BLKÖ:Haulik von Varallya, Georg

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Haulik
Band: 8 (1862), ab Seite: 69. (Quelle)
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Haulik von Varallya, Georg (Cardinal und erster Erzbischof von Agram, geb. 20. April 1788 zu Tyrnau). Sohn eines Wirthschaftsbeamten, verlebte er die Jugend zu Gran im Hause seiner Eltern; die Humanitäts- und philosophischen Studien beendete er zu Tyrnau, kehrte dann nach Gran zurück, wo er ein Jahr als Prakticant auf den erzbischöflichen Gütern zubrachte, dann aber in’s Graner Seminarium eintrat, wo er bald einer der ausgezeichnetsten Seminaristen war und 1806 nach Wien geschickt wurde, um im Pazmaneum die theologischen Studien zu beenden. Als während der französischen Occupation die Cleriker Wien verließen, setzte H. seine Studien in Tyrnau fort und erhielt 1811 die Priesterweihe. Seinen Dienst in der Seelsorge begann er als Hilfsprediger in Comorn. Bald wurde man seine seltenen Geistesfähigkeiten gewahr und noch im nämlichen Jahre folgte er einem Rufe nach Ofen als Archivar des Graner Districts-Vicariatsamtes, worauf er 1814 Consistorialnotar, 1816 Secretär des Vicariatsamtes wurde. 1819 erwarb er die theologische Doctorwürde, wurde 1820 Secretär und Primatialnotar des Cardinal-Primas von Ungarn Rudnay. Als solcher 1822 bei der Primatialsynode zu Preßburg anwesend, wurde er mit der Redaction der kirchlichen Debatten betraut. 1824 wurde H. zum Gerichtstafelbeisitzer des Graner Comitates, 1825 zum Domherrn des Graner Capitels und 1829 vom Erzherzog-Reichspalatin zum Mitgliede der Landesdeputation ernannt, die [70] in Pesth mit der Coordinirung der systematischen Operate betraut war. H. hatte bisher im Kirchlichen und Politischen einen seltenen Tact und Geschäftskenntniß beurkundet, die Folge davon war 1830 seine Ernennung zum ungarischen Statthaltereirath und Titularbischof, 1831 zum Hofrath und Referendar bei der kön. ungarischen Hofkanzlei. 1832 erfolgte seine Erhebung zum Großpropst von Agram und 8. Mai 1837 jene zum Bischof daselbst, welche am 22. October d. J. von jener zum wirklichen geheimen Rathe begleitet war. Am 10. December d. J. erhielt er die Bischofsweihe und am 7. Jänner 1838 die bischöfliche Installation in Agram. Im genannten Jahre zum ersten und 1845 zum andern Male wurde ihm die Stelle des Banal-Locumtenens übertragen; früher noch, 1843, wurde er mit dem Prädicate von Varallya geadelt und durch die Gnade des Kaisers diese Auszeichnung auch seinem Bruder Emerich und dem Sohne seines zweiten Bruders Caspar Georg verliehen. 1849 zeichnete der Monarch den hochverdienten Prälaten durch das Commandeurkreuz des St. Stephan-Ordens aus. Als am 12. August 1850 über Verwendung des Banus Jellačić das Bisthum Agram zum Erzbisthum und zur croatisch-slavonischen Metropolie erhoben wurde, worüber am 11. December 1852 die päpstliche Bulle erfolgte, verlieh eine zweite vom 26. März 1853 H. als erstem Erzbischofe Agrams das Pallium und fand die Inthronisation in glänzendster Weise statt. Indem im Jahre 1856 der Monarch H. das Großkreuz des Leopold-Ordens verlieh, schlug er ihn auch dem heil. Vater zum Kron-Cardinal[1] vor, als welcher er am 16. Juni d. J. feierlich präconisirt wurde und die feierliche Uebergabe der Insignien am 25. Juli d. J. in der Hofburg-Pfarrkirche zu Wien stattfand. Dieß sind in Kürze die Umrisse des Lebens voller Ehren und Würden des gefeierten Kirchenfürsten; aber welch’ ein herrliches Bild entrollt sich vor unseren Augen, wenn wir das segensvolle Wirken desselben in seiner Großartigkeit überblicken. Auch hier können wir nur Linien ziehen, die reichen Umrisse auszufüllen, möge einem späteren Biographen überlassen bleiben. Als Humanist in des Wortes schönster Bedeutung nimmt H. unter den Kirchenfürsten der Gegenwart den ersten Platz ein. Täglich werden Arme und Dürftige reichlich mit Almosen betheilt, alljährlich werden zu Ende des Jahres die armen Unterthanen auf den erzbischöflichen Gütern conscribirt und bekommen Geld- und Getreideunterstützungen. Außerdem daß viele arme Studenten monatliche Unterstützungen aus seinem Säckel und freie Kost erhalten, so werden noch zehn croatische und zwei ungarische Studenten mit jährlichen Stipendien von 200 fl. betheilt. Mit dem Kostenaufwande von mehr als 150.000 fl. errichtete er das Institut der barmherzigen Schwestern sammt einem Knabenschulhause. Die Schwestern verpflegen unentgeltlich arme Kranke, besorgen eine Kleinkinder-Bewahranstalt, das städtische Armeninstitut; überdieß erhalten im Kloster und dem damit in Verbindung stehenden Schulhause 800 Kinder beiderlei Geschlechtes theils den Schulunterricht, theils ihre vollständige Erziehung. Die Erhaltung dieses Institutes wird mit bedeutenden [71] jährlichen Beiträgen an Geld und Naturalien von Seite seines Stifters bewerkstelligt. Ferner erbaute H. im Jahre 1852 auf eigene Kosten ein Schulhaus für die männliche Jugend. Eine namhafte Stiftung gründete er auf Prämien an Kinder und junge Brautleute, die sich durch gesitteten Lebenswandel auszeichnen. Am 1. Jänner 1858 trat seine mit 50.000 fl. dotirte Stiftung zur Unterstützung der Witwen seiner Diöcese in’s Leben. Anläßlich seines fünfzigjährigen Priesterjubiläums, welches er im Jahre 1856 feierte, traf er folgende letztwillige Anordnung: „Ich gedenke die Capitalsumme von 80.000 fl. so zu vertheilen, daß aus selber der Stadt Warasdin 12.000 fl., der Stadt Karlstadt 12.000 fl., der Stadt Pozeg 10.000 fl., der Stadt Kreutz 8000 fl., der Stadt Kopreinitz 8000 fl., den vier Stabsorten der zur Agramer Diöcese gehörigen Militärgrenze, nämlich: Bellovar, Neu-Gradisca, Petrinia und Glina und dem volkreichen Orte St. Georgen je 6000 fl., im Ganzen 80.000 fl. entfallen.“ Die in Grundentlastungs- und Staatsschuld-Obligationen niedergelegten Beträge sollen bei den betreffenden Stadtmagistraten und Regimentscommanden verwahrt und die entfallenden Interessen jährlich gewissenhaft an Hausarme ihrer Commune, ohne Religionsunterschied, „weil die christliche Liebe in diesem Betracht keinen Unterschied kennt“ (Worte des hochsinnigen Kirchenfürsten in dem seine Stiftung Sr. Majestät dem Kaiser meldenden Schreiben) vertheilt werden. Mit Uebergehung vieler anderer Stiftungen zu verschiedenen gemeinnützigen Zwecken und sonstiger öffentlichen und Privat-Wohlthätigkeitsacte werfen wir noch einen Blick auf diesen Kirchenfürsten als Leiter seiner Diöcese und Förderer der Kunst und Literatur. Die Agramer Kathedrale wurde auf seine Kosten herrlich ausgeschmückt, im Sanctuarium ließ er fünf Fenster mit prächtigen Glasmalereien ausführen; einen kunstmäßig geschnitzten gothischen Hochaltar aufstellen; die Kirche mit einer großartigen Orgel ausstatten; an Ornaten und sonstigen gottesdienstlichen Requisiten bereicherte er den Domschatz; die von seinem Vorgänger, dem Bischof Alagovich zu Sandorhaza im Temeser Banate begonnene Kirche ließ er vollenden, ausschmücken und vollständig zur Benützung herstellen; die Pfarrkirche in Perjamos bedeutend vergrößern, den Calvarienberg bei Agram ganz erneuern; er legte ferner eine eigene Colonie, Haulikfalva, von 186 Häusern an, in welcher er eine Kirche mit schöner Kuppel erbauen ließ. Der in unmittelbarer Nähe Agrams gelegene Park Jurjaves (deutsch Georgsgrund), einer der schönsten, die es gibt, wurde von ihm mit dem Aufwande von mehr als anderthalb hunderttausend Gulden angelegt und verschönert; er enthält Lusthäuser, herrliche Baumgruppen, größere Teiche und viele Gebäude für Oekonomie, Gartencultur und Landwirtschaft. Für viele Arbeiter und Handwerker, ja selbst für Künstler eine reiche Quelle zu Erwerb und Verdienst, ist er für Agrams Bewohner ein herrlicher Erholungsort und eine wahre Zierde der Stadt; in neuester Zeit hat H. den Betrag von 10.000 fl. der vom croatischen Landtag in’s Leben gerufenen südslavischen Akademie gewidmet. Ungeachtet solch eines segensvollen Wirkens entging H. nicht den Beleidigungen eines verführten Volkes, das seinem unvergleichlichen Wirken nur Dank schuldig war. Kossuth erklärte H. 1849 als einen Hochverräther und ließ die in Ungarn gelegenen Güter seiner Erzdiöcese [72] confisciren. In neuester Zeit nahm H. auch als Kirchenfürst Theil an den Verhandlungen des croatischen Landtages und bezeichnete seinen Standpunct zum Kronlande, dessen oberster Seelenhirt er ist, und zum Gesammtstaate durch seine im Landtage gehaltene Rede, in welcher er für die Beschickung des Reichstages durch die Abgeordneten Croatiens auf das Eindringlichste sprach. Schließlich sei noch seiner durch den Druck veröffentlichten „Selectiones Encyclicae literae et dictiones sacrae“, Tomus I–III (Viennae 1850–1853, 8°.), gedacht, deren 1. Theil die „Encyclicas literas“, der 2. die „Dictiones sacras“, der 3. aber die „Encyclicas literas et dictiones quadragesimales de anno 1852 et 53“ in lateinischer, deutscher und croatischer Sprache enthält. Ueber Haulik’s hohe Verdienste herrscht nicht nur in Croatien und Slavonien, sondern in der ganzen Monarchie Eine Stimme. Umfassendes Wissen, ausgezeichneter Geschmack und reger Sinn für alles Edle und Schöne in Kunst und Natur charakterisiren den Menschen H., wie eine seltene Reinheit der Sitten, Milde und Versöhnung den wahren Priester und Kirchenfürsten in ihm erkennen lassen.

Salzburger Kirchenblatt 1856, Nr. 11, S. 88; Nr. 31, S. 241. – Slovenské Noviny, d. i. slovenische Neuigkeiten (Wiener politisches Blatt, kl. Fol.) 1856, Nr. 100. – Ehrentempel der katholischen Geistlichen (Wien 1845, Dirnböck, 8°.) S. 137. – Grazer Telegraph 1856, Nr. 185. – Rittersberg, Kapesní slovniček (Prag 1850, 12°.) S. 595. – Der katholische Christ (Pesth, 4°.) 1857, Nr. 13, S. 103. – Pesther Lloyd (polit. Parteiblatt) 1861, Nr. 67. – Porträt. Unterschrift: Georgius Cardinalis Haulik de Varallya. Archi-Episcopus Zagrabiensis. Nach der Natur gezeichnet und lithographirt von Dauthage (Wien 1856, L. J. Neumann, Fol.). – Medaille. Zur bleibenden Erinnerung der Erhebung des Agramer Bisthums zur Metropole ließ Haulik eine Medaille prägen. Avers: Ansicht der Domkirche mit der Inschrift: Ecclesia. Cathedralis. Zagrabiensis. Im Segmente ist das Wappen des Erzbischofs und der Name des Medailleurs angebracht. Revers: Dieser enthält folgende Inschrift: Deo O. M. Auspice | Augusto Francisco Josepho I. Regnor. Dalmat. Croat. et Slavoniae | Pervetustis. Votis. Benig. Annuente. | Ecclesia. Catedralis. Zagrabiensis | Autorltate. Apostolica | Pii P. P. IX. | In Metropolitanam Erecta | Anno Rep. Sal. MDCCCLIII. | Prima. Archi Episcopo | Georgio Havlik de Varallya.

  1. Kron-Cardinäle sind jene, deren Ernennung den katholischen Regenten zusteht, worauf die päpstliche Bestätigung erfolgt. Sie sind jenen vom heil. Vater unmittelbar ernannten in jeder Beziehung gleichgestellt, und repräsentiren bei der Wahl des Papstes ihren Monarchen.