BLKÖ:Habsburg, Elisabeth Wilhelmina Ludovica von Württemberg

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 6 (1860), ab Seite: 171. (Quelle)
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Elisabeth von Württemberg (1767–1790) in der Wikipedia
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72. Elisabeth Wilhelmina Ludovica von Württemberg, erste Gemalin des nachmaligen Kaisers Franz I. (geb. zu Treptow 21. April 1767, gest. 18. Februar 1790). Elisabeth war das achte Kind Friedrich Eugen’s, Herzogs von Württemberg, aus seiner Ehe mit der Herzogin Friederika Dorothea Sophia, Tochter Friedrich Wilhelm’s, Markgrafen von Schwedt. Unter der Leitung der Freiin von Bork hatte die Prinzessin eine vortreffliche Erziehung erhalten. Der Großfürst von Rußland hatte ihre ältere Schwester zur zweiten Gemalin erwählt; dieser Umstand lenkte die Aufmerksamkeit des Kaisers Joseph auf Elisabeth, der sogleich den Plan faßte, für seinen Neffen Franz um ihre Hand zu werben. Der Kaiser [172] sah die Prinzessin 1781 auf einer Reise nach Mümpelgard und im folgenden Jahre kam sie mit ihrer Schwester, der Großfürstin, nach Wien. Von nun an war der Kaiser, nach seinem eigenen Ausdrucke, ihr Vater. Er hatte Josepha Gräfin von Chanclos, eine Frau, durch Herz und Geist würdig des Postens, für den der Kaiser sie bestimmt, zur Obersthofmeisterin der Prinzessin ausgewählt. Unter dieser Oberleitung wurde die Erziehung der Prinzessin in einer dem Plane der frühern entsprechenden Weise fortgesetzt. Pater Langenau machte sie mit den Grundsätzen der katholischen Religion bekannt, welche sie im December 1782 feierlich annahm. Sie konnte, so lange sie nicht vermält war, monatlich über 100 Ducaten verfügen, welche sie zu Geschenken und zur Unterstützung Nothleidender verwendete. Eines Tages bat sie den Kaiser, von ihrem Gehalte 1000 fl. jährlich an ihre frühere Erzieherin, die Freiin von Bork, abtreten zu dürfen. Der Kaiser trug die zärtlichste Sorgfalt für sie, und als 1784 der damals sechzehnjährige Erzherzog Franz nach Wien kam, gestattete ihm der Kaiser, sie auf ihren Spazierfahrten zu begleiten. Am 6. Jänner 1788 wurde sie an den Erzherzog vermält und Kaiser Joseph freute sich innigst des vollen Gelingens dieses einen seiner Pläne, des einzigen, der ihm, wie es den Anschein hatte, ganz gelang. Wenige Monate nach der Vermälung zog Erzherzog Franz in’s Feld, um seinem Oheim dahin zu folgen. Indessen erfreute sich das österreichische Haus durch die Hoffnung auf Nachkommenschaft; aber dieser Zustand der Erzherzogin wurde durch des Kaisers fortdauernde und sich steigernde Krankheit sehr beunruhigt. Als am 15. Februar 1790 der Kaiser die letzte Oelung empfangen hatte, ließ sich die Erzherzogin, der bis dahin ihres Zustandes wegen der Besuch des hohen Kranken nicht gestattet worden war, denselben nicht länger verweigern. Damit sie durch seine Todesblässe und Abgezehrtheit nicht erschreckt werde, ließ nun Joseph die Fensterladen schließen und empfing die Erzherzogin bloß beim Scheine eines in der Ecke brennenden Nachtlichtes. Als der Kaiser die ersten Worte mit bebender Stimme sprach, wurde die Erzherzogin so erschüttert, daß sie zusammenbrach und in dieser Ohnmacht hinausgetragen werden mußte. Als sie wieder zu sich kam, gab er ihr seinen Segen. In der Nacht auf den 17. Februar empfand die Erzherzogin die ersten Geburtswehen, gebar eine Tochter, Ludovica, und war am folgenden Morgen selbst eine Leiche. Diese unvorgesehene Todesnachricht, welche dem Kaiser auf das schonendste war hinterbracht worden, griff den edlen Monarchen tief an, es war seine letzte Hoffnung vernichtet. Elisabethens Verbindung mit seinem Neffen Franz war sein Lieblingswerk und ihm gelungen; wenige Stunden vor seinem Tode mußte auch dieser zum Theil erfüllte Plan sich in nichts auflösen. Dieß war der tödlichste Stoß, den Kaiser Joseph in seinen gezählten letzten Tagen erhielt und der sein Ende wesentlich beschleunigte, denn am 20. Februar, vier Minuten nach fünf Uhr Morgens, schloß der große Monarch für immer seine Augen. Elisabethens Tochter Ludovica lebte zwei Jahre und starb am 24. Juni 1792.

Gräffer (Franz), Josephinische Curiosa oder ganz besondere, theils nicht mehr, theils noch wenig bekannte Persönlichkeiten, Geheimnisse, Details, Actenstücke und Denkwürdigkeiten der Lebens- und Zeitgeschichte Kaiser Joseph’s II. (Wien 1848, I. Klang, 8°.) Erstes Bändchen, Nr. IV, S. 66: „Details über Joseph’s II. letzte Lebenstage [173] und Begräbniß“ [aus S. 71 die treue Darstellung des erschütternden letzten Besuches der Erzherzogin bei dem sterbenden Kaiser]. – Gräffer (Franz), Franciscäische Curiosa oder ganz besondere Denkwürdigkeiten aus der Lebens- und Regierungs-Periode des Kaisers Franz II. (I.) (Wien 1849, I. Klang, 8°.) Nr. 1, S. 1: „Die erste Vermälung; Costum, Ceremonien“. – Realis, Curiositäten- und Memorabilien-Lexikon von Wien. Herausgegeben von Anton Köhler. (Wien 1846, Lexikon 8°.) Bd. I, Seite 405.