BLKÖ:Kastner, Rosa

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Kaszaniczki, Adam
Band: 11 (1864), ab Seite: 29. (Quelle)
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Kastner, Rosa (Claviervirtuosin, geb. zu Wien zu Anfang der dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts). Der Vater, k. k. Militärarzt, und die Mutter waren beide musikalisch, und besonders die Mutter, noch dermal am Leben, legte den tüchtigsten Grund zur musikalischen Ausbildung ihrer Tochter. Entscheidenden Einfluß auf die Künstlerlaufbahn des Mädchens hatte jedoch der [30] damals in Triest lebende Dr. Rudolph Hirsch [Bd. IX, S. 47]; auf seinen bestimmten Rath hin wurde Rosa weiter ausgebildet und zur Virtuosin herangezogen. Sie machte nach des Vaters Tode mit ihrer geistvollen Mutter verschiedene Kunstreisen, und frühe genug wurde ihre ungewöhnliche Begabung erkannt. Es widerfuhr ihr die in Oesterreich sehr seltene Auszeichnung, von Seiner Majestät dem Kaiser zur k. k. Kammervirtuosin ernannt zu werden. Sie concertirte hierauf so ziemlich in allen Hauptstädten Europa’s; in Paris lernte sie Herrn Escudier, den Redacteur der „France musicale“, kennen, der sieben Jahre um ihre Hand warb, bis endlich die kalte, stolze Schöne dem Werber die Hand reichte. Frau Kastner-Escudier lebt dermal an ihres Gatten Seite in Paris, was sie jedoch nicht hindert, zeitweilig künstlerische Excursionen zu machen. Diese Künstlerin zeichnet sich durch ein energisches, beinahe männliches Spiel aus, huldigt der classischen Richtung und besitzt eine unter den Clavierspielern des laufenden Jahrhunderts nicht genug zu rühmende Tugend: sie componirt gar nicht. Dadurch ist der Genuß an ihren Concertleistungen ein wahrhaft erquicklicher, durch nichts getrübter.