BLKÖ:Hille, Augustin Bartholomäus

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 9 (1863), ab Seite: 18. (Quelle)
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Hille, Augustin Bartholomäus[BN 1] (Bischof von Leitmeritz, geb. zu Schönau in Böhmen 2. December 1786). Beendete seine unteren Studien in Prag, die Theologie in Leitmeritz und wurde am 23. April 1810 zum Priester geweiht. Nun trat er in die Seelsorge und zwar zunächst als Hilfspriester in Schluckenau, wo er bis 1820 thätig war. Im genannten Jahre wurde H. Präses des Seminars und Professor der Pastoraltheologie zu Leitmeritz, 1824 Consistorialrath, 1826 Ehrendomherr, 1831 Domcapitular [19] und 1832 Bischof von Leitmeritz, als welcher er am 7. October seinen feierlichen Einzug hielt. Im Jahre 1845 errichtete er auf seine Kosten ein Krankenhaus, worin 30 Kranke unentgeltliche Verpflegung erhalten und überdieß verwaiste Kinder gespeist und unterrichtet werden. Die Leitung des Institutes besorgen barmherzige Schwestern. Ferner begründete H. zu Maria Schein ein Knabenseminar, dessen Leitung die Priester der Gesellschaft Jesu besorgen. Auf wissenschaftlichem Gebiete hat sich Bischof Hille durch ein Werk hervorgethan, welches von dem hehren Geiste der Toleranz durchweht, bisher in vier Auflagen Verbreitung gefunden hat. Es führt den Titel: „Soll die Scheidewand zwischen Protestanten und Katholiken noch länger fortbestehen?“ (1820). Bischof Hille ist zur Zeit päpstlicher Hausprälat, Doctor der Theologie, Commandeur des kais. österreichischen Leopold- und königl. sächsischen Civilverdienst-Ordens und Mitglied mehrerer humanistischer Vereine in Böhmen. Unter den Bischöfen der Prager Erzdiöcese (dazu gehören jene von Leitmeritz, Königgrätz und Budweis) war er der einzige, der die Feier für die von Sr. Majestät am 26. Februar 1861 verliehene Gesammtverfassung auch im Namen der Kirche durch ein festliches Hochamt beging. Bald nach dieser staatsklugen Handlung, durch welche die Würde der Kirche nicht im Geringsten beeinträchtigt und der Friede nicht eines Schäfleins der bischöflichen Gemeinde gefährdet wurde, erhielt Bischof Hille (Mitte März 1862) von Sr. Majestät taxfrei die geheime Rathswürde. Anläßlich dieser Auszeichnung wurde dem würdigen Kirchenfürsten auch von verschiedenen Corporationen der Stadt Leitmeritz eine großartige Ovation dargebracht. Ueberdieß war es dem Bischof Hille bereits beschieden, am 23. und 24. April 1860 sein 50jähriges Priesterjubiläum zu feiern, welches sich durch die Theilnahme der ganzen Diöcese zu einem wahren Volksfeste gestaltet hatte. H. ist der eilfte Bischof von Leitmeritz, deren erster ein Freiherr von Schleinitz am 25. Mai 1656 den bischöflichen Sitz einnahm.

Kleines biographisches Lexikon, enthaltend Lebensskizzen hervorragender um die Kirche verdienter Männer (Znaim 1862, Lenck, 8°.) S. 48 und 173. [Obwohl diese seichte, halt- und geistlose Combilation keine Beachtung verdient, so führen wir sie doch als eine neu zugewachsene, wenngleich wenig brauchbare Quelle an]. – Presse 1862, Nr. 86: „Correspondenz aus Leitmeritz“.

Berichtigungen und Nachträge

  1. Hille, Augustin Bartholomäus [s. d. Bd. IX, S. 18], gestorben zu Leitmeritz 27. April 1865. Als den Völkern Oesterreichs von Sr. Majestät die Verfassung war verliehen worden und an diesem wichtigen Ereigniß auch die Kirche Antheil nahm, es in ihrer Art festlich begehend, feierte Bischof Hille das Erscheinen des Februarpatentes durch ein festliches Hochamt, welches mehrere nationale Bischöfe in Böhmen aus diesem Anlasse abzuhalten unterließen. Den ihm verfassungsmäßig gebührenden Sitz im Landtage des Königreiches Böhmen hatte H. nur in der Session 1861 eingenommen, den folgenden Sessionen beizuwohnen wurde er durch Kränklichkeit verhindert, die im Gefolge des hohen Alters sich einstellte. 55 Jahre währte sein priesterliches Wirken. Im Greisenalter von 79 Jahren entriß ihn der Tod dem Staate, der Kirche, seiner Gemeinde, denen er mit Treue, Ergebenheit und priesterlichem Eifer gedient.
    Wiener Zeitung 1865, Nr. 99. – Fremden-Blatt 1865, Nr. 117. [Bd. 14, S. 477.]