BLKÖ:Hildenbrand, Franz Xaver Edler von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 9 (1863), ab Seite: 13. (Quelle)
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Hildenbrand, Franz Xaver Edler von (Arzt und Botaniker, geb. zu Wierzbowiec in Volhynien 7. September 1789, gest. zu Ofen 6. April 1849[BN 1]), Sohn des berühmten Arztes Valentin Johann v. H. [s. d. Folg.]. Besuchte das Gymnasium und die zwei ersten philosophischen Jahrgänge in Lemberg, den dritten in Krakau. Nach seines Vaters Uebersetzung nach Wien hörte er daselbst die Medicin und erhielt 1812 von seinem eigenen Vater die medicinische Doctorwürde. Anfänglich beschäftigte er sich ausschließlich mit der Oculistik, später wurde er Assistent an der medicinischen, unter Leitung seines Vaters stehenden Klinik und bildete sich während 4 Jahren seines Dienstes für das Lehramt. In den bedrängnißreichen Kriegsjahren 1813 und 1814, in welchen die Militärspitaler in Wien überfüllt waren, entwickelte H. eine so ersprießliche Thätigkeit, daß er mit der goldenen Civil-Verdienstmedaille ausgezeichnet wurde. Im Jahre 1817 erhielt er die Lehrkanzel der medicinischen Klinik an der Universität in Pavia, für die er als Bewerber aufgetreten war. Noch im December d. J. wurde er provisorischer Director des Civilspitales, des Findelhauses und der Bezirks-Armenanstalt in Pavia, 1818 Repetitor für die Zöglinge des medicinischen Curses an den von Karl Borromäus und Papst Pius V. gestifteten Collegien; 1819 Vorstand des pathologischen Museums und 1821 wirklicher Spitalsdirector. Sein Lehramt an der Hochschule von Pavia, an welcher er auch von 1821 durch vierthalb Jahre die Physiologie supplirte, versah H. 14 Jahre hindurch in so ausgezeichneter Weise, daß ihm die vor ihm noch keinem Deutschen gewährte Auszeichnung zu Theil wurde, für das Schuljahr 1829/30 zum Rector magnificus gewählt zu werden. Im Jahre 1830 erhielt er die Lehrkanzel der medicinischen Klinik für Aerzte an der Wiener Universität. Als im Jahre 1831 in Wien die Cholera in verheerender Weise auftrat, war er es, der den Auftrag erhielt, die nöthigen Spitäler in Stand zu setzen, und darauf 16 Choleraspitäler errichtete, organisirte und deren Oberleitung führte. Auch wurde er, als im Herbste 1835 die Seuche in Mailand ausbrach, dahin entsendet und bewährte auch dort solchen Eifer und seltene Umsicht, daß er in Anerkennung seiner geleisteten Dienste mit dem Ritterkreuze des Ordens der eisernen Krone ausgezeichnet wurde. Hildenbrand [14] war als Fachschriftsteller und als Botaniker – letztere Wissenschaft pflegte er in seinen Mußestunden – mehrfach thätig. Seines Vaters Werk: „Institutiones practico-medicae“ setzte er vom 2. Bande fort und schloß es mit dem 4. (1825) ab; von den zwei ersten erschien 1833 eine neue verbesserte Auflage. Früher noch aber hatte er sein nosologisches System in 5 Tabellen (Pavia 1820) herausgegeben. Noch erschienen von ihm: „Annales scholae clinicae medic. Ticiensis, Partes 2“ (Papiea 1826–1831, Lex. 8°.); – „Animadversiones in constitutionem morborum stationariam ejusque cum siderum laboribus necessitudinem“ (Wien 1831, Heubner gr. 8°.). Was seine botanischen Arbeiten betrifft, so war er vornehmlich mit der Aufstellung einer vollständigen Flechten-Flora des österreichischen Kaiserstaates: „Lichenographia Austriaca“, beschäftigt, wozu er von Künstlerhand naturgetreue Abbildungen verfertigen ließ. Neilreich in seiner trefflichen „Geschichte der Botanik in Niederösterreich“ in den „Verhandlungen des zoolog. botan. Vereins“ 1855, S. 60, berichtet darüber, daß H. als „erste Anfänge dieses Werkes, 2 Hefte von Joseph Zehner gezeichneter Flechten und eine reiche Sammlung derselben, beides im Besitze des k. k. botanischen Cabinets“ hinterlassen habe. Lange körperliche Leiden und sein bereits im Alter von 60 Jahren erfolgter Tod, hatten die Vollendung dieses Werkes vereitelt. Außer den bereits erwähnten, ihm von Seiner Majestät dem Kaiser zu Theil gewordenen Auszeichnungen ist H. noch von vielen wissenschaftlichen Gesellschaften des In- und Auslandes, darunter von der kaiserlich Karolinisch-Leopoldinischen, von den kön. Akademien der Wissenschaften zu Turin, Padua und Paris, von der niederrheinischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde, von jener zu Dresden, vom Vereine schwedischer Aerzte zu Stockholm, von der kön. botanischen Gesellschaft zu Regensburg und noch mehreren anderen zum wirklichen, Ehren- oder correspondirenden Mitgliede erwählt worden. H. war als Gelehrter, als Professor, Arzt und Mensch allgemein geliebt und geachtet.

Neuer Nekrolog der Deutschen (Weimar, Fr. Bernh. Voigt. 8°.) XXVII. Jahrgang (1849). S. 1221, Nr. 781. – Verhandlungen des zoologisch-botanischen Vereins in Wien (Wien, Braumüller, 8°.) Bd. V (1855), Abhandlungen S. 60. – Oesterreichischer Zuschauer, herausgegeben von J. S. Ebersberg (Wien, 8°.) Jahrgang 1837, Bd. III, S. 1084, und dasselbe wiedergedruckt im Jahre 1838. Bd. III, S. 1084. Beide Mal in den „Rückblicken in die Vergangenheit“. – Oesterrreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. II, S. 582, und Bd. VI, Suppl. 482. – Porträt. Lithographie. Ohne Angabe des Zeichners und Lithogr. (Wien 1835, Beck, 4°.), auch in der „Porträt-Gallerie berühmter Aerzte“.

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Hildenbrand, Franz Xaver[WS 1] [s. d. Bd. IX, S. 13], ist nicht in Ofen, sondern in Wien am 6. April 1849 gestorben. Seine Collegen und die Mitglieder des Doctorencollegiums der Wiener medicinischen Facultät setzten ihm auf dem Währinger Friedhofe, wo H. begraben liegt, einen Denkstein. [Bd. 11, S. 431.]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Hildebrand, Franz Joseph.