BLKÖ:Jámbor, Paul

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Jallosics, Andreas
Band: 10 (1863), ab Seite: 60. (Quelle)
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Jámbor, Paul (ungarischer Poet, Landtagsabgeordneter und Pfarrer, geb. zu Paks 1822). Nach beendeten theologischen Studien wurde J. Caplan zu O’Becse, später Pfarrer zu Jankovácz. Im J. 1848 trat er, als Bischof Horváth [Bd. IX, S. 320][WS 1] Minister des Cultus und Unterrichts geworden, in dessen Ministerium. Nach der Bewältigung der ungarischen Revolution floh er nach Paris, kehrte aber, der Amnestie theilhaftig, in sein Vaterland zurück und wurde 1860 im Wahlbezirke Kula des Bacser Comitates in den ungarischen Landtag für 1861 gewählt. Was Jámbor’s Thätigkeit als Landtagsabgeordneter betrifft, so gipfelt dieselbe wie bei allen hervorragenden Mitgliedern dieses denkwürdigen Landtags in der Rede, ob die nach Einberufung des Landtags übliche, an den König zu richtende Ansprache in Form einer Adresse, eines Beschlusses oder eines Manifestes zu geschehen habe. Es war nach dem Jahre 1848 der erste ungarische Landtag und hatte in der Zwischenzeit die Thronentsagung Sr. Majestät des Kaisers Ferdinand und der Regierungsantritt Sr. Majestät des Kaisers Franz Joseph stattgehabt. Es handelte sich demnach bei Berathung über die Form und den Inhalt der ersten feierlichen Ansprache an den König um die Erörterung und Beantwortung dreier Fragen: Was sollte der Landtag sagen? Wem sollte er, was er zu sagen hatte, sagen? und: In welcher Form sollte er das Ergebniß seiner Berathungen vorbringen? Es hatten sich drei Ansichten geltend gemacht. Die gesetzliche war die einer Adresse, für welche Deák in seiner berühmten Rede vom 13. Mai sprach; die Gegner wollten an die Stelle der Adresse einen Beschluß gesetzt wissen, [61] ein gegenüber der Krone unstatthafter Vorgang. Die Ansicht über Erlassung eines Manifestes, welche Art zu sprechen nur dann zulässig ist, wenn Macht und Mittel vorhanden sind, dem Inhalte des Manifestes Geltung zu verschaffen und welche ferner selten aus friedlichen Berathungen als Ergebniß friedlichen Ausgleiches hervorgeht, wurde einfach abgelehnt. Es bildeten sich sonach zwei Hauptparteien, die Beschlußpartei und die Adreßpartei, welch’ letztere den Sieg behielt, da in der Sitzung vom 5. Juni, nachdem vom 13. Mai bis zum 4. Juni 38 Redner für die Adresse und 46 Redner für den Beschluß gesprochen hatten, von 307 anwesenden Abgeordneten 155 für die Adresse und 152 für den Beschluß gestimmt hatten. Jámbor zählte zur Beschlußpartei und hielt in der Sitzung vom 3. Juni, nachdem eine Reihe von Rednern vor ihm, u. z. Ignjatovics, Johann Papp, Johann Missits, nacheinander für den Beschluß gesprochen, eine von französischen Phrasen durchflochtene Rede, welche nichts als eine schonungslose Anklage gegen das frühere System ist, die jedoch, keine Thatsachen vorbringend, über hohle Phraseologie nicht heraus kann [s. d. Quellen]. Was Jámbor’s Thätigkeit als Dichter betrifft, so scheint sie eben auch nicht dankenswerth zu sein. Er war zuerst unter dem Pseudonym Hiador aufgetreten und von Lazar Horváth-Petrichevich [Bd. IX, S. 328] in dessen Journal „Honderü“, d. i. Die Morgenröthe, 1845, eingeführt, zugleich aber als der neue „Messias ungarischer Poesie“ glorificirt worden. Die „Emléklapokat egy főrangu hölgyhez“, d. i. Erinnerungsblätter an eine hochgestellte Dame, waren J.’s erstes Werk, und sind davon zwei Auflagen erschienen. Unter Einem gab er eine Uebersetzung von Tiedge’s „Urania“ (in zweiter Auflage 1853) heraus. Nun folgten: „Hattyudalok“, d. i. Schwanenlieder (Pesth 1847); – „Hangok az emberiségnez“, d. i. Klänge an die Menschheit (Pesth 1848); – „Az őrült tárczája“, d. i. Tagebuch eines Verrückten (ebd. 1848); – „Kossuth“ (ebd. 1849) – und unter seinem wahren Namen „Balakák“, d. i. Balladen (ebd. 1848). Kertbény schreibt über Jámbor: „Als Petöfi’s Genie so jäh wie blendend auftauchte, stellte plötzlich die Kotterie der Salonlinge einen „großen Unbekannten“ diesem „gemeinen Bankelsänger“ entgegen. Es war Hiador. In seinen gespreizten bauschigen Versen gebe sich ein forcirtes impotentes Talent zu erkennen, ein wahrer Platenide im Heine’schen Sinne.

Ungarns Männer der Zeit. Biografien und Karakteristiken hervorragendster Persönlichkeiten (Prag 1862, Steinhauser, 8°.) S. 318. – Kertbény (C. M.), Album hundert ungrischer Dichter (Dresden und Pesth 1854, Schäfer und Geibel, 12°.) S. 222, 501. – Magyar irók. Életrajz-gyüjtemény. Gyüjté Ferenczy Jakab és Danielik József, d. i. Ungarische Schriftsteller. Sammlung von Lebensbeschreibungen. Von Jacob Ferenczy und Joseph Danielik (Pesth 1856, G. Emich, 8°.) S. 226. – Der ungarische Reichstag 1861 (Pesth 1861, Osterlamm, 8°.) Bd. II, S. 265. [Daselbst heißt es in seiner Rede für den Beschluß zu Ende: „Ich stimme aus 99 Gründen nicht für die Adresse. Meine Herren, vergessen wir nicht, daß hinter uns eine Nation steht, eine Nation, die leiden, opfern, dulden kann, die aber, sagen wir es offen, sich dort nicht gerne beugt, wo der andere Theil mit aufgesetztem Hute steht, seinen Fuß auf das Corpus juris, auf unsere Bibel setzt; wo doch vom ungarischen Könige geschrieben steht: primus inter pares. Vergessen wir auch nicht, daß hinter uns Europa steht (?), jenes Europa, das mit Kränzen unsere Leiden deckte, und mich will bedünken, daß durch die Adresse das schönste Blatt von diesem Kranze fällt. Man sagt, daß der Beschluß nicht zur Kenntniß der Regierung käme. Wenn wir [62] z. B. 200.000 Soldaten und 600 Millionen Anleihe für die Regierung beschließen, ob sie’s dann erfahren würde? Noch ein Wort. Vor Kurzem haben uns die Wiener Journalisten für unsere Treue mit Shylok verglichen; diesen antworte ich, daß, wenn wir dem Shylok gleichen, sie dem Saturnus ähnlich sind, der, um sein Leben zu erhalten, seine eigenen Kinder verzehrt. Unser Mitrepräsentant Emerich Csengery beschloß seine Rede mit einem bekannten französischen Citate; es möge mir erlaubt sein, dieses Citat, welches er für die Adresse gebrauchte, auf den Beschluß anzuwenden, wohin es wirklich besser paßt: „Die Garde stirbt, aber ergibt sich nicht“. Ich stimme für den Beschluß.“]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: [Bd. IX, S. 329].