BLKÖ:Kasperowski, Adam

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Kassai, Joseph
Band: 11 (1864), ab Seite: 24. (Quelle)
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Kasperowski, Adam (Techniker und Landwirth, geb. zu Lemberg um 1780, gest. in Galizien um 1843). Ein um die landwirthschaftliche Industrie und Oekonomie Galiziens hochverdienter Pole, der, obgleich er mit zahllosen Hindernissen zu kämpfen hatte, doch das anzustrebende Ziel fest im Auge behaltend, muthig seinen Weg fortschritt und auf die Verbesserung der technischen und landwirthschaftlichen Verhältnisse Galiziens nachhaltigen Einfluß übte. Er stammte aus dem Königreiche und hatte vordem in der Napoleonischen Armee gedient, in welcher er es zum Capitän gebracht. Um die 30ger Jahre kam er nach Galizien, wo eben die Reformen in der bisherigen Branntweinbrennmethode ihren Anfang nahmen. Man hatte nun wohl eine entsprechendere Methode dieses ökonomischen Betriebes durchgeführt, aber Niemand war eingefallen, durch dieselbe eben auch die Landwirthschaft selbst zu heben. Zudem wurden auch bei der Anlage neuer Brennereien große und schwere Irrthümer begangen, veranlaßt durch den völligen Mangel mechanischer Kenntnisse. Aus Preußen überflutheten versiegelte Unterweisungen über die wohlfeilste und beste Methode, Brennereien anzulegen, das Land. Da Niemand die Sache besser verstand, glaubte man diesen Chartatanerien und verausgabte Geld nach diesen Anweisungen, das sich später als rein hinausgeworfen erwies. Da trat [25] Kasperowski auf, öffnete den Blinden die Augen, trat den Miß- und Uebelständen, deren Bedeutung freilich nur der praktische und erfahrene Landwirth ganz zu würdigen vermag, entgegen und nahm den schweren Kampf auf, entschlossen, mit mechanischen Kenntnissen ausgestattet, und von dem Streben, dem Lande nützlich zu werden, beseelt, ihn siegreich durchzuführen. Er hatte zuerst einen Brennerei-Apparat nach eigenem System erbaut, der auch nach ihm genannt wurde. Dann enthüllte er das gewissenlose, auf die Unwissenheit in Galizien gestützte Gebaren der preußischen Charlatane, die mit ihren Büchern das Brennen oder vielmehr das Vergeuden des Geldes für unbrauchbares Zeug lehrten, und war bemüht, seine Methode niederzuschreiben und eine deutsche Ausgabe desselben zu veranstalten. Bei diesen, namentlich den praktischen Unternehmungen nach dieser Richtung stieß er aber in der Ausführung auf neue Hindernisse, vor Allem auf den völligen Mangel naturwissenschaftlicher und technischer Kenntnisse. In Galizien gab es zu jener Zeit noch keine technischen Schulen und wie es damals mit der Naturwissenschaft in Oesterreich stand, dafür zeugt die Thatsache, daß Leute dieses Faches für Gelehrte angesehen wurden, welche heute von einem mittelmäßigen Studiosus desselben im Wissen weit überboten werden. Die fortschreitende Erkenntniß bewegte sich mehr auf dem idealen als praktischen Gebiete, und mit Leuten, welche für Schiller schwärmten, war von technischen Arbeiten und landwirthschaftlichem Betriebe doch nicht zu reden. Noch aber gab es Männer, welche den praktischen Geist K.’s wohl erkannten, und einer von ihnen, der Edelmann Cikowski, berief den unerschrockenen Vorfechter für gemeinnützige Interessen auf seinen im Tarnopoler Kreise gelegenen Edelhof Zurawnik. Dort eröffnete sich K. ein neues Gebiet zum Schaffen; er richtete nun eine Zuckersiederei nach einem kleinen Maßstabe ein und brachte mit Cikowski den Gedanken der Herausgabe eines landwirthschaftlichen Blattes zur Reife, welches dann auch in Lemberg im J. 1840 unter dem Titel: „Tygodnik rolniczo-przemysłowy“, d. i. Landwirthschaft-industrielles Wochenblatt, und unter Redaction Kasperowski’s erschien. Nach K.’s Tode ging es in die Leitung der Herren Kochanski und J. K. Turowski über. In diesem Blatte begann nun K. so zu sagen den Unterricht naturwissenschaftlicher Kenntnisse ab ovo; eine Aufgabe, deren Schwierigkeit Jener ermessen wird, der überhaupt weiß, was es mit der Handhabung einer technischen Terminologie, die der Gebildete kaum, der Ungebildete aber gar nicht kennt, für ein Bewandtniß hat. Kasperowski schrieb, wenn es zu sagen gestattet ist, in einer seinen Lesern anfangs unverständlichen Sprache, welche er den Leuten, für die er schrieb, erst mundgerecht machen mußte, und das war keine geringe Aufgabe. Aber er hat sie unverdrossen aufgenommen, sichtbare Erfolge erzielt und viel Gutes gewirkt. Um die segensvolle Wirksamkeit dieses Mannes mit wenigen Worten aber treffend zu bezeichnen, so mögen hier die Worte seines Biographen eine Stelle finden, der in einer Erinnerung an den Verschollenen sagt, was er nicht war und was er war: er war nicht das hellleuchtende Sonnenlicht, das Alles erleuchtende Strahlen über die noch unentdeckten Schätze eines reich gesegneten aber wenig gekannten Landes ergießt, aber er war das trostreich flackernde Lämpchen, [26] welches das ringsum herrschende Dunkel freundlich erhellet und es ermöglicht, uns zurechtzufinden. K.’s im Drucke erschienene Schriften sind: „Sposób warzenia piwa parą bez szmelcowania z przyłączeniem do każdéj gorzelni parówéj“ (Lemberg 1833, Millikowski, mit 5 Tafeln, 8°.), erschien auch in deutscher Sprache unter dem Titel: „Die Dampfbierbrauerei, oder die Kunst mittelst Dampf Bier zu brauen ohne zu schmelzen u. s. w.“ (ebd. 1834, mit 1 Tabelle und 3 Steintaf., gr. 8°.); – „Ueber die hohle Mauer“ (Leipzig 1833); – „Katechizm przepisów sprirtusowych wypalanych“, d. i. Katechismus der Vorschriften der Abgabenleistung von gebrannten Getränken (Lemberg 1836, Millikowski, 8°.); – „Rozbiór aparatów gorzelnianych przytém nauka gorzelni parowych drewnianych. Drugie wydanie pommożone nowemi odkryciami“ (2. Aufl. Lemberg 1836, 8°.); von deren ersten Auflage auch eine deutsche Bearbeitung unter dem Titel: „Die Branntweinbrennerei mit Wasserdämpfen in Holzgefässen“. 2 Theile (Leipzig 1835, Herrmann, gr. 8°., mit 9 lith. Abbildungen und 1 Tabelle) erschienen ist. Der technisch-mechanische Umschwung unserer Zeit hat begreiflicher Weise zum großen Theile Kasperowski’s urthümliche Einrichtungen verdrängt, und haben daher auch seine Schriften keinen praktischen, nur mehr historischen Werth; aber er war es, der in dieser Richtung den Geist im Lande geweckt und der, wenn ein national-ökonomischer Umschwung in Galizien wird fühlbar geworden sein, zu den ersten Hebeln desselben wird gezählt werden müssen.

Tygodnik rolniczo-przemysłowy wydawanej przez c. k. towarzystwa gospodarczo-rolnicze krakowsie, d. i. Landwirthschaftlich-industrielles Wochenblatt, herausgegeben von der k. k. Krakauer Landwirthschafts-Gesellschaft (Krakau, 4°.) 1856, Nr. 52, S. 413: „Pamięci Kasperowskiego“, d. i. Dem Andenken Kasperowski’s.