BLKÖ:Hillardt, Franz Karl

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 9 (1863), ab Seite: 16. (Quelle)
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Hillardt, Franz Karl (Pädagog und Staatsbeamter in der Unterrichtssection des Staatsministeriums, geb. zu Wschenor in Böhmen 16. März 1804). Sein Vater, Gutsverwalter in Böhmen, war um 1760 aus Weimar nach Böhmen [17] eingewandert. Der Sohn besuchte die Schule in Prag u. z. von 1816–1821 das Gymnasium auf der Kleinseite, von 1821–1828 die philosophischen und juridischen Vorträge an der dortigen Hochschule. Neigung zum Lehrfache, verbunden mit dem Streben sich selbst fortzuhelfen, veranlaßten H. 1823 eine Erzieherstelle zu übernehmen, und bis 1853 blieb Lehren und Erziehen sein ausschließlicher Lebensberuf, welchem er vornehmlich in Familien des hohen böhmischen Adels, als der Nostitz, Kinsky, Rohan u. A., oblag. Er hatte sich zu diesem Behufe den vorgeschriebenen Lehramtsprüfungen unterzogen und am 27. April 1835 die philosophische Doctorwürde in Prag erworben. Von den Jahren 1832–1835 versah er zugleich am Prager Musik-Conservatorium eine öffentliche Lehrerstelle und trug den Zöglingen dieser Anstalt Geographie, Geschichte, Styl, Psychologie, Logik, Aesthetik und Technologie vor. Auch unternahm er in seiner Eigenschaft als Erzieher mit seinen Zöglingen größere Reisen, eine solche mit den fürstlichen Familien Rohan und Kinsky 1836 nach Frankreich und Belgien und 1842 nach Unteritalien, auf welch’ letzterer er Florenz, Rom und Neapel besuchte. Im Jahre 1853, als die Erziehung des Fürsten Ferdinand Kinsky beendet war, nahm H. seinen bleibenden Aufenthalt in Wien und wurde am 16. März 1854 im damaligen Unterrichtsministerium als Conceptsbeamter angestellt. Hillardt’s literarische Thätigkeit, die seinen Namen in weiten Kreisen bekannt machte, bewegt sich auf dem Gebiete der Erziehung. Seine Schriften sind: „Der Gewerbsmann oder technologischer Vorunterricht für Alle, welche den Werth und die Vorzüge der Gewerbskunde richtig schätzen … und durch die Wahl eines Gewerbes glückliche und brauchbare Menschen werden wollen“ (Prag 1839. Borrosch); diese im Auftrage der Stände Böhmens verfaßte Schrift erwarb 1850 der Verein zur Herausgabe von Volksschriften in Wien in’s Eigenthum: eine französische Uebersetzung erschien unter dem Titel: „Du choix d’une profession industrielle. Traduit de l’allemand et augmenté de notes explicatives par M. l’abbé J. A. Ramon.“ (Paris 1844, Pradel und Goujou); – „Der österreichische Staatsbürger, oder Was soll der österreichische Staatsbürger von der Einrichtung, von den Gesetzen und Anstalten seines Staates wissen? (Wien 1846, Beck); von dieser Schrift erschien nur das 1. Bändchen; die eingetretenen politischen Veränderungen vereitelten die beabsichtigte Fortsetzung; – „Stigmographie, oder das Schreiben und Zeichnen nach Puncten. Eine neue Methode zur schnellen und geistbildenden Erlernung des Schreibens mit Anwendung der-Selben auf das Zeichnen. Mit 10 Erläuterungstafeln“ (Prag 1839, Dirnböck), mit dieser originellen Schrift betrat H. in einem Zweige des Unterrichts, in der Schreibunterrichtsmethode, einen neuen Weg. Sein Zweck war, durch quadratisch gestellte Puncte dem Schreibunterrichte die größtmögliche Bestimmtheit und Regelmäßigkeit zu geben. Pädagogen und Schulfreunde wurden auf diese Methode aufmerksam. Bei dem ersten in Böhmen stationirten Feld-Artillerie-Regimente im Jahre 1844 in allen Compagnieschulen eingeführt, wurden mit ihr sehr günstige Resultate erzielt, die unbestimmten Schreibregeln und die ermüdende Beaufsichtigung des Schreibunterrichts fallen dabei weg und das Schreiben, früher oft dem Zöglinge eine Pein, wird ihm nach dieser Methode zum Vergnügen. Allmälich verschafften H.’s Bemühungen seiner Methode Eingang im Löwenburgischen [18] Convicte in Wien, im Taubstummen-Institute zu Prag und in mehreren böhmischen Stadtschulen. Anhaltendes Nachdenken über die Vervollkommnung seiner Methode hatte bald eine zweite durchaus verbesserte und vermehrte Auflage zu Folge, in welcher die Stigmographie in ihrer Anwendung auf den Elementarunterricht, im Lesen, Schreiben und Rechnen, in der Musik, in der Formlehre, in der Geometrie und im Zeichnen dargestellt wird; sie erschien mit 31 in Stein gestochenen Tafeln im Jahre 1846 (Wien, bei F. Müller). Auch wurde H. im Jahre 1845 von der Studien-Hofcommission ermächtigt, seine Methode den Lehramtskandidaten an den Normalschulen in Wien und Prag vorzutragen, was auch in Wien im Wintersemester 1846 mit günstigem Erfolge geschah. Die politischen Wirren des Jahres 1848, Hillardt’s Erkrankung, insbesondere aber jener Schlendrian, der unter keiner Bedingung eine Neuerung zuläßt, weil er dabei zunächst in Anspruch genommen wird, traten dem Hillardt’schen Systeme hindernd entgegen und nur für den geometrischen Anschauungsunterricht gelang es ihm denselben durchzusetzen. Ueber Aufforderung des Unterrichtsministeriums entwarf er nun in den Jahren 1852–1854 nach seiner Methode die „Geometrischen Wandtafeln für die ersten drei Gymnasialclassen“. Es sind deren 18 Tafeln mit drei Erläuterungsheften in deutscher Sprache, welche alsbald eine so freundliche Aufnahme fanden, daß bisher bereits mehrere Auflagen, dann eine ungarische Uebersetzung des erläuternden Textes von Ludwig Dier und eine croatische erschienen sind. Seine Majestät der Kaiser zeichneten den Verfasser mit der goldenen Medaille für Kunst und Wissenschaft aus. Als neuer Fortschritt der Stigmographie erschien noch Hillardt’s „Perspectivischer Zeichenapparat, welcher es einem jeden möglich macht, die Theorie der Perspective aus leicht anzustellenden Beobachtungen abzuleiten, alle Gesetze derselben durch Beispiele zu veranschaulichen, Auge und Hand im perspektivischen Auffassen und Darstellen zu üben und richtige Umrisse von beliebigen Natur- und Kunstgegenständen zu erhalten“ (Wien 1858, L. W. Seidel). Auf diesen Apparat erhielt H. 1858 das österreichische Erfindungspatent und nach einer sehr anerkennenden Beurtheilung desselben durch die kais. Akademie der bildenden Künste zu Wien, wurde dieser Zeichnenapparat als ein Hilfsmittel für den geometrischen Zeichnenunterricht allen Unterrealschulen der Monarchie empfohlen. Zur Londoner Industrie-Ausstellung, Mai 1862, hat auch H. die erwähnten von ihm erfundenen und mannigfacher Anwendung fähigen Hilfsmittel im Unterrichte eingesendet. H. ist Mitglied mehrerer humanistischer Vereine, unter anderen auch wirkendes Mitglied des Vereins zur Ermunterung des Gewerbsgeistes in Böhmen.

Wiener Zeitung vom 6. März 1846 [eingehende Beurtheilung von Dr. Rob. Zimmermann über Hillardt’s stigmographische Methode, deren Erfinder er ist]; – Dieselbe vom 28. April 1847.