BLKÖ:Heidler Edler von Heilborn, Karl Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Heidfeld, Adam
Band: 8 (1862), ab Seite: 209. (Quelle)
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Heidler Edler von Heilborn, Karl Joseph[BN 1] (Arzt und Naturforscher, geb. zu Falkenau in Böhmen 26. Jänner 1792). Sein Vater Johann Anton, Bürger zu Falkenau, bestimmte den Sohn für die Studien, die er auch am Gymnasium zu Schlackenwörth, am Lyceum zu Pilsen und an der Universität zu Prag beendete. Am 14. April 1818 wurde er zum Doctor der Medicin und Magister der Geburtshilfe promovirt. Noch im Mai desselben Jahres wurde er von dem Stifte Tepl als Brunnenarzt des Curortes Marienbad angestellt, im folgenden Jahre höheren Orts bestätigt, und bekleidete diese Stelle bis 1857, in welchem [210] Jahre er dieselbe niederlegte. Binnen einer 40jährigen Dienstzeit hat H. als ärztlicher Leiter und Vorsteher des Curortes Marienbad, als praktischer Arzt und medicinischer Schriftsteller in humanistischer, staatsökonomischer und patriotischer Hinsicht eine so segensvolle Thätigkeit entwickelt, daß sein Name weit über die Grenzen seines Vaterlandes gekannt ist und mit Achtung genannt wird. Die Begründung, Entwicklung und heutige Blüthe des Curortes Marienbad sind vornehmlich das Werk der rastlosen Bemühungen Heidler’s. Während seiner 40jährigen Wirksamkeit sind mehr als anderthalbhundert Vorschläge, alle auf die Vervollkommnung des Curortes abzielend, zur Ausführung gekommen. Er hat zu diesem Zwecke die medicinischen Eigenschaften und Wirkungen des Gesundbrunnens und der Bäder daselbst unter Aerzten und Laien durch eine große Anzahl von Schriften, welche weiter unten aufgezählt werden, bekannt gemacht. Auch für die Versendung des Marienbader Wassers, welche in kurzer Zeit einen großartigen Aufschwung nahm, war er energisch thätig und schon im Jahre 1835 wurden 350.000 Flaschen versendet. Was H. als praktischer Arzt geleistet, dafür mag die Thatsache sprechen, daß er in einer 40jährigen Brunnen- und Landpraxis weit über 50.000 Kranke behandelt hat. Nebenbei sei bemerkt, daß er vorzugsweise der dürftigen Classe seine unentgeltliche Hilfe gespendet und daß innerhalb dieser 40 Jahre die Behandlung fast aller regierenden Häupter und Verwandten derselben, welche diesen Curort besucht haben, nahezu 300, ihm ausschließlich anvertraut gewesen. Zur wissenschaftlichen Erforschung des Gesundbrunnens nach seinen verschiedenen Eigenschaften hat H. mit einer ansehnlichen Reihe von Druckschriften beigetragen; außerdem aber hat er mehrere andere Fachschriften veröffentlicht. Seine Werke sind in chronologischer Folge (die mit einem * bezeichneten betreffen den Curort selbst): „Ueber den Croup oder die häutige Bräune als nöthige Warnung und Belehrung über die gefährliche und häufige Kinderkrankheit, auch für Eltern brauchbar“ (Prag 1818, 8°.); – *„Die Gasbäder in Marienbad, nebst einer skizzirten Beschreibung des Curortes“ (Wien 1819, 8°.); – *„Marienbad nach eigenen bisherigen Beobachtungen und Ansichten ärztlich dargestellt“, 2 Bde. (Wien 1822, mit 1 Tabelle und 1 Plane. 8°.); – *„Kurze Nachricht über Marienbad mit besonderer Rücksicht auf den Nutzen und Gebrauch des versendeten Kreuz- und Ferdinandbrunnens“ (Eger 1823, letzte Auflage 1857); – *„Regeln für Kranke bei dem Gebrauche der Gesundbrunnen und Heilbäder zu Marienbad“ (Prag 1826, letzte Auflage 1851, 8°.); – „Ueber die Schutzmittel gegen die Cholera und darunter insbesondere über das kohlensaure Gas zum innerlichen und äusserlichen Gebrauche“ (Prag 1831, 8°.); – *„Ueber den Gebrauch mineralischer Wässer am Abend mit besonderer Rücksicht auf Marienbad“ (Leipzig 1836, 8°.); – *„Die Waldquelle zu Marienbad“ (2. Aufl. Prag 1837) [auch in Hufeland’s und Osann’s[WS 1] Journal der praktischen Heilkunde, LXXVI. Bd. 5. Stück]; – *„Alte Gründe für den neuen Ruf von Marienbad ...“ (Prag 1837, 8°.) [auch in den österr. Jahrbüchern der Medicin, neueste Folge, Bd. XI, Heft 2]; – *„Ein Fragment aus den Verhältnissen Marienbads zu seinen Lebendigen und Todten, von 1833 und 1834“ (Prag 1834, auch 1837, 8°.); – ‘*„Pflanzen und Gebirgsarten von Marienbad, gesammelt und beschrieben von dem Prinzen Friedrich, Mitregenten von Sachsen, und von J. W. von Goethe ergänzt und mit einem Anhange über die anderen naturhistorischen Verhältnisse des Curortes“ (Prag 1837, mit 5 Abbildgn. [211] und 1 Tab.); – *„Marienbad et ses différents moyens curatifs dans les maladies chroniques“ (Prag 1828, 2de Edit. 1841 av. 6 p.); – *„Regles à observer pour ceux, qui prennent les eaux minerales et les bains de Marienbad“ (2de Edit. Prag 1836); – „Die zunehmende Seltenheit des Podagra und ihre Ursachen“ (Prag 1837, 8°.); – „Sydenham’s Antheil an der Uneinigkeit unserer Lehre über die Gicht“ (ebd. 1838); – „Krampf und Krämpfe“ (ebd. 1838); – „Das Blut in seiner heilthätigen Beziehung zum Schmerz im Allgemeinen und zu den Neuralgien insbesondere“ (ebd. 1839, 8°.); – „Die Nervenkraft im Sinne der Wissenschaft gegenüber dem Blutleben in der Natur. Rudiment einer naturgemässeren Physiologie, Pathologie und Therapie des Nervensystems“ (Braunschweig 1848, 8°.); – „Die epidemische Cholera, ein neuer Versuch über ihre Ursache, Natur, Behandlung ...“ 2 Abthlgn. (Leipzig 1848); – „Erschütterung als Diagnosticum und als Heilmittel; ein praktischer Beitrag zur physikalischen Seite der Pathologie und Therapie. Anhang: Die Erschütterung als Gegenbewegung oder Grundform des Lebens in der Natur. 1. Abtheilung“ (Braunschweig 1853, 8°.); – „Versuch einer neuen empirischen Begründung der Cholerawissenschaft“ (Prag 1854, 8°.); – „Die Schutzmittel gegen die Cholera, mit Rücksicht auf ein ursächliches Luftinfusorium und dessen nicht contagiöse Natur“ (ebd. 1854); – „Preisaufgabe für die entsprechendste Prüfung eines neuen Versuches zur empirischen Begründung der Cholerawissenschaft“ (ebd. 1855); H. setzte für die beste Beantwortung einen Preis von 100 Ducaten aus; – *„Der neue Mineralmoor in Marienbad als eine Bereicherung der medicinischen Vielseitigkeit dieses Curortes“ (Prag 1860, Calve, 8°.), daraus auch besonders abgedruckt: „Die Aufsaugung in mineralischen Bädern“ (ebd. im nämlichen Jahre, 8°.). Eine Flugschrift, betitelt: „Die nationalen vier Farben in Böhmen und die Mittel zu ihrer Verschmelzung“ (ebd. 1848, 8°.), hat H. geschrieben anläßlich der nationalen Reibungen in Böhmen im Jahre 1848, wobei zu bemerken, daß es vornehmlich seinen vermittelnden Bemühungen gelungen ist, Marienbad den anderen Curorten Böhmens gegenüber von jeder politischen Demonstration frei zu erhalten. Mit dieser reichen literarischen Thätigkeit Heidler’s Hand in Hand ging seine humanistische. Dieselbe gipfelt in der Begründung eines Communal-Krankenhauses in seiner Vaterstadt Falkenau durch Ankauf eines Wohngebäudes mit Garten; auch hat er aus eigenen Mitteln in Marienbad für dürftige Kranke fremder Gegenden eine Stiftung in’s Leben gerufen, außerdem aber andere wohlthätige Anstalten, Schulen, Invaliden- und Witwenfonde werkthätig gefördert. Diese reiche und verdienstvolle Thätigkeit des Arztes und Menschenfreundes ist nicht unbemerkt und unberücksichtigt geblieben; schon im Jahre 1829 wurde H. zum kais. Rath ernannt, im Jahre 1832 erhielt er den Titel eines herzogl. sachsen-meining’schen Medicinalrathes, 1837 jenen eines kön. sächsischen Hofrathes; auch verliehen ihm mehrere auswärtige Fürsten ihre Decorationen; 1835 der Kaiser Nikolaus den russischen St. Stanislaus-Orden; 1836 König Otto von Griechenland den Erlöser-Orden und im nämlichen Jahre der König von Preußen den rothen Adler-Orden 3. Classe. Mehrere gelehrte medicinische und naturwissenschaftliche Vereine, darunter von Wien, Berlin, Breslau, Leipzig, Dresden, Jena, Halle, Bonn, Paris, London, Brüssel, Stockholm, Krakau, Moskau u. m. A. ernannten ihn theils zum correspondirenden, theils zum Ehrenmitgliede. Schließlich wurde er nach seiner beendeten 40jährigen Dienstzeit von [212] Sr. Majestät dem Kaiser im Jahre 1858 in den erbländischen Adelstand mit dem Prädicate Edler von Heilborn erhoben.

Abendblatt der Wiener Zeitung 1857, Nr. 166 [daselbst heißt es: „Dr. Heidler ist nach dem medizinischen Columbus von Marienbad, nach Nehr, der zweite Vater dieses Bades. In jedem hier nur anwendbaren Lichte der Naturwissenschaften hat er Marienbad gründlich untersucht und Goethe’s hier angestellte geologische Forschungen danken Vieles seiner Unterstützung. – Kayser’s Bücher-Lexikon (Leipzig 1835 u. f., F. Schumann, gr. 4°.) Bd. III, S. 81; Bd. VII, S. 407; Bd. IX, S. 398; Bd. XI, S. 438. – Adelstands-Diplom vom 12. Februar 1858. – Denkmal. Ein solches wurde dem um die leidende Menschheit hochverdienten Arzte im Curorte Marienbad im Jahre 1857 von Seite seiner zahlreichen ärztlichen Clientschaft unter den Polen für die ärztliche Theilnahme und Sorgfalt, welche er ihrer Landsmannschaft während einer langen Reihe von Jahren bei ihren Brunnencuren in Marienbad gewidmet hat, aufgestellt. Das Denkmal hat die Formen eines Obelisken und ist aus weißem Sandstein. – Wappen. Ein in Silber über Blau quergetheilter Schild. Das obere Feld durchzieht ein schrägrechter rother Balken, welcher mit der goldenen Schale der Hygiea, um die eine rücklingsgekehrte trinkende grüne Schlange zweimal gewunden, belegt und von zwei blauen Sternen begleitet ist. Im untern Felde ragt eine runde goldene Kuppel mit einem über zwei Staffeln und einem Knopfe aufgesetzten Patriarchenkreuze (Erinnerung an den Marienbader Kreuzbrunnen) hervor, welche zwei goldene Sterne begleiten. Auf dem Schilde ruht ein gekrönter Turnierhelm. Die Helmkrone füllt ein grüner Hügel aus, auf welchem ein natürlicher, zurücksehender, zum Fluge sich anstellender Edelfalke steht.

Berichtigungen und Nachträge

  1. Heidler Edler von Heilborn, Karl Joseph [Bd. VIII, S. 209], gestorben zu Prag 13. Mai 1866.
    Literarisches Centralblatt für Deutschland, herausgegeben von Friedrich Zarncke (Leipzig, Avenarius, 4°.) 1866, Sp. 630. [Bd. 28, S. 349.]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Osonn’s.