BLKÖ:Hild, Joseph

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 9 (1863), ab Seite: 12. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: 132486407, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Hild, Joseph|9|12|}}

Hild, Joseph (Architekt, geb. in Ungarn um 1810). Ueber seinen künstlerischen Bildungsgang ist nur bekannt, daß er sich in Rom gebildet; seine Werke aber, deren vorzüglichste weiter unten aufgezählt werden, weisen ihm eine hervorragende Stelle unter den Künstlern seines Faches an. Außer zahlreichen Zinshäusern in Pesth, welche „in den Linien leichter und flächer gehalten meist mit offenen Gängen innerhalb der freien Höfe der Stadt den eigentlichen Accent ihrer Typik“ verleihen, baute er nebst anderen öffentlichen Gebäuden das Rathhaus und das Comitatsgebäude; in den Jahren 1832 bis 1837 die schöne Kathedrale zu Erlau im griechisch-römischen Style und vollendete den Dom zu Gran, dessen erste Pläne der Wiener Architekt Paul Khünel entworfen, dessen Bau der 1839 ermordete Johann Pakh begonnen, ihn aber nur aus den Fundamenten gebracht, Joseph Hild aber vollendet hat. Der Dom steht auf einem 36 Klafter vom Wasserspiegel der Donau sich erhebenden Felsenplateau, mißt von diesem bis zum Kreuze 48 Klafter in die Höhe, so daß der ganze Bau 84 Klafter hoch in die Lüfte sich erhebt. Um die Hälfte kleiner als die St. Peterskirche in Rom, um ein Drittheil kleiner als die Paulskirche in London, übertrifft der Graner Dom an Größe die Karlskirche in Wien, den Invalidendom in Paris, die St. Marcuskirche in Venedig. Er ist im römischen Palaststyl ausgeführt, mit einer von 24 Säulen getragenen Riesenkuppel. Die Seitenfronten messen gleich der Höhe 48 Klafter, die der Donau zugekehrte Hinterfront mißt 22 Klafter. Die Gesammtkosten dieses Prachtbaues betrugen vom 23. April 1822 bis 31. December 1855 die Summe von 2.053.945 Gulden. Nun sollen an beide Seiten des Domes Palastflügel angebaut werden, nämlich die Residenz des Primas, welche in Ellipsenform durch noch zwei große Gebäude, Archiv und Bibliothek, mit den bereits fertigen tieferliegenden 12 Domherrnhäusern verbunden werden soll, während [13] die imposante Auffahrt mit den Bildsäulen aller 72 Primase der ungarischen Kirche geschmückt würde. Im Jahre 1852 hat Hild in Pesth den Bau der Kirche in der Leopoldstadt, gleichfalls Basilika, begonnen, der bereits seiner Vollendung nahe ist.

Ungarns Männer der Zeit, Biografien und Karakteristiken hervorragender Persönlichkeiten. Aus der Feder eines Unabhängigen (Kertbeny) (Prag 1862, A. G. Steinhauser, 8°) S. 116 im Artikel „Karl Marko und die ungarischen Maler überhaupt“. – Kunstblatt (Stuttgart, Cotta, 4°.) Jahrgang 1837, Nr. 60. – Allgemeine Zeitung 1837, Außerordentl. Beilage, S. 957. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1838, E. A. Fleischmann, 8°.) Bd. VI, S. 175. – Tschischka (Franz), Kunst und Alterthum im österreichischen Kaiserstaate (Wien 1836, Beck, 8°.) S. 365.