BLKÖ:Turowski, Kasimir Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 48 (1883), ab Seite: 148. (Quelle)
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Turowski, Kasimir Joseph (polnischer Schriftsteller, geb. zu Przemysl in Galizien 1813). In seinem Geburtsorte besuchte er die Schulen, dann widmete er sich auf seinem elterlichen Besitz der Landwirthschaft und schrieb nebenbei Poetisches und Landwirthschaftliches, wie es ihm der Augenblick eingab und er damit zu nützen oder seinem schriftstellerischen Drange Lust zu machen glaubte. So gab er nach und nach heraus: „Pierwiastkowe [149] płody“, d. i. Erstlingsfrüchte (Przemysl 1829); – „Kilka pieśni strojem Davida“, d. i. Einige Gesänge in der Weise Davids (ebd. 1831); – „Pisemka“, d. i. Kleine Schriften (Lemberg 1835, 12°.); – „O urządzeniu i zarządzie dobr“, d. i. Von der Einrichtung und Verwaltung der Güter (Lemberg 1844); – „Uwagi nad niektóremi pismami poetów ludu“, d. i. Betrachtungen über einige Schriften der Volksdichter (ebd. 1846); – „Dodatek do zbioru pieśni ludu“, d. i. Anhang zur Sammlung der Volkslieder (ebd. 1846); – „Krótka nauka dla ekonomów“, d. i. Kurzer Unterricht für Landwirthe (ebd. 1847), Sonderabdruck aus dem landwirthschaftlichen Wochenblatt (Tygodnik roln. przemysł.); – „O wzajemnem ubezpieczeniu się od szkód“, d. i. Von der wechselseitigen Schadenversicherung (Sanok 1855). Von 1860–1862 war er verantwortlicher Redacteur der Wochenschrift „Niewasta“, d. i. Die junge Frau, welche zu Krakau erschien und mit Beiträgen der namhaftesten Schriftsteller Polens, wie Estreicher, Servatiński, Siemieński u. A. unterstützt wurde. Nach Eingang dieses Blattes gründete er im Juni 1863 ein neues unter dem Titel „Kronika“, d. i. Die Chronik, welches aber auch nach einiger Zeit seines Bestandes zu erscheinen aufhörte. Indeß alle die vorbenannten Bücher und Zeitschriften, die er herausgegeben, haben seinen Namen lange nicht in der polnischen Literatur so volksthümlich gemacht, als ein Unternehmen, welches, einen ungemein glücklichen Gedanken in sich bergend, nämlich die Popularisirung der nationalen Literatur, sich alsbald einer allgemeinen Theilnahme erfreute. Es war derselbe, nur in dem engeren Kreise seines Volkes durchgeführte Gedanke, den später Reclam der Jüngere in Leipzig mit der Verbreitung der Weltliteratur in Deutschland in seiner „Universal-Bibliothek“ so glücklich verwirklichte. Wir meinen nämlich das Sammelwerk, das unter dem Titel: „Biblioteka polska wydania Kazimierza Józefa Turowskiego“, d. i. Polnische Bibliothek, herausgegeben von Kasimir Joseph Turowski, zu erscheinen begann. Diese Bibliothek enthielt Werke der älteren polnischen Literatur, welche schon ungemein selten und etwa nur in Bibliotheken noch zu finden waren, in neuen sehr wohlfeilen Ausgaben und zu so niedrigen Preisen, daß sie auch der minder Bemittelte, wenn er Lust und Liebe zur Lecture und namentlich für vaterländische Literatur besaß, sich leicht anschaffen konnte. Diesen Gedanken, den Turowski nun zur Ausführung brachte, hatten vor ihm schon Andere gefaßt und auch zu verwirklichen versucht, aber der Erfolg blieb aus, und das Unternehmen wurde, kaum begonnen, auch schon wieder aufgegeben. Turowski gerieth auf diese Idee, nachdem er – wir wissen nicht wie – um sein ganzes Vermögen gekommen. Das Unternehmen war für ihn eine Lebensfrage. Er ging daher so bald als thunlich ans Werk und begann 1855 zu Sanok mit der Herausgabe der „Biblioteka“, er gewann auch bald eine beträchtliche Zahl Abnehmer, welche sich durch übertriebene Versprechungen verlocken ließen. Als aber die Wahl der Druckwerke sich als eine wenig glückliche zeigte, und die Versprechungen überhaupt nicht eingehalten wurden, kehrte auch das getäuschte Publicum dem Herausgeber den Rücken, und das Unternehmen ging abwärts. Nun übersiedelte Turowski mit seiner „Biblioteka“ nach Przemysl, aber auch hier hielt er [150] sich mit derselben nicht lange. In Sanok waren doch 104 Hefte erschienen, in Przemysl aber brachte er es gar nur auf 16, und so faßte er vorerst den Gedanken, die Fortsetzung des Werkes von Wien aus zu versuchen. Dieser Plan kam jedoch nicht zur Ausführung, und so begab sich Turowski nach Krakau, wo ihm denn auch die werkthätige Unterstützung der Presse die Fortsetzung seines Unternehmens ermöglichte. Daselbst gewann er auch an Marcell Jawornicki und Gustav Czernicki zwei ebenso uneigennützige als verständige Theilnehmer für dasselbe, und nun begann 1858 die Herausgabe einer neuen Serie der „Biblioteka polska“, welche jedes Jahr sechzig fünf Bogen starke Hefte der wichtigsten und interessantesten nationalen Schriftsteller Polens brachte. Es sei nur beispielsweise von diesen Editionen der Wiederdruck von Paprocki’s „Herby Rycerstwa polskiego“, d. i. Die Wappen der polnischen Ritterschaft (Krakau 1858, kl. 4°., 964 Seiten Text, CLXII Seiten Register und Berichtigungen und 13 Seiten Paprocki’s Leben und Schriften) genannt, eines Werkes, welches für Polens Personen- und Adelsgeschichte, Heraldik und Genealogie von großem Werthe und in seiner Originalausgabe gar nicht mehr aufzutreiben ist. Unter diesen neuen Verhältnissen gewann das Unternehmen Leben, Beachtung und entwickelte sich zusehends. Turowski begnügte sich jedoch nicht mit dieser allmäligen, wenngleich stetigen Entwickelung des Verlages, er wollte rasch seiner Firma Glanz und Bedeutung verschaffen. Diese Ueberstürzung, verbunden mit dem Umstande, daß das Unternehmen 1860 in die Hände des Banquiers Kirchmaier, eines finanziellen Roué, überging, brachte dasselbe immer tiefer, immer mehr in Verfall, und im Jahre 1862 hörte die „Biblioteka polska“ mit dem sechzehnten Hefte auf zu erscheinen. Ueber die weiteren Geschicke des Unternehmens und des Unternehmers haben wir nichts in Erfahrung gebracht.

Encyklopedja powszechna, d. i. Allgemeine polnische Real-Encyklopädie (Warschau 1867, Orgelbrand, gr. 8°.) Bd. XXV, S. 755.