BLKÖ:Klähr, Franziska

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
fertig
<<<Vorheriger
Klackel, Stephan
Band: 12 (1864), ab Seite: 3. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: 1013619404, SeeAlso
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Klähr, Franziska|12|3|}}

Klähr, Franziska (Hof- und Cabinetsschlosserin, geb. zu Wien 7. August 1774, gest. ebenda 15. April 1850). Im Alter von 8 Jahren verlor sie ihren Vater v. Prokesch, der ungarischer Hofagent war. 16 Jahre alt, lernte sie [4] den Schlossermeister Klähr kennen und wurde im Jahre 1790 seine Frau. Bald wurde sie Witwe und im Alleinbesitze des Gewerbes entwickelte sie eine staunenswerthe Energie und leitete das schwierige Geschäft mit Tact, Einsicht und seltener Rührigkeit, immer noch Zeit findend, ihre Gefühle der Menschen- und Vaterlandsliebe in fast rührender Weise zu verwirklichen. Hormayr schreibt in seiner „Geschichte Wiens“, da er die Kriegsperiode 1805 und 1806 schildert, über diese merkwürdige Frau: „Aus den vielen Menschenfreunden, welche Wien besitzt, wollen wir einer einzigen erwähnen, der Schlossermeisterin Franziska Klähr, die vielen Gefangenen die Freiheit verschafft, mit all’ ihren Kindern, ihren Gesellen und mehreren eigens dazu gemietheten Wärtern, sich im Augustiner- und Michaelerspital, wo mehrere Aerzte, Geistliche und Wärter schon dahingerafft waren, ganz der Pflege der kranken oder verwundeten Oesterreicher und Russen weihte und über 200 derselben ihren Fahnen wiedergab. Der Monarch verlieh ihr die große goldene Medaille mit der Kette, die ihr vom Bürgermeister von Wohlleben im versammelten Rathe umgehangen wurde“. So Hormayr. Im Jahre 1807 gelang es ihrer Verwendung, zwei abgeurtheilten Soldaten vom Regimente Kerpen, 1811 einem Gemeinen vom Regimente Deutschmeister Pardon zu erwirken. Im Jahre 1809 pflegte sie eine große Anzahl Verwundeter durch sechs Monate, unterstützte andere Hilfsbedürftige mit Pflege, Nahrung, Wäsche und Geld, veranlaßte die Ranzionirung von 200 Mann und mußte, um dem Feinde auszuweichen, auf Befehl des Stadthauptmanns mit ihren Kindern flüchten. Die mannigfaltigen Auszeichnungen, die dieser verdienstvollen Bürgerin Wiens bei verschiedenen Anlässen zu Theil wurden, berichtet Gräffer in dem in den Quellen genannten Werke. Hier sei nur der wichtigeren gedacht. Im Jahre 1818 wurde Franziska Klähr wirkendes Mitglied des adeligen Damenvereins, früher schon 1814 zeichneten sie der König von Preußen mit einer Medaille, der Kaiser von Rußland mit einem Brillantringe aus. Im Jahre 1844 verlieh ihr aber der Wiener Magistrat die zehnfache goldene Salvatormedaille, es ist dieß die höchste bürgerliche Auszeichnung. Die kaiserliche Auszeichnung ist schon oben erwähnt worden.

Oesterreichischer Bürger-Kalender für das Jahr 1846 (Wien, 8°.) S. 64–77. – Gräffer (Franz), „Zur Stadt Wien“ (Wien 1849, Ant. Pichler’s Witwe, 8°.) S. 152: „Von der berühmten Schlossermeisterin“. – Zurückerinnerung der durch 54 Jahre erfüllten Bürgerpflichten der Francisca Klähr u. s. w. (Wien 1844, A. Strauß, 4°.). – Porträt. Unterschrift: Franziska Klähr (Lithographie, gedr. bei J. Rauch in Wien, 4°. u. 8°.).