BLKÖ:Habsburg, Elisabeth von Oesterreich (Königin von Frankreich)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 6 (1860), ab Seite: 169. (Quelle)
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Elisabeth von Österreich (1554–1592) in der Wikipedia
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71. Elisabeth von Oesterreich, Königin von Frankreich (geb. 5. Juni 1554, gest. am 22. Jänner 1592). Tochter des Kaisers Maximilian II. und Maria’s, Tochter des Kaisers Karl V. Im Alter von 16 Jahren wurde sie am 26. Dec. 1576[BN 1] dem damals 20jährigen Karl IX., König von Frankreich, zu Mezières vermält. Katharina von Medicis war es, welche den Gedanken gefaßt hatte, diese hochsinnige, edle Prinzessin für ihren Sohn als Frau zu gewinnen. Schon [170] 1561 begann sie die Unterhandlungen, die volle 9 Jahre dauerten, bis sie zum erwünschten Ziel führten. Von Busbek[WS 1] und einem glänzenden Gefolge begleitet, verfügte sich die Erzherzogin nach Mezières. Bereits in Sedan empfing sie Karl’s Bruder, der Herzog von Anjou; der König selbst wartete in Mezières. Man erzählt, der König habe sich in Verkleidung selbst nach Sedan begeben, um Elisabeth zu sehen, und soll über ihre Erscheinung ganz entzückt gewesen sein. Ihre Anmuth und Schönheit erweckten die höchste Begeisterung bei ihrem pomphaften Einzuge in Paris, ihre stillen Frauentugenden erwarben ihr Achtung bei Hofe und im Volke, und Karl IX., der König der Bartholomäusnacht, pflegte zu sagen: „Er habe die sittenreinste, tugendhafteste Gemalin nicht nur in Frankreich und Europa, sondern in der ganzen Welt“. Solcher Ausspruch aus solchem Munde fällt doch schwer in die Wagschale. Die junge Königin hatte keinen Antheil an der Regierung Katharina’s von Medicis, welche ihre Schwiegertochter stets ferne hielt von den Hofintriguen und es zu verhindern wußte, daß sie einen Einfluß übte auf das Gemüth Karl’s IX., dessen Verkehr mit ihren Hofdamen, namentlich mit Maria Touchet, Katharina sehr begünstigte. Auf diese Weise stand Elisabeth vereinzelt inmitten des Hofes, und treffend bemerkte ein Geschichtschreiber: „sie hatte keine anderen Anhänger als solche, welche das Verdienst und die Tugend allenfalls haben“. Die grauenvollen Beschlüsse, welche gegen die unglücklichen Protestanten in Vollzug gesetzt wurden, waren der jungen Königin sorgfältigst verheimlicht worden. Als man ihr Nachricht brachte von den Gräueln der Bartholomäusnacht, fragte sie mit Entsetzen: „Weiß es der König, mein Gemal?“ Als man ihr den Sachverhalt und des Königs Befehl zu dieser Gräuelthat gemeldet, rief sie erschüttert: „Wer hat ihm diesen Rath gegeben? Verzeihe ihm, o Gott, und sei ihm gnädig, sonst wird ihm diese Sünde nie vergeben werden.“ An den stürmischen Bewegungen, welche Frankreich durchtobten, nahm sie nur insoweit Antheil, als sie ferneres Unheil zu verhüten strebte. Den Kummer, den sie erfuhr, ertrug sie mit Geduld, und die ungestüme Hitze ihres Gemals mäßigte sie durch ihre Sanftmuth. Als Abspannung und Seelenqualen Karl IX. aufs Krankenlager warfen, bewies Elisabeth eine rührende Liebe und Theilnahme. Als der König starb (1574) zählte Elisabeth 20 Jahre. Alle Liebe und mütterliche Sorgfalt übertrug sie nunmehr auf ihre Tochter Maria Elisabeth, das einzige Kind ihrer Ehe, welches aber schon in zarter Kindheit – mit 5 Jahren – starb. Nun stand Elisabeth allein mitten im Parteigetriebe eines verdorbenen Hofes; sie zog es also vor, in ihre Heimath zurückzukehren, und begab sich nach Wien zu ihrem Bruder Rudolph, der mittlerweile nach ihres Vaters Tode den Kaiserthron bestiegen hatte. Nun warb Philipp II. von Spanien, dessen Gemalin Anna [siehe d. Nr. 25] gestorben war, um ihre Hand. Elisabeth aber, wie Brantome berichtet, lehnte den Antrag ab im Andenken an ihren königlichen Gemal, welches sie durch eine zweite Heirath nicht entweihen mochte, und in Anbetracht ihrer nahen Verwandtschaft mit Philipp II., der zugleich ihr Onkel und ihr Schwager war. Elisabeth brachte den Rest ihrer Tage in dem von ihr selbst erbauten Kloster der Clarissinen in Wien zu. Man hatte ihr als Leibgedinge die Herzogthümer Berry und Bourbonnais und die Grafschaften Foretz [171] und de la Marche angewiesen. Sie verwendete den größten Theil ihrer Einkünfte zu Geschenken und Unterstützungen verdienstvoller Personen dieser Gegenden. Sie gestattete in diesen Ländern nie den Verkauf der Aemter, sondern verlieh dieselben stets dem Würdigsten, wobei sie in der Wahl sich immer mit Busbek, ihrem Bevollmächtigten in Frankreich, in’s Einvernehmen setzte. In Bourges ließ sie den Priestern der Gesellschaft Jesu ein Collegium erbauen. Was ihr noch von ihren Einkünften übrig blieb, theilte sie in drei Theile: davon war der eine bestimmt zur Unterstützung der Armen, der zweite zur Erhaltung ihres Hofstaates, der dritte zur Unterstützung armer Fräulein, welche keine ihrer Geburt entsprechende Versorgung gefunden hatten. Sie starb zu Wien im Alter von 38 Jahren. „Ein unschätzbarer Verlust“, bemerkte anläßlich ihres Todes Brantome, „denn sie hätte noch länger als ein Spiegel der Tugend den ehrbaren Frauen der ganzen Christenheit voranleuchten können.“ Jacob de Thou fällt folgendes eigenthümliche Urtheil über Elisabeth: „Prisci mores, vel juvenili aetate, foemina et tamen familiares spiritus retinens.“ ihr Porträt von Franz Clouet hängt im Louvre. Es stellt eine Dame vor von mittlerer Größe, wohlgebaut, von frischem jedoch zartem Teint, mit blonden Haaren. Der Ausdruck des Angesichts zeigt Ruhe. Ihre Zeitgenossen schildern sie als Fürstin von einnehmender Würde in ihrem Wesen, von großer Seelenstärke und tiefem Gefühle, sie war geduldig, gut, that Niemand, wo es auch sein mochte, wehe, war gottesfürchtig doch nicht bigott; liebte, wie Brantome sagt, sehr ihren Gemal, ohne eifersüchtig zu sein, und verzieh ihm seine Unthaten.

Clary-Darlem (Mme.), Elisabeth d’Autriche, reine de France (Paris et Leipzig 1847, 8°.). – Papyre-Masson (Jean), Entiérs discours des choses qui se sont passées à la réception de la reine et mariage de Charles IX. (Paris 1574, auch 1615, 8°.). – Pinart (Louis), Veritable discours du mariage de très-haut, très puissant et très-chrétien roi Charles IX. et de la très excellent et vertueuse princesse, madame Elisabeth, fille de l’empereur Maximilien II. fait et célébré à Mézières le 26me jour de Novembre 1570 (Paris 1570, Fol.) [wiedergedruckt im „Ceremonial de France“ von Theodor Godefroy (Paris 1649, Fol.) Bd. II, p. 20]. – Martonne (Alfred de), Isabelle d’Autriche (Paris 1848, 8°.). – Discours de la vie de la reine Isabelle, fille de l’empereur Maximilien (Paris 1592, 8°.). – Außer den bisher angeführten selbstständigen Quellen sind noch zu nennen: Brantôme, Vie des Dames illustres. Ausgabe von Monmerqué. – De Thou (J.), Historiarum sui temporis libri CXXXVII, im XLV. und XLVIII. Buche. – Fontette et Lelong, Bibliotheque historique de la France, tom. II, part. 3me., chap. 4, art. 2–3; – chap. 7, art. 7, pag. 20, 702, 713, 717, 837. – Capefigue, Mémoires des Reines et Regentes de France. Tome Vme.

Berichtigungen und Nachträge

  1. Bd. VI, S. 169, Sp. 2, in der Biographie von Elisabeth von Oesterreich (Nr. 71), Zeile 6 und 7, soll statt 26. December 1576 stehen: 26. November 1570. [Band 7, S. 412]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Ogier Ghislain de Busbecq Wikipedia).