193 verzeichnet stehen.Wenzel (Musiker, geb. zu Mlazowicz in Böhmen 1750, gest. zu Bitesch in Mähren um das J. 1810). Bruder des Johann Joseph Dussek. War gleichfalls ein tüchtiger Musiker und besonders ein ausgezeichneter Baßsänger. Er reiste nach Olmütz und erhielt im Prämonstratenser-Stifte auf dem heil. Berge eine Organistenstelle, später zu Eiche in seiner Heimat, welche er dann mit der Schulrectorsstelle zu Bitesch in Mähren vertauschte.

Die Mittheilungen über die Künstler-Familie Dussek – welche öfter, jedoch unrichtig, Dussik heißt, denn Johann Ladislaus und sein Bruder schrieben sich Dussek und steht auf den Porträten des Ersteren ausdrücklich Dussek gestochen – in den verschiedenen Werken, namentlich in Gerbers Lexikon, verwirren mehr die Lebensdaten der einzelnen Familienglieder, als daß sie dieselben feststellen. Wir geben im Folgenden eine Uebersicht dieser Künstler-Familie, an deren Spitze Johann Joseph D., der Vater, steht. Seine Gemalin ist Veronika I. Aus dieser Ehe stammen die Söhne Johann Ladislaus (öfter auch Johann Ludwig) (1761), Franz Benedict (öfter auch Franz Joseph) (1766) und die Tochter Veronika II. (1771), später verehelichte Cianchettini. Ein Bruder Joh. Josephs ist Wenzel D. und die Gemalin des Johann Ladislaus, eine Tochter des Londoner Musik.-Verlegers Corri,[WS 1] war eine berühmte Sängerin, Harfenspielerin und Compositeurin. Die letzten zwei: Ladislaus und seine Gemalin haben einen besonderen Artikel, den folgenden; alle Uebrigen sind im vorangegangenen behandelt. – Dlabacz (Gottfried Johann), Allgemeines historisches Künstler-Lexikon für Böhmen (Prag 1815, 4°.) I. Bd. Sp. 346. – Gerber (Ernst Ludwig), Historisch-biograph. Lexikon der Tonkünstler (Leipzig 1790, Breitkopf, gr. 8°.) I. Bd. Sp. 358 [kommt daselbst unter dem Namen Dulsick und als Organist zu Haslau vor]. – Desselben: Neues histor.-biogr. Lexikon der Tonkünstler (Ebend. 1812, Kühnel, gr. 8°.) I. Bd. Sp. 966. – Ueber seine Gemalin Veronika I.: Dlabacz (wie oben) I. Bd. Sp. 353.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Domenico Corri (Wikipedia).