BLKÖ:Herle, Joseph Ritter von

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Herka, Clement Kostka
Nächster>>>
Herle, Martin
Band: 8 (1862), ab Seite: 368. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: [1], SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Herle, Joseph Ritter von|8|368|}}

Herle, Joseph Ritter von (Artillerie-Oberst, Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Wien 1811). Trat 1829, 18 Jahre alt, als Unterkanonier in das damalige 2. Artillerie-Regiment, wurde im September 1831 als Cadet in’s Infanterie-Regiment Baron Bianchi Nr. 63 übersetzt, wo er bald Officier wurde. Im ungarischen Feldzuge des Jahres 1849 war H. bereits Oberlieutenant im Regimente. Als Bem am 21. Jänner 1849 über Klausenburg vor Hermannstadt eintraf, stand Herle als Commandant von zwei sechspfündigen Fußbatterien auf einer Anhöhe zwischen der Straße Neppendorf und Kleinscheuern. Den Angriff der Insurgenten vereitelte er mit seinem wohlgezielten Feuer, und mochte bereits zwei Stunden das Gefecht gedauert haben, als ihm Nachricht wurde, der Feind habe sich mit der Hauptmacht auf das Centrum der von Feldmarschall-Lieutenant Puchner befehligten Stellung geworfen und beginne die Unseren bereits zurückzudrängen; Herle, eine Batterie unter Commando eines Unterofficiers zurücklassend, eilte mit der [369] andern auf die vom Feinde bedrohte Stelle des Centrums, wo bereits die unter Commando des schwer verwundeten Hauptmanns Karl Niederau gestandenen Geschütze wegen Mangel an Munition und Bespannung aus dem Gefechte gezogen wurden. H. nahm sogleich seine Stellung und eröffnete ein wirksames Feuer gegen den übrigens stark überlegenen und vortheilhaft aufgestellten Feind. Mittlerweile brachte er auch noch eine zweite Batterie in Vertheidigungsstand, sammelte die zerstreute Mannschaft, fachte ihren Muth an und begann mit beiden en front in großen Distanzen aufgestellten Batterien einen lebhaften Geschützkampf. Der Feind, gut eingeschossen, erwiederte auf das Nachdrücklichste, und schon wollte die Mannschaft auf unserer Seite zwei Geschütze aus dem Gefechte ziehen, als ihnen Herle zurief: „daß wir sterben können, aber keiner einen Schritt zurück machen dürfe“. Zugleich gewahrend, daß die Kugelpatronen schon zu Ende gingen und es schwer werden dürfte, sich länger zu halten, rückte er mit einer halben Batterie unter feindlichem Geschützfeuer auf Kartätschendistanz vor und eröffnete nun ein gut gezieltes Kartätschenfeuer. Die Insurgenten begannen zu weichen, nahmen aber alsbald wieder Stellung. Herle folgte ihnen auf dem Fuße. Weil seine Munition zu Ende ging und die Reserve schon bis in die Stadt sich zurückgezogen hatte, feuerte er mit seinen letzten Kartätschenpatronen auf die Bespannung eines auf der Straße stehenden feindlichen Munitionskarrens. Ein Schuß traf, beide Stangenpferde fielen. Herle rückte wieder vor, der Feind wich und ließ eine Kanone mit zwei Munitionskarren mit voller Ladung zurück. Jubelnd fielen Herle’s Leute über die Karren her und nun wurde der Feind mit seiner eigenen Munition beschossen; bald gerieth auch ein dritter Karren mit voller Ladung von Haubitzenmunition in Herle’s Besitz. Als dieser merkte, der Feind wolle nun unsern linken Flügel umgehen, stellte er zwei Geschütze gegen die Stelle auf, die bedroht war. Der Feind griff mit seiner Cavallerie die zur Deckung der beiden Geschütze befehligte Infanterie-Abtheilung an. Herle’s wohlgezieltes Kartätschenfeuer trieb ihn aber bald zurück. Herle verfolgte ihn und erbeutete wieder eine Kanone und eine Haubitze. Als die Insurgenten hinter Großscheuern neuerdings zum Angriff sich sammelten, drang ihnen H. entgegen und seine Kanoniere schossen so vortrefflich, daß dem Gegner gleich nach der ersten Lage zwei Kanonen demontirt wurden, die er, rasch seinen Rückzug antretend, zurückließ. H. verfolgte den fliehenden Feind, nahm ihm noch mehrere Bagage- und Rüstwagen ab und erst auf der Anhöhe von Stolzenburg stellte er ob bereits einbrechender Nacht seine weitere Verfolgung ein. Mit dieser Waffenthat hatte sich H. das Ritterkreuz des Maria Theresien-Ordens erkämpft, welches ihm in der 157. Promotion (vom 26. März 1850) verliehen wurde. Im nämlichen Jahre wurde H. Hauptmann im 5. Feldartillerie-Regimente; im Jahre 1856 Oberstlieutenant; im Jahre 1859 Oberst und Commandant im Erzherzog Ludwig Feldartillerie-Regimente Nr. 2, welche Stelle er noch zur Zeit bekleidet. Außerdem hat der Kaiser den tapfern Krieger mit dem Orden der eisernen Krone 2. Classe und dem Ritterkreuze des Leopold-Ordens ausgezeichnet.

Hirtenfeld (J.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, [370] Staatsdruckerei, Lex. 8°.) S. 1627 und 1754. – Das österreichische Militär-Konversations-Lexikon, herausg. von J. Hirtenfeld (Wien 1850, 8°.) Bd. III, S. 160. – Oesterreichischer Soldatenfreund (Wien, 4°.) III. Jahrg. (1850), Nr. 155, S. 690: „Ehrenhalle. XXII.“ –