BLKÖ:Klauczek, Katharina

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 12 (1864), ab Seite: 17. (Quelle)
Katharina Klaučzek bei Wikisource
in der Wikipedia
GND-Eintrag: 1050537343, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Klauczek, Katharina|12|17|}}

Klauczek, Katharina (deutsche Dichterin, geb. zu Prag 28. Juli 1833, gest. ebenda 9. Jänner 1858). Die Tochter wohlhabender Eltern. Den Vater, der Kaufmann war, verlor Katharina, als sie kaum vier Jahre zählte. Die Mutter leitete nun die Erziehung ihrer drei Kinder, Katharina, Emma und Mathias. Katharina entwickelte sich ziemlich spät, so z. B. begann sie erst im vierten Jahre zu sprechen und zeigte beim Unterrichte in der ersten Zeit nicht zu große Empfänglichkeit. Als sie aber, neun Jahre alt, eine Lehranstalt besuchte, war sie ebenso durch ihre Heiterkeit und Geselligkeit bei ihren Mitschülerinen beliebt, als durch ihren Fleiß und ihren Fortschritt der Liebling ihrer Lehrer. Mit besonderer Liebe ihrer jüngeren Schwester zugethan, wußte sie dieselbe durch selbst erfundene Märchen, welche sie mit großem Geschicke zu erzählen verstand, zu unterhalten, und so zeigte sich bereits im Kinde jener hervorragende Zug des Geistes, der sich in späteren Jahren in ihren Dichtungen beurkundete. Ihr reger Geist ergriff nun Alles mit großem Eifer, sie lernte Französisch, trieb Musik, zeichnete und schnell auffassend, machte sie ungewöhnliche Fortschritte. Zündend wirkte auf das empfängliche Gemüth der erste Besuch des Theaters, in welchem gerade der „Zauberschleier“ gegeben wurde. Heimgekommen, war des Kindes vorherrschender Gedanke das Theater, bald wurden alle Anstalten getroffen, um Comödie zu spielen und seit dieser Zeit bewahrte sie die vorherrschende Richtung für dramatische Arbeiten. Mit den zunehmenden Jahren erhielt sie einen tüchtigen Lehrer und neben der Literaturgeschichte und Metrik kamen Geographie und Geschichte an die Reihe. Als sie 18 Jahre alt war, machte sie eine größere Reise nach Deutschland; diese wurde bis Straßburg ausgedehnt und die Eindrücke, welche der Dom zu Cöln, das alte Schloß zu Heidelberg, der Römer in Frankfurt a. M. in ihrer Seele weckten, blieben so lange sie lebte in ihr lebendig. Im Jahre 1853 betrat sie mit dem ersten Gedichte die Oeffentlichkeit. In der belletristischen Zeitschrift „Der Salon“ von Hickel [Bd. IX, S. 4] war dasselbe abgedruckt. Es gefiel und bald folgten mehrere. Jedoch hatte sie früher schon in größeren Arbeiten sich versucht und bereits im Jahre 1851 ein kleines Lustspiel vollendet, welches aber nur im Familienkreise vorgelesen wurde. Zwei Jahre später – Katharina zählte damals 20 Jahre – schrieb sie das Drama „Hunyadi“, welches aber erst nach ihrem Tode zur Aufführung kam und gefiel. In ihrem Streben ihre Kenntnisse zu erweitern, trieb sie Psychologie, Sprachenstudien und neben der Kunst des Zeichnens und der Musik zog sie selbst die Architectur in den Bereich jener Gegenstände, welchen sie mit Eifer oblag. So componirte sie selbst recht artige Lieder, entwarf und zeichnete Grundrisse von Landhäusern, Gärten u. dgl., worin sie einen geläuterten Geschmack offenbarte. Im Jahre 1854 vollendete sie ein größeres episches Gedicht „Azhrata“, daneben schrieb sie kleine lyrische Poesien, welche, nachdem Hickel’s „Salon“ zu erscheinen aufgehört, in Weihrotter’s „Jahrbüchern des Erz- und Riesengebirges“ abgedruckt erschienen. Unter solchen Arbeiten und Studien verlebte sie ihre [18] Jugend. In einer Decembernacht des Jahres 1858 träumte ihr, sie stehe bräutlich geschmückt in der Kirche und erwarte den Bräutigam. Da öffnet sich das Thor, ein Todtengerippe schreitet auf sie zu und erfaßt ihre Hand. Sie wird mit ihm getraut. Sie erzählte am Morgen den entsetzlichen Traum, vergaß aber selbst bald auf ihn. Drei Wochen später erkrankte sie an der Grippe, welche jedoch bald einen ernsten Charakter annahm; in eilf Tagen war die 24jährige Jungfrau eine Beute des Todes. Man fand in ihrem Nachlasse eine Menge vollendeter und unvollendeter Arbeiten, unter letzteren einen Roman und ein Trauerspiel, welch letzteres den Tod der russischen Prätendentin Tarakanoff zum Gegenstande hat; unter ersteren zwei Lustspiele und drei Trauerspiele, welche zu nennen ihre sonst so gewissenhaften Biographen unterlassen. Ihre jüngere Schwester, an welcher die zu früh Verblichene mit besonderer Liebe hing, gab ihre lyrischen Poesien unter dem Titel: „Gedichte von Katharina Klauczek“ (Prag 1859, 8°., mit Portr.) heraus. Bemerkenswerth erscheint es, daß die Dichterin in ihren jüngeren Jahren fast ausschließlich čechisch sprach und es, nachdem sie schon der deutschen Sprache mächtig war, vorzog, sich in ihrer Muttersprache auszudrücken. Aber der deutsche Unterricht, die deutsche Bildung, welche sie erhielt, wirkten allmälig so mächtig, daß sie nur in der deutschen Sprache dichtete. Dadurch aber, daß in ihren Dichtungen der slavische Charakter, die slavische Denkungsweise überall durchschimmert, erhalten dieselben ein eigenthümliches Gepräge, welches durch die Vielseitigkeit ihrer Kenntnisse, denn sie war der französischen, englischen, italienischen, spanischen, ja der lateinischen Sprache mächtig, vollkommener und entschiedener wurde. Sie war in seltener Weise begabt und hätte als Dichterin, wenn sie länger gelebt haben würde, eine schöne Zukunft haben können.

In čechischen Werken erscheint sie statt mit einem a mit o, und zwar als Klouček. – Erinnerungen, herausg. von J. Ohéral (Prag, 4°.) 1860, Märzheft [daselbst ihre Biographie und Proben ihrer Poesien]. – Libussa. Taschenbuch, herausg. von Paul Alois Klar (Prag, Calve, Taschenbuchform.) XIX. Jahrg. (1860), S. 377: Biographische Skizze von Johann Virg. Grohmann. – Europa, herausg. von Gust. Kühne,1859, Nr. 29, Sp. 1045. – Wiener (amtliche) Zeitung 1859, Nr. 70. – Porträt. Unterschrift: Facsimile ihres Namenszuges Catharina Klauczek. Darunter:

Geb. zu Prag am 28. July 1833.
Gest. zu Prag am 9. Januar 1858.

C. F. Merckel sc. Leipzig (8°. u. 4°.), auch Beilage zu Klar’s „Libussa“.