BLKÖ:Herberstein, Johann Karl Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 8 (1862), ab Seite: 344. (Quelle)
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Herberstein, Johann Karl Graf (Fürstbischof von Laibach, geb. zu Gratz 7. Juli 1719, gest. zu Laibach 7. October 1787), Letzter Sproße des [345] dritten Astes der ältern, noch blühenden Hauptlinie; ein Sohn des Grafen Johann Ernst [s. d. III. Hervorragende Glieder des Grafengeschlechtes der Herbersteine, S. 335, Nr. 30], trat gleich seinen drei Schwestern M. Elisabeth, M. Josepha und M. Karolina, welche Nonnen des Dominikanerstiftes zu Mährenburg wurden, in den geistlichen Stand, wurde den 17. Juni 1743 als Domherr zu Trient installirt, 1769 Coadjutor und 1772 wirklicher gefürsteter Bischof zu Laibach und geheimer Rath. In dieser Würde ein eifriger Anhänger des Josephinischen Systems, förderte er die Reformen des großen Kaisers mit allen ihm zu Gebote stehenden Kräften. Gründlich wissenschaftlich gebildet, verwaltete er sein bischöfliches Hirtenamt in musterhafter Weise. Stets nach seiner Ueberzeugung handelnd, forschte er der Wahrheit mit allen Kräften nach und vertheidigte sie unerschrocken und öffentlich. So lange die Kaiserin Maria Theresia lebte, blieb er unbemerkt, aber nach ihrem Tode trat er mit aller Entschiedenheit auf, die Augen der Kirche und Laien auf sich ziehend. Zuerst unterstützte, beschützte und verbreitete er den Gebrauch jener theologischen Werke und Canonisten, welche eine den Absichten des kaiserlichen Reformators angemessene Lehre vortrugen, und überhaupt geeignet waren, die bisher in den Erbstaaten allgemeine religiöse Ansicht zu modificiren. In diesem Sinne rechtfertigte er auch die auf die Kirche und ihre Diener bezüglichen Erlässe des Kaisers, die sich rasch aufeinander folgten und Umwandlung der bisherigen, ja Herstellung der alten und wahren Kirchenzucht bezweckten. Die Regierung errichtete Seminarien, welche der Aufsicht der Bischöfe entzogen waren, und denen die Klöster ihre Novizen anvertrauen mußten; sie bestimmte Form und Materie der darin zu pflegenden Studien, sie beschränkte die Rechte der Bischöfe, cassirte oder änderte ihre Urtheile, vertrieb oder entließ Klostergeistliche aus ihren Mauern und gab sie aus eigener Machtvollkommenheit der Welt zurück. Bischof Johann Karl billigte und förderte diese kaiserlichen Erlässe und erntete für seine Bemühungen Verfolgungen, bitteren Tadel, Verläumdungen, Pasquille der offenen und heimlichen Gegner des großen Reformators und seiner Anordnungen in Sachen der Kirche. Der Kaiser jedoch kam ihm zu Hilfe und in einem Erlasse vom 27. November 1781 rühmte er den Eifer des Bischofs, ihn den übrigen Bischöfen der Monarchie als Muster vorstellend. So fuhr Johann Karl in seinem Eifer fort und es erschien sein berühmter Hirtenbrief vom Jahre 1782. Er verbreitet sich darin – und schickt voran, daß er nur nach den Ueberlieferungen der Kirche handle – über die Rechte der Fürsten, der Bischöfe und des Papstes, er beschränkt die Befugnisse des nicht ohne Ursache in der Reihenfolge zuletztgenannten heil. Stuhles, er preist die Reformen des Kaisers, billigt den Untergang der im Laufe der Zeiten zwecklos und unnütz gewordenen geistlichen Orden, und erklärt, daß es keine höhere Vollkommenheit gebe, an welche der Mensch zu glauben habe, als die Vorschriften des Evangeliums, deren Befolgung er einschärft. Dieser Hirtenbrief erregte ungeheures Aufsehen. Die Amtsbrüder des Bischofs – mit wenigen Ausnahmen – mißbilligten auf das Entschiedenste dieses Actenstück, die eifrigen Katholiken wehklagten über eine solche That im eigenen Lager und Papst Pius VI., als er auf seiner Reise [346] nach Wien, am 16. März 1782, bei[WS 1] dem Bischofe von Laibach übernachtete und sich mit ihm über die Angelegenheit der Kirche in Oesterreich berieth, sprach offen seine Mißbilligung über dieses Vorgehen aus. Aber Bischof Johann Karl, der in seinem Zeitgenossen Johann Leopold Hay [S. 103 d. Bds.], dem Bischofe von Königgrätz, einen gleich festen Gesinnungsgenossen fand. ließ sich nicht beirren und bestärkte sein Wort durch demselben entsprechende Handlungen. Schwärmer und Fanatiker hielt er von der Kanzel entfernt. Dem Kapuziner P. Avellin, der 1782 in seiner am dritten Sonntage nach Pfingsten in der Domkirche zu Laibach gehaltenen deutschen Predigt ungehörige Sachen vorgebracht, verbot er außer seinem Kloster zu predigen und trug ihm auf, sich fürderhin ähnlicher Anspielungen zu enthalten. Dem Exjesuiten Ambschel, der noch Anstößigeres auf der Kanzel vorbrachte, untersagte er in seiner ganzen Diöcese zu predigen. Der Kaiser nahm den energischen Förderer seiner Reformen auch in seinen Schutz, und sollte Laibach, als Belohnung des bischöflichen Eifers, zum Erzbisthume erhoben werden. Mehrere Schritte wurden aus diesem Anlasse in Rom gethan; aber vergeblich. Pius lehnte nicht ausdrücklich ab, wollte jedoch durch eine Gewährung der kaiserlichen Bitte solche Handlungen nicht bekräftigen. In diesem Sinne sprach er sich auch in dem vom 7. Jänner 1787 datirten, an den Kaiser gerichteten Breve aus. Joseph II. aber gab nicht nach; auf seinem Antrage beharrend, ließ er den Bischof seine Rechtfertigung in Rom einreichen. Aber während die Verhandlungen mit Lebhaftigkeit gepflogen und betrieben wurden, erkrankte Johann Karl, und endete bald darauf, 68 Jahre alt, am 7. October 1787 sein Leben. Die Hofzeitung zollte dem Dahingeschiedenen reiches Lob; seine edle Denkungsart, echte Frömmigkeit, wahrhafte Menschenliebe und tiefe Gelehrsamkeit waren eines solchen auch würdig. Unter ihm erschien im Jahre 1786 eine Uebersetzung des neuen Testamentes zum Gebrauche seiner Diöcese. Wie ein früherer Bischof seines Namens, Sigmund Christoph Graf Herberstein [s. d. III. Hervorragende Glieder des Grafengeschlechts der Herbersteine, S. 343, Nr. 66], der 13. Bischof von Laibach, ernannte auch Johann Karl die Schulen, die schon bei Lebzeiten Gegenstand seiner regsten Sorgfalt gewesen, und die Armenanstalten zu Erben seines ansehnlichen Vermögens. Johann Karl war der 20. Bischof von Laibach.

Oesterreichische Biedermanns-Chronik. Ein Gegenstück zum Fantasten- und Prediger-Almanach (Freiheitsburg [Akademie in Linz] 1785, 8°.) S. 95. – Kumar (J. A.), Geschichte der Burg und Familie Herberstein (Wien 1817, Gerold, 8°.) Bd. II, S. 48. – Nouvelle Biographie générale ... publiée par MM. Firmin Didot frères, sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris 1850 et seq., 8°.) Tome XXIV, Sp. 287. – Ersch und Gruber, Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste, II. Section, 6. Theil, S. 107. – Herberstein’s in Kupfer gestochenes Bildniß befindet sich im Wiener Almanach für Geistliche.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: bei bei.